YFU Switzerland

Mein Austauschjahr 1982/83 in Alpena, Michigan USA

Wenn in den nächsten Tagen wieder zahlreiche YFU-Austauschschüler ihre Reise ins Austauschjahr antreten, so sind sie bestimmt genauso nervös wie Karin, damals im Sommer 1982. Sie berichtet uns von ihrer Reise ins Austauschjahr und wie sie das erste Mal auf ihre Gastfamilie traf.

Wie alles begann…

Im Januar 1982 bekam ich die Bestätigung von YFU. Am 20. August 1982 verabschiedete ich mich von meiner Familie am Flughafen in Zürich. Es war das erste Mal, dass ich in einem Flugzeug reisen durfte…

Ich wusste, dass ich nach Alpena im Norden Michigans fliegen würde und mich dort eine Familie mit vier Kindern zwischen 1 und 11 Jahren und einem Hund erwarten würde. Das war nicht gerade der Ort in Amerika, den ich mir gewünscht hatte, aber es würde eine Liebesgeschichte werden, die immer noch andauert.

Den ersten Schock hatte ich am Zoll in New York. Ein Zollbeamter öffnete meinen Koffer und kippte alles einfach auf ein Band. Ich hatte meine liebe Mühe, alles wieder einpacken zu können. Dann war die Enttäuschung in New York gross. Ich musste in einem Hotel übernachten und konnte erst am nächsten Tag weiterfliegen! Zum Glück hatte es noch ein paar andere Austauschstudenten, welche auch bleiben mussten.

Der zweite Schock dann im Hotel. Ich wollte kurz nach Hause telefonieren. Als ich den Hörer abnahm, begann eine amerikanische Stimme ganz schnell mit mir zu sprechen. Es war der Operator und ich hatte keine Ahnung, was der von mir wollte. Irgendwie gelang es mir dann aber doch, meine Eltern zu informieren, dass ich in NY bleiben musste.

Gastfamilie
Am nächsten Tag dann zuerst der Flug nach Detroit und von dort dann in einem kleinen Flugzeug nach Pellston. Was ich da von oben zu sehen bekam, verschlug mir fast die Sprache. Überall Häuser mit Pools und immer wieder kleine Seen und kilometerweise Wälder. Wohin mich das Flugzeug wohl bringen würde.

Am Flughafen in Pellston erwartete mich die ganze Familie mit einem Riesen-Van. Ich sass da, verstand kaum ein Wort. Der Gastvater redete extrem schnell und sehr, sehr laut…

In Alpena angekommen fand ich mich ein einem riesigen, wunderschönen Haus wieder. Meine Gastmutter informierte mich, dass sie für den Abend ca. 50 Gäste eingeladen habe, um mich willkommen zu heissen. Aber warum musste sie denn nicht in der Küche stehen? Alles lief ruhig ab, Stühle und Tische wurden herbeigetragen, aber in der Küche befand sich niemand. Ui, ich war nervös und hatte Angst, dass nicht nur ich überfordert sein würde…

meine Gast-Geschwister Amy, Maria, Jeff und ich am ersten Tag meines Aufenthaltes in Alpena, Michigan (von links)

Aber: am Abend kamen alle mit Pfannen und Tupperware-Geschirr voll gefüllt. Es entstand im Handumdrehen ein Riesen-Buffet. Pot-Luck! Das ist etwas, das ich gelernt habe: Spann deine Gäste ein und bleibe unkompliziert!

Als erstes sang dann mein Gastvater ein deutsches Lied für mich: „Du, du liegst mir am Herzen“. Danach lernte ich den ganzen Familienclan kennen. Beide Gasteltern hatten polnischen Hintergrund und eine grosse Anzahl von Geschwistern mit Partnern und vielen Kindern und Jugendlichen. Ich lernte also neben der amerikanischen Kultur auch noch die polnische kennen!

Kurz gesagt, ich hatte eine sehr chaotische, sehr spontane und unkomplizierte Gastfamilie! Und mein Gastvater redete so laut mit mir, weil er der Überzeugung war, dass ich ihn so besser verstehen konnte.

Oft fand ich am Abend alle sechs vor dem Fernseher schlafend am Boden während die Sofas mit Wäschebergen vollgestopft waren. Ich lernte das Einkaufen in der Nacht kennen, Fast-Food vom

Von links nach rechts: Jeff, Maria, Amy, Matthew, Julie, ich und Jack

Drive-Through, Weihnachtsguetzli backen die ganze Nacht vor dem 25. Dezember, eine Gastmutter, welche sich auf dem Weg zur Kirche im Auto während dem Fahren schminkte… Die Kirche war für meine Familie sehr wichtig und wurde es für mich in diesem Jahr auch. Auch wenn ich mir das zuvor und danach nicht mehr vorstellen konnte.

Für mich war es toll, mit vier noch kleineren Kindern leben zu dürfen. Alles war schnell, direkt und unkompliziert und sie genossen es, eine grössere „Schwester“ zu haben. Ich hatte das Privileg, in einer ziemlich gut gestellten Familie leben zu können. Sie haben mir extrem viel ermöglicht und alles wie selbstverständlich auch finanziert.

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