YFU Switzerland

Erste Eindrücke von Südafrika

Hallo zusammen

Es ist nun mehr als einen Monat vergangen, seit ich in Johannesburg gelandet bin. Viel ist seit dem passiert. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell und doch habe ich das Gefühl, schon viel länger hier zu sein. Ich habe mich schon recht gut eingelebt.Ich fühle mich mit jedem neuen Tag mehr zu Hause. Ich lebe etwas ausserhalb von Nelspruit auf einer Farm mit Kühen, Schweinen und sehr vielen Hunden und Katzen.. Ich wohne in einem kleinen Häuschen zusammen mit meinen Gasteltern, meiner 17jährigen Gastschwester und meinem 16jährigem Gastbruder. In weiteren Häusern auf der Farm leben Grosseltern, Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins. Ich darf also Mitglied auf Zeit in einer sehr grossen Familie sein. Meine Familie spricht zu Hause eigentlich Afrikaans, spricht aber zur Zeit mir zuliebe sehr viel Englisch. Mein Englisch ist schon etwas flüssiger geworden und ich lerne die ersten Wörter auf Afrikaans. Mein Wortschatz besteht aber nur aus sehr wenigen Wörtern wie „Goeie more“ (Guten morgen), „asseblief“(bitte), „dankie“(danke) und „lekker“, was ein universelles Afrikaanswort ist und etwas sehr Gutes, und Schönes beschreibt

Fangen wir mal ganz von vorne an. Am 24. August, einem Freitag flog ich zusammen mit einer anderen Austauschschülerin vom Flughafen Zürich los. Erstaunlich ruhig und voller Vorfreude starteten wir in unser Austauschjahr. Nach einer unruhigen Nacht in sehr unbequemen Sitzen konnte man endlich durch einige Wolkenfetzen Johannesburg erkennen. Ich weis noch, dass ich bei diesem Anblick eine Gänsehaut am ganzen Körper bekam, welche nicht von der kalten Klimaanlage des Flugzeuges zeugte. Ich spürte viele Emotionen auf einmal. Ich freute mich riesig auf dieses Abendteuer aber gleichzeitig wurde mir auch klar, was ich alles hinter mir lassen musste. Nachdem wir es durch die unfreundliche Passkontrolle geschafft hatten, wurden wir sehr herzlich von den YFU-Mitarbeitern empfangen. In einem Fastfood-Restaurant des Flughafens warteten wir, bis schliesslich über zwanzig Austauschschüler aus verschiedenen Ländern zusammen kamen. Wir alle waren total erschöpft von unserer Anreise. Dann kamen auch schon die ersten Gastfamilien. Viele wurden nämlich direkt vom Flughafen von ihren Familien abgeholt. Einige mussten aber noch ein bisschen Geduld haben und mit dem Bus weiterreisen. Dann kam plötzlich auch meine Familie. Meine Gasteltern, mein Gastbruder, meine Gastschwester und Freunde der Familie mit ihrer kleinen dreijährigen Tochter. Sie alle nahmen mich in die Arme und ich fühlte mich gleich willkommen. Die ersten Unterschiede zur Schweiz merkte ich schon in der Tiefgarage. In Südafrika schnallen sich meistens nur der Fahrer und der Beifahrer an. Auf dem Rücksitz war es in unserem Auto gar nicht möglich, sich ohne weiteres anzuschnallen. Dass war am Anfang ein wirklich merkwürdiges Gefühl, unangeschnallt zu fahren. Vor allem bei den halsbrecherischen Manövern und dem schnellen Fahrstil der Südafrikaner.

Dass Essen ein wichtiger Bestandteil in der Südafrikanischen Kultur ist, habe ich schnell gemerkt. Ich durfte auch schon einige Spezialitäten kennen lernen. Meinen ersten Braai hatte ich gleich an meinem ersten Tag, wo man grilliert, viel Fleisch, Braaibroodjies (Sandwiches vom Grill) und Pap isst (Brei aus Maismehl) und vorallem viel redet. Einen Braai gibt es zu jeder guten Gelegenheit, also fast jedes Wochenende. Es wird sehr viel Fleisch gegessen und dass in verschiedensten Formen: als normales Steak, verschiedene Würste , als Biltong (Trockenfleisch) oder Droewors (eine trockene, mit Koriander gewürzte Wurst) als kleiner Snack für Zwischendurch. Ausserdem gibt es tausende köstliche Tarts und Schokoriegel… Zum Glück bin ich seid kurzem Mitglied in einem Ringballteam und kann so ein bisschen fit bleiben. Ich merke nämlich schon, wie meine Hosen enger werden. Das Essen hier ist einfach so lecker! Ringball ist übrigens eine traditionelle südafrikanische Sportart, die aus dem Basketball stammt.

