YFU Switzerland

Høgtun

Hallo zusammen,

Heute möchte ich euch etwas über meine Schule, die Bardufoss Høgtun videregående skole erzählen, denn neben einem Treffen von YFU ist nicht besonders viel geschehen. Aber zuerst zu den letzten zwei Wochen:

Seit meinem Erfolgsschiessen letzten Samstag bin ich leider nicht mehr zum Schiessen gekommen, da mein Gastvater fast die gesamte Woche nicht da war. Dafür habe ich herausgefunden, dass ein Mädchen aus meiner Klasse auch manchmal schiesst, also wollen wir das mal versuchen 🙂

Letztes Wochenende war ein Treffen von YFU Nord-Norge, bei dem alle 12 Austauschschüler aus einem Gebiet anwesend waren, dass fast 3-mal so gross wie die Schweiz ist. Und wo fand dieses Treffen statt? Zehn Auto-Minuten von meinem Haus entfernt. Während also manche den ganzen Freitag auf der Reise waren, sind wir hier um 19:50 gemütlich losgefahren.

Ich war dann trotzdem eine halbe Stunde vor ihnen da und nachdem der Hausbesitzer aufgeschlossen hatte, war ich vorerst alleine im ganzen Haus. War soweit auch ganz okay… bis ich ins Obergeschoss mit all den Zimmern kam, oder besser gesagt, bis ich runter wollte. Denn über der Treppe hängt ein ausgestopfter Elch-Kopf, den man beim Hinaufgehen nicht wirklich entdeckt. Das und die Tatsache, dass ich auf eine Karte an der Wand neben der Treppe geschaut habe, haben schlussendlich dazu geführt, dass ich mich ‚etwas‘ erschrocken habe 😉 Ich habe die anderen nach deren Ankunft schon mal im ‚vornherein informiert‘, einige haben sich trotzdem jedes Mal aufs neue erschrocken 😀

Das Wochenende bestand hauptsächlich aus Keksen, Gelächter und Kartenspielen. Also war es ein grosser Spass 😀 An beiden Tagen (Freitag, Samstag) waren ich, eine Slowakin und eine der Volunteers am längsten auf, einmal bis 3 und einmal bis 4 Uhr. Am Sonntag wurde ich dann etwas früher von zwei Volunteers nach Hause gefahren, damit ich nicht putzen ‚muss‘ (deren Worte, nicht meine ;D )

Doch nun möchte ich etwas über meine Schule schreiben, und es ist vielleicht etwas ernster als erwartet. Wie ich schon einmal geschrieben habe, ist die Høgtun nur für Media&Kommunikation und Design&Handwerk und es gibt Schüler aus ganz Troms. Mehr als nur das, aus ganz Norwegen. Es gibt ein Mädchen aus Spitzbergen, einen Jungen aus Oppland, etc… Diese Schüler leben entweder in kleinen Wohnungen oder einer Art Wohnsiedlung am Hauptgebäude der weitergehenden Schulen von Bardufoss.

Sehr viele Schüler an der Høgtun haben jedoch Probleme mit ihren Familien, sind Waisen oder haben sonstige Probleme. Ich finde das extrem spannend, da ich mich wirklich für Psychologie interessiere. Ein grosser Anteil der Schüler hat an dieser Schule das erste Mal die Möglichkeit, sich zu öffnen und dadurch sind sie sehr freundlich und können das erste Mal wirklich zeigen, wer sie wirklich sind. Sie freuen sich über jeden Kontakt und so ensteht eine grosse Einheit, die bestimmt immer zusammenhalten würde.

So gut das im Kollektiv auch klingt, so traurig sind auch einzelne Geschichten. Alkohol-Missbrauch ist da nur die Spitze des Eisberges. Ein konkretes Beispiel: Eine Mutter erzählt einem Kind sein Vater wäre tot. Mit 13 findet es heraus, dass er (nach umstrittenem Urteil) wegen Mordes im Gefängnis sass und seit seiner Freiheit von der Mutter ferngehalten wurde. Die Mutter und Stiefvater hingegen schlagen das Kind und sagen ihm ständig wie un-perfekt es ist. Der ältere Bruder beginnt auch das Kind zu schlagen, weil er glaubt, dass das gewöhnliche Umgangsform ist. In der Schule wird es gemobbt und wenn es anderen von den Schlägen erzählt, glaubt ihm keiner. Zusätzlich leidet es an einer Erbkrankheit, bei der von Zeit zu Zeit anfallartige Schmerzen im Brustbereich auftreten. Ich habe heute so einen KLEINEN gesehen, gestern war die Person in ihrer Wohnung zusammengebrochen. Habe sie heute davon überzeugt, doch zu einem Arzt zu gehen, auch wenn sie kaum Geld hat, obwohl die Mutter SEHR viel davon hat.

Die Folgen:

  • Als es in ein Waisenheim kommt, hat es zwei Monate lang fürchterliche Angst, weil alle so nett sind und es das nicht kennt.
  • Ein Selbstmordversuch im Alter von 14
  • kleine psychische Probleme im Bereich ’normaler Umgang mit Mitmenschen‘

Es hat den Vater jedoch ein paar Mal getroffen, und er scheint wirklich sehr nett zu sein (ich würde auch niemanden wegen eines Gefängnisaufenthaltes verurteilen), es lebt in einer der Wohnungen der weitergehenden Schulen. An dieser Schule hat es viele Freunde gefunden und alles scheint sich zu bessern.

Das ist jedoch nur eines von dutzenden Beispielen. Und das alleine an dieser Schule. Ich habe meine Klasse trotzdem sehr lieb gewonnen und freue mich jeden Tag auf die Schule (so sehr man sich eben auf die Schule freuen kann 😉 )

Sorry für dieses ernste (und lange) Thema, aber ich wollte das einfach mal schreiben 🙂

Lg Paddy