YFU Switzerland

Ein Herbst voller Ereignisse

 

Indianapolis.

Zeitlich am weitesten zurück liegt der Ausflug nach Indianapolis, daher fange ich am Besten gleich damit an. Der Bruder meines Gastvaters und dessen Familie haben Matilde und mich in den Herbstferien spontan abgeholt und wir sind zusammen nach Indianapolis gefahren, wo wir erst die Stadt, das heisst unter anderem das Rathaus und das gigantische Memorial in der Mitte des Kreisels besichtigten und uns danach im Rock Café verpflegten. Später begaben wir uns in ein IMax – Kino (In 3D und mit einer gigantischen Leinwand), indem wir uns einen Film über Nationalpärke der USA angeschaut haben.

Auf dem Pumkin Patch.

In einem typischen Herbst in Indiana ist auch ein Besuch auf einem Pumpkin Patch ein absolutes Muss. Der Pumpkin Patch gehörte zu einer Farm, die nebst der Hauptattraktion; dem Kürbisfeld,  ausserdem Tiere zum Streicheln, einen Hay ride, was so viel ist wie eine Tour auf einem Wagen eines Traktors auf dem ein Haufen Heuballen liegen und einem Maislabyrinth zu bieten hatte.

Auf sportlicher Ebene bin ich vor einigen Wochen buchstäblich ins kalte Wasser gesprungen: Die Schwimmsaison hat gestartet und hält mich nach der Schule mit Training täglich beschäftigt und auch an Samstagen heisst es statt ausschlafen Training für die nächsten paar Monate.

Die Band in der Kirche.

Sonntags gehe ich normalerweise wie gehabt mit meinen Gasteltern in die Kirche. Der Gottesdienst besteht aus ca. 15 Minuten Musik, die von einer Band gespielt wird und etwa 30 min Predigt, die immer vier Sonntage das gleiche Thema behandelt und dann wechselt. Mit den Gottesdiensten, die ich in der Schweiz besucht habe, ist das hier jedoch nicht zu vergleichen. Es wird geklatscht und lauthals gelacht über Witze, die der Pfarrer nicht gerade sparsam in die Predigt einbaut.

Es gibt zwei Gottesdienste pro Sonntag und die Kirche ist meist an beiden fast vollständig ausgelastet (Die Kirche fasst gut 400 Leute).

Nach der Kirche gehen wir oft aus für „Dinner“, was eine Art Brunch ist, d.h. riesige Menüs mit Wurst, Ei, Pancakes, Waffeln, Fleisch, Toast und so weiter.

Einer der Höhepunkte der letzten Wochen für mich war, als ich mit einigen Freunden und meiner Gastfamilie ein Basketballspiel der Pacers besuchen konnte.

Das Basketballspiel der Pacers.

Es fand im Bankers Life Field House, dem Basketball Stadion in Indiana statt.

Zu unserem Vergnügen holten sich die Pacers, so nennt sich die Mannschaft von Indianapolis, nach einem harten und sehr ausgeglichen Spiel, durch den alles entscheidenden Korb in der letzten Minute, den Sieg.

Der Höhepunkt der letzten Wochen für meine Gasteltern, war wohl eher, als wir bei einer Freundin der Familie das Fleisch einer ganzen Sau abholen konnten, denn sie lieben, wie viele Amerikaner, Fleisch.

Speck einer Sau.

Ganz besonders der Anblick von Kilo Weise Speck liess ihnen wohl das Wasser im Mund zusammenlaufen. Der Grossteil des Fleisches haben wir tiefgefroren und werden wir wohl immer mal wieder während dem Jahr verwerten.

Wer mit amerikanischer Kultur vertraut ist, bei dem klingeln die Alarmglocken schon beim Wort Oktober oder genauer 31. Oktober. Halloween. Für sämtliche Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene ein seit Wochen herbeigesehnter Tag.

Wenn ich morgens mit dem Bus zur Schule ging, konnte ich schon Tage vor dem eigentlichen Halloween in vielen Vorgärten, die in schauriges Licht getunkten Kreaturen begutachten.

