YFU Switzerland

Hemma igen!

Hallå hörni ni!

Ich bin nun seit zwei Wochen wieder daheim in der Schweiz. Die letzten Tage meines Austauschjahres waren erlebnisreich. Meine Schwester kam mich Ende Mai besuchen und ich durfte ihr meine schwedische Schule, meine neue Heimatstadt Stockholm und viele meiner Lieblingsorte zeigen wie auch sie mit meiner Gastfamilie bekannt machen. Auch wenn es irgendwie seltsam war, dass diese zwei Welten kollidierten, war es dennoch, als hätten meine Schwester und ich uns erst gestern gesehen. Mit vielen Blasen an den Füssen und mit heiseren Stimmen vom Plaudern verabschiedeten wir uns nach vier gemeinsamen Tagen, um uns einen Monat später wiederzusehen, daheim in der Schweiz, am Flughafen Zürich.

 

Am letzten Schultag

Die letzte Schulwoche war sehr emotional für mich. Ich weinte einige Male auf dem Weg zur Schule, weil es mich so traurig stimmte, das alles zum letzten Mal geschah. Meine Playlists waren gefüllt mit schwedischer Musik mit Texten wie: „Alles ist gerade viel zu gut“, „Lass mich ein bisschen länger hier verweilen“ und „Alles Gute muss ein Mal ein Ende haben“. Andererseits war die letzte Woche aber auch sehr ereignisreich: viel Eis essen mit Freunden, schwimmen gehen, Proben fürs Abschlusskonzert, anfangen zusammen zu packen… Nach einem herrlichen Konzert am Donnerstag, wo uns Austauschschülern die Diplome übergeben wurden, feierten wir am Freitag den letzten Schultag. Die ganze Schule genoss ein gemeinsames Frühstück, danach spielten wir 2.-Klässler für die abschliessenden 3.-Klässler einen lustigen Sketch und danach der bekannte ‚utspring‘ der ’studenten‘, wo die 3.-Klässler mit ihren Diplomen aus dem Schulhaus rennen, um den draussen mit Geschenken und Schildern bepackten Eltern stolz um den Hals zu fallen.

 

 

Nach dem James Bay Konzert hiess es Abschied nehmen von lieben Freundinnen

Danach verbrachte ich mindestens eineinhalb Stunden damit, mich von allen zu verabschieden, was natürlich nicht ganz tränenlos von statten ging. Am Abend fuhren dann die meisten der Schüler meiner Schule nach åkerberga zu einem Schulgspänli für eine abschliessende Party. Die meisten übernachteten, und als ich morgens aufwachte und alle diese lieben, schlafenden Menschen anschaute, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass ich wohl viele nie mehr sehen werde. Die meisten schliessen nächsten Frühling das Gymnasium ab, und ob es mir reicht, sie davor noch zu besuchen, weiss ich schlicht nicht. Danach treibt es sie wohl in alle Richtungen…

 

 

 

Im Nachtzug

Nach dem letzten Schultag und einigen schönen Tagen in Stockholm mit meinen besten Freunden machten sich knapp 20 YFU-Austauschschüler auf zum letzten Abenteuer: die Lapplandsreise. Eine fast 20-stündige Zugfahrt brachte uns ins Land der Mitternachtssonne, dort, wo die Sonne zu dieser Zeit des Jahres nie untergeht, am äussersten Zipfel Schwedens. Die Natur war atemberaubend schön.

 

 

 

 

Lappland

Wir schwatzen viel, schliefen wenig (Mein Gastvater gab mir vor der Abreise den Tipp: „Geh dann aber brav ins Bett sobald die Sonne untergeht!“ Haha, lustig lustig), wanderten, kochten, schwammen in eiskalten Gletscherseen und verloren komplett das Zeitgefühl. Diese wunderbare Zeit werde ich nicht so schnell vergessen.

 

 

 

 

 

Sonnenaufgang am Midsommar-Morgen, 03:00

Midsommar, das berühmte schwedische Fest bei dem der längste Tag des Jahres gefeiert wird, verbrachte ich wieder im selben Ferienhaus wie auch schon Ostern, nur diesmal ohne Schnee, aber mit denselben Freunden und Familien. Ich möchte ja meine Gastfamilie und ihre Freunde nicht schlecht darstellen, aber dass so viel getrunken wurde wie dort habe ich noch nie erlebt. Die schwedischen Schnapslieder, die vor jedem Shot gesungen werden müssen, kann ich noch heute auswendig, auch wenn ich damals nur meine Cola besungen habe. Jugendschutz wird in Schweden gross geschrieben. Nach einem langen Tag voller witziger Gruppenspiele tanzten alle gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden in einem kleinen Holzschuppen, dekoriert mit Lichterketten und schwedischen Flaggen-Girlanden.

 

An meinem allerletzten Tag kurvte ich mit meinem Gastvater mit dem Fahrrad durch ganz Stockholm und entdeckte tatsächlich noch neue, wunderschöne Orte. Danach grillten meine Gasteltern und ich daheim auf der Terrasse und liessen bei einer gemeinsamen Tasse Tee das Jahr nochmal passieren.

 

Mit dem Einsteigen ins Flugzeug am Flughafen Arlanda war mein Austauschjahr jedoch noch gar nicht vorbei! Bei Berlin erwarteten über 100 Volunteers knapp 400 Austauschschüler aus ganz Europa, das YES-Camp sollte vier Tage lang eine Brücke schaffen zwischen Abschied und Heimkommen. Und das tat es, auf ganz wundersame Weise. Alle diese jungen Leute waren voller Erlebnissen, voller Ideen und konnten nicht warten, das allen und jedem mitzuteilen. Wer einmal gemeinsam am Mittagstisch sass, behandelte einander danach plötzlich wie beste Freunde, und wenn man sich dann später auf dem riesigen Campus über den Weg lief, wurde sofort ein langes Gespräch geführt und vielleicht gemeinsam die Bar oder den Strand besucht. Begegnungen von Menschen die z.B. von Bulgarien nach Estland und von Spanien nach Irland gereist sind, zeigten plötzlich unerwartete Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturen Europas auf. Und das gleichzeitig die WM stattfand, war einfach herrlich. Fans aller Herren Länder, egal ob es das Herkunfts- oder Gastland war, fieberten mit und gegen Abend hörte man Gejohle aus den Public-Viewings. Diese Tage waren magisch.

 

Nun bin ich also wieder daheim. Ich geniesse es wieder, im Rhein schwimmen zu gehen, mit dem Fahrrad blitzschnell von Ort zu Ort zu kommen und beim Abendessen richtig gutes Brot und richtig „rässen“ Käse zu essen. Ich bin gern wieder daheim, aber irgendwodurch muss ich doch zugeben, auch Schweden ist mein Daheim.

Danke, für dieses tolle Jahr.