YFU Switzerland

Weihnachtszeit in Südafrika

Goeie dag almal

Nun ist es schon Mitte Dezember, Weihnachten steht vor der Tür. Kaum zu glauben bei den oft an  die 40 Grad grenzenden Temperaturen. Aber auch ohne Schnee, Grittibänzen und Samichläusen kommt bei mir wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung auf. Seit drei Wochen haben wir Sommerferien und so hatten Nele und ich viel Zeit um sowohl Zimtsterne und Mailänderli als auch ein paar lokale Kekse zu backen. Ausserdem haben wir Adventskalender für unsere Gastfamilien gebastelt. Wir mussten nämlich feststellen, dass hier die Adventszeit, Adventskalender, Adventskränze, und was sonst noch dazu gehört, nicht bekannt ist. Schon seit einer Woche steht in unserem Wohnzimmer ein Weihnachtsbaum, liebevoll von meiner Gastmutter mit Lametta und Plastiksonnenblumen geschmückt. Der Sonnenblumenbaum repräsentiert Weihnachten im Sommer ziemlich gut, wie ich finde. An Weihnachten wollen wir wieder zu dem Damm fahren, in dem wir in einer meinen ersten Wochen den riesigen Wels gefangen haben. Wir werden dort natürlich einen Braai haben, schwimmen und in der Sonne liegen. Es wird zwar komplett anders sein, als das Weihnachtsfest, dass ich kenne, aber ich freue mich echt darauf. Klar, irgendwo vermisse ich die winterliche Stimmung. Wenn man sich jedesmal dick einmummelt, bevor man einen Schritt vor die Haustüre wagt und es dann aber drinnen kuschelig warm ist und man eine schöne Tasse Tee  trinken kann. Aber es hat auch was, wenn man Weihnachten im Bikini feiern kann.

An den Wochenenden in den Ferien sind wir häufig mit dem Auto durch die nähere Umgebung von Nelspruit gefahren. Es gibt so viele schöne Orte hier in der Nähe. Wir sind über den Long Tom Pass gefahren, wobei man an einer Kanone vom Burenkrieg vorbei kommt, welche dem Pass seinen Namen gibt. Bei der Gelegenheit haben wir uns auch die Stadt Lydenburg ein bisschen angesehen. An einem anderen Wochenende haben wir “God’s  Window” besichtigt, einem Aussichtspunkt, von dem man an einem klaren Tag bis nach Mozambique sehen kann. Ausserdem waren wir bei ein paar Wasserfällen; einem riesigen Wasserfall, welcher in eine tiefe Schlucht fiel und zwei kleineren, bei denen wir baden konnten und sogar unter den Wasserfall stehen konnten. Eine willkommene Abkühlung bei der Hitze. An diesem Tag waren wir auch in Graskop, einem kleinen Touristenstädtchen, und in Pilgrims rest, was eine beinahe ausgestorbene Goldgräberstadt ist. An all diesen Touristenorten sitzen immer Leute, welche selbst gemachte Figuren der Big Five aus Holz oder Stein, Bilder oder Schmuck verkaufen. Auch Stände mit Früchten und Nüssen findet man überall. Manchmal gibt es einen kleinen Stand oder die Ware ist einfach nur auf dem Boden ausgebreitet. Die Kunstwerke sind oft echt beeindruckend und wenn sich die bunten Stände aneinanderreihen, sieht es wunderschön aus. Mit Rufen versuchen die Verkäufer einen anzulocken und sind oft ziemlich hartnäckig. Dass ist aber auch verständlich, wenn man bedenkt, dass sie pro Tag vielleicht nur ein oder zwei Stück loswerden.

Unter der Woche sind Nele und ich häufig allein zu Hause, da sowohl meine Gastgeschwister als auch meine Gasteltern arbeiten. So kommt es, dass wir im Moment eine Folge Game of Thrones nach der anderen schauen. Es ist aber auch mal schön so gar nichts zu tun zu haben, auch wenn mir manchmal etwas langweilig wird. Ein paar spannende Dinge passieren aber auch auf der Farm. Zum Beispiel hat uns der Grossvater (Oupa Pete) an einem Tag zu seinem Haus gerufen mit der Begründung, dass er ein “Buschbaby” gefangen hätte. Buschbabies sind kleine, flauschige nachtaktive Primaten mit riesigen Augen. Wir hören ihren Ruf manchmal am Abend. Ein scheussliches Geräusch, es klingt wie der verzerrte Schrei eines Neugeborenen aus einem Horrorfilm. Mit dem Bild eines niedlichen Buschbabies vor Augen liefen Nele und ich sofort zum Haus der Grosseltern. Oupa Pete hatte einen Leinensack in den Händen und wir kamen näher um einen Blick auf das vermeintliche Buschbaby werfen zu können. Wir waren jedoch einigermassen geschockt, als wir stattdessen die glänzende Schuppenhaut einer Schlange erblickten. Es war allerdings eine ungiftige Würgeschlange und da ich Schlangen mag, solange sie mir nichts tun können, wollte ich sie auch einmal halten. Leider konnte ich dass dann doch nicht tun, aber vielleicht bietet sich diese Gelegenheit irgendwann noch einmal. Die Schlange hat Oupa Pete übrigens hier in der Nähe gefangen. Er hält sie nun zusammen mit einem Artgenossen in einem Käfig auf dem Gelände der Farm. 

Im Moment läuft eigentlich alles ganz gut. Zum Glück habe ich wenig Heimweh und hoffe, dass das auch so bleibt. Mich beschäftigt aber, dass Nele in weniger als drei Wochen mit ihrer Gastmutter und ihrer kleinen Gastschwester nach Pretoria zieht. Pretoria ist nicht wahnsinnig weit entfernt, mit dem Auto sind es etwa vier Stunden. Aber es ist auch keine kleine Strecke die man einfach so mal fährt. Es war echt schön für uns beide eine andere Austauschschülerin in der unmittelbaren Nähe zu haben. Wir können uns in die jeweilige Lage versetzen und können offen miteinander reden. Ein kleiner Pluspunkt war natürlich auch, dass wir beide Deutsch reden, was manchmal ganz gut war. Aber ich versuche auch an die positiven Seiten des Umzugs zu denken. Wir werden uns besser auf unser eigenes Austauschjahr konzentrieren können und auf unsere Erlebnisse hier. Mal sehen, wie dass so wird.