YFU Switzerland

Ausflug zum ehemaligen Dagu-Fort (24. März)

你们好 !

 

Letzten Samstag gingen ein anderer Austauschschüler und ich zu einem ehemaligen Fort nahe des Meeres. Dort steht heute ein Museum, das an Gefechte zwischen Europäern und Chinesen im Rahmen der Opiumkriege erinnert.

 

(Kurzer historischer Rückblick ins 19. Jahrhundert: Chinas Wirtschaftspolitik war sehr protektionistisch, Ausländer mussten, wenn es überhaupt möglich war, über chinesische Mittelsmänner agieren, die ihrerseits damit grosse Gewinne erzielten. England hatte damals gegenüber China eine negative Handelsbilanz und um diese auszugleichen, exportierte England aus ihrer Kolonie im heutigen Indien Opium nach China. Die Handelsbilanz ‚besserte‘ sich schnell und viele Chinesen wurden abhängig. Der chinesische Kaiser verbot darauf den Opiumimport, worauf England den ersten Opiumkrieg startete und später, unterstützt von Frankreich, noch den zweiten Opiumkrieg. Beim ehemaligen Dagu-Fort mündet der aus Tianjin kommende Hai-Fluss ins Meer. Tianjin war damals ‚Pekings Hafen‘ und damit strategisch wichtig. Bevor man auf Peking erobern konnte, musste man in Tianjin durch, deshalb gab es Gefechte in Tianjin. Die Chinesen verloren beide Kriege und wurden mit ungleichen Verträgen dazu gezwungen, einerseits den Opiumimport wieder zuzulassen und andererseits das Land für ausländische Investoren, Händler, usw. zu öffnen. Damit begann in China eine Zeit des westlichen Imperialismus.)

 

Nach einer etwa zweistündigen Metro- und Busfahrt kamen wir beim ehemaligen Fort an. (Wir wohnen in der Stadt Tianjin, diese ist rund 50 Kilometer vom Meer entfernt; das ehemalige Fort liegt aber immer noch in der Provinz Tianjin.) Direkt vor dem Museum, das immerhin mit einer nationalen Bedeutungsskala geratet ist, führt eine autobahnartige Strasse (je drei Spuren pro Richtung) durch, die direkt zum nahen Hafen geht und deshalb mit vollbeladenen Lastwagen stark befahren ist. Es hat aber ’natürlich‘ keine Brücke für Fussgänger und so rannten wir gemeinsam mit einigen Chinesen über die Strasse – ich realisierte erst im Nachhinein, wie gefährlich es war.

 

 

Vom Museum selber hatte ich mir mehr erhofft. Im Innern sind viele alte Gegenstände mit Bezug zu den Gefechten ausgestellt und draussen stiegen wir auf eine der zwei verbliebenen Ruinen. (Zudem stand random ein alter Kampfjet herum.) Da heute das Gebiet um das ehemalige Fort verbaut und der Fluss kanalisiert ist, und es draussen keine Beschilderung hatte, konnte ich mir das Areal und die Vorgänge, die sich damals abspielten, vorstellen. Dafür konnte ich das Wetter geniessen: Es war den ganzen Tag sonnig und warm.

 

 

Das Wetter blieb fast T-Shirt-mässig, die nächsten Tage bleibt es rund 25 Grad warm, wobei es sich an der Sonne auch nach mehr anfühlen kann.

 

再见 !

Frühlingsfest (15. Februar)

你们好 !

 

Am Donnerstag vor zwei Wochen (15. Februar) war das chinesische Frühlingsfest. Es ist das wichtigste chinesische Fest im Jahr. Da es jeweils am ersten Tag eines neuen Mondjahres ist, wird das Fest auch chinesisches Neujahr genannt (und nach dem „richtigen“ Neujahr am 1. Januar wünschte man sich deshalb gegenseitig erneut ein gutes neues Jahr). In der chinesischen Astrologie hat jedes Mondjahr eines von total zwölf Tiersternzeichen, und nun hat das Jahr des Hundes begonnen.

