YFU Switzerland

Trocken & kalt

Hey 😀

Ja, trocken und kalt beschreibt sehr schön die Wetterlage wie sie den ganzen Januar angedauert hat. Mit gerade einmal 0.9 mm Niederschlag hat es praktisch gar nicht geschneit. Da die Temperaturen aber pausenlos bei -10°c bis -30°c rumdĂŒmpeln haben wir noch genau gleich viel Schnee wie bei Neujahr. Ab einer gewissen KĂ€lte ‚trocknet‘ der Schnee auch. Das merkt man besonders wenn man mit dem Spark rumfĂ€hrt. Er basiert eigentlich darauf, dass sich ein kleiner Wasserfilm unter den Schienen bildet, wenn man denn nicht auf purem Eis fĂ€hrt. Der Spark gleitet dann nicht mehr so besonders gut und stockt etwas. Ich habe auch schon gehört „Der Schnee ist so trocken es herrscht Waldbrandgefahr.“ 😀

Besonders viel ist diesen Monat nicht geschehen. Wir waren kaum Langlaufen oder schiessen, da es so kalt war. Am Sonntag 19. Januar war ich jedoch in Tromsþ zum Ski fahren mit anderen Austauschstudenten. War nichts allzu spezielles, aber dennoch hatten wir viel Spass 🙂

Das Grossereignis fand vom 23. – 26. Januar statt: Die Mittjahresversammlung von YFU in Bergen. Donnerstag morgen mit dem Bus nach TromsĂž, von da mit dem Flugzeug via Oslo nach Bergen. Die FlĂŒge gingen eigentlich problemlos. Am Flughafen wurden ich und die zwei, die in Ost-Finnmark wohnen abgeholt. Wir waren um 17 Uhr in der Herberge und dachten wir wĂ€ren beinahe die Letzten. Dabei waren wir fast die Ersten, die da angekommen sind. Nur zwei MĂ€dchen, die von Stavanger mit dem Zug gekommen sind (etwa fĂŒnf Stunden) waren schon da. Die Meisten sind um 20 Uhr angekommen. Diese sind mit dem Zug von Oslo her angereist.

Am Donnerstag haben wir nicht besonders viel gemacht. NatĂŒrlich haben wir viel miteinander geredet, aber das wars dann auch schon fast. Am Freitag Morgen hiess es laut Zeitplan FrĂŒhstĂŒck um 8 Uhr, Programmbeginn um 9 Uhr. Wir waren vier Jungs in einem Zimmer und ich dachte, ein anderer hĂ€tte den Wecker gestellt. Er dachte jedoch, ich hĂ€tte den Wecker gestellt… Am Morgen hörte ich wie jemand eine Nachricht auf dem Handy erhalten hatte und dachte es wĂ€re meines. Als ich es gecheckt habe und bemerkte, dass es schon 9 Uhr war, sind wir aber SEHR schnell aufgestanden 😀

FĂŒr FrĂŒhstĂŒck hat es dann eben nicht mehr gereicht, dafĂŒr haben uns alle applaudiert als wir hoch gekommen sind, weil die Leiter gerade angefangen haben zu sprechen. Das Programm begann mit einem Spiel, bei dem alle in sieben LĂ€nder aufgeteilt wurden. Norwegen und Grossbritannien (reich), Portugal und RumĂ€nien (neureich), Indien, Bolivien und Kongo (arm). Das Ziel des Spiels war es, vorgegebene Formen aus Papier auszuschneiden und zu einer ‚Bank‘ zu bringen. DafĂŒr hat man pro Form 1-10 Punkte bekommen, je nach dem wie genau die Form war. Einen kleinen Haken gab es jedoch: Die reichen LĂ€nder hatten Tische, StĂŒhle, zwei Scheren, Stifte, Schablonen und Papier. Die neureichen hatten StĂŒhle, Stifte und Papier, jedoch etwas mehr als die reicheren. Und die armen hatten nur Papier. Jedes Land hatte einen Botschafter, der mit den anderen Botschaftern verhandeln konnte. Ich war zu Beginn Indiens Botschafter, also musste ich versuchen Scheren, Schablonen und Stifte zu ertauschen. Das erwies sich als schwieriger als gedacht, denn zu Beginn brauchte niemand Papier. Nach einer Weile verlor Portugal viel Papier, die ertauschten Schablonen und eine ertauschte Schere durch eine ‚Flut‘ und RumĂ€nien erhielt mehr Papier. Der Grund war, dass Portugal etwas zu gut und RumĂ€nien etwas zu schlecht war zu diesem Zeitpunkt. Das System musste ja aufgehen, dass die Reichen gewinnen und die Armen verlieren. Danach kam unsere Zeit 😀 RumĂ€nien wollte Portugal helfen und hat ihnen und uns vorgeschlagen, eine Allianz zu bilden, also alles zu teilen. Da haben wir RumĂ€niens Schere und einige fertig gezeichnete Formen von Portugal bekommen. Nach etwa zehn Minuten fragte mich der rumĂ€nische Botschafter nach der Schere, und als ich ‚die Inder‘ danach gefragte habe, hiess es nur „Naaaa, Wir behalten das Zeugs“ 😀 Das lief darauf hinaus, dass Portugal und Indien fĂŒr etwa 20 Minuten nichts mehr machen konnten, wĂ€hrend wir viele Punkte machten. So viele, dass die Bank schnell angefangen hat, uns weniger Punkte zu geben. Wo Norwegen oder GB 9-10 bekommen hĂ€tte, haben wir etwa 5 bekommen. ZusĂ€tzlich wurden uns Punkte fĂŒr alle möglichen Dinge abgezogen… „minus 10 fĂŒrs rumsitzen und nichts machen!“ Schlussendlich haben wir etwa 120 Punkte eingebĂŒsst. Mit diesen Punkten wĂ€ren wir weit vor Portugal und RumĂ€nien gelandet. Aber eben, das System muss ja funktionieren 😉

