YFU Switzerland

Einträge mit Tag China

Weihnachten in China (24./ 25. Dezember)

你们好

 

Während mir in der Schweiz jeweils allerspätestens Ende November klar wurde, dass in einem Monat Weihnachten sein wird und alles ein bisschen auf dieses Fest hinzielt, spürte ich das hier in Tianjin überhaupt nicht. Weder in der Schule noch in der Gastfamilie spürte ich etwas wie “Weihnachtsstimmung”. Dadurch ging diese Zeit sehr schnell vorbei, und mir war gar nicht richtig bewusst, dass Weihnachten plötzlich schon da war.

 

Einige Austauschschüler*innen haben in ihren Gastfamilien einen Weihnachtsbaum, den sie schmückten, und einige backten Güetzis – meine Gastfamilie hat aber weder einen Weihnachtsbaum noch einen Backofen. (Dies ist eine Beschreibung und ich meine es nicht negativ – hier wird Weihnachten anders als bei uns oder eben gar nicht gefeiert. Jedenfalls werde ich nun die nächsten Weihnachten in der Schweiz besonders geniessen.)

 

Am 24. Dezember gingen einige Austauschschüler und ich gemeinsam in eine katholische Kirche in Tianjin. Eigentlich hätten wir eine Weihnachtsfeier (oder etwas in dieser Art) hören und sehen wollen, doch dafür waren wir zur falschen Zeit in der Kirche. Wir blieben dann für eine normale Messe, die auf Englisch gehalten wurde. Auch wenn ich eigentlich weder katholisch noch sonst besonders gläubig bin und es in der Kirche ziemlich kalt war, fand ich es noch schön.

 

In der Kirche war eine weihnächtliche Krippe aufgestellt.

 

Am Nachmittag telefonierte ich mit meiner Familie und packte ihre Weihnachtsgeschenke aus, die ziemlich pünktlich per Post angekommen sind. Jetzt habe ich jedenfalls wieder einen Schoggi-Vorrat für den Moment.

 

Am Abend ging ich mit mehreren Austauschschüler*innen auswärts Znacht essen. Es hat viele italienische Austauschschüler in Tianjin, und diese reservierten in einem italienischen Restaurant. Da ich das Restaurant noch nicht kannte und mein bisheriges westliches Essen, abgesehen von Mc und KFC, kaum etwas mit dem europäischen/ amerikanischen Pendant gemeinsam hatte und teilweise ungeniessbar war (z. B. ein Burger aus dem Burger King), waren meine Erwartungen entsprechend nicht besonders hoch. Ich war aber positiv überrascht – das Restaurant wird von einem Italiener geführt und die Pizza war gut.

 

Weihnachten selber ist dieses Jahr an einem Montag – wir wünschten uns in der Familie und in der Schule gegenseitig frohe Weihnachten, sonst war es aber ein ganz normaler Schultag.

 

Nun wünsche ich Allen einen guten Rutsch ins 2018!

 

再见

Verkehr in China

大家好!

 

Wenn man in der Schweiz etwas aus China hört, dann geht es oft um Verkehr. Ich hörte oft vom “Verkehrschaos” in den grossen Städten. Ich versuche nun, meine Eindrücke aus Tianjin wiederzugeben.

 

Ich bin nicht sehr oft mit dem Auto unterwegs, es ist aber sehr populär: Viele Familien haben ihr Auto. Man findet alle westlichen Autos, es hat aber auch viele chinesische Automarken, die ich in der Schweiz nie gesehen habe. Je teurer ein privates Auto ist, desto gepflegter uns sauberer sieht es aus. Das im Gegensatz zu Lastwägen oder anderen geschäftlichen Fahrzeuge, diese sehen fast immer sehr schlecht aus, haben Beulen, sind dreckig…

 

Obwohl die Hauptachsen durch die Innenstadt viele, für mich als Schweizer scheinbar genügend Fahrspuren pro Fahrtrichtung haben, kommt man nur schwer vorwärts. Dies nicht nur morgends und abends, sondern häufig auch durch den Tag und am Wochenende. Der Stau wird in solchen Situationen, kombiniert mit dem Fahrstil der Chinesen, ziemlich chaotisch: Jeder probiert, möglichst schnell vorwärtszukommen, es wird in jede noch so kleine Lücke gefahren. Dann wird links und rechts überholt, man fährt einander knapp vor dem Auto vorbei. In kuriosen Momenten wird auch in die falsche Fahrtrichtung gefahren. Manchmal bleiben die Autos auch in der Mitte der Strasse stehen, um jemanden ab- oder einzuladen. Zudem darf man immer nach rechts abbiegen, bei Kreuzungen sind 180°-Wendungen erlaubt und Fussgängern gewährt man keinen Vortritt. Bis jetzt habe ich aber “nur” einen kleinen Unfall gesehen, was angesichts der Umstände eher überrascht.

