YFU Switzerland

Unterschiede in der Schule

In diesem und im nächstem Blog soll sich Alles um Unterschiede zwischen Südafrika und der Schweiz drehen. Davon gibt es nämlich wirklich eine ganze Menge. Wichtig dabei zu bedenken ist aber, dass ich nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten kann. Je nachdem in welcher Gegend man sich befindet, welche Schule man besucht und in welcher Gastfamilie man lebt, macht man ganz andere Erfahrungen und erfährt ganz andere Differenzen. Ich für meinen Teil wohne in der Stadt Nelspruit, wohne in einer Afrikaans sprechenden Familie und besuche eine öffentliche christliche Schule.

Bergvlam Highschool

In diesem Blog werde ich vor allem auf meine Schule, Bergvlam Highschool, eingehen. Laut der Webseite meiner Schule ist diese eine multikulturelle Bildungseinrichtung mit einem südafrikanischem Charakter, welche sich bemüht, christliche Normen und hohe Standards zu wahren. Tatsächlich kommen die Schüler aus vielen verschiedenen Kulturen und sprechen unterschiedliche Sprachen. Unterricht gibt es aber nur auf Englisch und Afrikaans. In den meisten meiner Klassen müssen die Lehrer parallel auf beiden Sprachen unterrichten, was eine ziemliche Herausforderung ist. Die meisten meiner Lehrer sprechen ursprünglich Afrikaans und haben dadurch ein ziemlich gebrochenes Englisch und sprechen viel lieber ihre Muttersprache. Gerade am Anfang, wo ich noch kaum Afrikaans verstand, war es sehr anstrengend den Lehrern zu folgen.

Kleiner Einblick unserer Schuluniformen

Der wohl offensichtlichste Unterschied der Schulen in Süd Afrika ist die Schuluniform mit ihren strengen Vorschriften. Es gibt regelmässige Inspektionen bei denen unser Erscheinungsbild genau geprüft wird. Besonders streng nehmen es die Lehrer mit der Länge unserer Fingernägel, der Länge unseres Kleides, jeglichem Körperschmuck und den Frisuren der Jungen. Laut unserem stellvertretenden Schulleiters sollte ein Vorzeigeschüler möglichst wenig mit seinem Erscheinungsbild auffallen. Um so mehr freuen wir uns immer auf die paar Tage, wo wir in normalen Kleidern in die Schule gehen können. Diese “civvies days” finden meistens am Tag vor den Ferien statt und werden von den Schülern richtig ausgenutzt. Viele kommen mit sehr extravaganten Kleidern zur Schule und stylen sich die Haare genau so, wie es normalerweise nicht erlaubt wäre

Jeder Schultag beginnt und endet mit einem Gebet, welches über Lautsprecher in alle Klassenzimmer übertragen wird. Meistens am Anfang des Tages treffen sich die Schüler in ihrer “Registerclass” mit ihren jeweiligen Klassenlehrern. Dort wird durchgezählt, ob auch alle da sind und es werden Ankündigungen gemacht. Einer der Schüler muss in dieser Zeit auch ein Gebet sprechen oder eine motivierende Rede über die Werte der Schule halten. Jeden Tag ist jemand anderes an der Reihe. Die Werte der Schule sind Respekt, Verantwortung, Stolz, Einheit und Ubuntu. Ubuntu ist ein Zulu-Wort und kann auf viele verschiedene Arten interpretiert werden. Es soll aber Humanität und Zusammenhalt ausdrücken. Alle paar Tage versammeln sich die Schüler in der Halle oder draussen vor der Schule. Dort werden Ankündigungen gemacht und es wird auch häufig gesungen. Wir singen Loblieder und unsere Schulhymne. Hier hat jede Schule ihre eigene Hymne und einen eigenen Leitspruch. “As U wil en ek leef” und “Brand Met Trots/ Burn with Pride” sind die beiden Leitsprüche meiner Schule. Sie bedeuten so viel wie “In deinem Willen lebe ich” und “Brenne mit stolz”.

Es gibt eine starke Hierarchie unter den Schülern. Die Achtklässler sind an unterster Stelle, sie müssen den älteren Schülern gehorchen und haben nichts zu melden. Die “Matric” sind die Zwölftklässler und stehen an höchster Stelle. Man muss sich von ihrem eigenen überdachtem Pausenort und ihrer Treppe fernhalten. Diese Rangordnung wird unter anderem auch in der Sitzordnung der Halle sichtbar: Die Klassenstufen sitzen beieinander, Acht- bis Zehntklässler auf dem Boden, Elftklässler auf Stühlen im hinteren Bereich der Halle und die Matric auf einer Empore. Mädchen und Jungen müssen getrennt in der Halle sitzen. Beim Warten vor den Klassenzimmern stehen die Jungen aufgereiht bei der Fensterseite des Ganges und die Mädchen auf der anderen Seite. Beim Betreten und Verlassen der Schulzimmer lassen die Jungen den Mädchen meistens ganz gentlemanlike den Vortritt. Der Unterricht verläuft auch ein bisschen anders. Bevor der Unterricht beginnt, müssen alle Schüler hinter ihren Pulten stehend warten, bis der Lehrer sie bittet sich zu setzen. Ganz schön viele nicht sofort sichtbare Regeln, die ich erst durch viele unangenehme Situationen lernen musste; wenn man zum Beispiel plötzlich bemerkt, dass man als einzige auf seinem Stuhl sitzt oder nicht sofort bemerkt, dass alle Jungen verlegen hinter einem warten bis man endlich durch die Tür tritt.

Allgemein werden die Lehrer sehr schnell laut wenn sie das Gefühl haben, dass die Schüler nicht zuhören. Einige Schüler haben kaum Respekt vor ihren Lehrern, was wohl der Grund dafür ist, dass die Lehrer mehr durchgreifend sind. Trotzdem haben die Lehrer eine recht enge Beziehung mit den Schülern. Dass zeigt sich zum Beispiel darin, dass wir die Geburtstage der Lehrer feiern. Das klingt vielleicht nicht so spektakulär, aber in der Schweiz sind die Geburtstage nie bekannt und ehrlich gesagt ist es den Schülern dort auch relativ egal, wann ihre Lehrer ihren Geburtstag feiern. Hier haben wir sogar eine Überraschungsparty für unsere Klassenlehrerin organisiert.

