YFU Switzerland

Spring Workshop 2012

Der diesjährige Spring Workshop war ein voller Erfolg. Neben dem abwechslungsreichen Kurs zum Thema “Group Leading” blieb noch genügend Zeit, um die frühlingshaften Sonnenstrahlen zu geniessen. Hier ein paar Impressionen aus Oberbalmberg:

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Liliane, Schweden 1989/90

Wie bist du ins Austauschjahr gereist?

Ich flog von Genf nach Stockholm, zusammen mit Simone, einer anderen Schweizerin, die ihr Austauschjahr in Schweden verbrachte. Ich würde von meiner Gastfamilie in Stockholm am Flughafen in Empfang genommen. Vorher waren sie aber bereits bei meinen Eltern zu Besuch – und um einen Koffer von mir mitzunehmen. Sie waren in Italien in den Ferien und kamen auf dem Rückweg vorbei.

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?

Es war ein herzlicher Empfang, aber sehr seltsam war die Situation schon. Ich bekam das Zimmer meiner Gastschwester, weil diese mit ihrem Freund in die USA umgezogen ist. Dort war alles in rosa gehalten. Nicht meine Lieblingsfarbe ;-). Aber ich schätzte es sehr, dass meine Gastfamilie von Anfang an Schwedisch mit mir sprach und ich schon nach kürzester Zeit mich sehr gut zurechtfand.

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?

Da gibt es einiges, was sehr eindrücklich war. Am schrägsten wohl der Besuch in der Schlachterei nach der Elchjagd. Ich war mit einer amerikanischen Austauschstudentin bei deren Grossvater zu Besuch und der nahm uns mit, um seinen Elchteil abzuholen. Schon vor dem Schlachthaus lagen der Elchkopf (ohne Geweih) und die vier Hufe. Und drinnen hing dann das ganze Fleisch, blutüberströmter Boden. Aber das Elchfleisch auf dem Tisch in den Tagen drauf war hervorragend. Genau so wie den selber gefangenen Fisch (trotz Sturz ins eiskalte Wasser) und die selber gesammelten Beeren.

Wie oft und auf welchem Weg hattest du Kontakt zu deiner leiblichen Familie während dem Austauschjahr?

Meine Mutter schickte mir einmal im Moment eine Kassette, auf der sie mir erzählte, was daheim alles passierte und wie es allen geht. Ich habe ab und zu Briefe geschrieben, aber nicht sehr oft. Und ich rief immer an, wenn ich kein Geld mehr hatte. Was von meinen Eltern auch entsprechend kommentiert wurde… Aber damals war telefonieren noch teuer und deswegen rief man nur bei wichtigen Sachen an. Wie eben Geld 😉

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?

Ich war grad vor zwei Wochen zu Besuch bei einer ehemaligen Schulkollegin, schreibe jedes Jahr ein Dutzend Weihnachtskarten an Freundinnen und Freunde in Schweden, und gehe alle paar Jahre vorbei, um sie zu besuchen. Das liegt aber auch daran, dass ich nach meinem Studium in der Schweiz nochmals anderthalb Jahre in Schweden war und im Büro von YFU Schweden arbeitete. Auch aus dieser Zeit habe ich immer noch viele Freunde, die ich regelmässig sehe.

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?

In der Schule besuchte ich die gesellschaftswissenschaftliche Ausrichtung des Gymnasiums, eine Ausrichtung, die ich gerne auch hier in der Schweiz gehabt hätte. In der Freizeit begann ich Unihockey zu spielen. Nie besonders gut, aber sehr gern.

Welches nationale/internationale Thema hat dein Gastland während deines Austauschjahres besonders beschäftigt?

Für mich war es sehr speziell, dass es diverse grössere Streiks gegeben hat, die mich auch sehr direkt berührten. Eine Lehrergewerkschaft war fünf Wochen im Streik, also viel während dieser Zeit 80% des Unterrichts aus. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Tag Schule nach dem Streik. Es war ein Freitag, mein Gastvater weckte mich zum ersten mal seit fünf Wochen wieder früh am morgen und draussen wars -30 Grad. Wenig später traten die Banken in Streik und es war nicht mehr möglich, Geld abzuheben. Das war auch recht speziell, denn irgendwann hatte niemand mehr Bargeld. Schliesslich einigten sich die Banken kurz bevor der Staat eingriff.

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land? Ins Essen? Oder eine Person? Was ist daraus geworden?