 

Die Gastfamilie ging mit mir bereits am Abend davor zu den Verwandten aufs Land. Die Mutter arbeitete und stiess deshalb erst zwei Tage später zu uns. Viele Chinesen gehen für diese Tage zu ihren Verwandten, die ausserhalb der Städte oder in anderen Provinzen leben. Folglich ist das Verkehrsaufkommen gross – wir waren selber zwar nicht betroffen, doch ich hörte es überall. Es gehen aber nicht alle Chinesen weg: Ich hörte von vielen Austauschschülern, dass sie mit ihren Gastfamilien in den Städten blieben und teilweise gar nicht speziell feierten.

 

Am 15. Februar selber wurde ich früh geweckt. Wir dekorierten die Häuser der Verwandten: An die Eingangstore zu den Innenhöfen und an die Türen klebten wir Plakate mit aufgedruckten chinesischen Göttern, ergänzt mit Spruchbändern. An die Fenster kamen kleine Wimpel. Die Grundfarbe dieser Dekorationen ist immer rot. Wir hingen diese Sachen ausschliesslich aussen auf – in den Räumen innen veränderten wir nichts. Alle anderen Häuser waren auch dekoriert, wobei sich der Schmuck immer stark ähnelte oder gleich war. Die „typischen“ Lampions sah ich aber eher selten.

 

Links das Haus der Verwandten auf dem Land; rechts die Wohnungstür meiner Gastfamilie in der Stadt.

 

Durch den ganzen Nachmittag wurden Jiaozi gemacht. Jiaozi sind vergleichbar mit Ravioli, sie haben aber eine etwas andere Form. Sie werden mit Knoblauchzehen und Essig gegessen und gehören traditionell zum chinesischen Neujahr dazu. Während viel Essen nur noch aufgewärmt oder online bestellt wird (die Kinder können die Mikrowelle bedienen, kochen können sie nicht), macht meine Gastfamilie die Jiaozi selber von Hand. (Ich sah bisher nur selten gekaufte Jiaozi.) Bereits um halb sechs assen wir dann Znacht (dauerte nicht einmal 15 Minuten) und anschliessend gingen wir nach draussen. Zu Fuss besuchten wir während etwa drei Stunden Verwandte, die nahe wohnen. Überall erhielt man verschiedene Kerne und Tee angeboten.

 

Auf diesem Bild fehlen noch eine Menge Knoblauchzehen und ein kleiner Kanister Essig.

 

Unterwegs nach dem Znacht.

 

Besonders an diesem, aber auch an den anderen Tagen ‚klepfte‘ es andauernd. Es wurde extrem viel Feuerwerk abgelassen, dies auch durch den Tag, wenn man absolut nichts davon sehen konnte. Meistens war es vor allem laut und nicht unbedingt schön. Oft, wenn jemand aus der Familie irgendetwas abliess, wurde das von niemandem auch nur beachtet – ich fand das amüsant.

 

An den folgenden Tagen kamen entweder Freunde und Verwandte zu uns oder wir gingen zu ihnen. So sah ich einige Zuhause und wie die Leute leben, was ich interessant fand. Es wurde weiterhin viel gegessen und die Erwachsenen spielten untereinander verschiedene Glückspiele (oftmals Majiang, das ich aber nicht begriff).

 

Die Tische sind fast immer so voll mit verschiedenem Essen und es gibt deshalb auch jedes Mal Resten.

 

新年快乐 !

YFU Camp in Nanjing (6. – 10. August)

大家好 !

 

Vom 6. bis am 10. Februar fand in Nanjing ein von YFU organisiertes Camp statt. Alle YFU-Austauschschüler*innen aus China nahmen daran teil. Neben zwei Reisetagen hatten wir zwei Tage lang ‚Sessions‘ in kleineren Gruppen und an einem Tag machten wir eine Stadttour.

 

Die Hinreise auf Nanjing am Dienstag verlief gut – es gäbe zwar auch Direktzüge von Tianjin dorthin, doch YFU buchte Zugtickets für eine Verbindung mit umsteigen in Peking. So dauerte die Zugfahrt deutlich länger, dafür konnten wir mit den Austauschschüler*innen aus Peking gemeinsam reisen. Vom Zuhause bis ins Hotel war ich so total etwa sieben Stunden unterwegs. Anschliessend waren wir, abgesehen vom gemeinsamen Abendessen, frei – ich ging mit einigen zusammen Billard spielen. In China findet hat es sehr viele Billardräume, diese sind günstig: Für etwa 4-5 Franken pro Stunde kann man einen Tisch mieten. Man muss sich aber durchaus bewusst sein, dass diese Billardräume häufig geschmacklich einem Fumoir gleichen.

