YFU Switzerland

Snö!

Hej på er!

Morgendlicher Rehbesuch in Nachbars Garten

Die Zeit vergeht wie im Flug, und es fühlt sich so an, als wäre schon bald Halbzeit, obwohl das eigentlich erst im Februar sein wird und ich noch nicht ein Mal drei Monate hier bin. Aber für mich ist Weihnachten einfach so der Gegenpol zu Sommer, also die Halbzeit des Jahres. Die Stadt ist voller Adventsbeleuchtung, in meinem Zimmer hängt der Adventskalender von Celia (und in ihrem meiner 😉 ) und in der Schule diskutierten wir mit der Rektorin über die diesjährige Adventsdekoration (sie sei anscheinend dekorationsverrückt und alle versuchen sie deshalb davon abzuhalten, riesige rote Weihnachtsglocken in das Foyer zu stellen). Kurzum – ich bin total in Weihnachtsstimmung. Und was passte da nicht besser als Schnee? Genau! Vor etwas mehr als einer Woche legte sich ein dünner Hauch über die Landschaft und liess schon bald die schöne Stadt Stockholm im Schnee versinken – welche dadurch lahmgelegt wurde. Der Schulweg hat mich fast zweienhalb Stunden gedauert, da der Bus im Schnee stecken geblieben ist. Und da dachte ich, die Schweden seien an Schnee gewöhnt! In unserer Schule hatten wir auch ein paar Austauschschüler, die nun zum ersten Mal Schnee gesehen haben – und ich bin ehrlich gesagt ziemlich neidisch darauf, dass sie ein so aufregendes Erlebnis haben können – für mich als Baslerin ist Schnee schon besonders, aber ich bekomme davon keine so glitzrigen Augen wie Valentina aus Italien. Bald ist der Schnee aber braunem „slask“ gewichen und später ganz weggeschmolzen. 

Meine Schule im Stockholmer Winterwunderland

Im Moment geht es mir eigentlich sehr gut. Ich werde langsam Teil der Amnesty Jugendgruppe hier in Stockholm (vorletztes Wochenende standen wir mitten im bitterkalten Stockholm, sammelten Unterschriften und hattens lustig), habe die Aufnahmeprüfung des Stockholmer Jugendorchesters SUSO bestanden und habe vor kurzem bei einem der vielen Schulkonzerten als Präsentarörin mitgewirkt.  Ich merke, wie es immer mehr vorwärts geht: Ich wurde zu einem Geburtstagsfest einer Mitschülerin eingeladen, spreche kaum noch Englisch, kenne mich langsam in dieser riesigen Stadt aus, auch wenn ich mich manchmal immer noch etwas verloren fühle, und werde immer mehr Teil meiner Gastfamilie. Was mich besonders überrascht hat, ist, wie gut ich mich mit meinem Gastvater verstehe. Ich hätte nie gedacht, dass ich einfach so Zeit allein mit einer erwachsenen, noch etwas fremden Person verbringen würde, ohne es komisch zu finden. Ich gehe mit ihm sonntagabends Schlittschuh laufen und er versucht mir, Bandy, die schwedische Version von Eishockey (Jeder sportinteressierte Schwede würde mich für diese Aussage umbringen, aber ich Sportbanause sehe keinen grossen Unterschied), beizubringen, wir treffen uns für ein Fika oder gehen in ein Museum. Ich verstehe mich aber sehr gut mit allen und fühle mich wohl und gut aufgehoben. Weitere Personen, die für mich unerwartet sehr wichtig geworden sind, sind meine Oboenlehrerin Mirjam, die mich nach einem frustrierenden Tag immer aufzuheitern mag und meine YFU-Gotte Victoria. Ich finde es total gut, dass es bei YFU Schweden dieses Konzept gibt. Victoria machte selbst ein Austauschjahr und gibt sich extrem viel Mühe, viel mit mir und ihrem anderen Gottechind Maëline zu unternehmen. Ich habe natürlich auch wirklich tolle Freunde hier gefunden. Zwar sind die meisten Austauschschüler, und es sind nicht viele, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass ich bald schöne Freundschaften mit meinen Klassengspänli aufbauen kann. Es ist auf jeden Fall auf einem guten Weg. So waren Celia und ich letztes Wochenende zusammen mit zwei Mitschülerinnen auf dem Weihnachtsmarkt, was sehr schön war. Det blir bra! Das kommt schon gut!

Wie geht es mit dem Schwedisch? Es ist wahnsinnig! Es fühlt sich unglaublich an, wie man nach knapp drei Monaten eine Sprache lernen kann, und zwar ohne gross Wörter auswendig zu lernen. Es geschieht einfach-und plötzlich merkt man, wie viel man schon kann! Ich muss aber auch sagen, dass es einen Grossteil daran liegt, dass Schwedisch und Deutsch sehr ähnlich sind. Die Grammatikstruktur ist eine viel einfachere Version von Deutsch und viele Worte kann man ableiten. So versteht man ziemlich schnell einen Grossteil und kann auf gut Glück Worte bauen, z.B.: Übermorgen: Über=över, morgen=morgon; Übermorgen=Övermorgon. Nur die Aussprache macht mir wirklich Mühe, das schwedische sj, welches eine Mischung aus ch und sch und irgendetwas Komischem ist (meine Schwedischlehrerin nennt es spottloskan, was ungefähr choderlaut bedeutet), das y, welches eine Mischung aus i und ü ist, und das schwedische i oder j, welches irgendwo tief, tief in der Kehle erzeugt wird, und ständig benutzt wird. Da kann ich mich aber damit trösten, das ungefähr kein Schwede „Schweiz“ ausspechen kann, es klingt eher wie „Sweizsch“. Ich verstehe aber das allermeiste und kann am Lunchtisch gut mitreden. Es nervt nur, wenn man nur Schwarz und Weiss sagen kann, keine Graustufen. Irgendwie wird alles so wischiwaschi. Aber da brauche ich einfach noch Geduld. Wie mit allem im Moment.

Ich habe auf jeden Fall in den letzten Wochen viel gelernt. Menschen auf der Strasse und in der Schule, in Hobbies und auf Festen anzusprechen. Selber mit Problemen umzugehen, ohne die Familie und Freunde in der Schweiz anzurufen. Alleine an neue Orte zu gehen. Selbstbewusster sein. Sich wieder aufraffen und weiterkämpfen, nach dem man nicht mehr gekonnt hat. Und ich habe hier gemerkt, wie positiv ich eigentlich eingestellt bin! Ich wüsste nicht, was ich ohne meinen Optimismus machen würde. Es macht mich sogar richtig hässig, wenn andere Austauschschüler nicht optimistisch sind und sagen: Es ist alles doof hier, ich vermisse daheim, warum bin ich noch hier. Denn, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, es gibt immer wieder wunderschöne Momente, wo man wirklich extrem stolz auf sich selber ist. Das darf man nie vergessen!

Ich freue mich auf jeden Fall auf die Adventszeit und bin gespannt auf das, was noch kommen wird!

Puss och Kram

Fina