In jedem Fach ist man mit anderen Schülern zusammen. Es gibt keine festen Klassen und somit auch keine Klassenkameraden, mit denen man den ganzen Tag zusammen bleibt. Ab der Zehnten Klasse gibt es nur sieben Fächer von denen nur Mathematik, Englisch, Afrikaans und Life Orientation obligatorisch sind. In Life Orientation bekommt man Werte vermittelt und lernt verschiedene Skills, wie mein ein gutes leben führen kann. Die anderen drei Fächer kann man sich auswählen. Es gibt eher ungewöhnliche Fächer wie Hauswirtschaft, Tourismus, Business oder Zeichnen, aber auch Biology, Physik oder Geografie. Die Noten werden hier meistens in Prozentzahlen angegeben, welche zeigen, wie viel Prozent man richtig gelöst hat. Als ungenügend wird hier eine Note unter 30% angesehen, während in der Schweiz alles unter 60% als ungenügend gilt. An meiner Schule findet der Unterricht von 07:30-13:30 statt. Alle sieben Fächer werden in dieser Zeit unterrichtet, die Länge der Lektionen variieren aber je nachdem, ob wir Versammlungen haben oder nicht.

Meine Klasse beim “Stocktake”

Um Geld für die Schule zu sammeln, gibt es regelmässige “Stocktakes” bei denen sich Schüler freiwillig melden um die Ware in Läden zu zählen. Dass ist echt harte Arbeit. Ich habe auch einmal mitgemacht und habe bis spät am Abend mit den anderen Schülern die Ware eines Supermarktes gezählt. Dafür gibt es Belohnungspunkte (Merits) die man auch durch andere gute Taten erwerben kann. Dadurch kann man Minuspunkte (Demerits) wieder gut machen, welche man zum Beispiel durch vergessene Hausaufgaben oder Verstösse gegen die Kleiderordnung bekommen kann. Auch durch Blutspenden kann man sich Merits verdienen. Ja wirklich, ich fand dies auch ein wenig befremdlich. Regelmässig kommen Blutspende-Organisationen zu den Schulen und zapfen den über 16jährigen Blut ab. Aber immerhin wird so dringend benötigtes Spende-Blut gewonnen.

Sportliche Leistungen werden hier ebenso hoch angesehen wie akademische. Zu den meisten grösseren Schulen hier gehören Rugbyfelder, Korbballfelder und Hockeyfelder. Die Schulen treten in verschiedenen Disziplinen gegen einander an. Es gibt eine Wintersportsaison (April-September) und eine Sommersportsaison (November-März).

In der Sommersportsaison messen sich die Schüler in verschiedenen Leichtathletikdisziplinen. Das “Spiritteam”besteht aus einer Vielzahl an Schülern, welche unter der Anleitung der acht Cheerleader mit Tanz die Leichtathleten anfeuern. Es ist ein ebenso wichtiger Bestandteil der Sommersaison wie die Athleten. Die Saison beginnt mit dem “Interhouse” , einem Event, bei dem sich die Schüler mit ihren Mitschülern innerhalb einer Schule messen. Ich wurde dazu überredet, beim 1500Meter-Lauf mitzumachen. Ich kam auf den zweiten Platz (Es haben auch nur zwei andere Mädchen mitgemacht 🙂 ), und habe mich damit für den “Interhigh” qualifiziert. Beim Interhigh machen alle Athleten der Provinz mit. Nach dem Interhouse wurde fünf Wochen lang trainiert, zum Teil während der Schulzeit, aber auch an den Nachmittagen. Ich habe beim Langstreckentraining mitgemacht, was bei den an 40 Grad grenzenden Temperaturen sehr anstrengend war. Es gab auch ein paar Wettkämpfe bei anderen Schulen, um sich auf dass grosse Event vorzubereiten.

Foto vom Interhigh
Einzug der Athleten

Dann war es endlich so weit. Der Interhigh ist echt ein Spektakel. Der Einmarsch der Athleten erinnerte mich irgendwie an die Olympischen Spiele und überhaupt kommt man sich an diesem Tag wie ein gefeierter Profisportler vor. Die Spiritteams feuern ihre Athleten den ganzen Tag an und bekommen Preise für ihre Choreographien. Das Highlight des Spektakels waren drei Fallschirmspringer, welche aus einem Propellerflugzeug direkt über dem Feld sprangen. Der ganze Tag war sehr beeindruckend für mich und ich bin auch nicht allzu schlecht gelaufen, obwohl ich extrem aufgeregt war.

Mein Netballteam

Die Sommersportsaison ist dem Mannschaftssport gewidmet. Es gibt viele verschiedene Angebote wie Rugby, Kricket, Netball, Hockey, Fussball, Tennis, Schwimmen und Sportschiessen. Schiessen ist hier sehr beliebt, sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen. Meine Gastschwester ist im “Shooting-team” und so habe ich es auch ausprobieren dürfen. Ich muss ehrlich sagen, dass mir Sportschiesen Spass macht, obwohl ich recht skeptisch war am Anfang. Rugby ist der wohl beliebteste Sport Süd Afrikas und wird dementsprechend auch sehr ernst genommen. Wer im ersten Rugbyteam ist, wird auch automatisch bekannter an der Schule. Nachdem die Spieler für das Erste Rugby Team der Schule feststehen, müssen diese sich traditionell von ihren Mitschülern eine Glatze rasieren lassen. Diese Tradition soll verhindern, dass die Spieler sich von den anderen abheben und sich als etwas besseres fühlen. Auch beim Interhigh sah ich ein paar Athleten, welche sich aus diesem Grund eine Glatze schneiden mussten. Viele Mädchen spielen Netball(Korbball) oder Hockey. Ich trainiere hier nun auch Netball. Ich habe ein paar Jahre lang Korbball gespielt und finde es schön dass ich dies auch hier tun kann. Es gibt aber auch einige Unterschiede, und dass nicht nur in den Regeln. Wir müssen Röckchen tragen, was ich eher hinderlich finde. Aber es macht Spass und ich finde es wichtig, bei solchen Schulaktivitäten mitzumachen. Es ist eine gute Gelegenheit mehr Leute kennen zulernen und Freundschaften zu schliessen.

