YFU Switzerland

Braut, Bräutigam, Brautkleid

Etwa so hat mein Wochenende begonnen. Nein nicht mit einer Braut und Bräutigam sondern nur mit dem Brautkleid. Denn nach dem Frühstück sind wir, das heisst meine drei Gastschwestern, meine Gastmutter und ich nach Quito gefahren, um für meine älteste Schwester ein Brautkleid zu suchen, da sie wie ich schon erwähnt habe, bald heiraten wird. Nachdem wir ein paar wunderschöne Kleider ausgesucht haben, und es ans anprobieren ging, wurden wir aus dem Ankleideraum fort geschickt. Obwohl wir alles soooo gespannt waren. Als die Türe wieder aufging, ging es nicht zwei Sekunden, bis wir auch im Raum standen. Wir waren erst mal überwältigt von dem Anblick den wir sahen, trotzdem wussten wir alle, dass es nicht das Hochzeitskleid werden wird. Nach mehreren Kleidern abziehen und anziehen hatten uns zwei Kleider überzeugt. Mal schauen, ob es wirklich eines von diesen zwei wird, oder ein komplett anderes. Die Suche allerding geht noch weiter.

Nach einem grossen Mittagessen in einem Fastfood Restaurant, es gab wässrige Suppe mit Poulet, dann einen Teller mit Reis, einem Stück Poulet, Pommes und Salat, ging es weiter an einen Markt. Den Mercado Arteservido oder etwas in dieser Art. Es ist ein Markt mit vielen kleinen Ständen, bei dem man wirklich alles kaufen kann. Also all die typischen Ecuadorianischen Sachen in allen möglichen schönen Farben. Man bekam Erinnerungsstücke, aber auch Schäle, Etuis, Rucksäcke, Taschen, Pullover, die gestreiften Hosen…… Ich habe mir allerdings noch nichts gekauft dort, da ich kein Geld dabei hatte, aber ich werde sicher nochmals dorthin gehen, da es mir so richtig gefallen hat.

Kaum waren wir wieder zu Hause, machten Johanna und ich mich auf den Weg um nochmals nach Quito zu fahren, da ein grosser Anlass dort war. Um dorthin zu gelange nahmen wir den Bus, was meine allererste Fahrt in einem öffentlichen Bus hier in Ecuador war. Der erste Bus war mehr wie ein Car. Die Reise war eine sehr holprige und schnelle Angelegenheit. Was mich sehr erstaunt hat, war wie man den Bus bezahlen musste. Da es ein langstrecken Bus war, war das bezahlen nochmals anders als in den normalen Bussen, wie ich später feststellte. Es hatte einen jungen Mann der am Chauffeur half das Geld ein zu sammeln. Er ging durch die Reihen, und sammelte immer von den Leuten, die als nächstes aussteigen wollten die 25 Rappen ein, die der Bus kostet. An einem Ort stiegen zwei kleine Kinder mit Kaugummis und Sugus ein, um diese im Bus zu verkaufen. Wobei der Kleinere von beiden sehr viel Werbung machte und der Grössere sehr still war. Als aber niemand was kaufen wollte, fingen sie an ein Lied zu singen. Ich habe leider nicht den ganzen Text verstanden, aber was ich verstanden habe ist das:  „Wir sind zwei arme kleine Buben, erst 10 Jahre alt und schon am Arbeiten. Wir helfen unserer Mutter um zu überleben.“ Als ich dieses Lied hörte, kamen mir fast die Tränen. Ich glaube auch andere Leute haben sich nach diesem Lied erbarmt, denn plötzlich konnten sie sehr viel verkaufen. In Quito stiegen wir dann in ein andere Bus ein, bei dem man vor dem einsteigen die 25 Rappen bezahlen muss, um in den Bus zu gelangen. Ja genau ihr habt richtig gelesen, ich kann für einen halben Franken nach Quito fahren, was trotzdem eine Reise von 40-50 Minuten ist. In Quito trafen wir uns mit noch einer anderen Schwester und ein paar Freunden und ab ging es an die Ruta de las Iglesias. Das war ein 10 Kilometer Lauf an fast allen Kirchen von Quito vorbei. Wie gesagt, es war ein grosser Anlauf von sehr vielen Leuten. Es hatte um die 8000 die sich angemeldet haben und mit Nummernschild gelaufen sind, aber es hatte sicher auch genau so viele ohne Nummer wie meine Gastschwester Johanna und ich, die wir zusammen gerannt sind. Da Quito auf 2800 Meter über Meer liegt, und ich diese Höhe nicht gewohnt bin, haben Johanna und ich abgemacht, dass wir 2 Kilometer oder allerhöchstens 5 Kilometer rennen. Vor allem habe ich nicht daran geglaubt dass ich die 10 Kilometer schaffen könnte, da ich dies in meinem Leben erste einmal gemacht habe. Naja wie man nicht anders erwarten kann, haben wir zwei trotzdem die ganzen 10 Kilometer gerannt. Ich hätte es allerdings nicht geschafft, wenn am Rand nicht so viele Leute gestanden wären, die einem immer wieder Motiviert und Gelobt hätten. Dazu ist Johanna immer vor mir gerannt und hat mich so ein wenig angetrieben um auch zu rennen. Nach 90 Minuten, sind wir dann glücklich aber völlig erschöpft im Ziel angekommen. Naja der Onkel von meiner Schwester, der gleichalt ist wie sie, und der Kolleg von ihm haben nur knapp 50 Minuten gebraucht. Nach ein paar super „Sieger Fotos“ gingen wir um 11 Uhr abends noch Pommes essen, da unsere Mägen knurrten. Müde und völlig erschöpft fielen wir dann ins Bett. Und wachten am nächsten Morgen trotz gutem Ausdehnen mit mörderischem Muskelkater auf. Mal schauen wie lange mich dieser Muskelkater noch plagen wird, vor allem da ich heute kaum laufen konnte.