YFU Switzerland

Reisetagebuch von unserem Roadtrip durch die Nachbarstaaten

Mittwoch, 27.Dezember:

06.00 holte mich mein Wecker aus einem tiefen Ferienschlaf. Trotz der Müdigkeit war ich schnell auf den Beinen und stand abfahrtsbereit vor der Haustür. Meine Gastschwester und mein Gastvater waren bald schon bereit und wir machten uns auf den Weg.

Unser erster Stop, nach einer ungefähr drei stündigen Fahrt, war der Familienfriedhof von Vorfahren meiner Gastfamilie in Illinois. Bei minus 10° C hielten wir unsere Besichtigung kurz und nahmen bald schon wieder fahrt auf. Vom Auto aus konnte ich auf den umliegenden Feldern, mitten im Nirgendwo in Illinois Gestelle ausmachen, deren Form ich nicht definieren konnte. Mein Gastvater erklärte mir, dass es sich bei den Kranähnlichen Dingern um Erdölborstationen handelt, was auch die grossen Fässer, die rum standen, erklärte.

Nach einer Weile erreichten wir unser zweites Tagesziel: St.Louis in Missouri. St.Louis liegt fast noch auf der Grenze zu Illinois, daher mussten wir den Mississippi, der dort die natürliche Abtrennung zwischen den beiden Staaten bildet, per Brücke überqueren. Im Verlaufe des Morgens besuchten wir das City Museum, welches vor allem spezielle Architektur, Kunst und Spielplätze zu bieten hatte und mich, auf mein Alter zurückzuführen, nicht restlos überzeuge. Während das City Museum meine Ansprüche nicht erfüllen konnte, hat das old courthouse diese gar übertroffen. Der Eintritt ist gratis, was ziemlich erstaunlich ist, in Anbetracht dessen, was das alte Gebäude alles in sich verbirgt. Das Haus selber erzählt schon seine ganz eigene Geschichte aber damit nicht genug. Mit Galerien, Ausstellungen und Filmen wurde eindrücklich erklärt welche Rolle die Stadt St.Louis in der Zeit der Siedler spielte: Sie war DAS Tor für den Westen. Von hier aus begann die ganze Besiedlung des Westens. Genau dafür steht auch the Arch, das unübersehbare Monument, wegen welchem wir hauptsächlich die Stadt besucht haben. Mit seinen 192 Metern ist der Arch das grösste von Menschen erbaute Monument in den Staaten. Mit einem spezielle Gondelsystem wurden wir in 4 min in die Höhe gezogen. Die lange Wartezeit hat sich gelohnt. Eine gigantische Aussicht über die ganze Stadt erstreckte sich unter unseren Füssen. Durch die kleinen Fenster auf der linken Seite, konnte man den Mississippi in seiner vollen Pracht erblicken und auf der rechten Seite das „old courtouse“, die Hochhäuser und das Baseballstadion. All zu lange blieb uns jedoch nicht um zu verweilen, eine weitere rund vierstündige Autofahrt lag uns bevor, die wir jedoch für heute um 2 Stunden verkürzten und uns erstmal in einem Hotel niederliessen. Morgen ist auch noch ein Tag.

Donnerstag, 28.Dezember:

Früh morgens, noch halb im Schlaf, standen wir auf und machten uns auf den Weg nach Tenessee. Unser Ticket für Graceland in dem Elvis Presley begraben ist, war um 10.30 und so hatten wir gut Zeit uns bei IHOP (International house of pancakes) zu stärken. Obwohl wir unser Ticket schon hatten, mussten wir nach einem kurzen Einführungsfilm ziemlich lange draussen in der bitteren Kälte für den Shuttlebus anstehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten wir endlich in den Bus und wurden mit Ipad und Kopfhörern als Audioguide ausgestattet. Und da waren wir. Im Haus des Mannes der mehr CD’s verkauft hat als die Beatles und Michael Jackson zusammen. Per Audioguide gab uns auf der Tour durch seine Gemächer viele Hintergrundsinformationen über seine Familie und sein Leben, so dass ich am Ende des  Rundganges, als ich vor seinem Grab stand, schon fast das Gefühl hatte, ich stehe vor dem Grab eines Bekannten. Nach der Besichtigung seines Hauses ging es mit dem Bus zurück zu dem Museum, in welchem man so gut wie alles über Elvis Presley rausfinden konnte. Seine Outfits, seine Uniformen von der Zeit in der Armee, seine zahllosen Awards aber auch Dinge wie Spielsachen von seiner Tochter konnten bestaunt werden.