 

Der Mittwoch war der erste Tag mit richtigem Programm – wir verbrachten ihn in den Räumen einer Schule, die ganz nahe unseres Hotels liegt. Wir wurden in vier Gruppen unterteilt, die je von zwei ehemaligen Austauschschüler*innen geleitet wurden und sprachen über unsere Erfahrungen und Probleme des vergangenen halben Jahres. Ich fand das ziemlich gut – ich konnte nun, da ich doch einiges gelernt und gesehen habe in den vergangenen sechs Monaten, die Inputs und Ratschläge der Gruppenleiter*innen besser verstehen und habe das Gefühl, mehr davon zu profitieren als das in den bisherigen zwei YFU-Camps (eines in der Schweiz, eines direkt nach der Ankunft in China) der Fall war. Am Abend gingen wir nach dem Abendessen erneut Billard spielen – da wir dieses Mal mehr Leute waren, spielten wir hauptsächlich in Zweierteams. Ich bin eigentlich sehr schlecht in Billard, umso mehr erhöhte es für mich den Spassfaktor, dass der andere Spieler im Team, ein Deutscher, auch nicht so gut ist. Wir bildeten zusammen das Team ‚Deutschland-Schweiz‘ – am Schluss hatten wir trotzdem sogar eine positive Sieg/ Niederlage-Bilanz.

 

Am Donnerstag waren wir, gleich wie am Mittwoch, in den Gruppen. Während wir am ersten Tag eher zurückgeschaut hatten, blickten wir nun auf die verbleibende Zeit in China voraus. Wir machten mit allen zusammen ein kleines Spiel und präsentierten uns am Schluss gegenseitig etwas aus unserem bisherigen Austausch. Wir waren sehr frei in der Form: Powerpoint, Video, Fotos… Mit einem anderen Austauschschüler aus Tianjin hatteich zusammen eine Powerpoint gemacht. Wir hatten uns vorher mehrmals in Tianjin getroffen, um verschiedene Orte anzuschauen und später um daraus eine Powerpoint zu erstellen. Für die Präsentation hatten wir viel zu viel gemacht, doch wir hatten unterhaltsame Tage und ich sah neue Sachen, weshalb es sich aus meiner Sicht durchaus lohnte.

 

Am Freitag gingen wir, von YFU-Volunteers geführt, Nanjing anschauen. Zuerst gingen wir zum ‚Schwarzen Drachensee, wo wir kleine Boote mieten konnten.

 

 

Von diesem See gingen wir weiter zu einer Essensstrasse, in der wir gruppenweise das Mittagessen assen. Später spazierten wir sonst noch ziemlich zufällig in der Stadt umher – ich kann mich leider nicht mehr an die Namen der Plätze erinnern.

 

 

Die Rückreise am Samstag bot wieder einiges an Kuriosität: Wir aus Tianjin fuhren wieder über Peking, wir waren aber nicht im gleichen Zug wie die Leute aus Peking. Während wir einen Zug mit wenigen Zwischenstopps hatten und so etwa eine Stunde schneller als die Pekinger in Peking ankamen, hielt deren Zug an einigen Stationen, darunter auch in Tianjin. Das hatte zur Folge, dass wir alle deutlich unterwegs waren – ‚jäno‘,  ich nutzte die Fahrt zum Schlafen und deshalb kam mir die zusätzliche Zeit halbwegs gelegen.

 

Wenn ich so nun auf diese fünf Tage zurückblicke, merke ich, dass ich von der Stadt Nanjing selber nur wenig sah. Mir war es aber wichtiger, Zeit mit den anderen zu verbringen – und das ist mir aus meiner Sicht gelungen.

 

 

Dieses Camp ging unglaublich schnell vorbei. Es war das letzte Mal, dass YFU eine Zusammenkunft mit allen Austauschschüler*innen organisierte, was gleichbedeutend damit ist, dass ich viele von ihnen gut möglich bereits zum letzten Mal sah. Es war zwar erst das zweite Mal, dass man sich traf, doch weil alle irgendwie ein ähnliches Ziel haben, hat man sich gegenseitig schnell verstanden. Natürlich werde ich die Leute aus Peking noch sehen, vielleicht auch noch die aus Shanghai und Zufälle will ich sowieso nicht ausschliessen – doch so schwer es mir auch fällt, das hier nun zu schreiben, viele werde ich höchst wahrscheinlich nie mehr in meinem Leben sehen.

