YFU Switzerland

So viele Erlebnisse!

Die letzten Wochen waren definitiv die erlebnisreichsten meines Lebens. Durch all die neuen Eindrücke war ich zu Beginn abends immer hundemüde, so dass ich zum Teil schon vor neun Uhr schlafen ging. Meine Familie unternimmt viel mit mir, wofür ich sehr dankbar bin. Ist man beschäftigt, hat man keine Zeit ins Grübeln zu kommen. So habe ich bis jetzt noch nicht wirklich Heimweh gehabt.

Gleich an meinem ersten Wochenende besichtigten wir die Sudwana Caves hier in Nelspruit. Ich war noch nie in einer so grossen Höhle gewesen. An diesem Tag sah ich auch meine ersten Paviane. Die können übrigens echt gefährlich werden. Hungrige Paviane können auch schon mal Autotüren öffnen, um an das Picknick zu gelangen. Das geschah an diesem Tag aber zum Glück nicht.

Am nächsten Wochenende fand das Post-Arrival Weekend von YFU statt. Mit einem Shuttle fuhr ich zusammen mit zwei andern Austauschschülerinnern nach Pretoria. Mitten im Südafrikanischen Busch schliefen wir in Zelten und hatten unsere Mahlzeiten und Gruppensessions in einer riesigen traditionellen Hütte: ein Rundbau mit Strohdach.  In der Nacht sanken die Temperaturen in den Zelten auf unter 5 Grad und wir froren alle trotz mehreren Lagen Wolldecken. Auch über Tag war es an diesen Tagen ziemlich kalt und wir liefen zum Teil mit Decken über den Schultern herum. Die Kälte war aber auch der einzige Minuspunkt an diesem Camp. Wir teilten unser Grundstück mit 5 Jack Russels, zwei Eseln, einem Pony und einem aggressiven Schaf.  Sie alle liefen frei herum und crashten ein ums andere Mal unsere Gruppensessions. Wir Austauschschüler verstanden uns alle super mit einander. Da es hier in Süd Afrika so viele unterschiedliche Kulturen gibt, war es sehr interessant sich über die verschiedenen Gastfamilien auszutauschen. Keine Gastfamilie gleicht der anderen. Mein persönliches Highlight war aber ein kleiner Kletterpark auf dem Grundstück. Jeder der wollte durfte an unserem letzten Tag klettern gehen und die Seilbahn hinunter sausen. Mein Klettergurt machte nicht gerade den sichersten Eindruck und ich musste mich echt überwinden. Ein Glück habe ich mich dann doch getraut. Das Austauschjahr ist voller solcher Überwindungen und ich habe das Gefühl an jeder neuen Herausforderung zu wachsen.

Ein Wochenende später  nahm mich meine Familie auf zwei sehr eindrückliche Ausflüge mit. Wir fischten in einem Damm in der Nähe und ich lernte etwas Neues über mich selbst kennen: Ich bin viel zu ungeduldig fürs Fischen. Aber der Onkel fing einen ein Meter grossen Wels, welchen ich unter grosser Kraftanstrengung für ein Erinnerungsfoto halten durfte. Am nächsten Tag fuhren wir um fünf Uhr morgens los zum Kruger National Park.  Ich habe ja schon etwas in meinem letzten Blog  über diesen Ausflug geschrieben. Es war wirklich toll. Es ist so faszinierend wie nah sich die Tiere an die Autos  herantrauen.  Eine Hyäne machte es sich so nahe neben unserem Auto gemütlich, dass ich sie hätte berühren können, hätte ich meinen Arm aus dem Fenster gestreckt. Das Schöne ist, dass wir  bloss eine Stunde Autofahrt vom Kruger Park entfernt wohnen. Wir werden also mehrmals dahin fahren können.

Seit ein paar Wochen besuche ich jeden Mittwoch eine ältere Dame im Altersheim. Meine Gastschwester und ich haben uns als Freiwillige bei einer Organisation gemeldet (Care Buddies), die Bewohner von Altersheimen besuchen, welche oft alleine sind. Häufig werden sie kaum von ihren Familien besucht und haben niemanden zum Reden. Meine „Tannie“ ist eine 86 jährige aus Deutschland stammende Dame, die kaum englisch spricht. Ich bin mindestens genauso dankbar jemanden zu haben, mit dem ich Deutsch sprechen kann, wie sie es ist. Ich glaube ich kann Vieles von ihr lernen.  Sie hat mir unglaublich viele traurige Geschichten aus ihrem Leben erzählt. Alles was ich noch vor mir habe, hat sie schon erlebt. Weil meine Gastschwester und ich die ersten Mitglieder von den „Mini Care Buddies“ sind, also Teenager die für Care Buddies aktiv sind, gaben wir letzten Freitag ein Interview für das lokale Radio. Wir werden in Zukunft wohl noch mehrere Male ein Interview geben müssen. Dass war auch echt eine Überwindung für mich. Ich war besorgt, dass mein Englisch noch nicht gut genug sei und ich nicht die richtigen Wörter finden würde. Doch meine Sorge war vollkommen unbegründet und das Interview lief recht gut.

Auch hier auf der Farm passieren viele spannende Dinge. An einem meiner ersten Tage brachten Freunde der Familie ein extrem geschwächtes, gerade erst geborenes Kälbchen zu uns. Es war schon ganz kalt und konnte nicht mal mehr sein Köpfchen heben. Wir retteten ihm das Leben. Nach einer Flasche Milch konnte es schon wieder auf seinen wackeligen Beinchen stehen. Mitanzusehen, wie es dem Kleinen immer besser ging, war ein unglaublich gutes Gefühl. Es passieren aber auch weniger schöne Dinge. So fanden wir den kleinen Hund der Familie mit einem geschwollenen Auge vor, ein Zeichen dafür, dass eine  Schlange ihm ihr Gift ins Auge gespuckt haben könnte.  Wir suchten das Haus ab und fanden schliesslich eine Speikobra hinter unserer Haustür.  Es ist echt keine gute Idee, bei so vielen giftigen Schlangen, die hier leben, ohne Schuhe herumzulaufen. Trotzdem sind wir meistens barfuss unterwegs, weil es hier einfach zu heiss für Schuhe ist. Letzte Woche erreichte das Thermometer 48 Grad! Ich lebe an einem der heissesten Orte Südafrikas. Dem kleinen Hund ging es zum Glück nach ein paar Tagen wieder gut.

Seit fast zwei Wochen lebt auf unserer Farm übrigens noch eine weitere Austauschschülerin aus Deutschland. Sie musste ihre Familie wechseln und lebt nun hier, nur ein paar Schritte von meinem Haus entfernt. Wir mussten versprechen, kein Deutsch mit einander zu sprechen, woran wir uns erstaunlicherweise auch halten. Es fühlt sich inzwischen natürlicher an, Englisch zu sprechen.

Ansonsten musste ich in den letzten Wochen viele Tests in der Schule schreiben, da gerade Examenszeit war. Es lief aber gar nicht mal schlecht. Ich habe ein paar Freunde in der Schule gefunden und fühle mich inzwischen richtig wohl. Wir hatten gerade eine Woche Ferien und ich genoss es sehr einfach mal nichts zu tun zu haben. Meine Gastschwester, die andere Austauschschülerin und ich verbringen viel Zeit zusammen. Es ist so, als ob ich rund um die Uhr mit guten Freundinnen zusammen bin. Natürlich gehen wir uns auch manchmal auf den Keks aber generell bin ich gerade sehr glücklich und dankbar dafür, dass ich in einer so lieben Familie sein kann und dass alles gut läuft.