YFU Switzerland

sjunde veckan

Hej hej!

Wie ihr im Titel vielleicht erahnen konntet, bin ich nun in meiner siebten Woche hier in Schweden. Ich habe mich unterdessen an die Schule gewöhnt, fühle mich mehr oder weniger Zuhause und langsam kehrt der Alltag ein. Wenn ich aus dem Fenster meines Zimmers mit den rosa Tapeten schaue, ziehen die Wolken über dem goldenen Herbstwald schnell vorbei. Der kalte, windige und nasse schwedische Herbst hat nun begonnen. Viele Schweden sagen, der Herbst sei die härteste Jahreszeit des schwedischen Jahres: es ist schon kalt und dunkel, aber noch kein Schnee hellt die lange Nacht auf. Wenn das stimmt, muss der Rest des Jahres ja „cheesecake“ sein, wie mein Englischlehrer hier immer sagt, denn ich liebe den schwedischen Herbst. Er passt zu den roten und gelben Häusern der pulsierenden Grossstadt Stockholm, zeigt sich bei Spaziergängen durch die Schärenlandschaft von seiner schönsten Seite und ist mit einer Tasse Tee und einer Kanelbulle (Zimtschnecke) auch bei Regenwetter gemütlich. 

Die Schule, die ich besuche, ist extrem klein. Wir sind ungefähr 45 Schüler, aufgeteilt in drei Stufen, viele Fächer haben aber auch alle Stufen gemeinsam. Ich besuche die zweite Klasse, obwohl ich von meinem Alter her eigentlich in der Ersten sein sollte. Fragt mich nicht, wieso. Die Schule ist komplett auf Musik eingerichtet, wir haben Fächer wie Brukspel (dort lernt man Lieder auf Gitarre und Klavier zu begleiten), Gehörbildung und Ensembleredovisning (dort spielen alle, die wollen, etwas vor). Es hat extrem viele talentierte Leute hier! In welcher Schule hört man schon in der Mittagspause jemand einfach so nebenbei glockenrein die höchsten Töne trällern? Die kleine Schule ermöglicht auch einige Dinge, die in grösseren Schulen so wohl icht möglich wären. Hier wird im Deutschunterricht Oktoberfest gefeiert, es gibt Karaoke, wo Lehrer in Kostümen Luftgitarre spielen und eine Choreographie tanzen und klassenbergreifende Gruppenchallenges, wo alle im Pyjama in die Schule kommen. Das ist jeweils sehr lustig. Andererseits finde ich es ziemlich schwierig, hier schwedische Freunde zu finden. Wir sind relativ viele Austauschschüler, machen ungefähr einen Viertel der Schüler aus. Deshalb denke ich, sind viele gegenüber Austauschschülern etwas abgestumpft. Sie sind zwar nett, machen aber nicht wirklich den Eindruck, deine neue Freundin sein werden zu wollen. Ich fühle mich aber trotzdem mehrheitlich wohl und werde weiterhin versuchen, Anschluss zu finden. Dafür haben wir Austauschschüler in der Schule es wirklich sehr gut zusammen!

Ich habe nun auch begonnen, meine Freizeit etwas zu gestalten. Jeweils Montags nehme ich nun Oboenunterricht und habe in einer Amnesty Ungdomsgrupp angefangen, und vielleicht trete ich bald auch einem Orchester bei. Hoffentlich lerne ich dort einige nette Leute kennen! Bisher habe ich aber auch Kontakte über meine Gastfamilie geknüpft, in deren Freundeskreis es einige Jugendliche gibt. Die meisten sind zwar zwischen 18 und 25, aber sie sind sehr herzlich, wenn sich auch bisher noch keine Freundschaften ergeben haben.

Vor meinen Geburtstag am 20. Oktober hatte ich etwas Angst. Wie es wohl sein wird, zum ersten Mal ohne Familie und Freunde zu feiern? Wird es überhaupt jemand in der Schule bemerken?

Morgens wurde ich, typisch Schwedisch, mit dem schwedischen Geburtstagslied (das übrigens nicht die Melodie von Happy Birthday hat) geweckt. Dann erhielt ich das Paket meiner Familie, das meine Gastfamilie erfolgreich vor mir versteckt gehalten hat. Mega lieb! In der Schule gratulierten mir dann erstmals diejenigen, denen ich es erzählt habe. Doch als ich dann in Naturkunskap gedankenverloren (wenn man nicht waahnsinnig viel versteht geht das ziemliche schnell) in die Luft starrte, guckten mich plötzlich alle ganz erwartungsvoll an und die Lehrerin sagte: „Vad brukar vi göra i NMG (Nordiska Musikgymnasiet) när någon fyller år?“ (Was machen wir normalerweise im NMG, wenn jemand Geburtstag hat?) Da standen alle auf und sangen das Geburtstagslied. Mich hat das echt überwältigt, da ich gar nicht wusste, dass sie überhaupt wissen, wann ich Geburtstag habe! Dieser Tag hat mein Selbstbewusstsein in dieser Schule ziemlich gesteigert ;). Abends ass ich dann mit meiner Gastfamilie in einem indischen Restaurant. Am Wochenende veranstaltete meine Gastfamilie dann eine Fika für mich, zu der sie einfach alle möglichen Menschen einlud, die ich bisher einmal getroffen habe (ja, auch der Vater des Sandkastenfreundin meiner Gastschwester, mit dem ich einmal im Hemköp (einer schwedischen Supermarktkette) ein paar Worte gewechselt habe), um mir ein Gefühl von einem grossen Bekanntenkreis zu geben. Dumm nur, wenn man erst am Morgen vor der Fika bemerkt, dass diese ja sein Geburtstagsfest sein soll! Glücklicherweise kamen aber noch zwei meiner Freundinnen aus der Schule (Celia aus der schweiz und Iris aus Brasilien), was sehr schön war.  

Heimweh hatte ich bisher kaum. Wenn ich jedoch habe, das ist sehr komisch, merke ich es immer erst, sobald ich allein bin, sei es auch nur, wenn ich ganz kurz einen Stift in meinem Zimmer hole. Dann steigen plötzlich die Tränen hoch und ich habe einen dicken Kloss im Hals. Das verschwindet aber sofort wieder, wenn ich unter Menschen bin. Sletsam, nicht?

Letztes Wochenende hatten wir dann die PAO (Post Arrival Orientation) von YFU. Es tat sehr gut, sich mit den anderen Austauschschüler genau über solche Dinge auszutauschen und über die bisherigen Fehler und Erlebnisse zu lachen. Ich liebe diese Treffen, es hat einfach so viele tolle Menschen unter den Austauschschülern. Es ist unglaublich, dass sich die Lebenswege so vieler Menschen an diesem seltsamen Ort gekreuzt haben, nachdem man so viele Jahre einfach in Parallelwelten gelebt hat und nichts voneinander wusste – und jetzt ist man sich irgendwie so nah! Das klingt vielleicht nun irgendwie esotherisch angehaucht, aber es fühlt sich unglaublich an.

Bald haben wir nun Höstlov (Herbstferien). Celia wird dann bei mir wohnen und wir werden gemeinsam mit meiner Gastfamilie eine mehrtägige Schifffahrt nach Riga machen. Ich freue mich sehr darauf! Hoffentlich kann ich mich dann etwas vom schwedischen, musikalischen Schulalltag erholen…

Ha det så bra och puss och kram

Fina