YFU Switzerland

Thanksgiving & Black Friday

Die Geschichten über Thanksgiving in amerikanischen Filmen haben mich neugierig gemacht und so fieberte ich dem Donnerstag schon Tage entgegen.
Mittwochs hatten wir auch schon frei, da unsere Lehrerschaft eine Weiterbildung hatte, was meiner Gastmutter ziemlich gelegen kam, denn so konnte ich ihr den ganzen Tag in der Küche beim Vorbereiten der leckeren Speisen helfen.
Am Donnerstag war es dann so weit. Die gesamte Verwandtschaft stand vor der Tür und wir hatten ein regelrechtes Festmal. Truthahn, Mac & Cheese (Teigwaren mit Käse), verschiedene Gratins und Desserts sind nur wenige der Köstlichkeiten.
Ich wollte so viel als möglich probieren und so haute ich ordentlich rein. Trotz fleissigem vertilgen des Essens von meiner Seite blieben am Schluss noch haufenweise Reste übrig, durch die wir noch Tage nach dem Fest an den schönen Tag erinnert wurden.
Direkt nach Thanksgiving kam Black Friday, ein Tag der von vielen Leuten noch beinahe mehr herbeigesehnt wird als Thanksgiving. Zu meinem Erstaunen war das Einkaufszentrum  bei unserem Eintreffen dort um ca. 10.00 Uhr noch gar nicht so voller Leute wie ich erwartet hatte.
Die Massen liessen jedoch nicht lange auf sich warten. Schon gegen Mittag bildeten sich Warteschlangen an den Kassen die sich durch den ganzen Laden zogen und die Leute konnten in einigen Läden kaum noch als  Individuum ausgemacht werden. Mir wurde der Lärm, die feilschenden Leute für den besten Preis und die gierigen Schnäppchenjäger bald zu viel und ich war trotz den guten Angeboten froh, dass ich wegen meinem Training ohnehinnach Hause musste.

Ein Herbst voller Ereignisse

 

Indianapolis.

Zeitlich am weitesten zurück liegt der Ausflug nach Indianapolis, daher fange ich am Besten gleich damit an. Der Bruder meines Gastvaters und dessen Familie haben Matilde und mich in den Herbstferien spontan abgeholt und wir sind zusammen nach Indianapolis gefahren, wo wir erst die Stadt, das heisst unter anderem das Rathaus und das gigantische Memorial in der Mitte des Kreisels besichtigten und uns danach im Rock Café verpflegten. Später begaben wir uns in ein IMax – Kino (In 3D und mit einer gigantischen Leinwand), indem wir uns einen Film über Nationalpärke der USA angeschaut haben.

Auf dem Pumkin Patch.

In einem typischen Herbst in Indiana ist auch ein Besuch auf einem Pumpkin Patch ein absolutes Muss. Der Pumpkin Patch gehörte zu einer Farm, die nebst der Hauptattraktion; dem Kürbisfeld,  ausserdem Tiere zum Streicheln, einen Hay ride, was so viel ist wie eine Tour auf einem Wagen eines Traktors auf dem ein Haufen Heuballen liegen und einem Maislabyrinth zu bieten hatte.

Auf sportlicher Ebene bin ich vor einigen Wochen buchstäblich ins kalte Wasser gesprungen: Die Schwimmsaison hat gestartet und hält mich nach der Schule mit Training täglich beschäftigt und auch an Samstagen heisst es statt ausschlafen Training für die nächsten paar Monate.

Die Band in der Kirche.

Sonntags gehe ich normalerweise wie gehabt mit meinen Gasteltern in die Kirche. Der Gottesdienst besteht aus ca. 15 Minuten Musik, die von einer Band gespielt wird und etwa 30 min Predigt, die immer vier Sonntage das gleiche Thema behandelt und dann wechselt. Mit den Gottesdiensten, die ich in der Schweiz besucht habe, ist das hier jedoch nicht zu vergleichen. Es wird geklatscht und lauthals gelacht über Witze, die der Pfarrer nicht gerade sparsam in die Predigt einbaut.

Es gibt zwei Gottesdienste pro Sonntag und die Kirche ist meist an beiden fast vollständig ausgelastet (Die Kirche fasst gut 400 Leute).

Nach der Kirche gehen wir oft aus für „Dinner“, was eine Art Brunch ist, d.h. riesige Menüs mit Wurst, Ei, Pancakes, Waffeln, Fleisch, Toast und so weiter.

Einer der Höhepunkte der letzten Wochen für mich war, als ich mit einigen Freunden und meiner Gastfamilie ein Basketballspiel der Pacers besuchen konnte.

Das Basketballspiel der Pacers.

Es fand im Bankers Life Field House, dem Basketball Stadion in Indiana statt.

Zu unserem Vergnügen holten sich die Pacers, so nennt sich die Mannschaft von Indianapolis, nach einem harten und sehr ausgeglichen Spiel, durch den alles entscheidenden Korb in der letzten Minute, den Sieg.

Der Höhepunkt der letzten Wochen für meine Gasteltern, war wohl eher, als wir bei einer Freundin der Familie das Fleisch einer ganzen Sau abholen konnten, denn sie lieben, wie viele Amerikaner, Fleisch.

Speck einer Sau.

Ganz besonders der Anblick von Kilo Weise Speck liess ihnen wohl das Wasser im Mund zusammenlaufen. Der Grossteil des Fleisches haben wir tiefgefroren und werden wir wohl immer mal wieder während dem Jahr verwerten.

Wer mit amerikanischer Kultur vertraut ist, bei dem klingeln die Alarmglocken schon beim Wort Oktober oder genauer 31. Oktober. Halloween. Für sämtliche Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene ein seit Wochen herbeigesehnter Tag.

Wenn ich morgens mit dem Bus zur Schule ging, konnte ich schon Tage vor dem eigentlichen Halloween in vielen Vorgärten, die in schauriges Licht getunkten Kreaturen begutachten.