Es gab sogar eine eigene Halle mit Gegenständen und Zitaten von Leuten, deren Musik von ihm geprägt wurde und eine weitere Halle in der das Tonstudio in dem er seine ersten Songs aufgenommen hat, nachgebaut wurde.

Einer meiner persönlicher Höhepunkte waren seine Flugzeuge, die immer noch stolz, wie in den guten alten Tagen da standen.

Das grössere seiner zwei personalisierten Prachtmodelle, die Lisa Marie war luxuriös in mehrere Räume unterteilt, während das kleinere wohl eher für Kurzstrecken diente und ausser den etwas grosszügigeren Sitzen nicht viel mehr Komfort bot als ein normales Kleinflugzeug.

Von einem der Infobildschirmen erfuhr ich, dass Elvis sein Flugzeug manchmal ganz spontan für Kurztrips eingesetzt hat, wie zum Beispiel als er realisierte, das seine Tochter noch nie Schnee gesehen hat und er mit ihr nach Denver, Colorado, flog, wo Elvis sie kurz im Schnee spielen liess und dann den Rückflug wieder antrat.

Kaum aus den Geschichten der guten alten Zeiten aufgetaucht, tauchten wir schon gleich wieder in den neuen, modernen Teil von Memphis ein. Die  Pyramide aus Glas, die dem Louvre in Paris zum verwechseln ähnlich sieht, hat mit dem Inhalt so gar nichts gemeinsam. In dem markanten Gebäude befindet sich nicht etwa ein Museum, sondern ein Outdoor Sport laden. Nicht nur von aussen hat dieser ganz schön was zu bieten. Auch im Innern der Pyramide hat man keinen Aufwand gescheut. Riesige Bäume, Holzbrücken und Lichterketten machten die Produkte zum Kauf einladend. In der Mitte der Pyramide befindet sich einen Fahrstuhl, der übrigens der grösste Freistehende Fahrstuhl der Staaten ist. In der Spitze der Pyramide befindet sich eine Aussichtsplattform und ein gemütliches Restaurant, in dem wir uns verpflegten, während die untergehende Sonne die Skyline von Memphis langsam in ein zartes orange tauchte.  Nicht nur Downtown war von dem Aussichtspunkt gut zu sehen, sondern auch der Mississippi in seiner vollen Pracht. Bei dieser Aussicht fiel es uns schwer uns von unserem Tisch am Fenster loszureissen, doch eine weitere lange Autofahrt lag vor uns und so machten wir uns auf den Weg.

Spät abends kamen wir bei Henry und seiner Freundin in Kentucky an. Er ist einer meiner Vorgänger als Austauschschüler, dem es die Staaten so angetan haben, dass er von Afrika hier nach Kentucky gezogen ist, wo er sein Studium abgeschlossen hat.

Freitag, 29. Dezember

Wehmütig verliess ich das Bett heute morgen, denn der letzte Tag unseres Roadtrips stand schon bevor. Wir machten uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg Richtung Norden, Richtung Indiana, Richtung nach Hause.  Der letzte Stop auf unserer Reise war in Louisville, Kentucky bei einer Grotte, die in einen Funpark umfunktioniert wurde. Morgens erkundeten wir den Bikepark, der zu meiner Überraschung ziemlich gross war, wenn man beachtet, dass wir uns dort in einem Berg befanden. Zu unserer Enttäuschung waren jedoch nur noch kleine BMX-Fahrräder übrig und so liessen wir die unterirdische Bike-Halle bald hinter uns und machten uns bereit für unseres nächstes Abenteuer: Louisville mega cavern bietet nämlich unterirdische Ziplane-Touren an. Wer schon einmal im Seilpark war, weiss ungefähr was eine Zip lane ist, nur muss man sich vorstellen, dass diese Tour unterirdisch stattfand, was dem Ganzen irgendwie einen zusätzlichen Reiz verschaffte.Zwei Guides statteten uns erst mit Helmen und Klettergurten aus und erläuterten kurz die Regeln bevor es los ging. Während den nächsten 2.5 Stunden, die wir entweder an den Seilen, hoch über dem steinigen Boden, auf Plattformen oder von Seilstation zu Seilstation marschierend verbrachten, wichen uns die beiden Guides nicht von der Seite. Als eine der letzten Gruppen des Tages kamen wir von der Tour zurück und als wir aus der Grotte ins Freie traten, war die Sonne bereits vom Mond abgelöst worden.  Nach einem kurzen Zwischenstopp bei chick fil a, dem besten Fastfoodrestaurant überhaupt, machten wir uns endgülltig auf den Heimweg.