 

(Die Luftqualität ist nicht top, doch auf den Bildern liegt es vor allem an meiner schlechten Handykamera, dass der Himmel so grau und neblig aussieht.)

 

In Tianjin hat es öV (Bus, Metro, Bahn), und dieser wird auch benutzt. Die Busse sind sehr günstig, man bezahlt unabhängig von der Fahrtdauer etwa 40 Rappen. Allerdings sind diese abhängig vom Verkehrsaufkommen, sind sehr voll und es gibt keinen Fahrplan, sie fahren etwa alle 15 Minuten. Zudem bin ich nie ganz sicher, wo die Busse genau hinfahren – alles ist auf Chinesisch angeschrieben. Die Metro ist wenig teurer als der Bus, schnell und sehr einfach zum Benutzen – alles ist mindestens doppelt auf Chinesisch und in Pinyin angeschrieben. Da meine Familie aber nicht sehr nahe einer Metrostation wohnt, benutzen wir diese selten. Die Bahn wäre ebenfalls schnell, der Ticketkauf ist aber ziemlich kompliziert. Da das Taxi ziemlich günstig ist und es meistens viele hat, ist dieses beliebt.

 

 

Um allem Stau aus dem Weg zu gehen, benutzen viele Chinesen elektrische Roller (Motorräder mit Verbrennungsmotor hat es fast keine). Diese Roller profitieren davon, dass es am Strassenrand immer noch eine Spur hat, die für die Autos gesperrt ist. Häufig sind diese kleineren Fahrzeuge für die Fussgänger gefährlicher als die Autos, da sie leise und schnell fahren und man sie nicht gut sieht. Diese freie Fahrspur wird auch von vielen Velos benutzt – es gibt zwei grosse Veloverleihe, bei denen man über eine App auf dem Handy die Velos auf- und am Ende abschliessen kann. So kann man überall ein Velo nehmen und später irgendwo wieder abstellen. Es ist nicht nur praktisch, sondern auch günstig. Es hat nicht nur gemietete Velos, sondern einige Chinesen haben auch eigene Velos – diese sind aber fast immer uralt und quietschen stark.

 

Über den Verkehr hier könnte man unzählige Seiten füllen – ich hoffe, dass ich mindestens einige Eindrücke schildern konnte. Ich wünsche Allen frohe Weihnachten!

 

Ausflug zur Binhai Bibliothek (18. November)

你们好

 

Vor einigen Wochen war in der Bilderstrecke des “Blick am Abends” eine Foto einer Bibliothek aus Tianjin. Ein Freund schickte mir davon ein Bild, ich hatte zu diesem Zeitpunkt aber noch nie von dieser Bibliothek gehört. Als mich nun meine YFU-Kontaktperson treffen wollte, schlug ich vor, dorthin zu gehen.

 

Die Bibliothek liegt zwar in der Provinz Tianjin, aber nicht in der Stadt selber, sondern im eher neuen Stadtbezirk Binhai nahe des Meeres. Nach rund 45 Minuten Autofahrt, was für chinesische Verhältnisse kurz ist, kamen wir an. Da auf dem Foto aus der Zeitung der ganze Raum ziemlich gross aussah, stellte ich mir ein grosses Gebäude vor, dass von dieser Bibliothek ausgefüllt wird, doch diese ist in einen Gebäudekomplex mit verschiedenen kulturellen Räumen integriert. Es waren auch unzählige Restaurants vorhanden.