Unglücklicherweise fiel Halloween dieses Jahr auf einen bitterkalten Dienstag, was aber kaum ein süssigkeitenhungriges Kind davon abhielt sich im passenden Kostüm durch die eisige Kälte zu kämpfen um „Trick or Treating“ zu gehen. Als es dämmerte, lösten sich die kleinen Vampire, Skelette oder was den Kindern sonst noch so in den Sinn kam, wie Schatten aus den Häusern und machten sich auf den Weg von Tür zu Tür um auf die Worte „Trick or Treating“ hin einen Haufen Süssigkeiten zu ergattern.

Matilde und ich entschieden uns kurzfristig uns unseren jüngeren Cousinen anzuschliessen und mit ihnen „Trick or Treating“ machen zu gehen. Von Haus zu Haus gingen wir, bis unsere Finger beinahe tiefgefroren und unsere Beutel prall gefüllt mit Süssigkeiten waren.

Auch andere Jugendliche liessen es sich nicht nehmen der Tradition zu folgen, wobei die Älteren sich eher von Halloween Parties am Wochenende vorher begeistern liessen.

Nachdem meine Gastmutter schon am Samstag extra die Halloween- Verkleidungskiste vom Dachboden geholt hatte, gab es auch für Matilde und mich kein Zurück mehr und wir machten uns am Samstag vorher auf den Weg zu einer Halloween Party, die an einem Lagerfeuer in unserem Dorf statt fand. Nebst dem Feuer gab es auch einen Schuppen mit dröhnender Musik, grellem Licht, guten Snacks und lauter tanzenden Halloween-Kreaturen die sich vom  Halloween-Fieber mitreissen liessen.

(Die Bilder dieser Galerie sind vergrösserbar.)

Nach dem aufregenden Halloween Abend gönnte mir der Zufall einen Tag Pause und dann ging es auch schon mit dem nächsten grossen Event weiter: Die offizielle Fussball Abschlussfeier, auch „soccer banquet“ genannt.

Alle Mitglieder des Mädchen Fussball Teams der Schule waren eigeladen inklusive Eltern, Geschwister und wer sonst noch so kommen wollte.

Für Verpflegung war gesorgt, indem von jeder Familie ein Gericht mitgenommen werden musste. Alle Gerichte zusammen ergaben ein ziemlich ansehnliches Buffet, an dem wir uns alle die Bäuche voll schlugen, bevor es mit dem offiziellen Programm weiter ging.

Es wurden Awards verliehen für die beste Spielerin, diejenige die sich am meisten Entwickelt hat und so weiter.

Meine Finger gruben schon langsam kleine Halbmonde in meine Handflächen, so fest presste ich meine Hände zusammen bei dem Gedanken an den nächsten Programmpunkt.

Alle Seniors, also Fussballspielerinnen im letzten Highschooljahr, sprachen, wie es die Tradition vorschreibt, im Rahmen von Reden über ihre Zeit im Team und so weiter.

Da ich in solchen Fällen als Senior registriert bin, musste ich also meine ganzen Englisch-Kenntnisse zu einer Rede zusammen basteln und diese dann auch noch vor versammelter Menge irgendwie rüber bringen. Dank vielem Üben im Voraus, war ich schlussendich aber ganz zufrieden mit meiner Rede.

Die Versammlung in der Turnhalle der Schule.

Dieses Jahr gab es ganz besonders Anlass zum feiern, weil wir die „Conference“, also die Meisterschaft unter allen High Schools der Umgebung, gewonnen haben.
Dies kam uns auch am nächsten Tag gleich noch einmal zu gute, denn zum Anlass der abgeschlossenen Herbstsportarten, versammelte sich am Freitag, statt der ersten Lektion Unterricht, die gesamte Schule in der Turnhalle und es wurde verkündet, welche Sportarten dieses Jahr besonders gut abgeschnitten haben.

Auch die besten Schüler wurden nach vorne gebeten und mit Auszeichnungen überhäuft.

Gestern sind wir in den  „Brown Country National Park“ gegangen, bei dessen Anblick ich vor lauter Staunen fast aus dem Autofenster gefallen bin. Denn ausser einer kleinen Tour um einen See, haben wir den Park weitgehend per Auto erkundet. Zumindest waren wir dann im Auto, wenn ich meinen Gastvater nicht gerade zum Anhalten überredet hatte, damit ich einige Bilder schiessen konnte.

(Die Bilder dieser Galerie sind vergrösserbar.)

Ein Wochenende in Michigan

Dass meine Schwester letztes Jahr ein Austauschjahr gemacht hatte kam mir für ein mal zu Gute. Ihre Gasteltern haben mich nämlich für ein Wochenende zu sich eingeladen. Ich folgte der Einladung natürlich noch so gerne und so ging es am Freitag nach der Schule für mich ab nach Michigan. Meine Gastmutter fuhr mich die Hälfte der Strecke und die Gastmutter von meiner Schwester gabelte mich dann auf und fuhr mich den Rest des Weges.

Insgesamt musste ich rund drei einhalb Stunden fahren, was mich dann doch ganz schön erschöpfte. Mit ausruhen war aber nichts – im Gegenteil. Einer ihrer Söhne und seine Freundin nahmen  mich mit in ein „haunted house“, übersetzt ein Spuk-Haus. Genau gesehen handelte es sich jedoch nicht nur um ein Haus, sondern um ein ziemlich ansehliches Gelände mit mehren Gebäuden, welches extra für Halloween eingerichtet wurde und als gewaltiges Touristenmagnet ganze Arbeit leistet. Der Parkplatz war jedenfalls mit Leuten vom ganzen Staat überfüllt als wir um ca. 21.30 dort eintrudelten. Einige der Parcours die wir machten waren tatsächlich ziemlich gruselig, denn vorallem die Schauspieler die als blutdrünstige Monster, halb lebendige Verunfallte und verwirrte Seelen hinter jeder Ecke hervorspringen sind nichts für schwache Nerven. Nachdem wir uns noch mit einem „elephant ear“ (ein riesiger Fladen frittierter Teig paniert mit Zucker und Zimt) gestärkt hatten, brachen wir wieder nach Hause auf.

