YFU Switzerland

Endspurt und krönender Abschluss

Unified Track. Was sich erst für mich nur nach einer komischen Wortkombination angehört hatte, klingt in meinen Ohren nun ganz anders. Grob übersetzt bedeutet es „Vereintes Leichtathletik“, was dem Sinn dahinter schon recht nahe kommt.

Es geht bei dem Programm darum, Jugendliche mit Behinderungen in den normalen Alltag einzubinden. Sie gehen in die selbe Schule wie ich und werden so gut als möglich in den Regel Unterricht integriert. Sie werden aber auch in speziellen Klassen gefördert.

Es wird grossen Wert darauf gelegt, dass „special-need-kids“, wie sie hier genannt werden, die selben oder zumindest ähnliche Möglichkeiten haben wie andere Schüler. Aus diesem Gedanken heraus wurde Unified Track hervorgerufen. Es ist eine Möglichkeit für die „special-need-kids“ in einer Sportart integriert zu sein. Nebst den Coaches, gibt es auch so genannte „partners“, die nicht zu den special-need-kids gehören, sondern da sind, um sie zu unterstützen.

An Meetings (Wettkämpfen) werden dann die „Athletes“ (Jugendliche mit Behinderung) und die „Partners“ in den Disziplinen getrennt, um es so fair als möglich zu gestaten.

Dem Unified Track beizutreten war eine der besten Entscheidungen, die ich während meinem Austauschjahr getroffen habe. Von den „Special-Need-Kids“ bekommt man so viel zurück.

Einmal hat ein Mädchen beim Einwärmen angefangen Schneeengel im Gras zu machen – Mitten im Gras, ohne Schnee und das ganze Team hat sich hingelegt und hat Schnee-Engel gemacht, als wäre es das natürlichste der Welt. Ich kann nicht in Worte fassen wie glücklich es mich machte ein Teil von Unified Track zu sein.

Auch der ABC-Countdown hat meine letzten sechsundzwanzig Tage an der High School sehr verschönert. Dabei konnten sich alle Seniors (12. Klässler), die die Schule dieses Jahr abgeschlossen haben, jeden Tag anders verkleiden. 

Das Thema nach dem man sich verkleidet, fing jeweils mit dem Buchstaben des Alphabets an, der gerade dran war.

Der erste Tag war A – Administration, dann sollte man sich wie jemanden aus einem Büro oder ein Lehrer verkleiden, der zweite Tag war B – Beach, da verkleidete man sich, als würde man gerade vom Strand kommen, und so weiter. Ich verkleidete mich an einigen der Tagen, jedoch lange nicht an allen, denn es ist erstaunlich anstrengend sich jeden Tag eine neue Verkleidung für das entsprechende Thema auszudenken und die Accessoires dazu zu besorgen.

In der letzten Schulwoche hatten wir am Montag, wegen dem nationalen Feiertag „Memorial day“, frei. Danach hatten wir an den letzten drei Schultagen Abschlussprüfungen. 

Am letzten Tag versammelten sich alle Seniors auf dem Parkplatz und anstatt die ersten zwei Lektionen zu besuchen, veranstalteten wir ein grosses Frühstück. 

Nach dem wir auch den siebten Final geschrieben hatten, gab es draussen auf dem Football Feld ein grosses Picknick für alle Seniors. Es gab Burgers, Potato Chips und Cookies. 

Danach wäre die Schule offiziell noch weiter gegangen, aber ausser einigen Ausnahmen, haben alle die Schule frühzeitig verlassen. 

Obwohl das Schuljahr an einem Donnerstag abgeschlossen wurde, mussten wir 12. Klässler am Freitag schon wieder eintrudeln, für die Hauptprobe von Graduation. 

Die Probe war lange, denn bei rund 380 Schülern ging das Aufrufen von Namen nicht wirklich schnell. 

Den Samstag verbrachte ich dann mit „open house“- Besuchen. Am Ende der High School Karriere haben

An unserem open house.

die Studenten oft ein riesiges Fest bei sich zuhause oder in einer Party Scheune oder so, wo Fotos ausgestellt werden und gegessen wird. Alle Freunde, Lieblingslehrer, Verwandte und Nachbaren werden zu diesen Festen eingeladen. 

Meine Gastschwester und ich hatten unser „open house“ schon vor einer Woche, was eine ziemlich gute Idee war, denn dieses Wochenende hatten so viele ihr „open house“, dass ich nicht einmal alle besuchen konnte, zu denen ich eingeladen war. 

Mit einer Freundin besuchte ich am Samstag elf „open houses“.

Am Sonntag morgen gab es in unserer Kirche eine kleine Verabschiedungsfeier der Seniors. 

Nach kurzem frisch machen zuhause, gingen wir zur Schule für die Graduation. 

Als wir bei der Schule ankamen, war da schon eine riesige Warteschlange, die sich um die ganze Schule schlängelte. Wir Schüler konnten zum Glück einfach beim Hintereingang reingehen. In der Nebenturnhalle wurden wir, wie am Freitag geprobt, in Reihen aufgestellt und marschierten in die Hauptturnhalle, wo die Feier stattfand, ein. 

Alle Mädchen trugen weiss und alle Jungs trugen grün, was zusammen unsere Schulfarben verkörpert. Die ganze Feier wurde gefilmt und konnte im Internet verfolgt werden. 

Zu Vorderst sassen die „Top 10 Percent“ Schüler und dann ging es alphabetisch der Reihe nach. Immer eine Reihe Mädchen, dann eine Reihe Jungs. 

Nach einigen Reden von Leuten der Schulkommission etc., hielten auch die beste Schülerin des Jahrgangs und der zweit beste Schüler eine Rede. 

Ein Junge und dann zwei Mädchen sangen danach je ein Lied. Dann ging es endlich mit der Diplom Vergabe los. Name um Name wurde von einem professionellen Sprecher aufgerufen, mussten auf der Bühne vom Direktor ihr Diplom entgegen nehmen, und schritten dann zurück zum Platz. 

Ich war furchtbar aufgeregt und da es zusätzlich noch so heiss wurde in der Turnhalle, musste ich mich zusammenreissen mich nicht zu übergeben. 

Die Diplomvergabe ging erstaunlich schnell vorbei.  Danach zündeten alle Schüler eine Kerze an und auf der gigantischen Leinwand wurden Fotos von allen Schülern gezeigt. 

Nach der Feier machte ich noch einige Erinnerungsbilder mit meinen Freunden. Es fühlt sich seltsam an über all das in der Vergangenheit zu sprechen, denn nun ist mein High School Jahr endgültig vorbei.