Ins Land ganz sicher, ich bin immer noch mindestens alle zwei Jahre dort, ins Essen auch – ich war einige der wenigen Ausstauschschülerinnen, die Blutpudding liebten – und auch in eine Person, unglücklich und unerwidert. Also konzentriere ich mich heute lieber aufs Essen. Ich muss immer gross einkaufen, wenn ich in Schweden bin: Blutpudding, Polarbrot, eingelegter Hering, Kalle’s Kaviar, Knäckebrot, Pepparkakor, Julmust.

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst?

Ich war nach meinem Austauschjahr während 10 Jahren als Freiwillige bei YFU Schweiz aktiv, anschliessend arbeitete ich anderthalb Jahre im YFU Büro in Stockholm, und schliesslich war ich sechs Jahre im Vorstand von YFU Schweiz. Und ich arbeite auch heute in einer Non-Profit-Organisation, weil ich mich weiterhin für einen sinnvollen Zweck engagieren will und nicht einfach nur arbeiten will, um meine Rechnungen zahlen zu können.

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet? Wie lange? In welchen Positionen?

Als Freiwillige half ich mit in der Region bei den Interviews, Gastfamilienbesuche, ich war Kontaktperson für Austauschschüler, ich war auch Gastschwester. Am längsten war ich aktiv als National Event Coordinator, während rund sechs Jahren. Zudem war ich auch als Freiwillige bei einem Arrival Camp von YFU Frankreich dabei und half verschieden internationale Anlässe organisieren. Meine ganze Studienzeit war vor allem geprägt von vielen YFU Anlässen und vielen YFU Freunden.

Seit mehr als 20 Jahren werde ich gefragt, warum ich grad nach Schweden ins Austauschjahr wollte. Ich kannst heute noch nicht sagen, nur: Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Heja Sverige!

 

Marie-Theres, USA 1974/75

In den letzten 50 Jahren hat YFU Schweiz Tausende AustauschschülerInnen in alle Welt geschickt. Zum Jubiläum haben wir einige von Ihnen befragt. Marie-Theres berichtet von Ihrem Austauschjahr in den USA im Jahr 1974/75.

Wie bist du ins Austauschjahr gereist?

Damals konnte man von der Schweiz nur die USA als Austauschland wählen, andere Länder standen noch nicht zur Wahl. Für mich war es die erste Auslandreise in ein nicht deutschsprachiges Land.

Wir waren ca. 50 Austauschschüler aus der Schweiz, die mit einer Gruppe YFU Austauschschüler aus Griechenland von Zürich nach Detroit reiste. Der Flug war von YFU gechartert. Es waren ausschliesslich YFU Austauschschüler und Staff an Board.

Für die Flugbegleiter war dieser Flug ein riesiger Stress, da sich ja jeder Jugendliche vom Orientierungswochenende her kannte und sich miteinander unterhalten wollte. So war niemand wirklich ruhig auf seinem Sitzplatz und die Griechen sangen und tanzten Sirtaki, bis die Flugbegleiter eine ultimative Durchsage machten: Es werde erst Essen und Trinken serviert, wenn alle Passagiere sich angeschnallt auf ihren Sitzplätzen befinden. Der Erfolg war nur von vorübergehender Dauer… Nach dem Essen ging die Party im gleichen Stil wie vorher weiter.

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?

Der Empfang war sehr herzlich. Wir hatten uns im Vorfeld einige Male geschrieben und Fotos ausgetauscht, sodass mir meine Gastfamilie schon sehr vertraut vorkam.

Da die besten Freunde meiner Gastfamilie gleichzeitig einen griechischen YFU Austauschschüler aufgenommen hatte, wurde ich gleich von 2 Familien abgeholt am Flughafen. Wir fuhren alle gemeinsam zum Frühstück ins Perkins Pancakehouse. Dort stiess ich gleich zum 1.Mal mit meinen noch limitierten Englischkenntnissen an meine Grenzen: Auf die Frage der Kellnerin „how do you like your egg?“ wusste ich vorerst keine Antwort…im Englischunterricht in der Schweiz hatte man uns solche Dinge nicht beigebracht…

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?

Es gab so viele eindrückliche Erlebnisse, aber das wichtigste und spannendste war wohl: in einer komplett fremden Umgebung bei 0 anzufangen, eine Beziehung zu einer neuen Familie aufzubauen und einen neuen Freundeskreis gewinnen…Freundschaften, die nach 35 Jahren immer noch bestehen.

Wie oft und auf welchem Weg hattest du Kontakt zu deiner leiblichen Familie während dem Austauschjahr?