Am nächsten Tag stand ich noch so gerne auf, als mich der Duft von gebratenem Speck und frischen Pancakes weckte. Mit ausgiebige Frühstück im Bauch ging es zu einem Shoppingcenter, wo wir einige Stunden verweilten. Nach dem Einkaufstrip schnapte ich mir Molly, ihren Hund und erkundete ein wenig die Gegend. Okaaay, zugegeben so weit bin ich nicht gekommen denn ihr Garten mit Seeanstoss war schon für sich selbst ziemlich sehenswert.

Am Abend stand dann ein echt wichtiges football game (um Verwirrungen vorzubeugen, wenn ich von football spreche meine ich immer american football und nicht unser Fussball, welches hier übrigens soccer genannt wird) zwischen Michigan und Michigan State an, welches wir uns im Rahen von gemütlichem Beisammensein bei Freunden zuhause anschauen wollten. Das Spiel war ziemlich interessant, auch wenn ich inoch lange nicht alle Regeln verstehe und mich mitlerweile langsam frage ob ich überhaupt je alle kennen werde. Football zu schauen und dabei zusammen zu essen und zu trinken ist eine beliebte Beschäftigung an Samstagabenden bei Amerikanern von klein bis gross.

Der Sonntag war mein persönliches Highlight. Wir brachen gegen Mittag nach zu south haven am Michigan lake, wo wir mit Verwandten zum Mittagessen verabredet waren.

Nach dem Essen schlenderten wir noch einwenig dem wunderschönen Strand entlang. Das muss man einfach einmal im Leben gesehen haben! Diese trügerische Weite von einem See, die einem vorgaukelt man stehe direkt vor einem Ozean. Denn bei seiner Fläche von 58.016 km² ist von Land  weit und Breit nichts zu sehen.

Am späteren Nachmittag durfte ich dann ganz hoch hinaus. Der Gastvater von meiner Schwester flog mich nämlich mit seinem Flugzeug zurück nach Indiana.

Ich war geflasht von dem Ausblick und wie flach alles zu sein schien. Bei den braunen Flecken welche überall zu sehen sind, handelt es sich übrigens um Maisfelder.

Die schnelle Transportmöglichkeit kam mir nicht nur wegen dem Ausblick gelegen. Am Abend feierten wir noch den Geburtstag von meiner (zumindest für ein Jahr) Cousine. So ging ein überaus gelungenes Wochenende zu Ende.

Die aufregendste Schulwoche im Jahr

Die ersten Blätter verfärben sich langsam bunt, die Tiere beginnen sich allmählich einen Wintervorrat anzulegen und der Apfel-Bauer um die Ecke ist fleissiger denn je. Der Herbst ist gekommen und mit ihm homecoming. Die tollste Schulwoche im Jahr, wenn man die Schüler meiner Highschool fragt.

Ich versuche mal ganz kurz zu erklären was homecoming überhaupt ist, wobei euch Mr. Google in diesem Fall womöglich besser weiterhelfen könnte. Wie auch immer, homecoming wird in den meisten Highschools und Colleges hier im Rahmen eines Umzuges, American Football-Spieles und einem Ball gefeiert und diente ursprünglich zur Willkommenheissung von ehemaligen Spielern der Schule oder zur Ehrung von Spielern die wieder spielen.

Im Park vor dem homecoming dance

Über den Grund der Zeremonie wissen aber selbst die meisten Amerikaner nicht wirklich Bescheid.

Schon einige Tage vor dem Beginn der homecoming Woche wurden sämtliche Wände der Schule mit Informationsplakaten vollgepflastert, die über das Thema vom diesjährigen homecoming und die Verkleidungs-Themen informierten.

Unser diesjähriges Thema war „Movies“ (Filme). Dem entsprechend wurden auch die Themen für die Verkleidungstage festgelegt.

Am Montag war „verkleide dich als dein lieblings Sportler“ angesagt, am Dienstag sollte man sich nach einem Cartoon Charakter, also alles möglichst nicht passend und albern, verkleiden. Am Mittwoch war Western angesagt, am Donnerstag sollte man als sein lieblings Film Charakter  auftreten und am Freitag das grosse Finale: „Arabien Pride“.

Ich schätze das Thema vom Freitag bedarf einige Erklärungen. Jede Schule in den Staaten hat einen solchen Namen, wie bei uns „Arabiens“ der vor allem für die Sportler genutzt wird. Die Studenten unserer Highschool werden wie gesagt Arabiens genannt, unsere Schulfarben sind dunkel grün und weiss und unser Symbol ist der Araber (Pferd). Der Name kommt von der Strasse an der die Schule liegt: Arabien Drive. Also war das Ziel für den Freitag noch einmal kurz zusammengefasst, dass sich möglichst viele in den Farben der Schule kleiden.

Ich verkleidete mich nicht wirklich, da ich keine Zeit dafür hatte und am Montag und Mittwoch hatte ich ohnehin ein Fussballspiel, was bedeutete ich hatte die Sport Uniform zu tragen, was als Demonstration unseres Stolzes von den meisten Sportarten an Tagen von Spielen gemacht wird. Vorallem die Schüler des letzten Jahres verkleideten sich, aber auch einige Kostüme von Schülern aus anderen Jahrgängen stachen aus der Menge. Eine Meerjunfrau aus „little mermaid“ hier, ein zum verwechseln ähnlicher Horrorclown aus „It“ da, sogar einige Lehrer hauten mich mit ihren Verkleidungskünsten schier vom Hocker.

So erwartete mich zum Beispiel statt meiner grauhaarigen Lehrerin mit Brille eine Rockerbraut mit Lederhosen, Lederjacke und Ledercap, sowie überziehbaren Tattostrümpfen an den Armen  in meinem Weltkrieg II Klassenzimmer.

Das powderpuff game

Am Donnerstag Abend galt es dann für einige senior- und juniormädchen ernst. Es ging darum das traditionelle powderpuff zu spielen, das heisst die Mädchen des letzten (seniors) und zweit letzten Jahres (juniors) traten für einen Abend in die Schuhe der football player und spielten ein football game.

