YFU Switzerland

Ausflug auf die Riederalp

YFU-Austauschschüler Joao, Mirjam, Gastvater Frank, Raphael, Gastmutter Barbara, Rodolpho (v.l.n.r)

YFU-Austauschschüler Joao, Mirjam, Gastvater Frank, Raphael, Gastmutter Barbara, Rodolpho (v.l.n.r)

 

«Ist Raphael schon da?» – Samstagmittag in einer Ferienwohnung auf der Riederalp: Seit 19 Jahren verbringen Mertins ihre Sportferien auf der Walliser Sonnenterrasse. Tochter Mirjam bringt als Skilehrerin Holländern das Stemmbögeln bei, jetzt will sie mit João und Rodolpho, ihren südamerikanischen «Austausch-Brüdern», zum Snowboarden auf die Moosfluh – und mit Raphael, ihrem leiblichen Bruder. Mutter Barbara tischt Käse auf, dazu Rauchwurst und selbst gebackene Aprikosenwähe; die Männer langen hungrig zu.

Vor einem Vierteljahrhundert fiel Frank Mertin in Basel eine Velofahrerin auf, die eine Panne hatte. «Ich flickte ihr den Pneu», erinnert sich der gebürtige Berliner, «und daraus entstand eine Liebe.» Die Schweiz sei schon immer seine Wahlheimat gewesen, «mit der Heirat und der Einbürgerung ist sie auch mein Vaterland geworden».

Brasilien ist die Heimat der beiden jungen Männer am Tisch: João und Rodolpho «gehören genauso zur Familie», sagt Barbara, «wie die eigenen Kinder».

Vor vier Jahren reiste Mirjam als Austauschschülerin nach Alaska – und eröffnete ein neues Kapitel der Familiengeschichte: «Ihr Zimmer war frei», erzählt die Mutter, «wir hatten Platz und wollten im Sinne des Austauschs ebenfalls ausländische Studenten beherbergen. »Rodolpho war der Erste; er kommt regelmässig zu seiner «zweiten Familie», «aber nur im Winter; seit ich hier zum ersten Mal Schnee sah, mag ich ihn nicht mehr missen».

João, sein Nachfolger im Hause Mertin, ist ein richtiger Snowboard-Crack geworden. Wie sein Schweizer «Bruder» Raphael. «Wenn die Schweiz nächstes Jahr an der WM die Finalrunde erreicht», spekuliert der Fussballfan, «ist das ein guter Grund, nach Brasilien zu fliegen. Aber jetzt müssen wir auf die Piste!»

Erschienen in Schweizer Familie 08/13
Text: Meret Mendelin
Photograph: Philipp Dubs
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung