YFU Switzerland

erster Monat

Hallo!

Falls ich beim letzten Mal meinen Standort nicht genau gesagt habe: Ich befinde mich in San Salvador de Jujuy, der Hauptstadt der nördlichsten Provinz Argentiniens, Jujuy (sprich: Chuchui).

 

Wenn man in meiner Provinz nördlich fährt, kommt man in die Wüste und in das „Gebirge der sieben Farben“, und wenn man östlich fährt, kommt man in den Dschungel und direkt ausserhalb der Stadt ist es etwas zwischendrin.

Auf dem Bild zu sehen ist meine Schule, die Escuela Provincial De Artes („provinziale Kunstschule“), in der ich vor drei Wochen zum ersten Mal war. Nach der allmorgendlichen Versammlung, bei der die argentinische Fahne gehisst und eine Hymne gesungen wird (in Spanisch und in Zeichensprache, da es hörgeschädigte Schüler gibt an meiner Schule) ging ich in meine Klasse, wo wir allerdings erst etwa eine halbe Stunde später begonnen, da der Grossteil der Schüler zu spät kommt.

Im Unterricht trägt meistens die Lehrperson ihren Stoff vor und wenn sie etwas fragt, dann ins Plenum und nicht wie in der Schweiz einen einzelnen Schüler. Das ist das Prinzip, im eigentlichen Unterricht hört meistens niemand zu und manchmal merkt man gar nicht, wann die Stunden anfangen und enden, manchmal machen wir um zehn Uhr Pause und hören einfach nicht auf damit, bis die Schule um 12.20 endet, – und ausserdem ist die Pausenglocke nicht automatisch, darum sind die Lektionen auch nicht immer gleich lang (und sie es tönt, als würde jemand immer wieder wütend eine Hupe betätigen). Ausserdem gibt es morgens mitten im Unterricht Frühstück (und am Nachmittag Zvieri), meistens in Form von Mate und Brot oder Sandwiches.

Morgens (8:00 bis 12.20) habe ich normale Fächer und nachmittags (15.00 bis 18.00, da hier alle die Siesta machen) die Kunstfächer – nach einer Woche von Schwerpunkten wie Skulpturei (gibt es dieses Wort?), Keramik oder Design ausprobieren habe ich als Ausrichtung Malerei ausgewählt, also haben meine Fächer Namen wie „Beobachtung“, „Zeichnen“ oder „Grammatik der Malerei“. Einen Nachmittag habe ich eher theoretische Fächer, der Rest ist praktisch, einige Fächer lassen viel Raum für Kreativität, andere haben Vorgaben und beides gefällt mir sehr, weil ich mich richtig ausleben kann und jede visuelle Idee, die ich habe, umsetzen kann, egal welche Materialien ich brauche – darum stört es mich auch nicht, dass ich jeden Nachmittag Schule habe. 

Nachmittags ist der Unterricht noch lockerer als am Morgen. Am ersten Nachmittag zum Beispiel kam ich zum ersten Mal in den Kurs und der Lehrer hat gesagt: „Heute malen wir mit Ölfarben.“ Ich: „Was malen wir denn? Gibt es Vorgaben?“ „Nein, was immer du willst.“ Das haben wir dann auch gemacht, und man sieht allen Schülern förmlich an, wie viel Spass es ihnen macht, es wurde Musik aufgelegt und nach einer Weile tanzten wir alle Folklore- auch der Lehrer -, bis das Mate kam und danach waren alle wieder konzentriert am Malen.

 

 

Ich liebe die ganzen Gemälde in meiner Schule – es gibt hier keine einzige weisse Wand.

Meine Mitschüler sind alle sehr offen und interessiert, was die Kommunikation einfach macht, da es sie überhaupt nicht stört, wenn sie kurz warten müssen, bis ich mein Wort oder meinen Satz im Google Translator übersetzt habe, oder sie ihre Frage auf vier verschiedene Arten stellen müssen, bis ich sie verstehe. Ausserdem hat sich mein Spanisch (ich hatte ein Jahr Unterricht) im Laufe dieses ersten Monats schon ziemlich verbessert, es ist vor allem ziemlich viel flüssiger geworden.