Mir wurde von Leuten aus meinem Fussballteam gesagt, ich solle mich am Freitag mit ganz vielen Süssigkeiten im Park mit dem Rest der Manschaft treffen.

Rund 70 „floats“ (Umzugswagen) standen dort für die Parade bereit. Jede Sportart der Highschool und Middleschool, sowie sämtliche Clubs der Schulen,  hatten einen Wagen mit dem sie durch die Strassen von Pendleton vom Park bis zur Schule fuhren und den Kindern, die schon sehnsüchtig jubelnd am Strassenrand warten, Süssigkeiten zuwarfen.

Die „float“ der juniors

Nach dem Umzug versammelten sich viele der Studenten, Eltern und andere Schaulustige  auf den Tribünen des Footballfeldes, wo das homecoming game ausgetragen wurde. Wie, trotz den ziemlich guten Gegnern, insgeheim von jedem erhofft, gewannen unsere Jungs das Spiel.
Glücklich aber müde von all den Eindrücken fiel ich abends ins Bett, damit ich schon einmal ein wenig Schlaf für den Samstag vorholen konnte, denn mit der Parade und dem Footballgame war homecoming noch lange nicht durch.

Die „student section“ am homecoming game

Samstags war nämlich der Ball, auf den ich mich ganz besonders gefreut habe. Gegen Mittag war ich mit Dani (Frau des Sohnes meiner Gasteltern) verabredet, damit sie mir die Haare machen konnte. Nachdem ich mich geschminkt hatte und mein Kleid sitzte brachte mich Amanda zum Park, wo ich mit Freunden verabredet war, um einige Fotos zu machen.

Mein homecoming Kleid

Viele der Jugendlichen gehen vor dem Ball essen und dies taten auch wir in einem prall gefüllten steakhouse im Nachbardorf.

Der Ball war, kombiniert mit einer Disco, ein ziemlicher Erfolg. Die Leute amüsierten sich prächtig, wenn auch zu sagen bleibt, dass mir manch einer zuraunte, Prom mache mehr Spass, da dann die jüngeren Schüler, das heisst Freshmen und Sophmore nicht mit von der Partie sein dürfen.

Der „dance“ wurde in der Hauptturnhalle der Schule abgehalten, was bedeutete um 11.00 p.m. wurde der Laden für alle Gäste dicht gemacht. Meine Gruppe machte sich danach auf zu einer meiner Begleiterinnen, um dort noch bis tief in die Nacht spiele zu spielen, zu plaudern und später dann erschöpft aber seelig lächelnd in die Betten zu sinken.

Senior night

Das varsity team vor einem Spiel.

Senior night. Das Thema der gesamten letzten Woche. Jeder wusste Bescheid. Nun ja, jeder ausser mir. Ich wurde dann endlich am Mittwoch (der Tag an dem die senior night stattfinden sollte) auch noch informiert, was ziemlich praktisch war, da ich auch eine grosse Rolle bei der ganzen Prozedur spielen sollte.

Senior night ist eigentlich ziemlich simpel zu erklären. Es werden alle „seniors“, das heisst alle Schüler im zwölften und somit letzten Schuljahr der Highschool, von den Sportteams, in denen sie partizipiert haben, verabschiedet.

Je nach Sportart läuft sie wohl ein wenig anders ab, darüber kann ich euch jetzt jedoch noch nicht informieren, weil ich selbst nicht wirklich Bescheid weiss, deswegen werde ich euch jetzt einfach mal von meinen Erfahrungen aus dem Fussballteam berichten.

Ein Foto von einer meiner Mannschaftskamaradinnen, welches ich bei einem vorherigen Spiel geschossen habe.

Die senior night fand zwischen dem junior varsity (jv- und dem varsity Spiel statt. Ich musste während dem ersten Spiel noch schnell ein Formular ausfüllen mit einigen Informationen über mich, wie zum Beispiel meine schönste Erinnerung im Team oder meine Pläne für die Zukunft. Die Informationen wurden dann von einem Moderator über den ganzen Platz verkündet, während ich von einigen aus meinem Team, die nicht in ihrem letzten Jahr sind, über das Spielfeld begleitet wurde, zwischen den anderen Teammitgliedern, die Spalier standen hindurch bis vor die Tribüne, die an diesem Abend vor lauter Leuten beinahe zu überquellen schien.

Geschenke meiner Gastfamilie anlässlich der senior night.

Vorne angekommen standen meine Gasteltern, die mich mit einem strahlenden Lächeln und einem Haufen Geschenke erwarteten und der Coach, der natürlich auch auf das Foto gehörte. Als alle seniors in diesem Rahmen verabschiedet worden waren, wurde noch schnell ein Shooting mit allen seniors abgehalten und wenig später ertönte auch schon der Anpfiff zum varsity game.

Es verbleiben nun noch drei Spiele  und dann ist die Fussballsaison auch schon vorbei und die Wintersportarten fangen an.

Ich hatte rückblickend eine tolle Saison in einem sehr toleranten und aufgeschlossenen Team, wofür ich sehr dankbar bin. Auch meine Trainer waren vorallem anfangs, als ich manchmal noch Mühe hatte den Ablauf der Übungen von Anfang an zu verstehen, sehr geduldig mit mit und haben mich während der gesamten Saison immer bestmöglichst involviert.

 

 

 

Was Kunst und Geschichts liebende und  Herzen höher schlagen lässt

Ein Gewächshaus auf dem Messegelände.

Letztes Wochenende hat Angela, eine Freundin der Familie, Matilde und mich eingeladen, um mit ihr und ihrer Familie an eine Kunstausstellung nach Indianapolis zu gehen. Die Messe war sehr eindrücklich, da an den meisten Ständen die Künstler auch gerade selber verkauften. Von Gemälden,  über Fotos bis zu Schmuck , Tanz und Musik war alles vertreten. Die Messe fand unter freiem Himmel, in so etwas wie einem riesigen Park statt. Genauer gesagt wird der Park aber als Garten bezeichnet und gehört zum Lilly House, einer 22-räumigen Villa, welche einmal J.K. Lilly Jr., einem berühmten Geschäftsmann, gehört hatte und heute als Kunstmuseum verwendet wird.

