YFU Switzerland

Mein Austauschjahr 1982/83 in Alpena, Michigan USA – Teil 2

Karin verbrachte 1982 ein YFU-Austauschjahr in den USA

Zum 1. Teil

Schule
Mein erster Tag an der High-School war ein ganz besonderes Erlebnis. Sie war für meine Verhältnisse riesig, unüberschaubar und ziemlich altmodisch eingerichtet. Ich hatte das Gefühl, mich nie zurecht zu finden… Das ging dann aber doch schneller als erwartet. Ich hatte einen Austausch-Studenten-Bonus und fiel nur schon durch die Tatsache auf, dass ich die einzige Schülerin, die die 800m Weg mit dem Velo oder zu Fuss bewältigte, auf.

Ich genoss es, Fächer zu belegen, welche ich hier nicht konnte und in allen möglichen Clubs mitzumachen, Sportarten auszuprobieren und sogar in Fächern wie Speech oder American History zu brillieren ohne mich gross anstrengen zu müssen.

Freunde

Mit Kollegin in San Francisco, Mai 1983

Allein schon die Riesen-Verwandtschaft bot mir Gelegenheit, schnell Freunde zu finden. Das Mitmachen in den Clubs, im Theater, und in verschiedenen Sport-Kursen liess mich schnell viele Menschen kennenlernen. Daraus entstanden zum Teil Freundschaften, welche zum Teil bis heute andauern. Meine Gast-Familie freute sich immer sehr, wenn ich meine Freunde mit nach Hause nahm und sie wurden immer bewirtet und zum Spielen mit den Kindern eingespannt. Und dann verliebte ich mich in dem Jahr und hatte die letzten paar Monate einen Freund mit dem Bewusstsein, dass diese Liebe wohl mit meinem Austauschjahr enden würde… (so war es dann auch!)

Michigan

Mit meinen Gasteltern an der “Graduation”, Mai 1983

Alpena liegt am riesigen Lake Huron und das Ufer war nur ca. 100m von unserem Haus entfernt. Mich hat die Natur von Anfang an fasziniert. Die Sonnenuntergänge, die Sandstrände, der See mit Eisschollen, die vielen Flüsse und Wälder und immer wieder die vielen kleinen Seen, alles weit und flach und zum Teil ziemlich unberührt. Die letzten fünf Jahre hatte ich jedes Jahr Gelegenheit, auch noch den Rest des Staates kennenzulernen und die Liebe zur und die Freude an diesem grossen Flecken Erde hält an.

Natürlich genoss ich es, ab und zu auch eine Stadt zu sehen. An einem der ersten Wochenenden verkündete meine Gastmutter, sie wolle mit den grösseren Kindern Schulsachen und Kleider einkaufen. Als ich dann realisierte, dass wir dafür fast 500 km Weg in Kauf nahmen, war das für mich unglaublich!  Mein Gastvater zeigte mir Detroit, Chicago und Torronto, wo er studiert hatte. Das war schon gewaltig und ich sehr beeindruckt!

Ausflug nach Mackinac Island mit meiner Gastfamilie im Juni 1983

Kontakt nach Hause
In dem Jahr war ich eine fleissige Briefschreiberin. Meine Mutter zeigte mir vor kurzem die drei (!) Ordner voller Briefe, die ich während des ganzen Jahres nach Hause schrieb. Mir war es wichtig, meine Familie in der Schweiz an meinem neuen Leben teilhaben zu lassen. Schon bald merkte ich allerdings, dass ich kleinere Sorgen nicht in die Briefe schreiben musste. Bis die Briefe zu Hause waren, hatten sich die Sorgen bereits wieder erledigt….

Ungefähr einmal im Monat rief ich zu Hause an. Mehr brauchte es damals nicht und das war gut so.
Vor drei Jahren hatte ich die Gelegenheit, mit meinen Eltern zwei Wochen bei meiner Gastfamilie zu verbringen. Das war sehr berührend und eine tolle Erfahrung!

Und dann noch dies…
Kurz nachdem ich schweren Herzens von Alpena wieder in die Schweiz zurückgekehrt war, rief mich meine Gastmutter an und erzählte mir, dass sie ihr fünftes Kind erwarte. Inzwischen haben wir regen Kontakt mit diesem fünften „Kind“ und seiner Frau.

Mit meiner Gastfamilie (Herbst 1982)

Wie hat das Austauschjahr mein Leben beeinflusst?
Das Austauschjahr hat mir ermöglicht, sehr eigenständig einen Schritt ins Erwachsenenleben zu tun. Ich durfte Verantwortung für mich übernehmen, hatte aber immer meine Gastfamilie als Unterstützung an meiner Seite. Die Erfahrung als so junger Mensch in einem fremden Land, in einer fremden Sprache und Kultur zurecht zu kommen, hat mir Selbstvertrauen für mein weiteres Leben gegeben.

Wichtig war für mich auch die Erfahrung, eine grosse Familie unkompliziert, mit viel Freude und Verbundenheit zu führen, prägt mich heute noch.

Dann habe ich sicher auch gelernt, schnell zu lernen, wem ich vertrauen kann, schnell Menschen kennenzulernen und auch gelernt habe ich, wieder loslassen zu können ohne die Verbindung zu verlieren.

Im Frühling 2011 haben wir unsere Tochter Leila auf Long Island besucht, wo sie ein Austauschjahr verbracht hat. Wir trafen uns mit meiner Gastmutter und –Schwester in NYC!

Inzwischen prägt mein Austauschjahr auch meine Familie. Wir waren diverse Male in Michigan und hatten Besuch von meinen Gast-Geschwistern und Freunden aus meiner High-School-Zeit.

2007 in Alpena Michigan mit meiner Familie, meiner Gastfamilie, ihren Kindern und Enkeln

Meine jüngste Tochter verbrachte letztes Jahr ein Austauschjahr auf Long Island, NY und wir haben sie zusammen mit meiner Gastmutter und einer Gast-Schwester in New York City besucht. Und unser offenes Haus ähnelt sehr dem Haus meiner Gastfamilie in den 80-er Jahren!

Für mich war von Anfang an klar, dass ich mit YFU in die USA wollte. In sehr guter Erinnerung ist mir vor allem die tolle nationale und regionale Vorbereitung. Da sind Freundschaften entstanden, die zum Teil jetzt noch bestehen oder irgendwann wieder auflebten…