Unglücklicherweise fiel Halloween dieses Jahr auf einen bitterkalten Dienstag, was aber kaum ein süssigkeitenhungriges Kind davon abhielt sich im passenden Kostüm durch die eisige Kälte zu kämpfen um „Trick or Treating“ zu gehen. Als es dämmerte, lösten sich die kleinen Vampire, Skelette oder was den Kindern sonst noch so in den Sinn kam, wie Schatten aus den Häusern und machten sich auf den Weg von Tür zu Tür um auf die Worte „Trick or Treating“ hin einen Haufen Süssigkeiten zu ergattern.

Matilde und ich entschieden uns kurzfristig uns unseren jüngeren Cousinen anzuschliessen und mit ihnen „Trick or Treating“ machen zu gehen. Von Haus zu Haus gingen wir, bis unsere Finger beinahe tiefgefroren und unsere Beutel prall gefüllt mit Süssigkeiten waren.

Auch andere Jugendliche liessen es sich nicht nehmen der Tradition zu folgen, wobei die Älteren sich eher von Halloween Parties am Wochenende vorher begeistern liessen.

Nachdem meine Gastmutter schon am Samstag extra die Halloween- Verkleidungskiste vom Dachboden geholt hatte, gab es auch für Matilde und mich kein Zurück mehr und wir machten uns am Samstag vorher auf den Weg zu einer Halloween Party, die an einem Lagerfeuer in unserem Dorf statt fand. Nebst dem Feuer gab es auch einen Schuppen mit dröhnender Musik, grellem Licht, guten Snacks und lauter tanzenden Halloween-Kreaturen die sich vom  Halloween-Fieber mitreissen liessen.

(Die Bilder dieser Galerie sind vergrösserbar.)

Nach dem aufregenden Halloween Abend gönnte mir der Zufall einen Tag Pause und dann ging es auch schon mit dem nächsten grossen Event weiter: Die offizielle Fussball Abschlussfeier, auch „soccer banquet“ genannt.

Alle Mitglieder des Mädchen Fussball Teams der Schule waren eigeladen inklusive Eltern, Geschwister und wer sonst noch so kommen wollte.

Für Verpflegung war gesorgt, indem von jeder Familie ein Gericht mitgenommen werden musste. Alle Gerichte zusammen ergaben ein ziemlich ansehnliches Buffet, an dem wir uns alle die Bäuche voll schlugen, bevor es mit dem offiziellen Programm weiter ging.

Es wurden Awards verliehen für die beste Spielerin, diejenige die sich am meisten Entwickelt hat und so weiter.

Meine Finger gruben schon langsam kleine Halbmonde in meine Handflächen, so fest presste ich meine Hände zusammen bei dem Gedanken an den nächsten Programmpunkt.

Alle Seniors, also Fussballspielerinnen im letzten Highschooljahr, sprachen, wie es die Tradition vorschreibt, im Rahmen von Reden über ihre Zeit im Team und so weiter.

Da ich in solchen Fällen als Senior registriert bin, musste ich also meine ganzen Englisch-Kenntnisse zu einer Rede zusammen basteln und diese dann auch noch vor versammelter Menge irgendwie rüber bringen. Dank vielem Üben im Voraus, war ich schlussendich aber ganz zufrieden mit meiner Rede.

Die Versammlung in der Turnhalle der Schule.

Dieses Jahr gab es ganz besonders Anlass zum feiern, weil wir die „Conference“, also die Meisterschaft unter allen High Schools der Umgebung, gewonnen haben.
Dies kam uns auch am nächsten Tag gleich noch einmal zu gute, denn zum Anlass der abgeschlossenen Herbstsportarten, versammelte sich am Freitag, statt der ersten Lektion Unterricht, die gesamte Schule in der Turnhalle und es wurde verkündet, welche Sportarten dieses Jahr besonders gut abgeschnitten haben.

Auch die besten Schüler wurden nach vorne gebeten und mit Auszeichnungen überhäuft.

Gestern sind wir in den  „Brown Country National Park“ gegangen, bei dessen Anblick ich vor lauter Staunen fast aus dem Autofenster gefallen bin. Denn ausser einer kleinen Tour um einen See, haben wir den Park weitgehend per Auto erkundet. Zumindest waren wir dann im Auto, wenn ich meinen Gastvater nicht gerade zum Anhalten überredet hatte, damit ich einige Bilder schiessen konnte.

(Die Bilder dieser Galerie sind vergrösserbar.)