Neben diesen sportlichen Aktivitäten kann man auch dem Schachklub oder dem Chor beitreten oder bei der Schülerzeitung mitwirken. Die Schüler werden mit diesen Angeboten nach dem Unterricht beschäftigt, während sie warten, abgeholt zu werden. Viele werden nämlich erst am späten Nachmittag von ihren berufstätigen Eltern abgeholt. Nur die wenigsten Schüler haben das Glück, in einem nahe gelegenem Haus zu wohnen. Ein paar wenige haben Motorräder, wodurch sie viel Selbstständigkeit gewinnen. Die anderen sind total abhängig von Leuten, welche sie mit dem Auto abholen kommen, und dass nicht nur auf die Schule bezogen. Einfach mit dem Zug oder Bus unterwegs zu sein, ist etwas, was ich sehr von der Schweiz vermisse. Egal wohin ich möchte, ob etwas einkaufen gehen oder etwas mit Freunden unternehmen, ich brauche immer jemanden, der mich mich herumkutschiert.

“Colourrun” am Funday
Der Valentinsball

Alle paar Monate finden auch sogenannte “Socials” statt. Dass kann ein Funday sein oder ein Schultanz, auch “Sokkie” genannt, wo ordentlich gefeiert wird. Diese Socials gibt es oft vor den Ferien oder bei besonderen Gelegenheiten, wie dem Valentinstag. Mit den Eintrittsgeldern wird Geld für die Schule gesammelt. Erlaubt sind nur Schüler der Schule, ohne Ausnahmen. Akohol ist strikt verboten. Für viele bedeuten diese Anlässe ein Stückchen Freiheit, da es hier sonst kaum sichere Angebote gibt, wo junge Leute feiern gehen können. Die Musik welche gespielt wird, ist sehr vielfältig. Von Popmusik zu typischer Afrikaans Music zu Afropop ist alles dabei. Dass ist auch gut so, da so für jeden etwas dabei ist.

Ich mag meine Schule, was vor allem auf die vielen Freizeitangebote zurückzuführen ist. Schule hier in Südafrika dreht sich nicht nur um “Schule” sondern auch um Sport und Spass. Ich habe das Gefühl, hier wird viel Wert darauf gelegt, die Schüler nicht nur akademisch zu unterrichten, sondern auch zu guten Menschen zu erziehen. Klar gibt es auch nicht so gute Dinge, wie zum Bespiel das niedrigere Niveau des Schulstoffes oder fehlende Disziplin einiger Schüler. Trotzdem geniesse ich meine Zeit in Bergvlam und ich finde, dass sich meine Schule in der Schweiz in Sachen Spass und Freude vom Südafrikanischen Bildungssystem eine Scheibe oder zwei abschneiden könnte.

Mid-Year Orientation und Geburtstagsfeier

Goeie dag almal

Es ist jetzt schon wieder eine ganze Weile her, seit ich meinen letzten Blog geschrieben habe. So Vieles habe ich seitdem erlebt. Nun sind nur noch drei Monate von meinem Austauschjahr übrig. Ich weiss wirklich nicht was ich davon halten soll. Es wird sehr hart werden mein Leben in Süd Afrika hinter mich zu lassen. Auch die Tatsache, dass ich dann in der Schule wieder alles geben und die Erwartungen erfüllen muss, ist nicht wirklich etwas auf was ich mich freue. Aber ich sehne mich auch danach meine Familie und Freunde wiederzusehen.

Abkühlen im Pool

Ende Januar fand die Mid-year Orientation statt, wo sich alle Austauschschüler wiedergetroffen haben. Das Wochenende verbrachten wir wieder in Pretoria, am selben Ort unserer ersten Orientation. Diesmal schliefen wir jedoch nicht in Zelten, sondern in umgebauten Pferdeställen. Ich habe das Wochenende unglaublich genossen. Wir alle verstehen uns so gut miteinander; ob Austauschschüler oder Teamer von Deutschland, Süd Amerika, Frankreich oder Skandinavien. Wir unterhielten uns lange und tiefsinnig, kühlten uns im Pool ab und genossen unsere Zeit zusammen. An den Abenden liessen wir Lateinamerikanische Musik laufen und die Austauschschüler von Chile, Brasilien und Argentinien zeigten uns wie man richtig tanzt.

Der Hindernisparcours

Aber es war nicht alles ein Zuckerschlecken. Der Besitzer des Grundstücks kam an einem Nachmittag zu uns, als wir gerade im Pool entspannten. Er zwang uns einen Hindernisparcours bewältigen. Wir mussten auf allen Vieren durch den Schlamm krabbeln und über hohe Hindernisse klettern während er uns mit einem Grinsen im Gesicht mit einem Wasserschlauch beschoss. Eines der Hindernisse hatte es besonders in sich: ein sechs Meter hohes Gerüst an dem man an einem Netz hochklettern musste. Ich hatte schon halb mit meinem Leben abgeschlossen, als ich mich am höchsten Punkt dieses Hindernisses mit aller Kraft festkrallte und mich panisch fragte, wie ich Bitteschön wieder nach unten klettern sollte. Gott sei Dank schafften wir es alle einigermassen heil ins Ziel.

Natürlich übertreibe ich hier auch ein wenig. Dass Wochenende war wirklich wunderschön und am Ende verabschiedeten wir uns nur sehr ungerne von einander. Bei manchen lief sogar die ein oder andere Träne. Wie wird dass bloss werden, wenn wir uns bei der End-Year Orientation von einander verabschieden müssen, wohlmöglich für immer?

Ich mit meinen Gastgeschwistern

Eine Woche später, an einem Montag, feierte ich meinen 17en Geburtstag. Da ich ja an diesem Tag zur Schule musste, hatte sich meine Gastfamilie etwas ganz Besonderes für das Wochenende vor meinem Geburtstag ausgedacht. Wir fuhren am Freitag zu einem Naturresort, dem “Voetpadkloof Resort”. Dort trafen wir auch die weitere Familie und Freunde meiner Gastfamilie. Nach etwa zwei Stunden Autofahrt bogen wir von der Autobahn ab und waren direkt in der Natur. Fast sofort tauchten die ersten Antilopen und Büffel auf. Auch im Resort selber liefen die Antilopen frei herum. Wir schauten sogar zwei Klippspringern direkt neben dem Pool beim Kämpfen zu

Am Sonntag gab es eine Überraschungsparty für mich. Dass kam für mich wirklich total unerwartet. Nachdem ich vom Schwimmen zurück kam, erwartete man mich mit Ballons, Geschenken und einem vielfältigem Buffet mit allerlei Südafrikanischen Spezialitäten. Dass war so lieb und ich habe mich riesig über die Überraschung gefreut. Eigentlich hätte ich schon eine Vorahnung haben sollen. Ich war aber so abgelenkt, dass ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte.