Ich war ja noch im der Zeit vor Computer/Internet und Mobiltelefonie im Austausch. So schrieb mir meine Mutter wöchentlich einen Brief…ich antwortete meist nur einmal pro Monat. Telefoniert habe ich nur 1x zu Weihnachten. Meine ältere Schwester besuchte mich während 2 Wochen im Januar und lebte während dieser Zeit auch bei meiner Gastfamilie.

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?

Ja, Schulkolleginnen, die mich auch schon besucht haben. Zu einer holländischen Austauschschülerin, die in der gleichen US Stadt lebte, habe ich einen sehr regen Kontakt

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?

Da die Lehrer der öffentlichen Schule bei meiner Ankunft für mehrere Wochen im Streik waren, wechselte ich auf meine Initiative hin in die private katholische Mädchen Highschool, die schon meine Gastmutter in ihrer Jugend besucht hatte.

Das Niveau war besser als in der öffentlichen Schule, das Schulgeld wurde mir erlassen, weil die Schule es als Gewinn empfand jemanden aus einer anderen Kultur in ihrer Schule zu haben. Ich musste als Gegenleistung Vorträge über die Schweiz halten und Französisch-Nachhilfeunterricht erteilen.

Ich war im Volleyball- und Leichtathletikteam der Schule.

Welches nationale/internationale Thema hat dein Gastland während deines Austauschjahres besonders beschäftigt?

Das Ende des Vietmankriegs..

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land? Ins Essen? Oder eine Person? Was ist daraus geworden?

Ich hatte von allem Anfang an eine sehr enge Beziehung zu meinen Gasteltern und habe sie nach meiner Rückkehr mehrmals besucht. Leider ist der Kontakt in den letzten Jahren etwas eingeschlafen.

Gegen Ende des Austausch-Jahres habe ich mich im den griechischen YFU Studenten verliebt, der bei den besten Freunden meiner Gastfamilie lebte. Die Beziehung hat das Austauschjahr fast 2 Jahre überlebt.

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst?

Ich bin sicher weltoffener und toleranter geworden und konnte meine Sozialkompetenz entwickeln und ausbauen. Meine Lust zu reisen und andere Kulturen kennenzulernen wurden geweckt.

Bei der Wahl meines Lebenspartners hat das Austauschjahr sicher auch eine Rolle gespielt: Er ist Auslandschweizer.

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet? Wie lange? In welchen Positionen?

Nach meiner Rückkehr ging ich  6 Monate in die Romandie für ein Spitalpraktikum, danach machte ich eine Ausbildung als Pflegefachfrau. 5 Jahre nach dem Austauschjahr habe ich im Rahmen einer Weltreise meine Gastfamilie und Freunde zum 1.Mal wiedergesehen. Die ganzen tollen Erlebnisse und die positive Erfahrung für mein Leben wurden mir wieder bewusst.

So entschloss ich mich nach der Rückkehr von der Weltreise als Volunteer für YFU tätig zu werden. Ich arbeitete rund 15 Jahre für YFU, zuerst als area representative, später als events coordinator und zum Schluss als regional director Nordwestschweiz.

Ich habe an sehr vielen workshops teilnehmen und auch leiten dürfen (u.a. für YFU France in Paris). Dies war und ist sehr lehr-/hilfreich für meine berufliche Laufbahn und meinen Lebensweg.

Welche spannenden Geschichten hast du im Austauschjahr noch erlebt?

Die spannendsten Geschichten habe ich eigentlich erst nach meinem Austauschjahr erlebt als volunteer bei YFU, z.B. im Skilager oder während dem european year-end seminar im KUSPO in der Lenk.

Auch während meiner Zeit als regional director habe ich mit Austauschstudenten und Gastfamilien viel Schönes, aber auch Anspruchvolles und manchmal sehr konfliktreiche Situationen erleben dürfen. So fällt mir schwer, ein Erlebnis herauszupicken.

Hier aber doch noch eine Geschichte:

Vor rund 10 Jahren besuchte ich mit einer ehemaligen Schulfreundin aus dem Austauschjahr Marokko. Meine amerikanische Freundin (ex-YFU Studentin in Frankreich) ist Französischlehrerin und war 15 Jahre mit einem Marokkaner verheiratet. Sie war für eine Lehreraustauschprogramm für einige Wochen in Tanger stationiert.

