YFU Switzerland

Die ersten Tagen in Indien

Namaste!

Indien ist einfach UNGLAUBLICH!!

Meine ersten Gedanken zu Indien, als ich mitte Juli aus dem Flugzeug stieg, waren: Woooow! Jetzt bin ich tatsächlich in Indien, das Land der Farben, verschiedenen Kulturen und einfach sooo viele Menschen.

Die Immigration im Flughafen wurde ein bisschen stressig, als ich gemerkt habe, dass ich meine blaue Tasche im Flugzeug vor lauter Aufregung vergessen habe. Oups… Ein paar herumstehende Angestellte und dann eine Stewardess konnten mir zum Glück helfen meine Tasche wieder zu bekommen. Erste Missverständnisse mit dem Immigration-Beamte als er mir Fragen zu meinen zukünftigen Klassenkameraden und Hindi stellte. Er wollte wohl ein bisschen plaudern. Doch ich verstand sein Englisch kaum. Das English der Inder ist geprägt von einem sehr straken Akzent and dem man sich erst mal gewöhnen muss. Man muss ihn dann auch übernehmen sonst verstehen einem die Inder nicht. Im Ausgang traf ich Vishav und Dinanath von YFU. Da die anderen Austauschschüler erst zwei Stunden später ankamen, musste ich mich ein bisschen geduldigen. Doch langweilig wurde mir nicht, denn vor dem Flughafen waren so viele Menschen. Es war interessant alle Ankünfte und Treffen zu beobachten. Hier ein Chai-Tea Verkäufer, der laut „ Masala chai, Masaaaala chaaai, Masaaala Chaai!“ rief. Dort ein paar Angestellte vom „Environment service“ mit Besen und Kehrschaufel ausgerüstet, um die Willkommen-Blumen-Blüten wieder aufzusammeln und den nicht sehr sauberen Flughafen zu putzen. Dann kam ein Sportler mit Gold-Medaille, der von einer ganzen Schaar von Menschen empfängt wurde. Die Willkommens-Zeremonien in Indien sind sehr schön.

 

Dann waren endlich auch die anderen da. Noch ein Paar mehr Schwierigkeiten gab es um unserem Bus zu finden. Der Buschauffeur war auch, wie wir zwei Tage später gemerkt haben, gar nicht lizensiert. Verfahren haben wir uns dann auch noch. Die drei nächsten Tagen verbrachten wir von YFU betreut in einem kleinen Apartment am Rande Delhis. Das Klima ist im Moment sehr schwül, da gerade Regenzeit ist. Es ist ca. 30 grad Celsius am Tag und kühlt in der Nacht auf 20 grad hinab. Wegen der hohen Feuchtigkeit fühlt es sich zum Teil noch heisser an. Die sonnigen Tagen werden ab und zu durch starken Regen unterbrochen.

 

Die drei Tagen in Delhi waren super! Wir sind dieses Jahr 8 Austauschschüler, davon sind 7 aus Deutschland. Ich bin die einzige Schweizerin. Vishav hat vor 2 Jahren ein Austauschjahr in Deutschland gemacht und ist deshalb Volunteer dieses Jahr. YFU Indien erklärten uns viele interessante Sachen über die indische Kultur.

Am ersten Tag fand unsere Begrüssungs-Zeremonie statt. Da wurde einem eine Blumengirlande um den Hals gehängt und ein roter Punkt auf die Stirn gemalt. Ausserdem bekamen wir eine runde Süssigkeit, die wirklich zu süss war, in den Mund gesteckt. Nach dem Regen haben wir sehr gestaunt über die komplett überschwemmten Strassen. Mit Rikschen wurden wir durch das fast kniehohe braune Wasser auf die andere Strassenseite gebracht.

Die Strassen sind grosses Spektakel in Indien. Hier läuft so vieles ab. Ausserdem ertönt ein fast kontinuierliches Hupkonzert. Manche Fahrzeuge haben auch Hup-Melodien. Jeder hupt und hupt, meistens grundlos.

