YFU Switzerland

Annemarie, USA 1993/94

Wie bist du ins Austauschjahr gereist?

Mit dem Flugzeug.

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?

Der Empfang am Flughafen war sehr herzlich. Ich war allerdings todmüde und habe nicht verstanden, wieso man jetzt noch bei den Tanten und Onkeln vorbei musste um mich zu „zeigen“.

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?

Weihnachtsfeier bei Grandma und Grandpa auf der Farm in Minnesota. Ein kleines Häuschen, in dem sich aber die ganz Familie (etwa 35 Personen) versammelte. Geschlafen haben wir natürlich auch dort, ich in der Küche auf dem Sofa und Grandpa hat am nächsten morgen um sechs Uhr Ham and Eggs neben mir gegessen…

Wie oft und auf welchem Weg hattest du Kontakt zu deiner leiblichen Familie während dem Austauschjahr?

Etwa alle zwei Wochen, nur per Brief. Auch mit meinem damaligen Freund (und heutigen Ehemann) habe ich rege korrespondiert, so zwei bis drei Briefe pro Woche. Wir haben die Briefe durchnummeriert, da meistens immer ein paar aufs Mal im Briefkasten lagen und so wusste man, in welcher Reihenfolge sie zu lesen waren.

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?

Ja, Åsa aus Schweden. Bereits im Austauschjahr haben wir abgemacht, dass wir gegenseitig Gotti unserer ältesten Kinder würden. In der Zwischenzeit haben wir beide drei Töchter und sehen uns fast jedes Jahr einmal.

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?

Wir waren viel in der Gruppe der Austauschstudenten unterwegs. Ich war zudem im Student Senate. In lebhafter Erinnerung geblieben ist mir davon das Lobbying, das wir im Regierungsgebäude in Des Moines machen sollten. Man hatte mir gesagt, ich solle versuchen, mit den Abgeordneten zu sprechen, wobei wir niemand erklärt hatte, warum und über was. Das speziellste Schulfach waren wohl die drei Lektionen Step-Aerobics – ohne welche die amerikanische Kost wohl kaum so spurlos an mir vorbeigegangen wäre.

Welches nationale/internationale Thema hat dein Gastland während deines Austauschjahres besonders beschäftigt?

Das Drama um die Eiskunstläuferinnen Tonja Harding und Nancy Kerrigan. Tonjas Ehemann hatte einen Dritten beauftragt, Nancy zu attakieren. Nancy Kerrigan wurde mit einer Eisenstange am Knie verletzt und konnte an den amerikanischen Meisterschaften nicht teilnehmen. Tonya gewann die Meisterschaft. Der Titel wurde ihr jedoch wieder aberkannt, nachdem ihre Verbindungen zum Attentat bekannt wurden.

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land? Ins Essen? Oder eine Person? Was ist daraus geworden?

No new love ;-).

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst?

Die Gastfreundschaft in Amerika und auch in Neuseeland hat mich immer beeindruckt. Und so habe ich 2006 auch spontan ja gesagt , als YFU Platz für eine Praktikantin aus Estland suchte. Zum Glück – denn in der Zwischenzeit ist diese liebe Frau meine Schwägerin …

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet? Wie lange? In welchen Positionen?

Ich war während gut vier Jahren Regional Director Bern Süd. Und noch sechs Monate als Intern in Neuseeland.

Welche unvergessliche Geschichte möchtest du uns noch erzählen?

Unvergesslich ist die 24-stündige Fahrt in einem uralten Van nach Washington D.C., die unser YFU-Campus Coordinator Charlie für uns organisierte. Wir konnten bei Freunden von Charlie wohnen. Ganz Washington haben wir uns angeschaut. Es war so europäisch: ich weiss noch gut, wie ich staunend durch die Stadt gewandert bin – es gab noch ein so anderes Amerika als jenes in Iowa.