Mein eigentlichen Geburtstag war mehr oder weniger ein normaler Schultag. Jedoch befanden sich an meinem Schulsack ein halbes Duzend Ballons, welche meine Gastschwester dort befestigt hatte. Hier ist es nämlich üblich, an seinem Geburtstag beladen mit Ballons, Schärpen und Krönchen in der Schule zu erscheinen. Dass war für mich zunächst ein bisschen befremdlich, da man genauso gut “Hey Leute, ich habe heute Geburtstag” in der Gegend herum schreien könnte und jeder käme um einem zu gratulieren. Es war aber auf jeden Fall ein Erlebnis. So wusste jeder von meinem Geburtstag und ich bekam jede Menge Glückwünsche.

Mir wird immer bewusster, wie viel Glück ich mit meiner Gastfamilie habe. Die Hälfte der Austauschschüler haben mittlerweile aufgrund verschiedenster Probleme ihre Familie wechseln müssen. Ich bin so dankbar, dass mir diese Probleme erspart blieben. Bei der Orientation haben wir uns viel über die verschiedenen Gastfamilien unterhalten. Sich in der Familie wohl zu fühlen ist ein wahnsinnig wichtiger Teil für ein gutes Austauschjahr. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass die Gastfamilie dass Austauschjahr ausmacht. Das sind die Menschen, mit denen man die meiste Zeit verbringt. Schliesslich lebt man ja zusammen.

Ich bin bisher noch nicht gross auf Besonderheiten von Südafrika eingegangen. Es gibt eine Menge davon und ich habe noch nicht Vieles darüber geschrieben. Diese Eigenheiten sind für mich inzwischen normal und deshalb vergesse ich diese zu erwähnen. Dass wäre aber bestimmt ein interessantes Thema für meinen nächsten Blog.



Die Hälfte ist schon vorbei!

Kaum zu glauben, aber ich befinde mich jetzt so ziemlich in der Mitte meines Austauschjahres in Südafrika. Ich weiss gar nicht, was ich davon halten soll. Einerseits freue ich mich jetzt schon tierisch darauf meine Familie und Freunde in der Schweiz wiederzusehen, andererseits kann ich es mir gar nicht vorstellen meine Gastfamilie und Freunde, welche mir sehr ans Herz gewachsen sind, zu verlassen. Ich sollte mir darüber aber noch keine Gedanken machen. Immerhin habe ich noch fünf Monate vor mir.

Nele ist inzwischen umgezogen, allerdings nicht mit ihrer Gastmutter nach Pretoria, sondern zu einer anderen Familie hier in Nelspruit. Ihre Gastmutter konnte sie nun doch nicht mitnehmen. Das Gute ist, dass wir uns immer noch in der Schule sehen und sie ist auch sehr zufrieden mit ihrer neuen Familie.

Weihnachten ist jetzt schon mehrere Wochen her. Anders als in der Schweiz wird der 24. Dezember hier nicht gross gefeiert, der 25. Dezember dagegen schon. So kam es, dass ich Heiligabend grösstenteils mit Nele bei der Arbeit ihrer Gastmutter verbrachte. Sie arbeitet im Labor und untersucht vor allem Blutproben auf Malaria und andere Krankheiten. Sie wollte uns mal mitnehmen um uns ihre Arbeit zu zeigen. Es war sehr interessant zu sehen wie sich Malaria infiziertes Blut und auch andere Krankheiten unter dem Mikroskop zeigen. Wir liessen uns sogar von einer Krankenschwester Blut abnehmen und konnten einen Blick auf unser eigenes Blut werfen und unsere Blutgruppe bestimmen. Dies ist nun wirklich keine typische Aktivität an Heiligabend, aber es war echt spannend. Am Abend traf sich die ganze Familie bei den Grosseltern wo es eine grosse Vielfalt an Essen gab und die jüngeren Kinder schon ein paar Geschenke öffnen durften. Eigentlich darf man dass nämlich erst am 25. Dezember. Darum warteten wir noch bis Mitternacht bevor wir unsere Geschenke öffneten. Am 25. Dezember fuhren wir zum Haus des Onkels wo wir einen Braai hatten. Alles in Allem war Weihnachen echt schön, auch wenn meine eigene Familie so weit weg ist. Vom Onkel bekam ich übrigens ein ganz besonderes Geschenk: ein Küken! Auf seiner Farm rennen eine Menge Hühner herum von denen ich mir ein Küken aussuchen durfte. Es wohnt nun in meinem Zimmer in einer Box und rennt tagsüber durch das ganze Haus. Es hält mich ganz schön auf Trab, da ich es vor unseren zwei Hunden und der Katze beschützen muss. Es hat sich eine wahre Hass-Liebe zwischen ihm und uns entwickelt. Es schreit ununterbrochen, wenn es hungrig ist, Aufmerksamkeit möchte, oder auch einfach so. Mein Gastvater redet ständig darüber, eines Tages ein Chicken Stew aus ihm zu kochen. Auch wenn es sehr nervig sein kann und es mich schon einige Male an den Wochenenden um sechs Uhr morgens geweckt hat, werde ich es mit aller Kraft vor dem Stew bewahren. Es ist einfach zu niedlich wie es jedes Mal in meiner Hand einschläft.

Silvester haben wir nicht gross gefeiert. Feuerwerk ist hier illegal, aber man darf es an bestimmten Orten abfeuern. Einer dieser Orte war eigentlich das grosse Stadion in Nelspruit. Als wir dort ankamen war es jedoch abgeschlossen und wir fuhren zurück zur Farm wo wir nur “leises” Feuerwerk anzündeten, um die Tiere nicht zu erschrecken.

