YFU Switzerland

Die ersten Gefühle von Einsamkeit

Hallo zusammen,

 

Nun ich war bei meiner Schule stecken geblieben. Am Anfang vom Jahr erhielten wir ziemlich viele Hausaufgaben. Mit der Zeit aber, milderte es sich, dass wir jetzt wenig bis zu keinen Hausaufgaben kriegen. Ich habe das Glück, in keinen besonders schweren Klassen zu sein. Bis auf Calculus AB (das schwerste Niveau), sind all meine anderen Klassen „Honors“ (das mittlere Niveau). Viele Schüler an meiner Schule, die im Magnet Program sind, nehmen viele AP-Klassen. Sie stecken unter Tonnen von Hausaufgaben. Viele bleiben die ganze Nacht auf und kommen als halbe Zombies zur Schule. Ich hatte noch nie besonders viele Hausaufgaben gekriegt, auch nicht in der Schweiz. Ich weiss garnicht wie ich das hätte handeln können. Kinder hier, müssen so hart für ihre College Zukunft arbeiten, und am Ende sehen sie alle auf dem Papier gleich aus: „straight A’s“. Aufgrund dieser identischen Zeugnissen, können die Universitäten nur schwer die Schüler voneinander unterscheiden, welches dann oft zu ungerechtfertigten Entscheidungen führen kann.

 

Viele haben deshalb keine Zeit, irgendwelche Aktivitäten außerhalb der Schule zu führen. Ich hingegen habe viel Freizeit. Zu viel, könnte man sogar meinen. Diese Freizeit führte zu einsamen Gefühlen. Obwohl ich jeden Tag nach der Schule mit Volleyball training beschäftigt war, fehlte mir irgendetwas. Ich fühlte mich leer. Die Mädels in meinem Team waren toll, jedoch sobald ich nach Hause kam, war diese Gefühl auch schon wieder weg. Wir hingen auch außerhalb des Trainings miteinander nicht ab.  Und abgesehen von ihnen, hatte ich noch keine engen Freunde. Ich fühlte mich einfach sehr unglücklich. Ich hatte aber kein Heimweh. Das letzte was ich wollte, war wieder in die Schweiz zu kommen, jedoch wollte ich auch nicht in Florida bleiben. Das Gefühl nirgendwo zu gehören, ist kein schönes Gefühl. Ich wusste einfach nicht was tun.

 

Klar, ich hatte einige Leute, mit denen ich jeden Mittag hing. Ich verstand mich ziemlich gut mit ihnen, es fehlte mir aber immer noch diese Vollkommenheit, die mir wahres Unglück brachte. Ich dachte immer zurück an meinen besten Freunden in der Schweiz. Wie viele gute Momenten wir miteinander hatten, und wie viel Spass diese uns brachten. Schliesslich wurde mir bewusst, weshalb ich immer unzufrieden war; Ich verglich alle zu meinen besten Freunden und alles zur Schweiz. Und ich glaube, das war das Problem. Ich suchte Leute, die identisch zu meinen Freunden waren, und die mir Rückerinnerung an mein Zuhause brachten. Ich kam hier aber nicht, um an der Schweiz zurückzudenken; ich kam hier, um ein neues Leben anzufangen. Und das konnte ich nicht tun, wenn ich nicht annehmen konnte, dass das Leben hier anders sein wird; von der Sprache zur Kultur bis zu den Wertstellungen – Ich musste meine Mauren fallen lassen und offen auf Veränderung sein. Ich musste das beste aus jeden verdammten Tag machen, sodass wenn ich zurück auf das Jahr schaue, stolz auf meine Leistungen sein werde und keinen einzigen Moment bereue.

 

Erst als mir das bewusst wurde, fing ich an, jede Minute, die ich hier verbrachte, im vollsten zu geniessen. Ich versuchte immer, das beste im Allen zu sehen, und liess mich von nichts runterkriegen. Als Volleyball Season zu Ende war, entschied ich mich keinem anderen Sport beizutreten. Ich wollte mehr Zeit für mich haben. Nach der Schule begann ich mit Leuten abzuhängen und lernte immer mehr neue Menschen kennen. Keine Person war gleich zur anderen. Jeder hatte eine andere, meistens sehr Interessante, Vergangenheit. Ich stosse jeden Tag auf ganz andere Persönlichkeiten. Die Leute hier versuchen nicht in die Norm zu gehören. Sie folgen ihren Passionen hinterher und machen wirklich das, was ihnen glücklich macht.

 

Das machte mich sehr neugierig. Ich begann auch meinen Träumen zu folgen. Mich kümmerte es nicht mehr, was die anderen von mir hielten. Und das ist das Schöne hier; jeder ist anders und wird als Person akzeptiert. Das heisst natürlich nicht, dass es an unserer Schule keine Problemen mit der Akzeptanz der Diversität gibt, aber vielmehr dass man  hier viel freier ist, seiner Leidenschaft zu frönen. Hier gibt es alles mögliche an Leuten: die sportlichen, die Nerds, die Elektronikbegeisterten, die Manga Fanatiker, die Musiker etc. Und alle hängen es mit allen ab. Die Freundeskreise sind immens und die meisten kommen miteinander klar. Und das ist einer der Dinge, die mir an der Schweiz fehlt; Diversität. Klar akzeptieren wir andere Kulturen und Menschen, das heisst aber nicht, dass wir wirklich versuchen, diese kennenzulernen und uns mit denen vertraut machen. Wir mögen es, bei Dingen zu bleiben, an denen wir gewohnt sind. Wir mögen nicht wirklich Veränderung und versuchen dem deshalb, so oft es geht, aus dem Weg zu gehen.

 

An dem ist auch nichts Schlimmes. Ich bin einfach jemand, der gerne neues erlebt und aus seiner Komfortzone tritt, um dieses zu erlangen. Ich muss sagen, ich mag die Mentalität der Menschen hier in den Staaten sehr. Und so etwas wünsche ich, hätten wir in der Schweiz auch. Aber deshalb bin ich ja auch hier gekommen; um mich mit der amerikanischen Kultur bekannt zu machen, und das ist mir bis jetzt auch ziemlich gelungen.

 

xoxo,

Cendrine