Manchmal fragen sie auch amüsante Sachen, wie, ob ich wegen meiner blauen Augen alles mit einem Blaustich sehe :‘) 

Ich liebe es, dass ich hier jeden Tag malen kann und zeichne und male auch zu Hause viel – zum Fotografieren kam ich leider noch nicht wirklich, da ich Zeit brauche um verschiedene Sachen auszuprobieren und darum alles zehn Mal so lange dauern würde.

An den Wochenenden gingen wir bis jetzt aufs Land wandern und waren auf einer bis vier Parties pro Woche (hier ist es normal, dass auch die Eltern bis um sechs Uhr morgens tanzen), bis jetzt fast immer entweder mit der Familie – mit der ich mich übrigens super verstehe und viel lache – oder wenigstens meiner Schwester, die mir alles erleichtert, da ich mich besonders gut mit ihr verstehe und sie etwa die einzige Person ist, die ich hier kenne , die Englisch redet und die Kommunikation auf Spanisch doch noch ziemlich holprig ist.

In einem Restaurant in Salta, einer Stadt mit ca. 500’000 Einwohnern zwei Stunden südlich von Jujuy – als alle aufgegessen hatten, wurde getanzt – Tango, Chacarera und weitere traditionelle Tänze, die hier jeder kann – und alle wollen es mir beibringen, also sehe ich in ein paar Monaten hoffentlich nicht mehr so unbeholfen aus wie jetzt 🙂

Hier isst man übrigens zwischen zehn und ein Uhr zu Abend.

Meine Familie (Eliana, Andrea und Martin), die Aussicht und Kakteen auf dem Hausberg von Salta

In den Bergen

   

Ich habe auch Kokablätter probiert (geschmacklich nicht gut, das geben sogar die indigenen Leute zu), es ist ein Aufputschmittel, das man sich in die Backe stopft, aber nicht kaut. Mein Gastvater erzählte mir, er hatte es früher oft gebraucht, um zum Beispiel bei einer langen Autofahrt nicht einzuschlafen. 

Übrigens: Aus dieser Pflanze wird Kokain hergestellt

 

Ein Markt mit traditionellem Essen und Kleidern, da die Menschen hier Aborigines sind (ja, ich dachte auch, die wären nur in Australien). Man erkennt gut, wer mehr Indianerblut hat und wer mehr europäisches. In Buenos Aires zum Beispiel hatten alle viel hellere Haut und waren etwa so gross wie ich, hier sind die Meisten kleiner.

 

An einem Geburtstag einer Austauschschülerin aus Deutschland (Lea, sitzend) und mit ihren Gastgeschwistern und Tyra aus Norwegen

  

Unser Haus und die Strasse

An einem öffentlichen Konzert (die Tänzer sind traditionell argentisnisch), auch hier tanzten am Schluss alle Folklore

Eliana, meine Gastschwester und rechts hinter dem See eine Horde wilde Pferde

Das Essen hier ist wirklich gut, aber Zitrone mit Salz ist definitiv nicht mein Ding (einige Leute essen auf diese Art vier Zitronen am Tag)

 

Hier gingen wir aufs Land und nach etwa zwei Stunden wandern kamen wir zu zwei kleinen Hütten, in denen der Grossonkel meiner Gastmutter lebte, er ist vor einigen Monaten verstorben. Wenn jemand, der auf dem Land und nicht in einem Dorf wohnt, verbrennt man traditionellerweise seine Kleider, was auch wir taten und danach kochten wir in seiner Küche (im Bild) Mittagessen.

Auf dem Weg aus der Stadt sahen wir fliegende (oder mehr sich-durch-die-Luft-hievende) Truthähne, Strausse und fuhren mit dem Auto durch kleine Flüsse.

Auf einer Liane am rittigampfe!