Am Ende ihres Austauschprogramms habe ich sie dann besucht. Wir wohnten bei der Familie ihres Ex-Mannes in Casablanca. Es war gerade Fastenmonat Ramadan. Natürlich haben wir die Fastenzeit hautnah miterlebt. Es hat mein Verständnis für die islamische Welt gestärkt und ich kann die Sorgen und Ängste dieser Menschen viel besser verstehen.

Beeindruckt war ich aber auch von der Gastfreundschaft der Marokkaner und ihrer Toleranz anderen Kulturen gegenüber, ein unvergessliches Erlebnis!

Partir

Partir avec YFU n’est que le début d’un concept de vie qui va te marquer et très probablement changer ta vie.

Comme disait Edmond Haraucourt en 1891: «Partir, c’est mourir un peu ». Pour tous les YFU-iens, c’est pourtant clair que partir c’est aussi découvrir, grandir et une expérience qui te rend curieux de comprendre d’autres eusses et coutumes.

Du coup, il y a neuf ans, j’ai décidé de quitter la Suisse alémanique et de partir en échange avec YFU en France. Une année défiante et enrichissante, longue et courte en même temps. Et surtout une année durant laquelle j’ai pu trouver une deuxième famille ainsi que construire une nouvelle partie de ma vie.

Après mon retour en Suisse, j’ai décidé de devenir bénévole pour YFU. J’ai effectué des entretiens avec de jeunes étudiants désireux de partir à l’aventure. De plus, ma famille a accueilli pendant un an tout d’abord un Suédois puis une Slovaque. Si je ne m’étais pas engagée au sein de l’organisation, on ne m’aurait certainement pas proposé de coordonner des évènements nationaux. Ces évènements étaient destinés aux étudiants d’échange, se situant en Suisse, afin de les préparer à leurs futures conditions de vie. Activité que j’ai coordonnée durant 5 années d’affilées.

Si ce n’était pas pour ma passion de YFU, je ne serais probablement pas partie une deuxième fois loin de mon pays d’origine. Cette fois-ci je suis allée faire un stage YFU en Afrique du Sud. J’ai de nouveau pu découvrir un pays, d’autres personnes, une autre culture et un style de vie beaucoup plus tranquille qu’en Europe. Mon expérience là-bas m’a tellement plu que j’ai décidé d’y effectuer un deuxième stage un peu plus tard dans le cadre de mes études.

Du coup, depuis mon année d’échange toute ma vie tourne encore – des fois plus, des fois moins – autour de YFU: je vois régulièrement ma famille d’accueil en France ainsi que ma sœur d’accueil slovaque et des amis de YFU. Je profite du savoir culturel et émotionnel que j’ai appris au long de mes diverses expériences. Ceci m’aide beaucoup dans la vie de tous les jours (je vis maintenant en Suisse romande 😉 ) ainsi que dans mon travail. En fin de compte, ce ne fut pas seulement une histoire de cultures mais une histoire d’amour pour la langue française qui a éveillé ma curiosité et m’a offert une ouverture d’esprit.

Tout cela pour dire que partir dans un pays toute seule est une belle école de vie. C’est seulement quelques années après que j’ai mieux compris ce que Steve Jobs voulait dire à lors d’un discours d’une remise de diplôme décrivant ces expériences de vie: «At the end, you can’t connect the dots looking forward; you can only connect the dots looking backwards.».

Tout se passe pour une raison mais c’est à toi de trouver un sens à ce que tu fais!

Susanne, USA 1970/71

Wir haben ehemalige YFU AustauschschülerInnen aus den vergangenen 5 Jahrzehnten zum Interview gebeten. Den Anfang macht Susanne, die 1970/71 ein Jahr in den USA verbrachte.

Wie bist du ins Austauschjahr gereist?

Wir waren damals 8 SchülerInnen, die an die Westküste der USA reisten. Zuerst mit dem Zug von Bern nach Hamburg, dort trafen wir mit den Deutschen und Skandinavier zusammen und wurden per Charterflug mit Zwischenhalt auf Island nach Oakland geflogen.

Dort  wurde ich in ein kleineres Flugzeug gesetzt und flog nach Orange, wo ich von meiner Gastfamilie erwartet wurde. Die hohe Temperatur und der besondere Geruch, als ich ausstieg aus dem Flugzeug, haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen bei mir.

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?