 

 

 

Am 15. Februar ist das Frühlingsfest, für das wir zu den Verwandten aufs Land gehen und dann dort einige Tage bleiben.

 

Heute Abend, als ich gerade im Zimmer am Schreiben dieses Blogbeitrages war, hörte ich plötzlich die Türen leicht ‚tschädärä‘ und mein Plastikhocker schwankte – die Erde bebte. Ich dachte von Anfang daran, dass es fast nur das sein könne, da es aber mein erstes erlebtes Erdbeben war, war ich vor allem verwirrt. Das Epizentrum lag etwa in der Mitte zwischen Peking und Tianjin (etwa 70 km entfernt) und hatte eine Magnitude von 4.4 – ich war noch nicht draussen seither, im Haus scheint aber nichts kaputt und auch das Licht funktioniert.

 

 

再见 !

Chinesisch lernen

大家好!

 

Bevor ich mich vor etwas über einem Jahr dazu entschloss, für ein Austauschjahr nach China zu gehen und somit Chinesisch zu lernen, hatte ich nur wenige andere Leute getroffen, die Chinesisch lernen. Ich konnte damals nicht nachvollziehen, weshalb jemand eine solche Sprache lernt. Da ich eigentlich nicht der „Auswendiglern-Typ“ bin schien mir Chinesisch viel zu aufwendig zum Lernen, zudem sah ich keinen möglichen Nutzen. Inzwischen hat sich meine Einstellung gegenüber dem Chinesisch natürlich aber verändert.

 

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich meine erste Chinesischlektion. Auf Empfehlung einer ehemaligen Austauschschülerin, die auch in China war, und einer ehemaligen Klassenkollegin ging ich in die Chinesischschule von Ping Su, die sie alleine führt (Link zu ihrer Schule). Sie wurde in China geboren, spricht aber gut Englisch und Deutsch. In einer Dreiergruppe (mit zwei Erwachsenen) hatte ich fortan wöchentlich eine Stunde Unterricht. Sobald ich ins Unterrichtszimmer kam wähnte ich mich jeweils fast schon in China: An den Wänden hängt chinesische Kalligraphie und während dem Unterricht gab es immer etwas zum Knabbern und chinesischen Tee. Ping Su bereitete mich sehr gut auf China vor und auch heute kann ich ihr noch Fragen schicken. In die erste Chinesischlektion ging ich ohne Vorwissen. Ich hatte aber das Gefühl, dass ich gut vorwärts kam – kurz bevor ich auf China kam meinte ich, dass ich mich nun selbstständig einigermassen durchschlagen könne.

 

In China angekommen verstand ich fast nichts, mein Chinesisch wurde aber auch nicht gut verstanden. Vom positiven Effekt des „Sprachbades“, von dem ich in der Schweiz oft in Bezug aufs Französisch lernen hörte und an das ich selber auch glaubte, merkte ich nichts – vielleicht lag es an mir, vielleicht war es aber auch der Sprache wegen. Die zwei Wochen Chinesischunterricht, der von YFU organisiert wurde (ich schrieb damals einen Blogbeitrag dazu) frustrierte mich eher, als dass er mir und meinem Chinesisch half.

 

Dann begann die Schule, wo ich während der Schulzeit seither fast täglich mit einer Chinesischlehrerin Einzelunterricht habe. (Ich bin der einzige Austauschschüler an dieser Schule.) Am Anfang machte ich auf diesem Weg keine spürbaren Fortschritte, inzwischen aber laufen alltägliche Gespräche (wenn jemand explizit mit mir spricht) ziemlich problemlos ab. Ich muss hier aber erwähnen, dass es sehr unterschiedlich ist, wie gut ich jemanden verstehe: Je nach Akzent, Aussprache, Sprechgeschwindigkeit, Deutlichkeit und Wortwahl ist es einfacher oder schwieriger. Je nach Thema verstehe ich auch Gespräche unter Chinesen, im normalen Unterricht an der Schule (in einer Klasse nur mit Chinesen) komme ich aber weiterhin kaum nach.

