YFU Switzerland

Zusammenfassung von Anfang Jahr bis Jetzt

Es ist nun Mitte April und nur knappe fünf  Wochen geht es noch bis ich fertig bin mit dem College. Die Zeit ist so schnell vorbei gegangen und die Reise nach Hause kommt nun näher und näher mit jedem Tag. Zum einen kann ich nicht warten heimzugehen aber andererseits möchte ich hier bleiben. Irgendwie baut man sich ein ganz neues Leben auf hier in der Ferne und dann fällt es auch irgendwie wieder schwer, das zurückzulassen.

 

Acht Monate ist es nun her, dass ich unserer geliebten Schweiz den Rücken zugekehrt habe. Ein neues Land und eine neue Welt hat mich mit offenen Armen empfangen und mein Leben für immer verändert. Die Ansicht und Meinung zu vielen Dingen änderte sich und man lernt so viel mehr als man gewöhnlich in der Schule lernt. Von Kultur über tägliche Sprache und Sitten einer ungewohnten Kultur. Ich habe alle Aspekte dieser Veränderung genossen. Es macht mir so viel Spass eine neue Kultur auf diese Art und Weise zu entdecken. Ich lernte im Amerikanischen Verkehr zu fahren. Ich lerne, dass man auch bei roter Ampel rechts abbiegen kann. Ich lerne mit dem Tempomat zu fahren, der hier weitaus wichtiger ist als bei uns in der Schweiz. Alles ist so anders. Man fährt und fährt und kreuzt kein Mensch und keine Seele. Alles ist Natur mit einer Strasse mitten durch. Viele Strassen sind kaum befahren und manchmal auch in etwas kritischen Zustand. Einzelne Häuser passiert man von Zeit zu Zeit, manchmal kleine Dörfer.

 

Nach meiner Ankunft hatten wir am College eine zweiwöchige Orientierung. Ich erinnere mich noch genau daran. Die Advisor und internationale Studenten, die schon länger da waren. haben uns geholfen sich an den neuen Alltag zu gewöhnen. Wir bekamen so viel Informationen über Lebensstyle, was zu tun und was man nicht tun soll und wie man den Collegealltag meistert. Sie haben uns den Collegealltag näher gebracht denn in allen anderen Ländern geht es etwas anders zu. Hier ist es ganz normal, mit den Professoren plaudern zu gehen. Man kann durchaus ganz einfach bei dessen Büro vorbeischauen und plaudern. Das ist irgendwie gewöhnungsbedürftig. Wir haben ja in der Schule normalerweise nur nach und vor Schulstunden mit den Lehrern kommuniziert. Wir haben auch unseren eigenen Stundenplan gestalten können. Man stellt sich hier eine grosse Varietät von Kursen zusammen. Diese sind eingeteilt in Kategorien. Geologie wäre Wissenschaften, Mathe und Englisch sind sowieso nötig und zu erledigen und die ganzen Fächer wie Soziologie und Psychologie wären dann „Humanities“. Ich habe dann Klassen wie Spanisch, Geologie, Englisch, Kunstgeschichte und Astronomie belegt.

 

Die Klassen sind hier auch etwas unterschiedlich. Man wandert über den Campus und wechselt das Zimmer für jede Klasse. Jeder Professor hat seine Zimmer mit den speziellen Ausrüstungen. Beamer werden hier weniger gebraucht. Kommt aber auch die Klasse an. In Geologie haben wir jede Stunde eine Power Point Präsentation mit vielen Bildern und Statistiken.

 

Durch diese zwei Semester bin ich nun ziemlich nahe gekommen mit meiner Geologieprofessorin. Sie ist eine etwa 50 Jahre alte Dame, die ihre Klassen spannend gestaltet und auch oft lacht. Dieses Semester habe ich eine Geologieklasse speziell über Naturkatastrophen. Zur Zeit schauen wir gerade Tornados und Hurrikans an. Es ist spannend die Unterschiede und Facts zu lernen, da diese Katastrophen in Europa praktisch unmöglich sind. Hier ist das jeweils durch den Frühling und Sommer ein grosses Thema und die meisten wissen, was zu tun ist im Notfall.

