YFU Switzerland

ganze 8 Wochen sind schon vergangen

Ja genau heute vor 8 Wochen um diese Zeit bin ich hier in Ecuador angekommen. Deswegen möchte ich euch generell über meine Erfahrungen hier berichten.

Ich war noch nie 8 Wochen am Stück von zu Hause weg, das längste war einmal  4 Wochen ohne meine Familie, jetzt ist es das Doppelte. Im gross und ganzen muss ich sagen, bis jetzt ist es eine super Erfahrung gewesen, klar nicht immer einfach aber es hat sich jetzt schon gelohnt.

 

Aber nun zum Anfang meiner „kurzen“ Zusammenfassung. (tut mir leid, sie ist leider ein wenig lang geworden)

Angekommen hier, hatte ich drei wahnsinnig geniale Tage mit allen Austauschschülern, die das Jahr hier in Ecuador verbringen werden. Wir alle steigerten uns gegenseitig in unserer Nervosität, bis wir endlich zu unseren Familien gehen dürfen. Nach diesen drei Tagen war es endlich so weit, und wir wurden zu unseren Familien gebracht. Mit voller Vorfreude kam ich dort an. In der Hoffnung, dass ich diese zwei Wochen, in denen ich noch  Ferien hatte, viel mit meiner Familie unternehmen kann, um so die Familie kennen zu lernen und natürlich auch das Land, Kultur und Leute. Diese Hoffnung bestätigte sich für mich auch zuerst, da wir schon am ersten Tag in die historische Altstadt von Quito fuhren. Diese Hoffnung verschwand aber mit dem Ende des Wochenendes, denn da merkte ich, dass ich vermutlich diese zwei Wochen mehrheitlich zu Hause verbringen werde, da alle ausser meine ehemalige Gastmutter am arbeiten sind.

So hatte ich diese zwei Wochen todgeschlagen. Trotz vieler Langeweile und Zeit die ich mehrheitlich am Computer verbracht hatte, da ich sonst noch nichts machen konnte, da ich ja noch niemand kannte. Trotz all dem entdeckte ich immer wieder viele spannende Sachen, die ganz neu für mich waren. Ich staunte und staune immer noch über die Natur hier, aber auch über die Leute. Auch wenn ich sagen muss, dass es Sachen hat, die mich hier besser dünken als in der Schweiz und Sachen, die mir schlechter vor kommen. Aber darauf möchte ich jetzt nicht weiter eingehen.

Also nach zwei Wochen mir die Zeit Tod zu schlagen, war endlich klar, in welche Schule ich gehen werde. So gingen wir freitags vor Schulanfang, mich in der Schule einschreiben und die Uniform kaufen. Ich freute mich auf diesen Tag, denn ich wusste, dass ich Mimi von Finnland sehen werde. Juhui das erste Mal, dass ich mich wieder mir jemandem so richtig unterhalten kann. Dieses Juhui Gefühl hielt allerdings nicht lange, da ich auch wusste, dass ich nachmittags in die Schule gehen werde, das heisst jeden morgen zu Hause sitzen und am Nachmittag nichts unternehmen können, da man in der Schule sitzt, wenn alle anderen Schüler schon längst wieder frei haben. Und dazu war die Zeit, die ich mit Mimi verbringen durfte auch nicht lange.

Montags war dann endlich der erste Schultag. Und der nächste Schock folgte. Wir hatten nochmals eine Woche Ferien. Ja ihr denkt sicher wieso Schreck, normalerweise hätte ich mich auch gefreut auf eine weitere Woche Ferien, aber für mich hiess das nochmals eine Woche mehr langweilen ohne etwas machen zu können. Eigentlich wollte ich dann an diesem Freitag etwas mit einer Schulfreundin unternehmen, von der ich nicht mehr wusste, als dass sie Paola heisst. Ja genau meine neue Gastschwester. Leider viel das dann ins Wasser, da sie zum Arzt musste. In dieser Woche fing ich mich an noch mehr zu langweilen, durch die viele Zeit die ich hatte verfolgte ich viel Blogs und Fotos von andere Austauschschülern, was mich natürlich nicht immer gut gestimmt hat, da ich gesehen habe, wie viel die einen schon vom Land gesehen haben, und ich habe noch so ziemlich nichts gesehen ging mir so durch den Kopf.

Durch die vorige Zeit die ich hatte, hatte ich zu viel Zeit um nachzudenken, ich realisierte erstmals, dass ich ja nun wirklich ein ganzes Jahr fort sein werde. Durch das fing ich an meine Familie und Freunde zu vermissen. Ein Gefühl, dass ich schon lange nicht mehr kannte.