Die Küche im Lilly house.

Wir hatten die Möglichkeit das Haus zu besichtigen und wurden definitiv nicht enttäuscht.

Wenn wir nun schon bei vornehmen Häusern aus anderen Zeiten sind, wäre jetzt ein toller Zeitpunkt um euch von diesem Wochenende zu erzählen. Ich hatte nämlich am Samstag ein Meeting mit anderen Austauschschülern aus meiner Region und Leuten von YFU. Es ging vor allem darum sich über Probleme im Austauschjahr auszutauschen. Ich lernte Austauschschüler aus den unterschiedlichsten Ländern wie etwas Süd Korea, Thailand, Spanien und viele andere kennen und konnte mich mit ihnen austauschen.

YFU USA hat unser Treffen in einer Scheune neben der berühmten „Road 40“ organisiert und bot uns damit auch noch gerade einen Einblick in ein geschichtsträchtiges Gasthaus, welches direkt neben der Scheune steht und im 19. Jahrhundert im Gegenteil zu heutzutage weit und breit das einzige Haus an der „Country road“ war.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt was denn so besonders an der „road 40“ ist oder in dieser Zeit war. Sie geht durch den ganzen Staat Indiana und so weiter, aber das schaut ihr euch am besten gleich selber auf dieser Karte an. Mehr Infos findet ihr unter https://en.wikipedia.org/wiki/U.S._Route_40 .

Ein Plan von der Strasse, welcher im Gasthaus ausgestellt war.

Und das Haus von dem ich vorhin gesprochen habe, war logischerweise dann ziemlich beliebt für Reisende auf dieser Strasse, da sonst wieder ziemlich lange nichts mehr kam.

 

Sport, Sport und noch mal Sport

In einer Amerikanischen Highschool dreht sich alles um Sport. Das wurde mir schon ziemlich schnell bewusst. Das heisst nein, nicht nur um Sport. Es gibt auch leidenschaftliche Theaterleute, Fahnentänzer und Band-Mitglieder aber etwas haben sie alle gemeinsam: Jeder gibt alles. Kaum einer an meiner Schule ist nicht in irgend einem Club der Schule oder in einem Sportteam dabei.

Ein Footballgame an meiner Schule.

Jetzt gerade stehen Herbst-Sportarten auf dem Programm, welche bei uns Football, Tennis, Soccer, Cheerleading, Volleyball und Cross-country sind. Egal welche Sportart, wenn du dich dafür entscheidest Mitglied in dem Team zu sein, bedeutet das jeden Tag mindestens zwei Stunden Training irgendwann nach der Schule oder am Abend. Je nach Sportart, gibt es ausserdem eines bis vier „Games“ oder „Meetings“ pro Woche.

Warum die Jugendlichen hier in dem was sie machen so gepusht werden? Ganz einfach, weil jeder so gut sein will, dass er ein Stipendium von einem College bekommt, denn das lohnt sich hier ganz schön, wenn man beachtet, dass ein Jahr, je nach College bis zu 40’000 $ kostet. Vielleicht ist es auch einfach nur so weil man es nicht anders kennt. Jeder will gut sein in dem was er macht, das liegt in unserer Natur. Wieso also nicht an die physischen und psychischen Grenzen gehen?

In den meisten Sportarten gibt es ein Varsityteam und ein Juniorvarsityteam, kur jv. Das Varsity-team ist das bessere und representiert einfach gesagt die Schule. Für die Games von Varsity zahlt man Eintritt, während jv für Zuschauer, die meist nur aus Eltern und Freunden bestehen, gratis ist.

Ich fragte eine Mitschülerin, welche Sportart denn in den Staaten am meisten Zuschauer anlockt und sie meinte ohne zu zögern American Football und an zweiter stelle Basketball und dann wohl Baseball. Das zeichnet sich schon auf Highschool-Level deutlich ab. Man kann es  gut an dem Aufwand sehen, der betrieben wird für ein Basketball- und besonders für ein Footballgame.

Wenn die Footballmanschaft der Schule am Freitagabend ein Spiel zuhause hat, muss keiner meiner Mitschüler an der Highschool lange überlegen was wohl an diesem Abend auf dem Programm steht. Es geht dabei nicht nur um das Spiel, sondern viel mehr um das „Zusammen sein“.

Eine Freundin und ich an meinem ersten Footballgame (mit dem Moto USA).

Das Thema für den Fansektor der Highschool war an meinem ersten Footballgame USA und so sah ich schon von weitem meine Mitschüler in Blau-, Rot- und Weisstönen leuchten. Die Stimmung war schon vor dem Game bombastisch und die Cheerleader und Leute mit Megafons sorgten während dem gesamten Spiel dafür, dass dies auch so bleibt. Während der zwanzig-minütigen Halbzeitpause spielte eine riesige Band und Artisten vollführten eine bizarre Choreografie.

Die Regeln sind für mich momentan noch ein einziges Rätsel aber gewonnen hat meine Schule auf jeden Fall, so viel hab sogar ich verstanden.

Auch die weiteren Footballspiele, unter anderem mit den Studenten-Sektoren-Themen „Blackout“ (alle in schwarz gekleidet, wie der Name schon sagt), Hawaii (alle in blumigen Hemden, farbigen Röcke und was der Kleiderschrank noch so buntes hergibt) und Western (Latzhosen, karierte Hemden und Cowboystiefel) waren noch super aufregend, wenn auch ziemlich viel kälter. Wobei auch das mit der Kälte nicht so schlimm ist, da man eh während des gesamten Spieles keine Sekunde die Bänke als Sitzgelegenheit nutzt. Alle stehen auf den Bänken und schreien, tanzen und feuern die Spieler aus vollem Halse an.

Eines unserer Fussballspiele.