Die Schule hat am 9. Januar wieder angefangen. Da hier das Schuljahr im Januar beginnt, gehe ich nun in die 11. Klasse und habe neue Lehrer und auch zum Teil neue Mitschüler. Es ist gerade Sportsaison der Schulen. Letzte Woche hatten wir an meiner Schule Interhouse, wobei zum Unterschied zum Hinterhigh die Schüler innerhalb einer Schule in verschiedenen Leichtathletikdisziplinen gegeneinander antreten. Beim Interhigh treten verschiedene Schulen gegeneinander an. Die ersten Drei in jeder Disziplin haben sich automatisch für die Interhigh qualifiziert. Ich habe beim 1500 Meter Lauf mitgemacht. Da bei diesem nur zwei andere Mädchen meines Jahrgangs mitgemacht haben, habe ich mich qualifiziert. Jetzt muss ich Montags bis Donnerstags jeden Nachmittag eine Stunde trainieren, und dass bei den hohen Temperaturen. Aber es macht auch Spass.

Gestern habe ich zum ersten Mal eine Schlange in der Hand gehalten! Wir haben gestern zum zweiten Mal die “Schlangenfänger”, wie ich sie nenne, beim Eingang der Farm angetroffen. Dass ist eine Familie, die sich für das Wohl der Schlangen einsetzt. Man kann sie anrufen, wenn man auf seinem Grundstück eine Schlange findet. Sie fangen Schlangen und lassen sie außerhalb der Stadt wieder frei oder zeigen sie bei Aufklärungsarbeiten. Damit wollen sie verhindern, dass die Bevölkerung aus Angst Schlangen tötet. Als wir sie das erste Mal getroffen haben, hatten sie eine Ägyptische Kobra dabei, die natürlich viel zu giftig ist um sie mit der ungeschützten Hand zu halten. Auch gestern hatten sie eine hochgiftige Puffotter dabei, aber auch eine Baby Python und eine Kornnatter, welche ich auf der Hand halten durfte. Sie fühlen sich viel geschmeidiger und weicher an als ich erwartet hatte.

Nächsten Freitag geht es auf nach Pretoria zur Mid-Orientation. Ich freue mich schon sehr die anderen Austauschschüler wiederzusehen. Wir werden uns sicher eine Menge zu erzählen haben.


Weihnachtszeit in Südafrika

Goeie dag almal

Nun ist es schon Mitte Dezember, Weihnachten steht vor der Tür. Kaum zu glauben bei den oft an  die 40 Grad grenzenden Temperaturen. Aber auch ohne Schnee, Grittibänzen und Samichläusen kommt bei mir wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung auf. Seit drei Wochen haben wir Sommerferien und so hatten Nele und ich viel Zeit um sowohl Zimtsterne und Mailänderli als auch ein paar lokale Kekse zu backen. Ausserdem haben wir Adventskalender für unsere Gastfamilien gebastelt. Wir mussten nämlich feststellen, dass hier die Adventszeit, Adventskalender, Adventskränze, und was sonst noch dazu gehört, nicht bekannt ist. Schon seit einer Woche steht in unserem Wohnzimmer ein Weihnachtsbaum, liebevoll von meiner Gastmutter mit Lametta und Plastiksonnenblumen geschmückt. Der Sonnenblumenbaum repräsentiert Weihnachten im Sommer ziemlich gut, wie ich finde. An Weihnachten wollen wir wieder zu dem Damm fahren, in dem wir in einer meinen ersten Wochen den riesigen Wels gefangen haben. Wir werden dort natürlich einen Braai haben, schwimmen und in der Sonne liegen. Es wird zwar komplett anders sein, als das Weihnachtsfest, dass ich kenne, aber ich freue mich echt darauf. Klar, irgendwo vermisse ich die winterliche Stimmung. Wenn man sich jedesmal dick einmummelt, bevor man einen Schritt vor die Haustüre wagt und es dann aber drinnen kuschelig warm ist und man eine schöne Tasse Tee  trinken kann. Aber es hat auch was, wenn man Weihnachten im Bikini feiern kann.

An den Wochenenden in den Ferien sind wir häufig mit dem Auto durch die nähere Umgebung von Nelspruit gefahren. Es gibt so viele schöne Orte hier in der Nähe. Wir sind über den Long Tom Pass gefahren, wobei man an einer Kanone vom Burenkrieg vorbei kommt, welche dem Pass seinen Namen gibt. Bei der Gelegenheit haben wir uns auch die Stadt Lydenburg ein bisschen angesehen. An einem anderen Wochenende haben wir “God’s  Window” besichtigt, einem Aussichtspunkt, von dem man an einem klaren Tag bis nach Mozambique sehen kann. Ausserdem waren wir bei ein paar Wasserfällen; einem riesigen Wasserfall, welcher in eine tiefe Schlucht fiel und zwei kleineren, bei denen wir baden konnten und sogar unter den Wasserfall stehen konnten. Eine willkommene Abkühlung bei der Hitze. An diesem Tag waren wir auch in Graskop, einem kleinen Touristenstädtchen, und in Pilgrims rest, was eine beinahe ausgestorbene Goldgräberstadt ist. An all diesen Touristenorten sitzen immer Leute, welche selbst gemachte Figuren der Big Five aus Holz oder Stein, Bilder oder Schmuck verkaufen. Auch Stände mit Früchten und Nüssen findet man überall. Manchmal gibt es einen kleinen Stand oder die Ware ist einfach nur auf dem Boden ausgebreitet. Die Kunstwerke sind oft echt beeindruckend und wenn sich die bunten Stände aneinanderreihen, sieht es wunderschön aus. Mit Rufen versuchen die Verkäufer einen anzulocken und sind oft ziemlich hartnäckig. Dass ist aber auch verständlich, wenn man bedenkt, dass sie pro Tag vielleicht nur ein oder zwei Stück loswerden.

Unter der Woche sind Nele und ich häufig allein zu Hause, da sowohl meine Gastgeschwister als auch meine Gasteltern arbeiten. So kommt es, dass wir im Moment eine Folge Game of Thrones nach der anderen schauen. Es ist aber auch mal schön so gar nichts zu tun zu haben, auch wenn mir manchmal etwas langweilig wird. Ein paar spannende Dinge passieren aber auch auf der Farm. Zum Beispiel hat uns der Grossvater (Oupa Pete) an einem Tag zu seinem Haus gerufen mit der Begründung, dass er ein “Buschbaby” gefangen hätte. Buschbabies sind kleine, flauschige nachtaktive Primaten mit riesigen Augen. Wir hören ihren Ruf manchmal am Abend. Ein scheussliches Geräusch, es klingt wie der verzerrte Schrei eines Neugeborenen aus einem Horrorfilm. Mit dem Bild eines niedlichen Buschbabies vor Augen liefen Nele und ich sofort zum Haus der Grosseltern. Oupa Pete hatte einen Leinensack in den Händen und wir kamen näher um einen Blick auf das vermeintliche Buschbaby werfen zu können. Wir waren jedoch einigermassen geschockt, als wir stattdessen die glänzende Schuppenhaut einer Schlange erblickten. Es war allerdings eine ungiftige Würgeschlange und da ich Schlangen mag, solange sie mir nichts tun können, wollte ich sie auch einmal halten. Leider konnte ich dass dann doch nicht tun, aber vielleicht bietet sich diese Gelegenheit irgendwann noch einmal. Die Schlange hat Oupa Pete übrigens hier in der Nähe gefangen. Er hält sie nun zusammen mit einem Artgenossen in einem Käfig auf dem Gelände der Farm. 

