YFU Switzerland

Ein ereignisreicher Anfang

Hallo,

Ich habe mich seit langem nicht mehr gemeldet und das hat einige Gründe, einschliesslich dass ich mir erst kürzlich einen Laptop gekauft habe und vorher keine Möglichkeit hatte, das World Wide Web mit einer richtigen Tastatur zu besuchen.

Die Zeit vergeht umglaublich schnell hier; Ich kann es kaum fassen, dass es bald schon fünf Monaten her sind, seit ich in Tampa angekommen bin . Es ist sehr viel geschehen in dieser aber trotzdem kurzen Zeit. Ich werde versuchen, alles wieder aufzuholen.

 

Es fing mit dem Flug in meinem Gaststaat an. Ich musste zwei Flüge nehmen: Der erste von Zürich nach New York und der zweite von dort aus nach Tampa. Der erste Flug ging geschmeidig; Keine Komplikationen und keinen Stress. Natürlich war der Abschied von meiner Familie und Freunde etwas schwieriger, es war aber viel weniger dramatisch, wie ich es mir vorgestellt hatte (zum Glück). Auf dem Flug nach New York und dort, im Flughafen, konnte ich meine Freunde, die ich im Orientierungslager kennen gelernt hatte, wieder sehen, und auch einige neue Austauschschüler kennenlernen. Wir waren alle sehr aufgeregt und konnten kaum fassen, dass der Moment endlich angekommen war, wo unser Leben einen ganzen anderen Zug nehmen würde.

 

Als wir den zweiten Flug nehmen musste, gab es einige Komplikationen: Viele Flüge wurden aufgrund eines Sturms gestrichen. Und so mussten viele Austauschschüler die Nacht in einem Hotel verbringen. Mein Flug war aber zum Glück nicht abgesagt worden. Die YFU Volunteers mussten all die gestrichenen Flüge abklären und hatten daher wahrscheinlich vergessen, mich und meine Freundin zu unserem Flug zu begleiten. Nachdem wir einige Zeit im Flughafen auf sie warteten und realisierten dass unsere Flüge bald starteten, schickten sie uns alleine zum Check-in.

 

Und wenn ich sage, dass es einer der stressvollsten Tage meines Lebens war, dann meine ich es. Wir hatten keine Ahnung, wohin zu gehen, wir fragten viele Passanten und rannten wie verrückte Hühner herum. Als wir endlich unser Check-In fanden, mussten wir für eine Weile anstehen. Gott sei Dank, kontrollierte die Flugangestellten das Carry-on Gepäck sehr schnell, und so ging dieser Prozess relativ schnell. Nach dem Check-In trennten sich unsere Wege. Ich musste mir von meiner guten Freundin, die nach Minneapolis musste, schweren herzen verabschieden. Ich hatte jedoch keine Zeit, mich lange zu verabschieden, denn mein Flug hob in fünf Minuten ab.

 

Und so rannte ich so schnell, ich konnte zu meinem Gate. Als ich dort jedoch ankam, stand nichts über meinem Flug. Ich war so verzweifelt und wusste nicht was tun. Ich war noch nie in einer solchen Situation. Üblicherweise, wären meine Eltern hier, sie wüssten genau was tun und würden alles abklären. Jetzt stand ich aber ganz alleine in einem fremden, riesigen Flughafen und fühlte mich wie ein verlaufener Welpe . Ich suchte einen Flugbeamten, konnte aber keinen finden. Ich ging schlussendlich zum Help-Center und fragte über meinem Flug nach. Sie konnten jedoch aus irgend einem Grund meinen Flug in ihrem System nicht finden und meinten, der Flug existierte garnicht. Sie schlugen mir einen neuen Flug an, der aber erst am nächsten Tag abheben würde. Und so rief ich meine Gastmutter zum ersten Mal in meinem Leben an, und musste ihr ankünden, dass ich im Flughafen feststeckte und nicht wie geplant in einigen Stunden, sondern erst am nächsten Tag in Tampa landen würde. Es war ein sehr komisches und unangenehmes erstes Gespräch, das kann ich sagen.