Mit vielen Tränen die ich in dieser Woche vergossen hatte, war ich froh, dass am Montag die Schule nun endlich richtig beginnen wird. Leider veränderten sich meine Gefühle dadurch nicht so fest. Den Morgen verbrachte ich mehrheitlich heulend im Zimmer, wo ich nichts machen konnte. Das einzige, das ich am Morgen machte, war mit der Gastmutter zu frühstücken, abwaschen und zwei Stunden später alleine Mittagessen. Dazu müsst ihr wissen, wenn ich etwas nicht ausstehen kann, ist es alleine essen zu müssen. Danach kam dann das Beste des Tages, die Fahrt im Schulbus, dort konnte ich mich dann endlich ablenken, da ich jemand hatte, der sich so richtig für mich interessierte, und ich mich so richtig gut mit ihr unterhalten konnte. Aber in den Schulstunden, musste ich mir häufig auch wieder Tränen verdrücken, da ich Zeit hatte zum nachdenken, da ich nicht viel verstand. Der Nachhauseweg, war dann auch immer wieder super, aber sobald ich zu Hause ankam, war das schnell wieder verflogen, da ich häufig die erste war, die nach Hause kam, und dann wenn die Andern kamen, lief leider auch nicht mehr. Trotz, dass alle in meiner Familie, super nett waren, und nur das Beste für mich wollen, musste ich nach 3 Wochen in dieser Familie feststellen, ich kann nicht ein ganzes Jahr hier in dieser Familie leben, auch wenn sie es noch so gut mit mir meinen, ich würde nur kaputt daran gehen. Ich brauche jemand im Haus, der den selben Tagesablauf hat wie ich. So hatte ich ein Gespräch mit meiner Koordinatorin, dann lief allerdings eineinhalb Wochen nichts mehr von wegen neuer Familie. Nach fünf Wochen am Samstag, hatten wir dann ein erstes Treffen, mit der Koordinatorin und den anderen zwei Austauschschülerinnen in meiner Stadt.

An diesem Samstag stand dann fest, dass ich am Sonntag den folgenden Tag, am Geburtstag von meiner ältesten Gastschwester die Familie wechseln werde. Dies war für mich ein ziemlicher Stress. Abends um halb neun nach Hause kommen, die Gasteltern aus dem Bett holen, um ihnen zu sagen, dass ich am nächsten Tag die Familie wechseln werde. Dann allen meiner Gastschwestern das gleiche erzählen und noch meine Sachen packen. Morgens dann früh aufstehen um zur neuen Familie zu gehen. Ich hatte endlich wieder Hoffnung, dass es sich bessern werden wird. So war auch das Wochenende, welches ich in der neuen Familie, die Familie von Paola verbringen durfte. Am Montag aber der nächste Schock, es kam meine Koordinatorin in die Schule, um die Sache mit dem Schulbus zu regeln, da hiess es von Paola, dass ich vermutlich die Familie nochmals wechseln muss, da der Cousin von der USA für mehrere Monate in diese Familie wohnen kommen will. Ich hätte wieder weinen können, nicht nochmals diesen Stress und mich nochmals umgewöhnen müssen. Zum Glück hat sich das jetzt als Fehlalarm enthüllt, und falls er doch kommen würde, würden sie ihn im Haus des Grossvaters unterbringen.

Seit ich hier in der neuen Familie bin, hat sich mein Leben sehr stark verändert. Es macht mir so richtig Spass hier zu sein, ich fühle mich wohl in der Familie, habe was zu tun, morgens wie auch abends. Genauso wie am Wochenende. In der Schule habe ich mich so richtig eingelebt. Habe schon viele Freunde gefunden, verstehe die Sprache schon viel besser, ich fühle mich nicht mehr wie eine Ausländerin, sondern gehöre dazu. Auch mit meinen Sprachschwierigkeiten. Hier habe ich auch keinen Grund mehr, wieso ich weinen müsste. Ich habe Freude am Leben, wie es ist, das Leben, das hier total anders ist als in der Schweiz, aber genau das ist einmal eine neue geniale Erfahrung.

Und ich bin so richtig gespannt, was alles noch auf mich zu kommen wird. Mal schauen, nach den nächsten 8 Monaten, die ich noch hier sein werde, will ich vermutlich gar nicht mehr nach Hause.

 

Am Freitag haben wir Schulfrei, hier wird das auch schon als Ferien bezeichnet. Vielleicht gehen wir an den Strand, was allerdings noch nicht sicher ist. Mal schauen, wann sich das entscheiden wird….