YFU Switzerland

Meine erste Schulwoche (28. August – 1. September)

你们好

 

Diese Woche hat an meiner Schule der Unterricht wieder begonnen. Wie in der Schweiz herrscht auch hier in China im Bezug auf den Schulstart ein bisschen der „Kantönligeist“ – je nach Stadt und Schule unterscheidet er sich um Wochen und Tage.

 

Kurz noch eine Rückblende auf den letzten Sonntag (27. August): Am Mittag erhielt ich eine Meldung, dass die Übertragung zum „Unspunnen“-Schwingfest begonnen hat. Ich probierte den Stream aus, und er funktionierte. Ich war ziemlich überrascht, denn fast alle Videos (Liveübertragungen, Interviews, …) beim Sport sendet SRF nur innerhalb der Schweiz. Ausgerechnet Schwingen ist also in aller Welt verfügbar – ein Deal von SRF mit der SVP wegen der No-Billag-Initiative? Ich zeigte und erklärte das Schwingen meinem Gastbruder, doch dieser war nur beschränkt begeistert – Schwingen ist eigentlich auch nicht so mein Sport.

 

Zurück zum Schulalltag: Nach zehnminütiger Autofahrt sind wir jeweils bereits vor dem Öffnen der Schultore um 6:45 dort. Das Schulgelände ist von einem Zaun umgeben, man kommt nur durch ein Tor hinein und hinaus. Das Tor ist für die Schüler aber nur ganz am Morgen, am Mittag und am Abend offen. Es wird von Sicherheitskräften überwacht. Als Austauschschüler darf ich beim Lehrerbuffet „Zmorge fassen“ (ich nehme jeweils verschiedene Brötchen) – die anderen Schüler*innen kaufen oder nehmen etwas zum Essen mit – und dann esse ich es zusammen mit den rund 40 Schüler*innen meiner Klasse im Schulzimmer. Zu Hause in der Gastfamilie esse ich nichts, bevor wir zur Schule gehen. Um etwa 7:15 beginnt die erste Lektion, und bis um 12 Uhr, wenn die Mittagspause beginnt, finden total 5 Lektionen statt. Das Mittagessen wird wie das Morgenessen im Klassenzimmer gegessen. Beim Lehrerbuffet gibt es immer Reis, dazu Fleisch, Gemüse und Suppe. Am Nachmittag habe ich mit einer Chinesischlehrerin Einzelunterricht, das läuft ziemlich gut. Anschliessend muss ich noch bis zum Schulschluss 17:30 zurück in die Klasse. Für den Heimweg nehmen wir grundsätzlich den Bus, wenn mein Gastbruder aber viele Hausaufgaben hat, nehmen wir ein Taxi. Noch total ungefähr 12 Stunden sind wir wieder zurück zu Hause.

 

In den Lektionen vertehe ich eigentlich nichts (ich lerne meistens für mich Chinesisch), in einer Lektion fand ich nicht einmal das Fach heraus. Im Englisch komme ich meistens mit, es ist aber ziemlich auf Grammatik ausgerichtet. Im Math und Physik würde ich das Thema wahrscheinlich verstehen, doch die Sprache ist zu wenig universell, als dass ich nachkommen würde. Es gibt zwar einen Stundenplan, doch gelegentlich kommen unerwartet Lehrer, die Aufgaben zurückgeben oder etwas verkünden. Die Schule hat in China einen ganz anderen Stellenwert, als in der Schweiz: Alle sind konzentriert, machen während Pausen Aufgaben oder sprechen mit Lehrern, und es „motzt“ niemand. Da sie aber wirklich viel Hausaufgaben haben, sind sie oft müde.

 

Jeden Montag wird morgens auf dem Sportplatz die ganze Schule versammelt (4000 Schüler*innen) und zur Nationalhymne die chinesische Flagge aufgezogen. Am Nachmittag habe ich bisher zwei Mal die Übungen (ebenfalls auf dem Sportplatz zu Musik) miterlebt. Sonst gibt es gelegentlich die „Augenmassage“. 

 

Ich bin mir bewusst, dass ich hier alles „so ungefähr“ schreibe. Ich kann aber nach dieser ersten Woche, in der fast alles neu für mich war, nur wenig bestimmt sagen. Zudem fällt es mir bei meiner riesigen Auswahl an Eindrücken ziemlich schwer, die „richtigen“ herauszusuchen. Ich hoffe trotzdem, das ich hiermit einen ersten Eindruck vermitteln konnte.

 

再见