YFU Switzerland

Veronikas Austauschjahr

Veronika (oben rechts) mit Freunden

Veronika stammt ursprünglich aus der Slowakei. Im Jahr 2006/07 war sie als Austauschschülerin in der Schweiz. Sie hat in der Schweiz das Gymnasium besucht und auch in einem Jugendorchester Geige gespielt. Seit ihrer Rückkehr in die Slowakei hat sie sich bei YFU engagiert um anderen jungen Leuten einen Austausch zu ermöglichen. Veronika hat nach ihrem Maturabschluss in der Slowakei in Prag studiert und befindet sich im Moment im Erasmusjahr in München.

Was waren deine Beweggründe, dich für ein Austauschjahr zu entscheiden?
In meiner Klasse in der Slowakei galt ich immer als eine sehr gute Schülerin und war von meinen Schulkollegen manchmal wie eine Streberin angesehen. Das gefiel mir aber nicht wirklich. Ich hatte das Gefühl, dass ich aus dieser Schublade nie herauskommen werde. Wenn ich dann über die Möglichkeit nach Ausland zu gehen hörte, befand ich es als eine gute Chance für einen neuen Anfang. Eine Chance mich selbst zu finden ohne sich von meiner alten Umgebung beeinflussen zu lassen.
Wieso hast du dich für die Schweiz als Austauschland interessiert?
Mein Gymnasium in der Slowakei war an die Fremdsprachen orientiert und so hab ich seit der 7. Klasse ausser Englisch auch Deutsch gelernt. USA war mir zu weit weg und darum hab ich mir für ein deutschsprachiges Land entschieden. Ich war Mal mit meinen Eltern in Urlaub in der Schweiz und ich hab es superschön gefunden. Darum war die Entscheidung dann auch ganz leicht.

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?
Noch heute kann ich mich erinnern als ich in mein Tagebuch geschrieben habe „Ich war so erstaunt, als meine Gasteltern gekommen sind. Sie waren so herzlich. Meine Gastmutter hat mich so stark umarmt, dass ich fast nicht atmen konnte. Ich glaube die möchten mich wirklich hier haben.“ Alles war einfacher auch dadurch, dass meine Gastschwester ein Austauschjahr selber gemacht hat und hat meine Gefühle ganz gut verstanden. Ich sage es immer wieder, ich konnte mir keine bessere Familie wünschen.

Veronikas Weihnachtsbaum

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?
Wahrscheinlich Weihnachten. Die habe ich mit meiner Gastfamilie in den Bergen verbracht. Am Heiligen Abend haben wir einen Fakelnlauf im Wald gemacht und Weihnachtslieder gesungen. Wir hatten sogar einen Weihnachtsbaum mit den echten Kerzen (das habe ich vorher nie gesehen). Die Atmosphäre war schön und ruhig und ich kann sagen, dass ich diese Feiertage wirklich in Familienkreis verbracht habe.

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?
Ja, aber nur ein paar. Ich bin eher in Kontakt mit meiner Gastfamilie.

Stehst du noch immer in Kontakt mit deiner Gastfamilie?
Ja! Wir telefonieren ab und zu. In ein paar Wochen gehe ich schon wieder in die Schweiz um sie zu besuchen. Seit meinem Austauschjahr haben wir uns schon mehrmals getroffen. Sie sind zum Besuch nach Prag und in die Slowakei gekommen. Ich bin auch schon ein paar Mal nach meinem zweiten Heim zurückgekehrt. Sie sind immer noch meine Familie und ich hoffe es wird auch für immer so bleiben.

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?
Weil ich fast den ganzen Tag in der Schule sein musste, hatte ich nicht so viel Zeit für irgendwelche Freizeitaktivitäten. Ich habe zuerst Geige und später Bratsche in einem Jugendorchester gespielt und das hat mir sehr Spass gemacht. In der Schule nahm ich dann Geige- und Bratschestunden als Teil des Musikunterichts. Dazu habe ich noch im Schulchor gesungen, was für mich etwas ganz neues und besonderes war. In zweitem Semester konnte ich, wie alle meine Schulkollegen, ein spezielles Fach wählen. Da hab ich mich für Bridge entschieden. In der Stunden haben wir praktische Nutzung der Wahrscheinlichkeitausrechnung bei dem Kartenspiel geübt.

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land? Ins Essen? Oder eine Person? Was ist daraus geworden?
Natürlich. Wer verliebt sich nicht im Austauschjahr? Nach meiner Rückkehr waren sehr viele von meinen Kollegen irritiert, weil ich so viel über die Schweiz erzählt habe. Ich liebe das Land einfach. Schwiizerdüütsch ist für mich die schönste Sprache und ich freue mich immer wenn ich es reden oder hören kann. Essen ist ein eigenes Kapitel. Am Anfang hat es mir nicht so wirklich geschmeckt und am Ende konnte ich davon nicht genug haben. Immer wenn ich wieder in die Schweiz gehe, möchte ich Fondue essen (auch wenn es Mitte des Sommers ist) und Rivella trinken. Und selbstverständlich muss ich immer sehr viel Schokolade kaufen 🙂

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst?
Ein Austauschjahr ist ein einzigartiges Erlebnis, das für immer das Leben von Austauschschülerln beeinflusst. Mir hat es ungeheuer viel gebracht und ich glaube ich bin immer noch am Verarbeiten. Vor allem ich habe für eine ganz andere Karriere entschieden. Vor meinem Austauschjahr wollte ich Medizin studieren, aber danach habe ich mich für Internationale Beziehungen entschieden. So bin ich auch in die andere Stadt gegangen. Ich bin also viel selbständiger geworden. Auf der anderen Seite habe ich aber auch gelernt meine Familie zu schätzen und anerkennen, was alles sie für mich machen.

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet? Wie lange und in welchen Positionen?
Das erste Jahr nach meiner Rückkehr habe ich leider nicht für YFU gearbeitet. Aber seit ich in Prag studiere bin ich bei der YFU (Tschechien) sehr aktiv. Weil es sich um eine kleine Organisation handelt, habe ich schon fast alles ausprobiert. Ich habe Präsentationen gemacht, Schüler betreut, alle mögliche Seminare geleitet, Auswahlsgespräche geführt, Gastfamilien besucht und nach meinem Erasmus würde ich sehr gern mit unseren Freiwilligen arbeiten, d.h. Seminare für neue Freiwillige vorbereiten usw.

Unterwegs auf Schweizer SkipistenWas hast du im Austauschjahr gelernt?
Ich hab viel über mich selbst gelernt, aber vor allem ich habe rausgefunden wie wichtig es ist über die Sachen nachzudenken und bewusste Entscheidungen zu treffen und für die auch Verantwortung übernehmen. Ich konnte mein Austauschjahr selber erstalten und so ist das auch mit meinem Leben.

Würdest du dich wieder für ein Austauschjahr entscheiden?
Definitiv ja. Immer wenn ich die Seminare leite bin ich ein bisschen neidisch auf die Schülern. Weil so was wie ein Austauschjahr kann man nur einmal erleben. Trotzdem habe ich es noch versucht nachzumachen. Letzter Sommer habe ich ein Praktikum bei YFU Chile gemacht und konnte 3 Monaten bei einer Gastfamilie wohnen. Es war wirklich genial, aber 3 Monate sind leider zu kurz um eine neue Kultur echt gut kennenzulernen.