Im Moment läuft eigentlich alles ganz gut. Zum Glück habe ich wenig Heimweh und hoffe, dass das auch so bleibt. Mich beschäftigt aber, dass Nele in weniger als drei Wochen mit ihrer Gastmutter und ihrer kleinen Gastschwester nach Pretoria zieht. Pretoria ist nicht wahnsinnig weit entfernt, mit dem Auto sind es etwa vier Stunden. Aber es ist auch keine kleine Strecke die man einfach so mal fährt. Es war echt schön für uns beide eine andere Austauschschülerin in der unmittelbaren Nähe zu haben. Wir können uns in die jeweilige Lage versetzen und können offen miteinander reden. Ein kleiner Pluspunkt war natürlich auch, dass wir beide Deutsch reden, was manchmal ganz gut war. Aber ich versuche auch an die positiven Seiten des Umzugs zu denken. Wir werden uns besser auf unser eigenes Austauschjahr konzentrieren können und auf unsere Erlebnisse hier. Mal sehen, wie dass so wird.

Die Zeit vergeht so schnell

Goeie dag almal

Nun sind schon zwei Monate vergangen, seid meine Füsse zum ersten mal südafrikanischen Boden berührten. Ein Fünftel meines Austauschjahres ist schon vorbei! Ich spüre eine leichte Panik in mir aufsteigen, wenn ich daran denke, wie schnell die Zeit vergeht. Versteht mich nicht falsch, klar vermisse ich meine Familie und Freunde, aber trotzdem möchte ich jede Sekunde dieses Jahres geniessen und sinnvoll nutzen. Ich werde unruhig wenn ich mal eine Zeit lang nichts unternehme. Ein Glück habe ich in den letzten Wochen wieder ziemlich viel erlebt.

Am letzten Schultag vor den Frühlingsferien fand in der Schule ein Funday statt. Das bedeutet, dass wir keinen Unterricht hatten, dafür aber alle Klassen im Einkaufswagen-Rennen antraten und wir uns beim Colourrun eine Farbpulverschlacht lieferten. Zu Beginn des Colourruns, welcher auf unserem Rugbyfeld aufgebaut wurde, musste man ein paar Wasserrutschen hinunterrutschen, bevor man klitschnass von Lehrern mit Farbpulver beworfen wurde. Man kann sich vielleicht vorstellen, was dass für eine Sauerrei gab. Da ich den ganzen Colourrun insgesamt dreimal bewältigte, war ich wirklich von oben bis unten voll mit Farbe. Direkt nach dem Funday fand ein Sleepover bei der anderen Austauschschülerin, Fer, statt. Sie geht mit mir in die Klasse und kommt aus Chile. Es kamen noch fünf weitere Mädchen, alle voller Farbe dank des Colourruns. Nach einem Bad im Pool und einer langen Dusche hatten wir alle immer noch ein paar farbige Stellen. Fer brachte ein paar chilianische Snacks mit, Nele deutsche Snacks und ich bereitete ein Fondue vor, so dass wir unseren südafrikanischen Freunden ein bisschen mehr von unserer Heimat zeigen konnten. Es war ein echt schönes Wochenende, mit vielen Horrorfilmen, wenig Schlaf und vielfältigem Essen.

Vor Kurzem habe ich meinen ersten Sokkie erlebt. Ein Sokkie ist ein traditioneller afrikaans Tanz, wobei die Tänzer zu zweit ziemlich eng zusammen tanzen und die Füsse kaum anheben, also über den Boden rutschen. Deshalb tanzen auch manche auf Socken oder barfuss, was den Namen des Tanzes erklärt. Der Sokkie fand an meiner Schule statt. Von dem Eintrittsgeld und dem Geld, welches mit einen Essensstand verdient wurde, wird der Ball der Seniors finanziert werden. Zunächst lief ganz normale Partymusik und es gab in dieser Hinsicht keine grossen Unterschiede zu unseren Parties in der Schweiz. Mit einer Ausnahme: Jeder hier kann richtig gut tanzen. Ehrlich gesagt hat mich dass als sehr untalentierte Tänzerin ziemlich eingeschüchtert. Ich war sehr dankbar dass meine Freundesgruppe die meiste Zeit ausserhalb des Partyraums verbrachte und wir vor allem viel redeten und auch so Spass hatten. Doch irgendwann änderte die Musik zu richtiger afrikaans Musik und es war Zeit für mich, den Sokkie zu lernen. Sehr geduldig versuchten meine Freunde mir den Tanz beizubringen, aber ich glaube ich habe mich nicht besonders geschickt angestellt. Im Prinzip ist dieser Tanz aber nicht besonders schwierig und mit einem Partner, der mich führte, habe ich es dann doch einigermassen hinbekommen. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich am Ende meines Austauschjahres so frei und unbekümmert tanze, wie es meine südafrikanischen Freunde tun. Mal sehen, ob dass etwas wird.