 

Chinesisch lesen und schreiben lernen ist pure Fleissarbeit. Einige Austauschschüler können sich die Wörter nach wenigen Malen sehen bereits komplett merken, bei mir braucht es aber etwas länger. Um die Wörter, also die Schriftzeichen und die Lateinumschrift Pinyin, zu üben arbeite ich mit Kärtchen. So kann ich auch gut repetieren – dies muss ich immer wieder machen, damit ich die Wörter nicht vergesse. Lesen kann ich ungefähr gleich viel, wie ich auch beim Hören verstehen würde. Beim Schreiben auf Papier muss ich mich ziemlich konzentrieren, einerseits wie das Schriftzeichen „grundsätzlich“ aussieht, andererseits, welche „Details“ ich noch anfügen muss. Auf dem Handy habe ich eine chinesische Tastatur, die mit der Lateinumschrift Pinyin arbeitet. Auf diesem Weg ist das Schreiben ziemlich einfach.

 

Die beiden linken Stapel sind aus dickem Papier; ich habe sie grösstenteils noch in der Schweiz gemacht. Inzwischen habe ich total etwa 1500 Kärtchen.

 

Ein ehemaliger Franzlehrer sagte uns immer: „I hocke uf dem Voci!“ Von uns Schülern nahm das damals natürlich niemand ernst, jetzt in Bezug auf das Chinesisch merke ich aber, dass sich konsequentes Vocilernen irgendwann einmal ausbezahlt. 

 

Vor einer Woche begannen die Winterferien, diese dauern fünf Wochen. (Seit dem Semesterbeginn letzten Sommer hatten wir nicht einmal zwei Wochen Ferien.) In den kommenden vier Wochen findet ein von YFU organisiertes Camp in Nanjing statt, etwas später ist dann das chinesische Frühlingsfest, das wichtigste Fest in China.

 

再见!

Hunde und Katzen in China

大家好!

 

In der Schweiz sieht man fast überall Katzen und „Hündeler“, deren Tiere immer „nur spielen“ wollen. Ich nehme mich jeweils trotzdem in Acht, weil es häufig nicht beim „Spielen“ bleibt und auch gefährlich werden kann. Im Gegensatz zu meiner Schweizer Familie hat meine Gastfamilie keine Haustiere, und auch sonst ist es hier in China punkto Tiere etwas anders.

 

Die Wohnung meiner Gastfamilie liegt in einem Wohnquartier, das verkehrsarm und ruhig ist – eigentlich also überhaupt nicht gefährlich für Katzen. Trotzdem sehe ich sehr selten Katzen, ich bin dann aber nie sicher, ob es nun wild lebende Katzen oder Haustiere sind. Vielleicht sind die Katzen auch in Wohnungen eingesperrt.

 

Hünde sehe ich oft – aber die wenigsten haben Halter. Meistens sind es streunende Hunde, die überall umherlaufen, manchmal alleine, manchmal in einem kleinen Rudel. Die Streuner sehen generell eher krank und nicht besonders gut gepflgt aus – bei einigen frage ich mich jeweils, wie sie wohl überleben können – einige wirken aber ziemlich fit, und vor diesen Strassenhunden habe ich Respekt und auch Angst, dass ich gebissen werde. Bisher hatte ich aber noch keine Probleme mit Tieren in China.

 

Ich finde es widersprüchlich, dass einige Chinesen Hunde und Katzen als Haustiere halten, aber andere diese Tiere essen. Ich hatte bisher schon einiges kurioses Fleisch auf dem Teller, Hund oder Katze habe ich bisher aber nicht (bewusst (?)) gegessen.

 

Kurzer Themenwechsel: Heute sah ich zum ersten Mal seit langem auf dem Heimweg von der Schule einen noch leicht blauen Himmel. Seit Wochen war es immer schon dunkel, wenn ich die Schule verliess, und nun freue ich mich darauf, dass es nun langsam länger hell bleibt (im Moment ist um etwa 17 Uhr Sonnenuntergang) und ich die Sonne auch wieder öfter sehen kann.