Was ich auch schon sehr früh kennenlernen durfte ist die atemberaubende Tierwelt Südafrikas.Kurz nachdem wir den Flughafen in Johannesburg hinter uns gelassen hatten, sah ich auch schon neben der Autobahn meine ersten drei grasende Antilopen. Am nächsten Tag sahen wir bei einer Futterstation neben einer Raststete sechs Nashörner, Büffel, Strausse und ein Emu. Auf unserem Grundstück leben kleine Äffchen die sich schon mal auf die Bäume direkt neben unserem Haus trauen. Jeden Tag sehe ich auf meinem Schulweg grasende Impalas und manchmal Zebras und Büffel. Inzwischen habe ich schon so häufig Impalas gesehen, dass sie schon fast nichts besonderes mehr für mich sind. Es ist wirklich verrückt, wie viele wilde Tiere hier leben. Alle diese Tiere kommen einem natürlich schnell in de Sinn, wen man an Afrika denkt, ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass sie so nahe an bewohnten Gebieten leben. Überall gibt es hohe mit Strohm geladene Stacheldrahtzäune, die nicht nur dem Schutz vor der leider vorhandenen hohen Kriminalität bieten, sondern auch vor den wilden Tieren. Wir waren auch vor kurzem im Kruger National Park wo wir natürlich noch vielmehr Tiere gesehen haben, wie Elefanten, Giraffen, Nilpferde, Krokodile, Paviane und viele verschiedene Antilopenarten. Dieser Ausflug hat mich wirklich beeindruckt. Elefanten und Giraffen sind in Wirklichkeit um ein Vielfaches grösser als ich es mir vorgestellt habe.

Gleich am zweiten ganzen Tag in Südafrika war mein erster Schultag.Ich gehe in die Bergvlam High School, einer der besten Schulen in der Gegend, wenn man den Medien glauben will. Es gibt strenge Regeln, was das individuelle Aussehen betrifft. Den Dresscode gibt es schriftlich und erstreckt sich über zwei Seiten. Die Schuluniform muss ordendlich getragen werden, die Nägel müssen kurz, die Haare zusammen gebunden und die Gesichter ungeschminkt sein. Sogar die Farbe der Haargummis ist vorgegeben. Trotzdem mag ich unsere Uniformen. Wie der Name schon sagt, sie lässt sie alle gleich aussehen, wodurch es weniger Vorurteile gibt und man sich mehr wie eine Einheit fühlt. Der Unterricht verläuft anders als in der Schweiz. Am Anfang der Lektion müssen alle Schüler stehen, bis der Lehrer sie auffordert, sich zu setzen. Die Lehrer lösen viel vor, was die Schüler dann in ihre Hefte übertragen müssen. Die Schüler sind oft sehr laut und nicht besonders respektvoll dem Lehrer gegenüber. Die Lehrer schreien viel, wenn ihnen etwas nicht passt. So ist es also allgemein sehr laut in den Klassen. Mein Unterricht findet in einem Gemisch aus Afrikaans und Englisch statt, wodurch ich nicht immer alles verstehe. Der Lernstoff ist aber meistens nicht besonders schwierig und ich kann ganz gut mit den anderen Schülern mithalten. Im allgemeinen fühle ich mich sehr wohl in der Schule, vor allem, weil meine Mitschüler sehr nett und hilfsbereit sind. So habe ich schon einige Freunde gefunden. Es gibt viele kleine Rituale an der Schule, welche die Schüler näher zusammenbringen sollen. Vor der ersten Lektion und nach der letzten Lektion wird über Lautsprecher ein Gebet gesprochen. Es gibt eine Glocke, die bei besonderen Gelegenheiten von den Schülern zum Klingeln gebracht wird. Und sogar ein Schullied, das “Vlammielied” wird manchmal von allen Schülern zum Besten gegeben. Es gibt noch einen Haufen andere Rituale, aber dies sind die einzigen, die ich bis jetzt miterlebt habe.

Ich habe noch viel mehr erlebt als ich jetzt hier in diesem Blog festhalten konnte. Ich könnte echt ein Buch schreiben, so viel habe ich erlebt. Dieser Blog war eher allgemein über meine ersten Eindrücke hier in Südafrika.