 

Ich kehrte schlussendlich zu den anderen Austauschschüler und den YFU Volunteers zurück. Es stellte sich heraus, dass mein Flug auch abgesagt wurde, aber irgendwie übersehen wurde. Ich war, ehrlich gesagt, ein bisschen erleichtert, dass ich erst am nächsten Tag abheben würde. Ich hatte noch etwas Zeit mich auf das vorstehende Abenteuer vorzubereiten und mich zu beruhigen. Die Nacht, die ich mit den anderen Schüler in einem Hotel verbringen konnte hatte so viel Spass gemacht. Wir hangen alle zusammen ab, assen Pizza und redeten die ganze Nacht.

 

Als wir endlich um etwa Mitternacht einschliefen, wurden wir um fünf Uhr Morgens vom Feueralarm geweckt. Das Hotel wurde evakuiert und wir mussten in unser Pyjamas draussen, vor dem Hotel warten. Die Feuerwehr musste sogar kommen. Es stellte sich heraus, dass jemand in seinem Hotelzimmer geraucht hatte und damit den Feuermelder in Gange gestellt hatte.

 

Es war bis zu diesem Moment schon so vieles geschehen, dass es mich garnicht mehr überrascht hatte. Ich glaube, wir hatten alle einfach eine riesige, langhaltende Pechsträhne. Wir fuhren alle zum Flughafen, nur um herauszustellen, dass noch mehr Flüge abgesagt wurden, inklusive einige der neuen Flügen der Austauschschüler. Und so mussten einige eine weitere Nacht im Flughafen verbringen. Meiner war aber dieses mal nicht vom Sturm beeinflusst worden. Als die Zeit endlich angekommen war, mich von den anderen zu verabschieden, gelang es mir nur sehr schwer. Ich hatte mich so gut mit einigen befreundet und jetzt würde ich sie für mindestens ein ganzes Jahr nicht mehr sehen. Wir drückten uns alle ganz fest und wünschten uns gegenseitig viel Glück und ein wunderschönes Jahr.

 

Ich setzte mich endlich in meinem Flieger. Es war brennend heiss, die Klimaanlage ging nicht.  Ich hatte durst und schwitzte wie ein Schwein. Es war mir aber egal; endlich würde ich in Tampa ankommen und mein neues Leben in einer amerikanischen Umgebung anfangen. Dann kam der Schock: Der Flug musste vielleicht gestrichen werden, da sich der Sturm in Richtung Florida bewegte. Es bestand aber noch eine kleine Chance, dass sie rechtzeitig abheben könnten und, bevor der Sturm ankomme, landen könnten. Ich konnte es kaum fassen. Was noch würde geschehen, um mich von meinen Austauschjahr abzuhalten?

 

Gott sei Dank schafften sie es, rechtzeitig abzuheben. Ich war auf dem direkten Weg nach Tampa und nichts mehr konnte mich davon hindern. Ich bewunderte die wunderschöne Aussicht vom Flieger aus auf meine neue Stadt, die immer näher kam. Ich 20160813_173632landete endlich in Tampa um 22:00 und konnte meine neue Familie in den Arm nehmen. Natürlich musste mir ein weiteres Unglück widerfahren; ich konnte mein Gepäck nicht finden. Nach einer Weile stellte sich heraus, dass sie die ganze Zeit im Flugbüro standen. Wir fuhren zu meinem neuen Zuhause. Ich packte meine Sachen schnell aus und ging ins Bett, denn mein erster Schultag stand mir in einigen Stunden bevor. Ich lag in meinem neuem Bett, in meinem neuen Zimmer und dachte über die letzten paar Tage nach.Ich hatte es endlich geschafft: Ich war offiziell in Tampa angekommen.

 

Cendrine Wagner