 

 

Beim Eingang muss man eine Sicherheitskontrolle passieren, dann kommt man direkt in eine grosse, hohe Halle, in deren Mitte eine riesige Kugel ist. Von einer Seite scheint die Sonne direkt durch Fenster hinein und der Raum wird dadurch entsprechend hell. Die Kugel macht auf die andere Seite hin aber Schatten, was etwas schade ist. An den Seiten ist der Boden tribünenartig erhöht, und unter den Stufen sind teilweise Bücher “versteckt”. Von weitem sieht es aus, als ob unter all diesen Stufen Bücher seien, die meisten sind aber nur aufgemalt. Es war nicht so spektakulär, wie es die Foto versprach, aber trotzdem interessant. Rund um diesen Saal sind die Räume mit den Büchern angeordnet, die den Namen “Bibliothek” rechtfertigen. Unter anderem gab es eine Abteilung “Marxism-Leninism, MaoZedong Ideology”, in der allerhand Bücher zum Lesen bereitstanden, natürlich auch eine chinesische Übersetzung von Marxs “Kapital”.

 

 

再见

Herbstwetter

大家好!

 

Langsam wird es auch hier in China Winter, das Herbstwetter unterscheidet sich deutlich vom Wetter bei meiner Ankunft in China.

 

Während es im Sommer ziemlich heiss und feucht war, ist es nun eher kühl und vor allem trocken. An den wärmeren Tagen steigt die Temperatur am Nachmittag auf ungefähr 15 Grad, in der Nacht wird es dann aber ziemlich kühl. Seit einigen Wochen trage ich drinnen immer mindestens einen Pullover, damit ich warm habe. In der Wohnung der Familie, die erst ab Mitte November geheizt ist, trägt der Vater häufig sogar eine Jacke, weil es doch nicht gerade warm ist. Bei zwei Ausflügen am Abend zog ich jeweils fast die gesamte Skiausrüstung an, und war auch froh darum.

 

Punkto schlechter Luftqualität merke ich ehrlich gesagt nicht besonders viel. Teilweise riecht die Luft auf dem Schulheimweg nach verbrannter Kohle, zudem habe ich eine Wetterapp, die auch die Luftverschmutzung angibt. Ich weiss nicht, ob die angezeigten Daten der Luftschadstoffe wirklich stimmen, doch ich vertraue ihr, besonders wenn die Werte eher schlecht ausssehen. Ziemlich viele Leute, auch Schüler, tragen Masken, bisher benutzte ich aber noch keine.

 

再见

Geburtstag feiern in China

你们好

 

Mein Geburtstag begann wie in der Schweiz: Die Familie gratulierte mir. Dann folgte aber ein ganz normaler Schultag: 7:15 Schulbeginn, 17:30 Schulende. Als wir am Abend wieder Zuhause waren, folgte dann aber der “chinesische” Teil: Meine Gastfamilie hatte eine Torte mit Kerzli organisiert. Zur Torte gab es eine Papierkrone (keine Ahnung weshalb), wie wir sie in der Schweiz vom Dreikönigstag kennen. In China gibt es als Geburtstagsznacht jeweils Nudeln, gemischt mit Tomaten, Rührei, Gurkenspänen und verschiedenen Saucen.

 

Meine Schweizer Familie schickte mir per Post ein Päckli zum Geburtstag, dieses kam aber erst einige Tage später hier an. In der Schweiz ass ich zwar nicht tonnenweise Schokolade, doch mir wurden halt doch irgendwie die schweizerischen “Schoggi-Gene” zum Verhängnis, so dass ich mir nach zwei Monaten mit wenig Süssem einige Tafeln Schoggi aus der Schweiz wünschte und erhielt.

 

Da auch meine Schwester in der letzten Zeit Geburtstag hatte, machte meine Familie letztes Wochenende ein kleines Fest, wo ich per Sype auch zugeschalten wurde. Meine Schweizer Verwandtschaft hatte sehr Freude, meine Gastfamilie zu sehen und sie umgekehrt genauso. Auf Wunsch aus der Schweiz sang mein Gastvater zudem “生日​快乐” (das chinesische “Happy Birthday”), was sehr gut ankam.

 

In der letzten Zeit läuft es mir (vielleicht auch dank der Geburtstagszeit) gut – ich hoffe, dass es so weitergeht.

 

再见

 

P.S.: Bei mir funktionieren die westlichen (a)sozialen Medien – also WhatsApp, Facebook, Insta, Snapchat… – nicht. WeChat (chinesisches WhatsApp, kombiniert mit zahlreichen anderen Funktionen) und E-Mail laufen aber.