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National Student Walkout

Am Freitag, 20. April 2018 fand erneut  ein  National Student Walkout in den Vereinigten Staaten statt. Ich könnte an dieser Stelle nun versuchen die Bedeutung dieses Tages zu erklären, denke aber, die Leute, die diesen Artikel geschrieben haben, haben den Nagel voll und ganz auf den Kopf getroffen: 

„The National Student Walkout is a nationwide protest of our leaders’ failure to pass laws that protect us from gun violence. Mass shootings happen far too frequently in America, and we as a nation have become numb to seeing the news. After each one, the same cycle takes place: the media spend less than a week on the story, politicians offer their “thoughts and prayers,” and nothing ever changes. But after the horrific massacre at Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, young Americans are taking matters into their own hands. „ – Quelle:  https://act.indivisible.org/event/national-school-walkout/

Falls die Englischkenntnisse meiner Leser ein wenig eingerostet sind, hier eine Übersetzung mit einigen Anmerkungen zu dem kurzen Abschnitt den ich oben eingefügt habe: 

Der „ National Student Walkout“ ist ein nationaler Protest gegen die Leute an der Macht in Amerika, die unfähig sind ein strikteres Waffen Gesetz einzuführen, welches uns* vor Waffengewalt beschützt. Amokläufe  passieren viel zu oft in Amerika, und wir als eine Nation sind viel zu taub geworden gegenüber den Nachrichten von wiederholten Schiessereien an Schulen. 

Nach jedem Amoklauf fängt wieder der gleiche Teufelskreis an: Die Medien berichten weniger als eine Woche über eine erneute Schiesserei, Politiker bieten ihre „Gedanken und Gebete“ * an und nichts ändert sich jemals danach. Aber nach dem entsetzlichen Massaker in der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, nehmen nehmen junge Amerikaner die Sache in ihre eigene Hände. 

*die Schüler, vor allem auf High School Level (9.-12. Klasse)

* Eine Andeutung auf ein ziemlich bekanntes Verhalten von Politikern und Mediensprechern nach Amokläufen. „Thoughts and prayers“, damit wollen sie sagen, dass sie mit den Gedanken ganz bei den Opfern und ihren Familien sind und auch für sie beten. 

Der National Student Walkout diesen Freitag, war dem Jahrestag des Amoklaufes gewidmet, welcher am 20. April 1999 in der Columbine High School passierte,  bei dem fünfzehn Personen ihr Leben liessen.

Vor allem nach dem Amoklauf in Florida haben viele Schüler angefangen zu handeln, haben angefangen auf den Strassen zu protestieren und die Leute auf Social Media über das Problem und Lösungen dazu aufzuklären. 

Foto: RJ Sangosti/Denver Post via Getty Images

Ich gehe zu einer Schule, an der der Protest vom Freitag auf Widerstand gestossen ist. Nicht nur von den Lehrern und der Direktion aus, sondern auch und vor allem von den Schülern aus. Ich kenne mehrere Leute von meiner Schule, die auf Social Media Dinge gepostet haben wie „Wenn du morgen an dem Protest teilnimmst, verschwinde aus meinem Leben!“  

Ein junger Mann von unserem Dorf hat es sogar soweit getrieben, dass er auf der Social Media Platform Snapchat gepostet hat: „ Ich werde jeden erschiessen, der an dem Protest morgen mitmacht.“ Als die Polizei ihn am Donnerstag festgenommen hat, sagte er nur, er habe es aus Spass gesagt. 

Indiana und vor allem die Umgebung in der ich zur Schule gehe ist sehr republikanisch, was oftmals auch heisst „Pro second Amendment “, das bedeutet für so viele Feuerwaffen im Umlauf wie möglich. 

So gut wie jede Familie meiner Freunde besitzt eine oder mehr Feuerwaffen, die die meisten von ihnen um keinen Preis abgeben würden und dies auch offen kommunizieren. Die meisten Teenager planen, sobald sie mündig werden, eine Feuerwaffe zu kaufen. Die Begründung dafür ist oftmals, um sich selber und die Familie zu schützen, um zu jagen oder einfach nur zum Spass. 

Viele der Schüler die sich gegen den Protest äusserten, fühlten sich angegriffen und interpretierten den Protest als einen Protest gegen ihr Recht Feuerwaffen zu besitzen. 

Ich selber wollte ganz bestimmt an dem Protest mitmachen, weil ich während meinem Austauschjahr nicht mit der Angst leben will, eines Tages nicht mehr von der Schule nach Hause zu kommen, weil ein ehemals gehänselter oder aus anderen Gründen wütender Schüler durchdreht und in meine Schule kommt, um uns alle zu erschiessen. 

An dem ersten nationalen Student Walkout dieses Jahr, am 14. März, konnte ich leider nicht mitmachen, weil unsere Schule zu dieser Zeit Ferien hatte. 

Also, habe ich mich um 09.55 am Freitag Morgen, aus Einzige in meiner Klasse, während dem Unterricht erhoben und habe das Klassenzimmer verlassen. Als stummer Protest gegen die Regierung, die nicht handelt und als respektvolle Geste gegenüber viel zu vielen jungen Menschen, die nie wieder lebendig aus einem Schulgebäude kamen. 

Im Hauptflur hab ich mich mit rund fünfundvierzig anderen Schülern getroffen. Es waren sehr traurige Minuten, viele weinten oder beteten für die Opfer. Es war aber auch Momente voller Kraft und Hoffnung. Ein Moment, daran glaube ich von ganzem Herzen, der etwas bewirken kann. 

Als es klingelte um das Klassenzimmer zu wechseln, bildete sich vor der Protestgruppe eine grosse Menge Schaulustiger. Einige Schüler tauchten mit Amerika oder Trump Fahnen auf,  um einen Gegenprotest zu starten, beschimpften oder belachten den Protest. 

An unserer Schule trauten sich leider nur eine kleine Minderheit aufzustehen und für das Recht  zu Leben zu kämpfen.

Von Freunden die in anderen Staaten zur Schule gingen, hörte ich, dass die grosse Mehrheit an dem Protest mitgemacht hat.