Wir, als 8 weisse Jugendliche, zogen viele Blicke auf uns. Männliche starre Blicke können auch sehr unangenehm werden. Naja, als blondes Mädchen muss man sich daran gewöhnen und diese ignorieren.

 

Am dritten Tag besuchten wird Old Delhi. Wow! Es war einfach unglaublich und sehr spannend. Die Strassen waren voller Stoffen, Waren, Essen, Rikschas, Motorräder, Autos, Lärm und vor allem soooo viele Menschen. Wir waren einfach sprachlos. Wir entdeckten auch kleine Seitengassen voller verschiedenster Stoffe für Hochzeitskleider. In allen möglichen Farben leuchteten diese so verschiedenen und schön bestickten Stoffen. Wir besuchten auch eine paar grosse Denkmäler, den Red Fort und einen Sikh Tempel, den wir nicht betreten haben, weil es gerade an diesem Tag nicht möglich war. Wir wussten auch nicht genau wieso… Nach einem Zwischenstopp, um eine Spezialität zu vernaschen, fiel plötzlich Regen. Wenige Minuten später waren wir nass. Mit Rikschas fuhren wir bis zum Parking. Wir rannten durch das steigende Wasser bis zum Bus und waren bis auf die Haut vollkommen nass. Nass, nass, nass aber sehr lustig. In Bus trockneten wir langsam. Uns wurde aber nicht kalt, denn das Monsun Klima ist warm.

Anschliessend spazierten wir durch einen neu gebauten Hindu Tempel. Er war sehr gross mit fein bearbeiteten Steinwänden. Als wir auf den Ausgang zusteuerten, fiel zum zweiten Mal das ganze Wasser vom Himmel. Diesmal zogen wir unsere Schuhe aus, um in dem kniehohen Wasser zu rennen und den Bus zu finden. Wir müssen alle lachen und springen wie kleine Kinder spritzend herum. So viel Wasser überall!!

 

 

Am nächsten Tag ging es mit dem Zug nach Bhopal, wo zwei deutsche Austauschschülerinnen von ihren Gastfamilien abgeholt wurden. Vor dem Bahnhof und auf den Gleisen schliefen wartend ganz viele Menschen auf dem Boden. Der Zug sollte um 6:00 abfahren, doch hatte schlussendlich sicher mehr als eine halbe Stunde Verspätung. Hier in Indien ist man nicht so genau mit der Zeit. Wir sassen in dem AC-chair Wagon, was schon sehr viel Luxus bedeutet. Die Sitze waren jedoch zerfleddert und zum Teil kaputt. Man kann es gar nicht mit der 1. Klassen von europäischen Zügen vergleichen. Es sind halt indische Züge. Es war aber sehr toll, dass wir während der ganzen Fahrt mit Essen versorgt wurden. Nach ca. 10h Zugfahrt waren wir dann endlich in Bhopal, die Stadt der Seen. Wir wurden in der Schule sehr herzlich empfangen und ich verbrachte die Nacht im Girls Hostel, das Mädchen Internat. Die Mädchen waren sehr aufgeregt und boten mir alle ihre mitgebrachten Spezialitäten an. Sie haben mir auch Armbänder geschenkt. Ich fühlte mich sehr geehrt. 

 

Am Tag danach kamen Jakob und ich in Begleitung von Dinanath, einen YFU-Mitarbeiter in Jabalpur an. Wir wurden am Eingangstor meiner Schule vom Schuldirektor und von unseren Gastfamilien zeremoniell begrüsst. Meine Gastmutter hat mich dann sofort mitgenommen. Ohh… Mein neues Zuhause besteht aus zwei Zimmern und ein kleines Badezimmer. Es ist wirklich sehr klein.

 

Am Abend habe ich – Nein, eher – haben meine Gastmutter und mein 9-jähriger Gastbruder Salaj (zuhause Anshu genannt) meinen Koffer ausgepackt. Dann wurden meine Sachen eingeräumt. Meine ganze Privatsphäre war auf einem Schlag verschwunden.

Die ersten Tagen in dieser so unterschiedliche Kultur waren nicht leicht, aber ich gewöhe mich langsam daran und lerne jeden Tag neues. Indien ist einfach unglaublich!!