YFU Switzerland

Chinesisch lernen

大家好!

 

Bevor ich mich vor etwas über einem Jahr dazu entschloss, für ein Austauschjahr nach China zu gehen und somit Chinesisch zu lernen, hatte ich nur wenige andere Leute getroffen, die Chinesisch lernen. Ich konnte damals nicht nachvollziehen, weshalb jemand eine solche Sprache lernt. Da ich eigentlich nicht der „Auswendiglern-Typ“ bin schien mir Chinesisch viel zu aufwendig zum Lernen, zudem sah ich keinen möglichen Nutzen. Inzwischen hat sich meine Einstellung gegenüber dem Chinesisch natürlich aber verändert.

 

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich meine erste Chinesischlektion. Auf Empfehlung einer ehemaligen Austauschschülerin, die auch in China war, und einer ehemaligen Klassenkollegin ging ich in die Chinesischschule von Ping Su, die sie alleine führt (Link zu ihrer Schule). Sie wurde in China geboren, spricht aber gut Englisch und Deutsch. In einer Dreiergruppe (mit zwei Erwachsenen) hatte ich fortan wöchentlich eine Stunde Unterricht. Sobald ich ins Unterrichtszimmer kam wähnte ich mich jeweils fast schon in China: An den Wänden hängt chinesische Kalligraphie und während dem Unterricht gab es immer etwas zum Knabbern und chinesischen Tee. Ping Su bereitete mich sehr gut auf China vor und auch heute kann ich ihr noch Fragen schicken. In die erste Chinesischlektion ging ich ohne Vorwissen. Ich hatte aber das Gefühl, dass ich gut vorwärts kam – kurz bevor ich auf China kam meinte ich, dass ich mich nun selbstständig einigermassen durchschlagen könne.

 

In China angekommen verstand ich fast nichts, mein Chinesisch wurde aber auch nicht gut verstanden. Vom positiven Effekt des „Sprachbades“, von dem ich in der Schweiz oft in Bezug aufs Französisch lernen hörte und an das ich selber auch glaubte, merkte ich nichts – vielleicht lag es an mir, vielleicht war es aber auch der Sprache wegen. Die zwei Wochen Chinesischunterricht, der von YFU organisiert wurde (ich schrieb damals einen Blogbeitrag dazu) frustrierte mich eher, als dass er mir und meinem Chinesisch half.

 

Dann begann die Schule, wo ich während der Schulzeit seither fast täglich mit einer Chinesischlehrerin Einzelunterricht habe. (Ich bin der einzige Austauschschüler an dieser Schule.) Am Anfang machte ich auf diesem Weg keine spürbaren Fortschritte, inzwischen aber laufen alltägliche Gespräche (wenn jemand explizit mit mir spricht) ziemlich problemlos ab. Ich muss hier aber erwähnen, dass es sehr unterschiedlich ist, wie gut ich jemanden verstehe: Je nach Akzent, Aussprache, Sprechgeschwindigkeit, Deutlichkeit und Wortwahl ist es einfacher oder schwieriger. Je nach Thema verstehe ich auch Gespräche unter Chinesen, im normalen Unterricht an der Schule (in einer Klasse nur mit Chinesen) komme ich aber weiterhin kaum nach.

 

Chinesisch lesen und schreiben lernen ist pure Fleissarbeit. Einige Austauschschüler können sich die Wörter nach wenigen Malen sehen bereits komplett merken, bei mir braucht es aber etwas länger. Um die Wörter, also die Schriftzeichen und die Lateinumschrift Pinyin, zu üben arbeite ich mit Kärtchen. So kann ich auch gut repetieren – dies muss ich immer wieder machen, damit ich die Wörter nicht vergesse. Lesen kann ich ungefähr gleich viel, wie ich auch beim Hören verstehen würde. Beim Schreiben auf Papier muss ich mich ziemlich konzentrieren, einerseits wie das Schriftzeichen „grundsätzlich“ aussieht, andererseits, welche „Details“ ich noch anfügen muss. Auf dem Handy habe ich eine chinesische Tastatur, die mit der Lateinumschrift Pinyin arbeitet. Auf diesem Weg ist das Schreiben ziemlich einfach.

 

Die beiden linken Stapel sind aus dickem Papier; ich habe sie grösstenteils noch in der Schweiz gemacht. Inzwischen habe ich total etwa 1500 Kärtchen.

 

Ein ehemaliger Franzlehrer sagte uns immer: „I hocke uf dem Voci!“ Von uns Schülern nahm das damals natürlich niemand ernst, jetzt in Bezug auf das Chinesisch merke ich aber, dass sich konsequentes Vocilernen irgendwann einmal ausbezahlt. 

 

Vor einer Woche begannen die Winterferien, diese dauern fünf Wochen. (Seit dem Semesterbeginn letzten Sommer hatten wir nicht einmal zwei Wochen Ferien.) In den kommenden vier Wochen findet ein von YFU organisiertes Camp in Nanjing statt, etwas später ist dann das chinesische Frühlingsfest, das wichtigste Fest in China.

 

再见!