Selber spiele ich auch in einem Schulteam. Ich habe mich für den Herbst für Fussball („Soccer“ und nicht „Football“ in Amerika!) entschieden. Soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, würde ich einmal sagen, ich bin nicht die grösste Niete aber der rechte Fuss von Ibrahimovic besitze ich auch nicht.  Jeden Tag zwei Stunden Training nach der Schule haben mich gerade am Anfang der Saison abends nur noch ins Bett fallen lassen. Voralle weil mein Schulfach „weight lifting“, welches ich ebenfalls jeden Tag besuche, meine Anatomie noch zusätzlich beansprucht. Ehe ich mich versehen kann ist Ende September die Fussballsaison dann auch schon wieder vorbei und die Wintersportarten fangen an. Unter anderem beinhaltet dies Schwimmen, was mich sehr anspricht.

Auf der sportlichen Ebende ist in den Staaten auf jeden Fall für Unterhaltung gesorgt.

Zu Besuch auf meiner ersten amerikanischen Hochzeit

Zugegebenermassen hatte ich schon ziemlich hohe Erwartungen an die Hochzeit, die ich heute endlich besuchen würde. Ich meine, in Amerika ist alles gross, prunkvoll und ausgefallen, also sollte es wohl auch bei einer Hochzeit nicht anders sein.

Ich freute mich ganz besonders für meine Gasteltern, weil das Brautpaar aus deren Sohn und seiner Freundin bestehen würde.

Schon am Vortag sind bei uns nach und nach Gäste eingetrudelt, denn es stand eine Art Hauptprobe für die Hochzeit in unserem Garten an. Ich war an der Probe nicht anwesend, weil ich meinen Abend lieber mit dem Zuschauen eines Footballgames an meiner Highschool verbrachte, ich wurde an der Probe aber auch nicht wirklich vermisst, da ich sowieso nur als normaler Gast für das Fest eingeladen wurde und natürlich nicht zur eigentlichen „Wedding party“, wie sie hier die Braut, den Bräutigam und deren Trauzeuge, sowie die Eltern des Brautpaares nennen. Als ich meine Gastmutter später fragte, was genau sie bei der Probe am Freitag Abend gemacht haben, meinte sie, sie hätten bloss den Ablauf des Marsches für die Brautzeugen  zum Pavillon der Trauung geübt und später zusammen gegessen. Als ich von dem Footballgame nach Hause kam, waren jedenfalls alle Leute schon wieder weg, bis auf Henry mit seiner Freundin und Sebastian, die bei uns schliefen. Henry und Sebastian sind zwei meiner Vorgänger, also Austauschschüler, die vorher bei Parkers waren.

Am nächsten Morgen ging es im Vergleich zu dem Stress, den die Familie die ganze Woche durch stets trieb, recht ruhig zu und her. Matilde, Susan (Henrys Freundin) und ich fuhren gegen Mittag zu der Scheune, in der die Feier nach der Trauung stattfinden sollte und halfen den anderen Frauen beim dekorieren. Die Scheune stand in einem traumhaften Garten und war auch abgesehen von dem Garten ziemlich sehenswert.

Das Motto der Hochzeit war orange, blau und weiss. Die drei Farben wurden auf den Tischen anhand von Kerzengläsern und Blumen aufgegriffen und spiegelten sich auch im Brautstrauss. Leider waren die Blumen aus Kostengründen, wie ich später in Erfahrung brachte, aus Plastik, was meinem Geschmack gar nicht entspricht. Gerade weil die Farben überhaupt nicht natürlich zu sein schienen, fand ich es schade.

An der Decke windeten sich bis hoch hinauf Lichterketten und selbst die Balken waren mit weissen Tüchern gesäumt.

Nach dem Dekorieren kleideten wir uns festlich und unsere Haare und Schminke wurde von einigen Arbeitskolleginnen der Braut, die in einem Haarsalon arbeitet, übernommen.

Als wir alle bereit waren, begann die Fotografin mit den ersten Schüssen nur von der Hochzeitspartei, natürlich ohne den Bräutigam, denn die Tradition schreibt bekanntlich vor, dass der Bräutigam die Braut nicht vor der Hochzeit sehen darf.

Als alle separaten Fotos im Kasten waren, kamen auch schon die ersten Gäste an und kurz darauf fand die Trauung, abgesehen von einem weissen Pavillon unter freiem Himmel, statt.

Nach einer kurzen Predigt des Pfarrers wurden die Ringe getauscht und danach die Gäste schon zu Tisch gebeten, während noch die gemeinsamen Fotos der Braut mit dem Bräutigam erledigt wurden.

Das Essen wurde von einem zweiköpfigen Team vor der Scheune zu einem Buffet aufgebaut. Das Apéro bestand aus kleinen Fleischbällchen und Tomaten-Mozzarella-Stäbchen, während später zum Hauptgang Karotten, Bohnen, Kartoffelpüree und Poulet zur Auswahl stand. Ich war nicht masslos überzeugt was das Kulinarische angeht aber es war zumindest essbar. Die „wedding party“ war wohl selber nicht ganz zufrieden, wenn man noch in die Bewertung des Essens einfliessen lässt, dass nachdem die Hälfte der Gäste ihr Essen geholt hatten schon keine einzige Gabel mehr da war und der Rest der Gäste musste sich nur mit einem Messer durchschlagen.

Vielleicht ist es bei anderen Hochzeiten in den Staaten anders aber bei der von mir besuchten wurde kein Alkohol serviert und aus Plastikgeschirr gegessen und getrunken, da musste ich gar nicht erst nachfragen, aus Kostengründen, ist klar.

Nach dem Essen gab es eine kurze Ansprache von einigen der Gäste und eine Showeinlage der Trauzeugen. Einige schritten danach zur Tanzfläche und die Hochzeitstorte wurde angeschnitten. Um 22.00 Uhr war die Sause auch schon vorbei und ich half der Familie beim Aufräumen.

Henry, Susan und Sebastien blieben noch eine Nacht bei uns, kamen am Sonntag mit uns zur Kirche und danach gingen wir alle gemeinsam frühstücken.