Zusammen mit meiner Familie, zu der ich auch die andere Austauschschülerin (Nele) zähle, besuchten wir Kaapsehoop. Dass ist ein kleines Städtchen in der Nähe von Nelspruit. Kaapsehoop liegt auf einem Berg und ist umgeben von spektakulären Felsformationen. Auch viele Wildpferde leben dort, welche wir bereits auf unserem Hinweg neben der Strasse sahen. Zunächst besuchten wir eine gute Freundin meiner Gastmutter, welche ein wunderschönes Gästehaus besitzt. Es ist typisch englisch eingerichtet, also stilvoll kitschig. Jedes Zimmer ist in einer anderen Farbe eingerichtet. Im violetten Wohnzimmer genossen wir ein ausgiebiges Frühstück bevor meine Gastgeschwister, Nele und ich uns auf den Weg auf eine kleine Wanderung machten. Die Gegend ist meist in dichten Nebel gehüllt und so reichte auch an diesem Tag unsere Sichtweite nicht weiter als ein paar Meter. Wir mussten aufpassen, auf jenem Pfad zu bleiben, welchen einen sicher durch die Felsformationen führt. Es gibt nämlich steile Klippen, welche man in dem Nebel nicht erkennen kann und einen in den sicheren Tod führen würden. Wir sahen ein paar weitere Wildpferde, welche zum Teil überhaupt keine Scheu zeigten. Wir fanden auch ein heruntergekommenes Haus vor, dass früher als Aussichtspunkt genutzt wurde. Wir erkundeten das Innere des Hauses, was an das Set eines Horrorfilms erinnerte. Der Nebel wurde immer dichter. Als wir uns auf den Rückweg machten, konnte man ungelogen kaum einen Meter weit klar sehen. Ein Glück fanden wir den Weg zurück zum Gasthaus, auch wenn ich schwören könnte, dass unser Rückweg nicht der gleiche war wie der Hinweg.

Gleich am nächsten Tag nahm mich mein grosser Gastbruder und seine Freundin mit auf einen Ausflug zu einem  Endangered Species Center. Mit einem Jeep fuhren wir durch riesige Gehegen, wo wir weisse Nashörner , Geparde, Leoparde und Wildhunde von nahem beobachten konnten. Gleich zu Beginn kam ein Baby Nashorn, welches aber schon  eine recht stattliche Grösse hatte, direkt auf uns zu. Neben dem Baby lief ein Schaf her, was laut unserem Führer sein „calming sheep“ sei. Da dass kleine Nashorn ein Weise ist, braucht es jemanden, der ihm Gesellschaft leistet, damit es nicht einsam ist. Schafe oder Hunde sind besonders geeignet für diese wichtige Aufgabe. Während wir zu jeder Zeit im Jeep bleiben mussten, spielten die Tierwärter mit den Geparden, als wären sie nur etwas zu gross geratene Hauskatzen. Die Geparden sind auch genauso verspielt wie unsere Stubentieger. An einem langen Drahtseil bewegte eine Maschiene einen Federball hin und her. Einer der Geparde rannte hinterher und zeigte uns, warum er und seine Artgenossen als schnellste Tiere der Welt bekannt sind. Dass war ein echt schöner Ausflug den ich so schnell nicht vergessen werde.

Übrigens,  dass  habe ich beinahe vergessen: auf der Farm lebt nun ein kleines Kälbchen das meinen Namen trägt. Der Grossvater, welchem alle Rinder auf der Farm gehören, taufte es Mirjam. Mirjam ist bald schon zwei Wochen alt und ich durfte sie mit einer Flasche füttern, als ihre Mutter nicht genug Milch hatte.  Leider müssen bald alle Rinder verkauft werden. Durch die starke Dürre, die sich nun schon über Jahre hinwegzieht, gibt es nicht genug Gras und die Heuvorrate sind erschöpft. Um mehr Heu zu kaufen reicht das Geld nicht.

In den nächsten drei Wochen werde ich viele Examen schreiben müssen. Das Schuljahr neigt sich hier dem Ende zu und es werden Examen über den ganzen Schulstoff vom letzten Jahr geschrieben. Ich werde mir natürlich Mühe geben, aber ich denke, dass gute Noten nicht das Wichtigste in einem Austauschjahr sein sollten. Ich muss nur an den Tagen zu Schule gehen, an denen ich Examen schreibe. Da die Sommerferien schon bald anfangen, werde ich meinen nächsten richtigen Schultag erst im Januar haben. Ich weiss gar nicht, was ich mit so viel freier Zeit anfangen soll. Aber ich werde mit Sicherheit wieder vieles erleben.

So viele Erlebnisse!

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Erste Eindrücke von Südafrika

Hallo zusammen

Es ist nun mehr als einen Monat vergangen, seit ich in Johannesburg gelandet bin. Viel ist seit dem passiert. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell und doch habe ich das Gefühl, schon viel länger hier zu sein. Ich habe mich schon recht gut eingelebt.Ich fühle mich mit jedem neuen Tag mehr zu Hause. Ich lebe etwas ausserhalb von Nelspruit auf einer Farm mit Kühen, Schweinen und sehr vielen Hunden und Katzen. Ich wohne in einem kleinen Häuschen zusammen mit meinen Gasteltern, meiner 17jährigen Gastschwester und meinem 16jährigem Gastbruder. In weiteren Häusern auf der Farm leben Grosseltern, Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins. Ich darf also Mitglied auf Zeit in einer sehr grossen Familie sein. Meine Familie spricht zu Hause eigentlich Afrikaans, spricht aber zur Zeit mir zuliebe sehr viel Englisch. Mein Englisch ist schon etwas flüssiger geworden und ich lerne die ersten Wörter auf Afrikaans. Mein Wortschatz besteht aber nur aus sehr wenigen Wörtern wie „Goeie more“ (Guten morgen), „asseblief“(bitte), „dankie“(danke) und „lekker“, was ein universelles Afrikaanswort ist und etwas sehr Gutes, und Schönes beschreibt

Fangen wir mal ganz von vorne an. Am 24. August, einem Freitag, flog ich zusammen mit einer anderen Austauschschülerin vom Flughafen Zürich los. Erstaunlich ruhig und voller Vorfreude starteten wir in unser Austauschjahr. Nach einer unruhigen Nacht in sehr unbequemen Sitzen konnte man endlich durch einige Wolkenfetzen Johannesburg erkennen. Ich weiss noch, dass ich bei diesem Anblick eine Gänsehaut am ganzen Körper bekam, welche nicht von der kalten Klimaanlage des Flugzeuges zeugte. Ich spürte viele Emotionen auf einmal. Ich freute mich riesig auf dieses Abendteuer aber gleichzeitig wurde mir auch klar, was ich alles hinter mir lassen musste. Nachdem wir es durch die unfreundliche Passkontrolle geschafft hatten, wurden wir sehr herzlich von den YFU-Mitarbeitern empfangen. In einem Fastfood-Restaurant des Flughafens warteten wir, bis schliesslich über zwanzig Austauschschüler aus verschiedenen Ländern zusammen kamen. Wir alle waren total erschöpft von unserer Anreise. Dann kamen auch schon die ersten Gastfamilien. Viele wurden nämlich direkt vom Flughafen von ihren Familien abgeholt. Einige mussten aber noch ein bisschen Geduld haben und mit dem Bus weiterreisen. Dann kam plötzlich auch meine Familie. Meine Gasteltern, mein Gastbruder, meine Gastschwester und Freunde der Familie mit ihrer kleinen zweijährigen Tochter. Sie alle nahmen mich in die Arme und ich fühlte mich gleich willkommen. Die ersten Unterschiede zur Schweiz merkte ich schon in der Tiefgarage. In Südafrika schnallen sich meistens nur der Fahrer und der Beifahrer an. Auf dem Rücksitz war es in unserem Auto gar nicht möglich, sich ohne weiteres anzuschnallen. Dass war am Anfang ein wirklich merkwürdiges Gefühl, unangeschnallt zu fahren. Vor allem bei den halsbrecherischen Manövern und dem schnellen Fahrstil der Südafrikaner.

