YFU Switzerland

“Unser” Austauschschüler – Bericht einer Gastschwester

Ende Frühling 2011 hat sich die Familie Pinegger entschieden, einen Austauschschüler bei sich Willkommen zu heissen und für ein Jahr ein Zuhause zu geben. Während des Schuljahres 2011/2012 lebte Nozomi aus Japan bei ihnen und wurde ein Teil der Familie. Wie seine 17-jährige Gastschwester Yvonne diese Zeit erlebte, schildert sie uns in diesem Bericht.

Wir stehen mitten im Flughafen von Zürich zusammen mit anderen Gastfamilien, welche ebenfalls auf ihre Austauschschüler aus Japan warten. Durch die Scheiben beobachten wir gespannt, wie die Leute ihre Koffer von den Gepäckbändern nehmen und zum Ausgang gehen. Schliesslich taucht eine Gruppe asiatischer Jugendlicher auf und sofort fange ich an zu rätseln, welcher denn nun “unserer” ist.

Erst als die Gruppe durch die Türen kommt, schaffe ich es “unseren” Austauschschüler, Nozomi, auszumachen. Wir stehen uns gegenüber und stellen uns gegenseitig vor. Danach geht es zum Auto. Die Fahrt von Zürich nach Bern ist lang und wir haben viel Stau. Ich sitze neben Nozomi und weiss nicht, was ich sagen soll. Obwohl er es nicht sagt, ist er müde von dem Flug. Trotzdem habe ich das Gefühl, ich müsste mit ihm über irgendetwas reden. Wir sind uns fremd und doch nehmen wir ihn für ein Jahr zu uns nach Hause. Schlussendlich haben wir zusammen Musik von seinem iPod auf das Autoradio übertragen und angehört.

Heute ist der Tag gekommen, an dem wir wieder nach Zürich gefahren sind, um Nozomi zu seinem Flieger nach Japan bringen. 324 Tage war er nun bei uns, an denen wir uns kennen gelernt haben, angefangen haben die andere Kultur zu verstehen, zusammen gelacht haben, geredet haben, zusammen gespielt haben und vieles mehr, das sich nicht alles aufzählen lässt.

Er ist von dem fremden Jugendlichen, den wir am Flughafen abgeholt haben, zu einem Familienmitglied und jungen Mann geworden. Er hat Deutsch gelernt, Ski fahren und sicher vieles mehr, das er nicht bemerkt hat. Auch ich und meine Familie haben viel gelernt; über die japanische Kultur, andere Menschen besser zu verstehen und ebenfalls vieles, das wir noch nicht bemerkt haben. Zum Schluss hat er noch einmal sein Chaos und seine Zuverlässigkeit an den Tag gelegt. Dann ist er in den Tiefen des Zürcher Flughafens verschwunden.

Das Jahr mit ihm war super und ich denke, wir werden bald wieder als Familie einen Austauschschüler aufnehmen.