Danach mussten wir uns auch schon von Henry und Susan trennen, denn die beiden traten nach dem Frühstück gleich ihren Heimweg nach Kentucky an, wo sie mittlerweile wohnen. Sebastian verbrachte noch den Tag mit uns und führte uns abends in seine Lieblingsbar, wo Poulet ein Muss zum Bestellen ist und es keinen freien Fleck Wand gibt, an dem kein Fernseher hängt in dem irgend eine Sportart läuft.

Nun liegt sie also hinter uns, die Hochzeit, die seit Wochen beinahe das einzige Thema an unserem Tisch war und meinen Gasteltern während der Vorbereitungszeit manchmal schier den letzten Nerv zu rauben schien. Ein Glück, dass meine Gasteltern an der nächsten Hochzeit, an welche wir im Oktober eingeladen sind, nicht mitplanen müssen. Für mich heisst dies nämlich ein weiteres Fest, aber dieses Mal ohne die Aufregung an den Tagen davor, die so einige Mal jemanden aus meiner Familie die Stimme heben liess.

Ich halte euch auf dem Laufenden und bis Bald.

Mein erster Schultag und wie das amerikanische Schulsystem funktioniert

Als erstes will ich kurz erwähnen, dass ich euch nur so lange habe zappeln lassen, bevor ich meinen ersten Bericht teile, weil es Komplikationen mit meinem Blogaccount gab. Hoffentlich intressiert euch auch nach mehr als zwei Wochen nach meinem ersten Schultag noch, wie dieser ablief.

Am 08. August 2017 heisst es für alle Schüler von Pendleton wieder Leben B. Früh aufstehen , Hausaufgaben, für Prüfungen lernen, überfüllte Gänge, stickige Cafeteria. Lange Rede kurzer Sinn; Die Schule fängt heute für ganz Pendleton und somit auch für mich an. Ich will jetzt nicht sagen ich war besonders motiviert um 05.20 aufzustehen aber als es dann so weit war und ich mit meiner Schultasche in der Tür stand, spürte ich schon, wie sich in mir allmählich dieses Kribbeln der Vorfreude breit machte. Zum Glück hat mir Amanda, meine Gastmutter am Vortag ein Schloss gekauft, damit ich üben kann, wie man diese amerikanischen Hochsicherheitsbrocken von Schliessfachschlössern öffnet.

Amerikanischer Schulbus

Ausserdem waren wir gestern in der Schule, wo wir unsere Stundenpläne frei zusammen stellen konnte. Ach, und wenn ich in der Mehrzahl spreche, könnt ihr für heute davon ausgehen, dass die andere Person welche gemeint ist, meine Gastschwester Matilde aus Dänemark ist, die für dieses Jahr bei der selben Gastfamilie wohnt wie ich.

Heute ist übrigens Dienstag. Ja, ihr habt schon richtig gelesen. Dienstags und nicht montags fängt die Schule hier an, weil die Lehrpersonen einen Tag zur Vorbereitung nutzen wollen. Mir kam dies gerade noch recht, denn ich bin erst am Freitag Abend nach einer, nun ja, sagen wir leicht umständlichen Reise, in Indianapolis gelandet, wo mich meine Gastmutter, meine Gastschwester und die Kinder meines Gastvaters Bruder, also meine Cousinen, schon erwarteten. Die Reise war ziemlich anstrengend, da mein erster Flug von Zürich nach Newark Verspätung hatte und ich somit den Anschlussflug verpasste und ungeplanter Weise eine Nacht in einem Flughafenhotel von Newark verbringen musste. Also nutzte ich den Samstag und Sonntag grössten Teils um mich auszuruhen, meine Sachen auszupacken und ziemlich viele Leute kennenzulernen, die meine Gasteltern zu uns einluden.

Also, wo waren wir stehen geblieben? Genau, wir gingen gestern zur Schule, wo eine herausgeputzte Lady unsere Wünsche für den Stundenplan entgegen nahm und sie in den Computer eintippte. Für diejenigen die nicht genau wissen wie das Schulsystem in Amerika an einer Highschool funktioniert, ist es wohl am einfachsten, ich erkläre es kurz.

Die Schüler müssen 14 Classes (Fächer) auswählen. Sieben davon werden im ersten Semester besucht und sieben im zweiten. Es gibt einige Fächer wie Englisch oder Mathematik, von denen pflichtmässig einige ausgesucht werden müssen. Ich entschied mich fürs erste Semester als erstes für ein Fach welches ich unbedingt besuchen wollte und zwar Scimitar, was so viel bedeutet, wie am „yearbook“ zu arbeiten, welches jeder Schüler der Pendleton Heights Highschool am Ende des Jahres bekommt . Darin sind Fotos von allen Schülern, Berichte und Fotos von allen Events und sonst Stories des letzten Schuljahres. Da eines der englischen Fächer nichts als sinnvoll ist für einen Austauschschüler, der Englisch lernen will, entschied ich mich als zweites Fach für „American Literature“. Darin werden, wie der Name schon sagt, verschiedene Arten von Texten und im Allgemeinen amerikanische Literatur bearbeitet. Des Weiteren entschied ich mich für Französisch, da ich dieses Fach wohl oder übel auch in der Schweiz wieder besuchen muss, wenn ich zurück komme, und somit einigermassen fit darin bleiben will. Mein nächstes Fach war für mich mehr eine Alternative.

Meine Schule

Ich wollte etwas machen wie allgemeines Fitness aber dieses Fach gab es nicht, also entschied ich mich für Gewichtheben. Ein anderer Austauschschüler, der letztes Jahr in Pendleton zur Schule ging, berichtete von einem Fach, welches sich nur um den zweiten Weltkrieg dreht. Ich als Geschichte-Fanatiker war vom ersten Moment, als ich davon hörte begeistert und liess mich sofort einschreiben. Meine nächste Wahl: Algebra. In den USA ist Mathematik, nicht wie bei uns in der Schweiz, in Fächer mit nur jeweils einem Thema aufgeteilt. Es gibt Geometrie, Trigonometrie, Algebra, Taschenrechnerskills oder so etwas in der Art und ich schätze noch eine ganze Menge andere Dinge, die mich aber schlicht und einfach ohnehin nicht interessierten. Algebra schien mir noch das kleinste Übel von all diesen Mathematikthemen zu sein und so entschied ich mich dafür. Mein letztes Fach, so dachte ich erst, könnte zu meinem grössten Verhängnis werden: Biologie. All diese Fachbegriffe sind schon auf Deutsch nicht unbedingt einfach, viel Spass auf Englisch. Aber die Herausforderung reizte mich zu sehr, als dass ich es hätte weglassen wollen.

