YFU Switzerland

Returnee

Hallo miteinander.

Es ist eine Weile her seit dem letzten Blog… Ich nahm mir schon lange einmal vor einen Blog übers Zurückkommen zu schreiben. Jetzt komme ich endlich dazu! Zum einen schreibe ich diesen letzten Blog, weil ich dies als einen guten Schluss empfand und zum anderen schon von vielen Returnees gehört habe, wie schwer das Einleben teils sein kann. 

Als erstes möchte ich nochmals zurückschauen und eintauchen zum Zeitpunkt des Abschiedes in der USA und dem Hallo in der Schweiz.

Es war der 8. Juli 2016 ein wunderschöner Sommertag in Georgetown, Indiana. Für mich war es der schlimmste Tag meines ganzen Austauschjahres. Ich musste früh aufstehen und zuerst eine kalte Dusche nehmen bevor ich recht wach wurde, da ich kam ein Auge zugebracht hatte in der Nacht. Morgenessen liess ich ausfallen da sich schon seit dem Aufstehen einen grossen Kloss in meinem Hals festsitzen hatte und mir übel wurde nur schon beim Gedanken an all die Emotionen, die mir in den nächsten 24 h bevorstehen werden. Ich packte meine letzten sieben Sachen und dann hiess es alle in das Auto und zu den Pursers (unseren Nachbarn) fahren und sie abholen. So machten wir uns alle zusammen auf zum Flughafen. Auf dem Weg schrieb ich noch die letzten Abschiedsbriefe, wären meine Schwester Maggie und Rachel sich schon in einen Wasserfall verwandelten und sich weinend festhielten. Beim Flughafen gaben wir mein Gepäck auf und suchten uns dann ein Kaffee um noch die letzten Minuten zusammen ab zu hocken. Dabei waren meine Gasteltern, Maggie meine Gastschwester, die drei Purser Schwestern und Jillian. Der Abschied erzähl ich jetzt nicht ins kleinste Detail, denn so wie ihr euch vorstellen könnt war es sehr traurig und viele Tränen flossen. Für mich war es ganz komisch, weil ich bis zum Moment als ich alleine im Flugzeug sas nicht war haben konnte, dass mein Austausch in den USA nun definitiv zu Ende ist. Doch als ich all die Abschiedsbriefe las und ich mich im Flugzeug über den Wolken befand brach ein riser Wasserfall aus mir und ich konnte meine Emotionen von Trauer und Freude kam mehr kontrollieren. Während dem Flug weinte ich mich in den Schlaf und wachte erst wieder auf als wir uns über Paris befanden. Ab da konnte ich kam mehr still sitzen. Ich wanderte tausendmal zum WC, hatte kribblige Beine und hatte eine unbeschreibliche, riesen Freude in mir. Als wir uns dan über der Schweiz befanden und ich Städte und Ortschaften erkennen konnte platzte ich fast vor Freude. Das Landen alleine kam mir länger vor als der ganze Flug den ich hinter mir hatte. Und dann kam der genialste Moment auf den ich die Stunde zuvor schon so kribbelig war. Ich lief durch den Ausgang und wurde im nächsten Moment fast umgeworfen von den wilden Umarmungen meiner zwei besten Kolleginnen und meiner Schwester. Wir waren komplett in Mitte des Ausganges und standen im Weg aller anderen Passagieren. Meine ganze Familie war versammelt und ich wurde zuerst durch ca. 15 Arme hindurchgeschleust. Es war ein krasser schwarz, weiss Effekt der Abschied und das Willkommen heissen.

Wie ihr euch vorstellen könnt war ich der Star Nummer eins für sicher eine Woche. Speziell meine Geschwister wichen kaum mehr von meiner Seite. Doch wie vieles ging auch das vorbei. Leider!

Nun kam die harte Zeit von der immer wieder viele Ex-Austauschschüler sprachen. Der berühmt, berüchtigte, umgekehrte Kulturschock. Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr euch in eurem Heimatland plötzlich fremd und einfach komplett falsch am Platz fühlt? Ich konnte es mir nur schlecht vorstellen, bis ich ziemlich bald selbst darin steckte. Ich fing mich an aus dem Familienleben aus zu schliessen, weil ich merkte, dass es auch ohne mich weiter läuft und ich mein Platz irgendwie verloren hatte. Ich bin die Älteste von vier Kindern und während meinem Austauschjahr hat meine Schwester die Rolle als Älteste super übernommen. In meinem Freundeskreis merkten sie auch, dass es ohne mich geht. Meine dazumal beste Freundin suchte sich einen Ersatz während dem Jahr das ich abwesend war und konnte und wollte den logischerweise nicht einfach wieder abgeben. Zusätzlich kam noch das Heimweh nach meinem zweiten zuhause (Georgetown) dazu, was sehr komisch ist wenn du zu Hause bist und trotzdem noch Heimweh hast. Ihr könnt euch also vorstellen es nicht ganz einfach für mich gewesen in mein Alltagsleben zurück zu finden.

Am schwierigsten empfand ich, dass alle in einem gewissen Mass bereit waren die alte Rafaela wieder in den Kreis auf zu nehmen, nur war diese Rafaela nicht mehr vorhanden. Ich wurde reifer, änderte meine Sichten und Meinungen in gewissen Hinsichten und entscheidet auch Dinge bewusst anders zu machen, wie vor meinem Austausch. Doch mein Umfeld versuchte mich weiterhin zurück in den alten Rahmen zu drücken, in den ich nicht mehr passte. Ich weinte viel und versuchte meine Gefühle zu erklären, doch leider ist es nicht ganz einfach deinen Eltern, die dich über alles lieben zu erklären, dass du dich nicht mehr wohl fühlst in der Familie, weil du dich am falschen Platz fühlst.

Offensichtlich steckte ich ziemlich tief in meinem Kulturschock fest und mochte immer weniger über meine Gefühle und Probleme reden, da mich sowieso niemand verstand. Es war mittlerweile September und das Re-entry weekend von YFU stand vor der Tür. Es ist ein freiwilliges Wochenende mit anderen Returnees und ich musste mich ehrlich gesagt etwas zwinge um mich da an zu melden. Schlussendlich meldete ich mich doch an mit einer grossen Hoffnung: Endlich verstanden zu werden. 

Ihr glaubt es wahrscheinlich kaum…ich zu Beginn auch nicht. Ich wurde zum ersten Mal seit drei Monaten endlich wieder verstanden und fühlte mich etwas mehr zuhause. Mein grösster Tip! Geh ans Re-entry wenn du ein Returnee bist! Es ist so eine geniale Gelegenheit noch einmal komplett in das vergangene Jahr ein zu tauchen und mit anderen aus zu tausche bis zum“ geht nicht mehr“. Das Beste ist du kannst schwärmen und die gleichen Geschichten immer nochmals erzählen, weil da immer jemand sein wird der dir gerne zuhört und genau gleich schwärmen wird von seinem Austausch.

Für mich ging es nach diesem Wochenende permanent Bergauf. Ich kämpfte um meinen neuen Platz in der Familie und entschied meinen Freundeskreis mit etwas anderen und neuen Leuten auf zu bauen. Ein reisen, grosses Danke an meine aller beste Freundin Julie! Sie hielt während meinem ganzen Austauschjahr und meinem mühsamen Kulturschock unsere Freundschaft an zwei feinen Fäden fest, die jetzt zu zwei dicken, starken Seilen heranwuchsen.

Danke fürs Lesen meines Bloges und vielleicht sieht man sich im Nächsten Re-entry:)