 

Weihnachten in China (24./ 25. Dezember)

你们好

 

Während mir in der Schweiz jeweils allerspätestens Ende November klar wurde, dass in einem Monat Weihnachten sein wird und alles ein bisschen auf dieses Fest hinzielt, spürte ich das hier in Tianjin überhaupt nicht. Weder in der Schule noch in der Gastfamilie spürte ich etwas wie „Weihnachtsstimmung“. Dadurch ging diese Zeit sehr schnell vorbei, und mir war gar nicht richtig bewusst, dass Weihnachten plötzlich schon da war.

 

Einige Austauschschüler*innen haben in ihren Gastfamilien einen Weihnachtsbaum, den sie schmückten, und einige backten Güetzis – meine Gastfamilie hat aber weder einen Weihnachtsbaum noch einen Backofen. (Dies ist eine Beschreibung und ich meine es nicht negativ – hier wird Weihnachten anders als bei uns oder eben gar nicht gefeiert. Jedenfalls werde ich nun die nächsten Weihnachten in der Schweiz besonders geniessen.)

 

Am 24. Dezember gingen einige Austauschschüler und ich gemeinsam in eine katholische Kirche in Tianjin. Eigentlich hätten wir eine Weihnachtsfeier (oder etwas in dieser Art) hören und sehen wollen, doch dafür waren wir zur falschen Zeit in der Kirche. Wir blieben dann für eine normale Messe, die auf Englisch gehalten wurde. Auch wenn ich eigentlich weder katholisch noch sonst besonders gläubig bin und es in der Kirche ziemlich kalt war, fand ich es noch schön.

 

In der Kirche war eine weihnächtliche Krippe aufgestellt.

 

Am Nachmittag telefonierte ich mit meiner Familie und packte ihre Weihnachtsgeschenke aus, die ziemlich pünktlich per Post angekommen sind. Jetzt habe ich jedenfalls wieder einen Schoggi-Vorrat für den Moment.

 

Am Abend ging ich mit mehreren Austauschschüler*innen auswärts Znacht essen. Es hat viele italienische Austauschschüler in Tianjin, und diese reservierten in einem italienischen Restaurant. Da ich das Restaurant noch nicht kannte und mein bisheriges westliches Essen, abgesehen von Mc und KFC, kaum etwas mit dem europäischen/ amerikanischen Pendant gemeinsam hatte und teilweise ungeniessbar war (z. B. ein Burger aus dem Burger King), waren meine Erwartungen entsprechend nicht besonders hoch. Ich war aber positiv überrascht – das Restaurant wird von einem Italiener geführt und die Pizza war gut.

 

Weihnachten selber ist dieses Jahr an einem Montag – wir wünschten uns in der Familie und in der Schule gegenseitig frohe Weihnachten, sonst war es aber ein ganz normaler Schultag.

 

Nun wünsche ich Allen einen guten Rutsch ins 2018!

 

再见

Verkehr in China

大家好!

 

Wenn man in der Schweiz etwas aus China hört, dann geht es oft um Verkehr. Ich hörte oft vom „Verkehrschaos“ in den grossen Städten. Ich versuche nun, meine Eindrücke aus Tianjin wiederzugeben.

 

Ich bin nicht sehr oft mit dem Auto unterwegs, es ist aber sehr populär: Viele Familien haben ihr Auto. Man findet alle westlichen Autos, es hat aber auch viele chinesische Automarken, die ich in der Schweiz nie gesehen habe. Je teurer ein privates Auto ist, desto gepflegter uns sauberer sieht es aus. Das im Gegensatz zu Lastwägen oder anderen geschäftlichen Fahrzeuge, diese sehen fast immer sehr schlecht aus, haben Beulen, sind dreckig…

 

Obwohl die Hauptachsen durch die Innenstadt viele, für mich als Schweizer scheinbar genügend Fahrspuren pro Fahrtrichtung haben, kommt man nur schwer vorwärts. Dies nicht nur morgends und abends, sondern häufig auch durch den Tag und am Wochenende. Der Stau wird in solchen Situationen, kombiniert mit dem Fahrstil der Chinesen, ziemlich chaotisch: Jeder probiert, möglichst schnell vorwärtszukommen, es wird in jede noch so kleine Lücke gefahren. Dann wird links und rechts überholt, man fährt einander knapp vor dem Auto vorbei. In kuriosen Momenten wird auch in die falsche Fahrtrichtung gefahren. Manchmal bleiben die Autos auch in der Mitte der Strasse stehen, um jemanden ab- oder einzuladen. Zudem darf man immer nach rechts abbiegen, bei Kreuzungen sind 180°-Wendungen erlaubt und Fussgängern gewährt man keinen Vortritt. Bis jetzt habe ich aber „nur“ einen kleinen Unfall gesehen, was angesichts der Umstände eher überrascht.