 

In Astronomie lerne ich nicht gerade viel. Bis jetzt hat er viel darüber gesprochen, wieso wir Jahreszeiten auf Erden haben uns über unseren Mond und das haben wir doch alle in der Bez gelernt. Deshalb ist es ziemlich langweilig. Aber es könnte ja schlimmer sein.

 

Englisch hatte ich letztes Semester. Ich habe den Test machen müssen und qualifizierte mich für Englisch 101, was hier die zweitletzte Englischklasse ist für die Muttersprachigen. Wir mussten dort viel schreiben und hier haben sie auch ein ganz spezielles Layout für die Essays, das man anwenden lernen muss. Der ganze Aufbau von einem Aufsatz musste man ganz genau beachten. Da gibt es viele Dinge. Das sagt euch wahrscheinlich nicht viel, aber man muss eine Thesis formulieren und die Absätze jeweils mit einem Topic Sentence beginnen. Das Layout eines fünf Paragraph Essay, den man in der Kanti lernt, ist hier höchst unwillkommen.

 

Spanisch ist eigentlich gleich wie Fremdsprachenklassen in der Schweiz. Da haben wir von neuem begonnen mit der Grammatik und dem Vokabular, deshalb war das für mich Kalter Kaffee letztes Semester. Ich musste mich nur daran gewöhnen, Spanisch auf Englisch zu lernen. Das Vokabular lerne ich nun Spanisch – Englisch und nicht Spanisch – Deutsch aber man gewöhnt sich schnell daran. Die Lehrerin dort ist auch ziemlich cool und weiss wovon sie spricht. Ihre Aussprache ist nicht die beste aber Amerikaner generell haben mühe Spanisch auszusprechen, wieso auch immer.

 

In den einmonatigen Winterferien führte es mich nach Florida. Mit dem Auto sind wir die ganzen 2,000 Meilen in den Süden gefahren. Von kalten und weissen Wisconsin und Illinois führten die Interstates (Autobahnen) durch das grüne Tennessee und Kentucky bis ins mehr trockene und warme Georgia und dann Florida. Die Zeit in Miami war eine Zeit zum Relaxen am Strand. Neujahr verbrachten wir an der Bayside in Miami, wo Livebands spielten und viele Restaurants ihre Türen geöffnet hatten. Wir sahen wundervolles Feuerwerk und genossen deliziöse Hamburger in echtem Ciabattabrot. Die Reise nahm uns dann weiter auf Abenteuer in Orlando. Der Universal Vergnügungspark hatte viele Überraschungen bereit. Die Fahrt zurück war etwas weniger interessant. Es ging wieder zurück in das superkalte Wisconsin. Die Wochen danach reichten die Temperaturen bis -20 Grad Celsius.

 

Dann ging es los ins zweite Semester. Neue Professoren, neue Lehrer, neue Klassenkameraden. Aber auch hier gewöhnt man sich schnell an alles. Am Campus sind wir insgesamt 35 internationale Studenten von den total 500. Eine beträchtliche Anzahl. Das macht das Leben hier so viel einfacher.

 

Automatisch als internationaler Student an der UW-Richland Universität ist man ein Mietglied im International Club. Jeden Monat haben wir einen Ausflug unternommen. Wir gingen Kanu fahren, nach Chicago, Skifahren, und im Mai folgt dann Campen. Chicago war natürlich super. Wir hatten Zeit für uns und konnten selbst auf Entdeckungstour gehen.  Das war wirklich toll. Kanufahren war im Oktober und deshalb schon etwas kalt, aber es ist sehr berühmt hier in Wisconsin. Viele haben ihre eigenen Kanus und die Träger dafür um sie aufs Auto zu laden. Skifahren war eher lahm. Das Skigebiet ist ein Hügel mit vielleicht drei kurzen Sesselliften und die Mietskis liefen nicht besonders gut.