Dass Essen ein wichtiger Bestandteil in der Südafrikanischen Kultur ist, habe ich schnell gemerkt. Ich durfte auch schon einige Spezialitäten kennen lernen. Meinen ersten Braai hatte ich gleich an meinem ersten Tag, wo man grilliert, viel Fleisch, Braaibroodjies (Sandwiches vom Grill) und Pap isst (Brei aus Maismehl) und vorallem viel redet. Einen Braai gibt es zu jeder guten Gelegenheit, also fast jedes Wochenende. Es wird sehr viel Fleisch gegessen und dass in verschiedensten Formen: als normales Steak, verschiedene Würste , als Biltong (Trockenfleisch) oder Droewors (eine trockene, mit Koriander gewürzte Wurst) als kleiner Snack für Zwischendurch. Ausserdem gibt es tausende köstliche Tarts und Schokoriegel… Zum Glück bin ich seid kurzem Mitglied in einem Ringballteam und kann so ein bisschen fit bleiben. Ich merke nämlich schon, wie meine Hosen enger werden. Das Essen hier ist einfach so lecker! Ringball ist übrigens eine traditionelle südafrikanische Sportart, die aus dem Basketball stammt.

Was ich auch schon sehr früh kennenlernen durfte ist die atemberaubende Tierwelt Südafrikas. Kurz nachdem wir den Flughafen in Johannesburg hinter uns gelassen hatten, sah ich auch schon neben der Autobahn meine ersten drei grasende Antilopen. Am nächsten Tag sahen wir bei einer Futterstation neben einer Raststete sechs Nashörner, Büffel, Strausse und ein Emu. Auf unserem Grundstück leben kleine Äffchen die sich schon mal auf die Bäume direkt neben unserem Haus trauen. Jeden Tag sehe ich auf meinem Schulweg grasende Impalas und manchmal Zebras und Büffel. Inzwischen habe ich schon so häufig Impalas gesehen, dass sie schon fast nichts besonderes mehr für mich sind. Es ist wirklich verrückt, wie viele wilde Tiere hier leben. Alle diese Tiere kommen einem natürlich schnell in de Sinn, wen man an Afrika denkt, ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass sie so nahe an bewohnten Gebieten leben. Überall gibt es hohe mit Strohm geladene Stacheldrahtzäune, die nicht nur dem Schutz vor der leider vorhandenen hohen Kriminalität bieten, sondern auch vor den wilden Tieren. Wir waren auch vor kurzem im Kruger National Park wo wir natürlich noch vielmehr Tiere gesehen haben, wie Elefanten, Giraffen, Nilpferde, Krokodile, Paviane und viele verschiedene Antilopenarten. Dieser Ausflug hat mich wirklich beeindruckt. Elefanten und Giraffen sind in Wirklichkeit um ein Vielfaches grösser als ich es mir vorgestellt habe.

Gleich am zweiten ganzen Tag in Südafrika war mein erster Schultag. Ich gehe in die Bergvlam High School, einer der besten Schulen in der Gegend, wenn man den Medien glauben will. Es gibt strenge Regeln, was das individuelle Aussehen betrifft. Den Dresscode gibt es schriftlich und erstreckt sich über zwei Seiten. Die Schuluniform muss ordendlich getragen werden, die Nägel müssen kurz, die Haare zusammen gebunden und die Gesichter ungeschminkt sein. Sogar die Farbe der Haargummis ist vorgegeben. Trotzdem mag ich unsere Uniformen. Wie der Name schon sagt, sie lässt sie alle gleich aussehen, wodurch es weniger Vorurteile gibt und man sich mehr wie eine Einheit fühlt. Der Unterricht verläuft anders als in der Schweiz. Am Anfang der Lektion müssen alle Schüler stehen, bis der Lehrer sie auffordert, sich zu setzen. Die Lehrer lösen viel vor, was die Schüler dann in ihre Hefte übertragen müssen. Die Schüler sind oft sehr laut und nicht besonders respektvoll dem Lehrer gegenüber. Die Lehrer schreien viel, wenn ihnen etwas nicht passt. So ist es also allgemein sehr laut in den Klassen. Mein Unterricht findet in einem Gemisch aus Afrikaans und Englisch statt, wodurch ich nicht immer alles verstehe. Der Lernstoff ist aber meistens nicht besonders schwierig und ich kann ganz gut mit den anderen Schülern mithalten. Im allgemeinen fühle ich mich sehr wohl in der Schule, vor allem, weil meine Mitschüler sehr nett und hilfsbereit sind. So habe ich schon einige Freunde gefunden. Es gibt viele kleine Rituale an der Schule, welche die Schüler näher zusammenbringen sollen. Vor der ersten Lektion und nach der letzten Lektion wird über Lautsprecher ein Gebet gesprochen. Es gibt eine Glocke, die bei besonderen Gelegenheiten von den Schülern zum Klingeln gebracht wird. Und sogar ein Schullied, das “Vlammielied” wird manchmal von allen Schülern zum Besten gegeben. Es gibt noch einen Haufen andere Rituale, aber dies sind die einzigen, die ich bis jetzt miterlebt habe.

Ich habe noch viel mehr erlebt als ich jetzt hier in diesem Blog festhalten konnte. Ich könnte echt ein Buch schreiben, so viel habe ich erlebt. Dieser Blog war eher allgemein über meine ersten Eindrücke hier in Südafrika.