Der Stundenplan ist so aufgebaut, dass man jeden Tag genau den gleichen Ablauf der Fächer hat und nach der Schule, um 02.30 p.m. haben die meisten Schüler noch Sport, Musik oder Theater.

Jeder Schüler der Highschool fängt also um 07.30 morgens an und ist um 14.20 Uhr mit dem obligatorischen Schulprogramm fertig. In meiner Highschool, gibt es, weil sie so gross ist, drei verschiedene „Lunch“-Zeiten. Ich habe C-Lunch, was so viel bedeutet wie, dass ich jeden Tag von 12.05 Uhr bis 12.40 Uhr Mittag habe.

Tia. Mein Stundenplan habe ich also schon gestern gemacht und das ganze Schulmaterial haben wir schon am Samstag besorgt. Also blieb mir nichts anderes übrig, als heute Morgen pünktlich um 05.30 aufzustehen, und mich geradewegs ins kalte Wasser plumpsen zu lassen. Nicht wörtlich gemeint natürlich, Schwimmen hab ich erst als Wintersport.

Ihr müsst vielleicht wissen, dass meine Mom „Schoolbusdriverin“ ist. Deswegen mussten wir mit ihr zuerst zur Schule fahren, wo wir ihren Schulbus holten und dann mit ihr die gesamte Route entlang fahren, wo sie Kinder aufgabeln musste. Als das gelbe Gefährt mit der Aufschrift „Schoolbus“ sich der Schule näherte, begannen sich meine Gefühle langsam durch einer dicke Schicht Müdigkeit durchzukämpfen. Japp, ich war aufgeregt, und wie. Ich wusste, dass ich zwischen jeder „Class“ nur fünf Minuten habe, um mein nächstes Klassenzimmer zu finden. Mir war auch bewusst, dass sich nicht jedermann auf mich stürzen würde, um mir zu helfen meine Zimmer zu finden, da mich niemand kannte. Glücklicherweise hat Amanda ein Mädchen aus ihrem Bus angewiesen, uns ein wenig zu helfen. Ich war echt froh darum, denn, wer hätte es anders gedacht, scheiterte es bei mir trotz dem Üben am Vortag mit dem komplexen Schloss schon daran, mein Schliessfachschloss zu öffnen. Wir hatten vor der Schule noch ein Wenig Zeit und das Mädchen vom Bus zeigte uns unsere Klassenzimmer. Nach dem sie mir mein letztes Zimmer gezeigt hatte, wollte ich mich auf direktem Weg zu meinem Klassenzimmer der ersten Stunde begeben. Nur das Problem war, es gab keinen direkten Weg. Nach einigen Minuten herumirren kam ich zu dem Schluss, dass es womöglich gar keinen Weg zu dem Raum Nummer 117 gibt, denn direkt nach Raum 116, lachte mir schadenfreudig das Schild mit der Nummer 118 entgegen. „Na super“, dachte ich mir, „muss ich jetzt Tür Nummer 116 3/4 wie in Harry Potter suchen?“ Ich fand das Zimmer mit der Hilfe eines Lehrers dann doch noch rechtzeitig. So ging es mir irgendwie den ganzen Tag. Die gute Nachricht ist aber, dass ich „Lunchtime“, also Mittag mit einem Mädchen habe, welches ich in Scimitar kennengelernt hatte und echt nett ist. Matilde, Kimberly (So lautet ihr Name. – Japp, typisch amerikanisch, ich weiss.) und ich gingen also an diesem ersten Tag zusammen essen, wo schon das nächste unbekannte Terrain auf mich wartete. Hier bezahlt man nämlich indem man mit Hilfe eines Fingerscanners direkt aufs Konto zugreifen kann. Ach und wenn wir schon beim Thema unbekanntes Terrain sind. Ich hab ja schon berichtet, dass die Suche nach meinem ersten Klassenzimmer ein Bisschen umständlich war.
Als ich dort ankam, ging es aber gleich weiter mit bizarrem Zeug für mich. Ich machte es mir gerade, total ausser Puste, auf meinem Stuhl bequem, als eine Stimme aus dem Lautsprecher dröhnte und mit eine Tempo, sag ich euch, anfing, irgendetwas zu plaudern. Plötzlich erhob sich jeder um mich herum, drehte sich zur Flagge der vereinigten Staaten und begann auch etwas zu sagen. Ich versuchte unauffällig meine Lippen mitzubewegen, damit ich nicht so auffalle, da ich offensichtlich als Einzige den Text nicht zu können schien. Leider befürchte ich aber, dass ich durch dieses Ritual schon nach den ersten Minuten als „die Austauschschülerin die nichts peilt“ aufgeflogen bin.

Es gibt noch etwas anderes, was ich euch unbedingt erzählen muss. Die Amerikaner scheinen sehr auf Sicherheit in der Schule bedacht zu sein. Jede Klassenzimmertür und jede Tür nach aussen ist während der gesamten Schulzeit verriegelt, um zu vermeiden, dass jemand mit einer Waffe ins Gebäude kommen kann und wild um sich schiesst. Ausserdem stehen vorallem im Eingangsbereich meist mehrere Polizisten oder Security-Leute.

Um sicher zu gehen, dass jeder genau Bescheid weiss, was zu Tun ist im Brandfall, müssen alle Schüler, mitsamt der ganzen Belegschaft und den Lehrern einmal im Monat eine Brandsituation simulieren und das Gebäude verlassen.

Ich schaue jedenfalls mit Zuversicht in die Zukunft meines Schulaltag und hoffe euch auch bei meinen nächsten Blogs wieder als Leser dabei zu haben.