 

Die Supermärkte hier sind ja überdimensional gross. Hier in Richland Center hat es einen Walmart. Die gleichen bei uns in der Schweiz den grossen Migros. Walmart verkauft so ziemlich alles was mach braucht. Food, Technische Geräte, Gartenabteilung, Haushalt, Papeterie, Küchen- und Badzimmersachen, Stoffe, und noch vieles mehr. Man geht sogar dorthin um sein Auto zu flicken. Autobatterien kann man kaufen und dann montieren sie die gerade danach. Ganz praktisch. Es gibt dann auch so Einkaufswägeli mit Sitz und Motor für die Leute die nicht wirklich gut gehen können (welche natürlich meist einfach fette Leute sind).

 

Amerika ist ein anderes Land als die Schweiz und deshalb auch kulturell verschieden. Viele mögen denken, es sei ähnlich zur Schweiz, aber das ist irgendwie nicht wirklich wahr. Auch die ganze Szene der Country Musik hier ist gross. Speziell die jungen hören die Country Musik. Das wäre bei uns in der Schweiz doch total uncool. Aber ich habe nun begonnen, diese Musik auch zu mögen. Es gehört hier irgendwie auch zum Alltag.

 

Sich ein neues Leben in einem fremden Land aufzubauen ist schwer. Vor allem sich mit den Amerikanern anzufreunden fällt schwer, da diese immer schon in Gruppen sind. Deshalb sind die meisten meiner Kollegen auch internationale Studenten. Die sind natürlich auch in der selben Situation. Die Amerikaner sind einfach meine Klassenkollegen und während den Stunden spreche ich mit ihnen aber Aktivitäten ausserhalb des Colleges gehen irgendwie nicht. Für das müsste man im Studentenwohnheim wohnen. Die Internationals, die dort leben, haben es dadurch einfacher. Aber ich habe dafür eine Familie und dessen Bekannte, die ich kennenlernte.

 

Aber durch das Jahr wird man auch so viel stärker eben weil man sich ein neues Leben praktisch ohne Hilfe aufbauen muss. Man kennt niemanden und muss sich anpassen können. Ist für mich ja kein grosses Problem. Am Anfang schien es, als dass meine Gastfamilie okay sei aber trotzdem musste ich durch den langen Prozess gehen im Dezember, die Familie zu wechseln. Ich war am Anfang glücklich, aber dann hat es irgendwie aufgehört zu funktionieren. Meine Gastmutter war sehr unflexibel und erlaubte mir kaum, mit Freunden weg zu gehen oder bei meinem Freund zu schlafen. Deshalb war ich froh, dass ich dann wechseln konnte. Das ging dann auch eher schnell und einfach. Die Situation mit meiner Ex-Gastfamilie ist nun gleich zero. Ich sage hallo, wenn ich sie sehe und das ist etwa alles. Sie waren halt auch sehr, sehr religiös und das gab auch ein paar Konflikte. Ich wäre bereit gewesen, etwas auszuarbeiten Aber als ich mit meiner Exgastmutter sprach am College zusammen mit der Advisorin, kam gar nichts von ihrer Seite und dann war klar, dass ich wechseln konnte. Meine jetzige Gastfamilie ist besser und auch flexibel. Ich habe mit ihnen Weihnachten und Ostern gefeiert und hatte viel Spass. Beide Familien meiner Gasteltern sind riesig. Viele Geschwister und deshalb auch viele Leute. Aber die waren alle sehr nett und aufgeschlossen. Meine Gastfamilie betreute über die letzten Jahre auch immer Studenten die in den Studentenwohnheim wohnten und wussten, was zu Tun ist.

 

Nun bin ich schon bei der dritten Seite. Es gäbe so viel zu erzählen und zu berichten. Aber ich denke ich lasse es nun mal gut sein.