Am Nachmittag sind wir nach Bergen gefahren und haben ein Rollenspiel mit einem Mitarbeiter der Vereinten Nationen abgehalten. Er stellte den PrĂ€sidenten dar und alle Freiwilligen und Studenten wurden in 15 Gruppen eingeteilt. Dann konnte man Themen vorschlagen. Am Ende haben wir abgestimmt und ‚Homosexuelle Ehe‘ als Thema aufgegriffen. Dann haben sich die Gruppen eines von 15 vorgegebenen LĂ€ndern ausgesucht. Als zweite Gruppe hatten ich und zwei Leiter grundsĂ€tzlich die Freie Wahl. Die Leiter meinten ich solle ein Land auswĂ€hlen, ich habe mich fĂŒr Russland entschieden. Danach sagte der ‚PrĂ€sident‘ allerdings es gehe darum die eigene Meinung abzulegen und die Meinung des ausgewĂ€hlten Landes zu ĂŒbernehmen. Da Russland bekannterweise kein besonders grosser AnhĂ€nger der Homo-Ehe ist, mussten wir alle drei versuchen Argumente fĂŒr eine Seite zu finden, die wir eigentlich nicht vertreten. Das war auf jeden Fall sehr interessant, ein Paar unserer Argumente machten sogar ziemlich viel Sinn. (‚ein Paar‘, nicht ‚alle‘. Manche waren nur verzweifelte Antworten 😀 )

Danach konnten wir uns fĂŒr Kaffee-, Museum- oder Galerie-Tour entscheiden und etwas von Bergen zu sehen bekommen. Ich habe mich fĂŒr das Museum entschieden. Es war das Festigungs-Museum, in dem es um Kriegs-Geschichte geht, speziell 2. Weltkrieg. Nach dem Museum hatten wir noch etwa eine Stunde Zeit und es wurde EINSTIMMIG entschieden, den nĂ€chsten McDonald’s aufzusuchen. Die Galerie-Gruppe hat sich auf dem Weg auch angeschlossen und so haben wir ca. 30 zusammen einen kleinen McDonald’s ‚gestĂŒrmt‘. In ganz Troms und Finnmark gibt es nur ein Fast-Food-Restaurant, also war das fĂŒr viele eine Station, die man aufsuchen ‚musste‘ 😀

Am Samstag hatten wir die freie Wahl was wir machen wollten, da der Trip zum Meer wegen schlechten Wetters ausgefallen ist. Viele wollten trotzdem nach Bergen, manche mit dem Bus, manche liefen (so wie ich). Nach ca. 80 min hatten wir es dann auch gefunden 😀 In Bergen haben wir dann zwar nicht besonders viel gemacht, ausser ein bisschen durch verschiedene LĂ€den zu stöbern und (natĂŒrlich) einen McDonald’s zu besuchen 😀 ZurĂŒck konnten wir dann glĂŒcklicherweise mit einem von YFU zur VerfĂŒgung gestellten Bus. Am Abend gab es ein kleines Abschiedsfest mit Snacks usw.

Sonntag war ziemlich traurig, da wir am Ende des Jahres nur noch eine regionale Versammlung haben werden, also nur Nord-Norwegen. Die EuropĂ€er werden zwar vom 27. Juni bis am 1. Juli am YES in Berlin nochmal zusammen kommen, aber es war das letzte Mal, dass ich alle anderen gesehen habe. u.A. auch solche, mit denen ich einen Grossteil des Wochenendes verbracht habe. Manche mussten schon um 7 Uhr abfahren. Ich bin extra frĂŒh aufgestanden, um mich von Allen verabschieden zu können. Ich musste ganz alleine zurĂŒck fliegen und drei Stunden in TromsĂž auf den Bus warten. Das war nicht so aufregend an einem Sonntag. Ich habe einen Grossteil der Wartezeit in einem Restaurant verbracht. Die Sonne habe ich ĂŒbrigens erst auf dem RĂŒckflug richtig gesehen. Auf dem Hinflug konnte ich sie leider nicht sehen, da ich einen schlechten Platz hatte, und in Bergen konnte ich sie nur einmal fĂŒr ein Paar Sekunden sehen, bevor sie hinter den Wolken verschwunden ist. Mittlerweile haben wir aber auch hier in Bardufoss wieder etwas Sonne 😀

Das war eigentlich alles, was im Januar so geschehen ist, also seh ich euch beim nĂ€chsten mal 🙂

Lg Paddy