 

So sieht es zwischen Wüste und Dschungel aus

Unser Hund Roger, bevor und nachdem er ins tiefe Wasser gesprungen und nicht mehr rausgekommen ist

 

Ich bin auf jeden Fall richtig froh, hier sein zu dürfen und sende viele Grüsse an die Schweiz 🙂

 

PS: Ich werde eine Liste erstellen, an deren Empfänger ich immer, wenn ich hier einen neuen Beitrag poste, eine Benachrichtigung senden werde. Wenn ihr möchtet, dass ich euch hinzufüge oder falls ihr Fragen habt oder euch einfach mit mir persönlich unterhalten wollt, schreibt mir doch unter +54 9 3885 06 8702 auf Whatsapp!

Oder wenn ihr kein Whatsapp habt: marinakoehli@bluewin.ch

Angekommen!

Hola! 

Richtig gelesen, Hola, nicht Hej – wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hatte YFU Schweden Probleme, Gastfamilien finden und mir wurde die Wahl zwischen einen weiteren Monat warten, zu Hause bleiben, nach Lettland gehen und nach Argentinien gehen angeboten, und weil mir Südamerika schon bei der ursprünglichen Wahl gefiel, nahm ich eine Woche später ein Flugzeug nach London – Buenos Aires und nach einem zweitägigen Aufenthalt eines nach Jujuy, wo ich jetzt seit einer Woche bei der Gastfamilie bin. 

 

 

In Buenos Aires angekommen, war ich sehr froh, als ich die YFU – Freiwillige sah, die mich abholte. Es war etwa acht Uhr morgens und ich war überrascht, dass es kälter war als in der Schweiz (da hier gerade der Frühling beginnt, da Argentinien auf der anderen Seite des Äquators liegt). Die Zeit bis Dienstagabend verbrachte ich mit einer Einführung, mehreren Führungen durch Buenos Aires von Leuten, die im YFU Argentinien-Büro arbeiten, einer Nacht bei einem Freiwilligen aus Dänemark, der ein Praktikum bei YFU Argentinien macht und vielen offenen und netten Menschen.

Auf dem Weg zum Flughafen erklärte mir jemand, dass das Gewässer, das ich die ganze Zeit sah, gar nicht Meer, sondern ein unheimlich breiter Fluss names Rio de la Plata war.

Als wir über ihn flogen, sah man beide Ufer, eines argentinisch (rechts im Bild), eines uruguayisch (links im Bild).

In San Salvador de Jujuy gelandet, erwartete mich die Gastfamilie mit einem Kamerablitzhagel – kein Foto war gut, da es ein Uhr in der Nacht war (sechs Uhr schweizer Zeit) und ich dementsprechend aussah.

Am nächsten Tag nahm mich Eliana, meine Gastschwester, in ihre Schule, wo wir beim Bau des Carruajes halfen, nachdem ich und besonders meine blauen Augen und helle(re)n Haare gründlich beäugt wurden.

Dieses Gefährt wird an einem Umzug zur Feier der Schülerwoche teilnehmen, eine Art Feiertagswoche, an so einen wir am Tag darauf gingen. Jede der 67 Schulen baute so einen Carruaje (kleinste Kategorie), eine Carosa (mittel) oder eine Tecnica (die Grössten, mit sich bewegenden Objekten).

 Die Carruaje der Schule meiner Gastschwester

  Ich und Eliana in den Zelten mit den Gefährten

  

Jede Schule führt einen Schönheitswettbewerb durch, bei dem die drei Gewinnerinnen (die Grössten mit den/r hellsten Haaren & Haut) auf dem Gefährt sitzen dürfen

              

  

 

Hier ein paar weitere Eindrücke von Jujuy:

 

 

Der Becher ist für Mate, einer Art Tee (in die ich mich sofort verliebt habe), bei der man den Becher füllt mit Teeblättern und ein wenig Zucker, Wasser darübergiesst und ihn mit einem speziellen Strohhalm trinkt – bis jetzt habe ich täglich mindestens einmal Mate getrunken.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

Erster Eindruck von Argentinien: Gefällt mir!