Die Gasteltern und die drei „Schwestern“ waren alle da….und alle kleiner als ich! Sie waren offenbar genau so gespannt und neugierig auf mich, wie ich auf sie. Sie waren interessiert und halfen mir mit den sprachlichen Schwierigkeiten, was auch viel zu lachen gab. Besonders als ich fragte, ob ich eine „Dush“ nehmen könnte, waren sie etwas schockierte, aber wir konnten es klären!

Es war einfach alles toll, das sonnige Wetter, das Haus, das Auto, das Essen…ich war für’s erste mal überwältigt.

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?

Es gibt nicht ein Ereignis, es war der ganze Prozess, durch den ich hindurchging in diesem Jahr, der mich noch heute beeindruckt. Ich musste mich sehr intensiv mit mir und meinen Reaktionen, Gefühlen und Haltungen auseinander setzen, was mich sehr gefordert hat.

Unter anderem machte ich einen Berufsfindungsprozess durch: der hohe Drogenkonsum unter den Mitschülern und verschiedene Beobachtungen von Horrortrips an Partys überzeugten mich, dass ich eine Ausbildung machen will, um mit Drogenabhängigen arbeiten zu können. Viel später bildete ich mich in Paar- und Familientherapie weiter. Die Probleme meiner Gasteltern, die sich nach und nach zeigten, konnte ich damals nur beobachten, haben mich aber auf Athmosphärisches, Verhaltensmuster und Dynamik in Familiensystemen sensibilisiert.

Wie oft und auf welchem Weg hattest du Kontakt zu deiner leiblichen Familie während dem Austauschjahr?

Ich habe Briefe geschrieben, die damals noch eine Woche brauchten um anzukommen. So habe ich ca. einen Brief von meinen Eltern und einen von meiner Schwester pro Monat bekommen. An Weihnachten habe ich telefonieren dürfen. Es war ein sehr teures Telefon, der $ kostete Fr. 4.50.

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?

Ich habe sehr guten Kontakt zu einer Schulfreundin und meiner ehemaligen Soziologielehrerin. Wir sehen uns alle paar Jahre. Dieses Jahr feierten wir unsere 40 jährige Freundschaft in Chicago und N.Y.

Mit der ältesten Gastschwester telefoniere ich einmal pro Jahr.

Dann ist mir eine Schweizer Freundin geblieben. Sie war zuerst in der gleichen Strasse und Schule, hat dann Gastfamilie gewechselt.

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?

Ich belegte alle Freifächer, die ich zu Hause nicht hatte: Drama, Speech, Student Council.

Mich interessierte alles und ich wurde sehr viel zu allen möglichen Aktivitäten eingeladen.

Die Familie hatte ein Cabin in den Bergen, wir wanderten und Freundinnen nahmen mich zu ökologischen Veranstaltungen mit.

Welches nationale/internationale Thema hat dein Gastland während deines Austauschjahres besonders beschäftigt?

Der kalte Krieg und Vietnam!

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land? Ins Essen? Oder eine Person? Was ist daraus geworden?

Mexican Food hat es mir angetan…..sehr vieles hat mich fasziniert…..he, es waren die 70iger, Woodstock war gerade um die Ecke, Women’s Lib, Free Love…..

Und ich war auch sehr kritisch, z.B. gegenüber dem Vietnam War, der Propaganda gegen die UdSR, dem frühen Heiraten, dem Dating……

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst?

In der Berufswahl als erstes und in meiner grundsätzlichen Haltung andern Menschen gegenüber: Das Fremde ist für mich eine Bereicherung und nicht eine Bedrohung!

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet? Wie lange? In welchen Positionen?

Damals gab es diese Struktur noch nicht. Bei einem Aufruf zur Mitarbeit bei einem Jubiläum (1993 oder 1998 ?) meldete ich mich als Familientherapeutin und wurde Counselor, was ich seither bin. Von 1998 – 2002 war ich Board Member.

Was hast du im Austauschjahr gelernt?

Ich bin mir heute sehr bewusst, welchen positiven Einfluss mein Austauschjahr auf mein Leben hat und ich bin sehr dankbar dafür, dass es schon damals Menschen gab, die ehrenamtlich mithalfen, dass dies für mich möglich wurde.

Das gegenseitige Interesse an Menschen aus andern Kulturen hat mich unterstützt in meiner persönlichen Weiterentwicklung, mich gefordert und zu dem gemacht, was ich heute bin.

Begegnungen und Erlebnisse hatte ich enorm viele … und nur positive.

Vielen Dank für das Interview.

…in den kommenden Wochen erscheinen an dieser Stelle weitere spannende Interviews mit ehemaligen YFU AustauschschülerInnen.