 

(Die Luftqualität ist nicht top, doch auf den Bildern liegt es vor allem an meiner schlechten Handykamera, dass der Himmel so grau und neblig aussieht.)

 

In Tianjin hat es öV (Bus, Metro, Bahn), und dieser wird auch benutzt. Die Busse sind sehr günstig, man bezahlt unabhängig von der Fahrtdauer etwa 40 Rappen. Allerdings sind diese abhängig vom Verkehrsaufkommen, sind sehr voll und es gibt keinen Fahrplan, sie fahren etwa alle 15 Minuten. Zudem bin ich nie ganz sicher, wo die Busse genau hinfahren – alles ist auf Chinesisch angeschrieben. Die Metro ist wenig teurer als der Bus, schnell und sehr einfach zum Benutzen – alles ist mindestens doppelt auf Chinesisch und in Pinyin angeschrieben. Da meine Familie aber nicht sehr nahe einer Metrostation wohnt, benutzen wir diese selten. Die Bahn wäre ebenfalls schnell, der Ticketkauf ist aber ziemlich kompliziert. Da das Taxi ziemlich günstig ist und es meistens viele hat, ist dieses beliebt.

 

 

Um allem Stau aus dem Weg zu gehen, benutzen viele Chinesen elektrische Roller (Motorräder mit Verbrennungsmotor hat es fast keine). Diese Roller profitieren davon, dass es am Strassenrand immer noch eine Spur hat, die für die Autos gesperrt ist. Häufig sind diese kleineren Fahrzeuge für die Fussgänger gefährlicher als die Autos, da sie leise und schnell fahren und man sie nicht gut sieht. Diese freie Fahrspur wird auch von vielen Velos benutzt – es gibt zwei grosse Veloverleihe, bei denen man über eine App auf dem Handy die Velos auf- und am Ende abschliessen kann. So kann man überall ein Velo nehmen und später irgendwo wieder abstellen. Es ist nicht nur praktisch, sondern auch günstig. Es hat nicht nur gemietete Velos, sondern einige Chinesen haben auch eigene Velos – diese sind aber fast immer uralt und quietschen stark.

 

Über den Verkehr hier könnte man unzählige Seiten füllen – ich hoffe, dass ich mindestens einige Eindrücke schildern konnte. Ich wünsche Allen frohe Weihnachten!

 

Ausflug zur Binhai Bibliothek (18. November)

你们好

 

Vor einigen Wochen war in der Bilderstrecke des „Blick am Abends“ eine Foto einer Bibliothek aus Tianjin. Ein Freund schickte mir davon ein Bild, ich hatte zu diesem Zeitpunkt aber noch nie von dieser Bibliothek gehört. Als mich nun meine YFU-Kontaktperson treffen wollte, schlug ich vor, dorthin zu gehen.

 

Die Bibliothek liegt zwar in der Provinz Tianjin, aber nicht in der Stadt selber, sondern im eher neuen Stadtbezirk Binhai nahe des Meeres. Nach rund 45 Minuten Autofahrt, was für chinesische Verhältnisse kurz ist, kamen wir an. Da auf dem Foto aus der Zeitung der ganze Raum ziemlich gross aussah, stellte ich mir ein grosses Gebäude vor, dass von dieser Bibliothek ausgefüllt wird, doch diese ist in einen Gebäudekomplex mit verschiedenen kulturellen Räumen integriert. Es waren auch unzählige Restaurants vorhanden.

