YFU Switzerland

Lucie, Frankreich 1986/87

Lucie war 1986/1987 eine der ersten SchweizerInnen, die Ihr Austauschjahr in Frankreich verbracht haben. Sie erzählt von den Kühen in der Normandie, den Studentenaufständen und dass sie mit dem Auto ins Austauschjahr gefahren wurde.

Bestimmt war der Start in dein Austauschjahr ein grosses Ereignis: Wie bist du ins Austauschjahr gereist?

Meine Familie hat mich hingefahren mit dem Auto. Wir haben es mit einer Reise verbunden.

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?

Der Empfang war sehr herzlich und offen. Auch viel Neugierde war auch beiden Seiten da.

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?

Da gibt es eher viele kleine solche Erlebnisse. Wie zB. Die Anzahl Kühe meines Gastonkels auf seinem Hof. (75 Stücke) Die verschiedenen Reisen innerhalb des Landes, die ich entnahm. Der Besuch auf dem Reitstall eines anderen Gastonkels im Süden von Frankreich.

Wie oft und auf welchem Weg hattest du Kontakt zu deiner leiblichen Familie während dem Austauschjahr?

Ich hatte u.a. brieflichen Kontakt. Das erste Mal rief ich am Weihnachten zu Hause an. Mit der Gastfamilie machten wir Skiurlaub im Jura und da traf ich dann auch meine Familie.

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?

Ich habe noch losen Kontakt zur Gastfamilie. Lange Zeit war ich noch regelmässig dort.

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?

Ich habe in einem Club Basketball gespielt, habe auch viel Zeit auf dem Banenhof der Gasttante/Onkel verbracht und mit dessen Kindern Zeit verbracht.

Welches nationale/internationale Thema hat dein Gastland während deines Austauschjahres besonders beschäftigt?

Das waren die Studentenunruhen in Frankreich. An Unis und Schulen wurde für längere Zeit gestreikt, wir nahmen an Demonstrationen / Umzüge teil. Ein Student im nahen Caen kam dabei ums Leben.

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land? Ins Essen? Oder eine Person? Was ist daraus geworden?

Ich habe mich in einiges / einige verliebt. In die unterschiedlichen Landschaften, in den Käse und die `Galletes`. Die Sprache höre ich heute noch enorm gerne. Die speziellen französischen Filme. Und die Musik von Francis Cabrel. Ich habe mich auch in Jungs vierliebt. Da besteht heute kein Kontakt mehr. Aber ich bin immer wieder gerne in Frankreich.

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst?

Es war ein wichtiges Jahr, vielleicht das beste Jahr überhaupt. Ich habe später immer mal wieder in anderssprachigen Ländern gelebt. In diesem Jahr hatte ich mich von zu Hause dem Elternhaus gelöst, bin eigenständig und selbstsicher geworden.

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet? Wie lange? In
welchen Positionen?

Ja, habe ich. Wie lange weiss ich nicht mehr. 1-2 Jahre nur. Ich habe geholfen Interviews für Kandidaten durchzuführen. Dazu habe ich auch an Sitzungen von YFU teilgenommen.

Platz für deine Bemerkungen oder spannenden Geschichten aus dem
Austauschjahr:

– Frankreich war damals das 1 Mal im Programm von YFU und organisatorisch hat kaum was geklappt und die Infos waren karg! Wir waren gesamtschweizerisch zu zweit: ich kam in die totale Provinz in der Normandie (ich kam zum Glück vom Lande!) und das andere Mädchen war von Basel und kam nach Paris. Wir haben uns gegenseitig besucht und waren froh um die jeweilige Platzierung! Das zentrale Schulsystem hat mich beeindruckt. Da konnte man vom Norden in den Süden ziehen und hatte die gleichen Schulbücher, Schulstoff.

– Dieser `Brauch`am Silvester Austern zu essen – schrecklich!

– Mein Name war etwas hinderlich, u.a. am Anfang, als ich kaum französisch sprach. Ich hatte dadurch aber schnell mal Übung im Erklären der Gegebenheiten.