YFU Switzerland

Ursula, USA 1967/68

Ursula verbrachte ihr YFU-Austauschjahr 1967/68 in den USA. Ihr sind viele Erinnerungen geblieben und selbst heute, nach 44 Jahren hat sie noch Kontakt zu Ihrer Gastfamilie und Bekannten aus jener Zeit.

Wie bist du ins Austauschjahr gereist?

Flug Zürich – Schiphol Amsterdam – Detroit. Dort wurde ich von meiner Gastfamilie per Auto abgeholt.

Rückreise: Mit dem Studentenschiff „Aurelia“ von New York nach Rotterdam. (7 Tage) Dann per Flug weiter in die Schweiz. Der YFU – Präsident Ruedi Heubach hat uns in New York abgeholt und war auf der Schiffsreise dabei.

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?

Sehr herzlich! Ich hatte aber zuerst Mühe, meinen American Dad zu verstehen, da er sehr undeutlich murmelte.

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?

Die Anderson High School hat drei Mädchen als Kandidatinnen für die „Fire Prevention Queen“ nominiert. Ich war dabei. Ich durfte in einem offenen Wagen im Umzug durch die Stadt mitfahren. Mehrmals musste ich vor der ganzen Schülerschaft und dem Lehrerkollegium Vorträge über die Schweiz halten und durfte damit meine Heimat repräsentieren. Auch beim Rotaryclub oder bei Frauenkomitees wurde ich eingeladen um zu referieren und meine Bilder aus der Schweiz zu zeigen.

Wie oft und auf welchem Weg hattest du Kontakt zu deiner leiblichen Familie während dem Austauschjahr?

Wir hatten brieflichen Kontakt. Im ganzen Jahr gab es nur ein Telefongespräch mit meiner Mutter. (An meinem Geburtstag)

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?

Ja, natürlich. Ich hatte immer Kontakt zu meiner Gastfamilie. Wir haben uns auch mehrmals gegenseitig besucht. Letztmals gerade im vergangenen Juni für drei Wochen. Meine Mom ist unterdessen 87 Jahre alt und lebt in Kalifornien. Meine drei Schwestern leben heute in Colorado, in Minnesota und in South Carolina. Dad ist leider verstorben. Zu Weihnachthen korrespondierte ich mit meinem Geschichtslehrer aus der High School, bis er 2009 starb. Jetzt schreibe ich noch seiner Frau, welche die Briefe sehr schätzt und immer sofort antwortet.

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?

Im Französisch stand ich oft am Lehrerpult und musste vorlesen, da mein Schweizer Französisch offenbar besser tönte als die Aussprache der amerikanischen Lehrerin.

Welches nationale/internationale Thema hat dein Gastland während deines Austauschjahres besonders beschäftigt?

Die Hippie-Welle! Auf einer Reise nach Kalifornien mit meiner Gastfamilie besuchten wir Onkel Fred. Seine älteste Tochter war damals in der Hippie-Bewegung.

Robert Kennedy wurde erschossen. Ich war Kennedy-Fan, meine Familie war aber sehr republikanisch, so dass ich nicht allzu sehr mein Bedauern ausdrücken durfte.

Das Rassenproblem war damals noch ein sehr heisses Thema. Ich ass in der Kantine oft mit den grossen schwarzen Basketballspielern, die ich sehr bewunderte. Der Direktor legte mir aber nahe, das besser zu unterlassen, da es für eine Austauschstudentin ungebührlich sei.

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land?

In Anderson/Indiana liebte ich die unendliche Weite.
Ins Essen? Wir assen nicht amerikanisch. (Gottlob! Darum habe ich nicht zugenommen.)

Oder eine Person? Am „Snowball“ wurde ich von einem Highschool-Studenten eingeladen, der im Sommer Südamerika bereist hatte. Wir hatten die gleiche Wellenlänge, und er schenkte mir eine weisse Orchidee. Was ist daraus geworden? Nichts!

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst?

Sehr stark! Es war etwas vom besten, das ich in meiner Jugend machen durfte. Ich selbst und meine ganze Familie haben davon profitiert, und die Verbundenheit mit dem Land und der Gastfamilie ist bis heute erhalten geblieben.

Entscheidend für meine restlos positiven Erinnerungen war die sorgfältige Auswahl meiner Gastfamilie durch eine zurückgekehrte Austauschschülerin. Für den Erfolg des Programms ist das gründliche Auswahlverfahren bestimmt von entscheidender Bedeutung.

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet?

Ich habe eine Studentin aus Australien in ihrem Austauschjahr in Brienz betreut.