 

 

Beim Eingang muss man eine Sicherheitskontrolle passieren, dann kommt man direkt in eine grosse, hohe Halle, in deren Mitte eine riesige Kugel ist. Von einer Seite scheint die Sonne direkt durch Fenster hinein und der Raum wird dadurch entsprechend hell. Die Kugel macht auf die andere Seite hin aber Schatten, was etwas schade ist. An den Seiten ist der Boden tribünenartig erhöht, und unter den Stufen sind teilweise Bücher „versteckt“. Von weitem sieht es aus, als ob unter all diesen Stufen Bücher seien, die meisten sind aber nur aufgemalt. Es war nicht so spektakulär, wie es die Foto versprach, aber trotzdem interessant. Rund um diesen Saal sind die Räume mit den Büchern angeordnet, die den Namen „Bibliothek“ rechtfertigen. Unter anderem gab es eine Abteilung „Marxism-Leninism, MaoZedong Ideology“, in der allerhand Bücher zum Lesen bereitstanden, natürlich auch eine chinesische Übersetzung von Marxs „Kapital“.

 

 

再见

Herbstwetter

大家好!

 

Langsam wird es auch hier in China Winter, das Herbstwetter unterscheidet sich deutlich vom Wetter bei meiner Ankunft in China.

 

Während es im Sommer ziemlich heiss und feucht war, ist es nun eher kühl und vor allem trocken. An den wärmeren Tagen steigt die Temperatur am Nachmittag auf ungefähr 15 Grad, in der Nacht wird es dann aber ziemlich kühl. Seit einigen Wochen trage ich drinnen immer mindestens einen Pullover, damit ich warm habe. In der Wohnung der Familie, die erst ab Mitte November geheizt ist, trägt der Vater häufig sogar eine Jacke, weil es doch nicht gerade warm ist. Bei zwei Ausflügen am Abend zog ich jeweils fast die gesamte Skiausrüstung an, und war auch froh darum.

 

Punkto schlechter Luftqualität merke ich ehrlich gesagt nicht besonders viel. Teilweise riecht die Luft auf dem Schulheimweg nach verbrannter Kohle, zudem habe ich eine Wetterapp, die auch die Luftverschmutzung angibt. Ich weiss nicht, ob die angezeigten Daten der Luftschadstoffe wirklich stimmen, doch ich vertraue ihr, besonders wenn die Werte eher schlecht ausssehen. Ziemlich viele Leute, auch Schüler, tragen Masken, bisher benutzte ich aber noch keine.

 

再见

Geburtstag feiern in China

你们好

 

Mein Geburtstag begann wie in der Schweiz: Die Familie gratulierte mir. Dann folgte aber ein ganz normaler Schultag: 7:15 Schulbeginn, 17:30 Schulende. Als wir am Abend wieder Zuhause waren, folgte dann aber der „chinesische“ Teil: Meine Gastfamilie hatte eine Torte mit Kerzli organisiert. Zur Torte gab es eine Papierkrone (keine Ahnung weshalb), wie wir sie in der Schweiz vom Dreikönigstag kennen. In China gibt es als Geburtstagsznacht jeweils Nudeln, gemischt mit Tomaten, Rührei, Gurkenspänen und verschiedenen Saucen.

 

Meine Schweizer Familie schickte mir per Post ein Päckli zum Geburtstag, dieses kam aber erst einige Tage später hier an. In der Schweiz ass ich zwar nicht tonnenweise Schokolade, doch mir wurden halt doch irgendwie die schweizerischen „Schoggi-Gene“ zum Verhängnis, so dass ich mir nach zwei Monaten mit wenig Süssem einige Tafeln Schoggi aus der Schweiz wünschte und erhielt.

 

Da auch meine Schwester in der letzten Zeit Geburtstag hatte, machte meine Familie letztes Wochenende ein kleines Fest, wo ich per Sype auch zugeschalten wurde. Meine Schweizer Verwandtschaft hatte sehr Freude, meine Gastfamilie zu sehen und sie umgekehrt genauso. Auf Wunsch aus der Schweiz sang mein Gastvater zudem „生日​快乐“ (das chinesische „Happy Birthday“), was sehr gut ankam.

 

In der letzten Zeit läuft es mir (vielleicht auch dank der Geburtstagszeit) gut – ich hoffe, dass es so weitergeht.

 

再见

 

P.S.: Bei mir funktionieren die westlichen (a)sozialen Medien – also WhatsApp, Facebook, Insta, Snapchat… – nicht. WeChat (chinesisches WhatsApp, kombiniert mit zahlreichen anderen Funktionen) und E-Mail laufen aber.