YFU Switzerland

Karin, USA 1973/74

Karin verbrachte 1973/74 ein Austauschjahr in Oregon. Sie erinnert sich noch gerne an diese Zeit zurück, wie Sie uns im Interview erzählte.

Wie bist du ins Austauschjahr gereist?

Per Flug ab Kloten – Detroit – Seattle – Portland, Oregon (ich war 52h unterwegs und hab zum Schluss nur noch gekotzt… und seither hasse ich den Duft des amerikanischen Kaffees!!)

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?

Normal; nichts Besonderes. Wir gingen in einer Salatbar Mittag essen. Die Portionen waren riiiiesig!

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?

Davon hatte ich Viele: Zum einen das Leben in einer jüdischen Familie mit einer künstlerischen Mom, dann unser Beachhouse an der Pazifikküste,  die Besteigung des Mount Hood, eine Reise nach Californien, Konzertauftritte mit dem Junior Symphony Orchestra.

Wie oft und auf welchem Weg hattest du Kontakt zu deiner leiblichen Familie während dem Austauschjahr?

Per Luftpost auf dem hauchdünnen Briefpapier der Airmail-Bogen; ca. 1x im Monat. Und 1 Mal hat mir ein Mann bei Leuten, wo wir zu Besuch waren, einen Telefonanruf “gesponsert”. Und: Mein Vater hat mich während einer Woche besucht.

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?

Ja, aber spärlich. Einmal im Jahr, zur Weihnachtszeit, schreiben Jenny (eine Highschool-Kameradin) und ich uns ein Mail.
Und: unsere Sommerexchange-Studentin und ich haben guten Kontakt. Sie lebt nun in Rom und wir sehen uns jährlich.
Der Kontakt mit meiner Gastfamilie ist leider abgebrochen. Aber nicht wegen mir.

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?

Ich habe im Portland Junior Symphony Orchestra während des Austauschjahres einen Stuhl als Flötistein gehabt. Die Konzerte im grossen Konzertsaal in Portland und unsere Tourneen in andere States waren ein Highlight! Im Fach “textiles” habe ich ein Thema gewoben, “Joan of Arc”, das ich dann an einer Kunstaustellung zeigen durfte. Es liegt noch heute in einer Schachtel bei mir.

Welches nationale/internationale Thema hat dein Gastland während deines Austauschjahres besonders beschäftigt?

Ölkrise, Watergate (Nixonaffäre)

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land? Ins Essen? Oder eine Person? Was ist daraus geworden?

Ja, ich hatte mich verliebt, aber die Sache war einseitig – ich traute mich nicht, es ihm zu sagen!

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst? 

Ich bin in allen Begegnungen, die ich seither hatte, offener auf Menschen zugegangen. Ich liebe es, American English zu reden! Ich habe seither ein regeres Interesse und Verständnis für alles Jüdische. Mehr Selbstvertrauen à la “you can do it”!

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet? Wie lange? In welchen Positionen?

Ich weiss ncht mehr genau, aber schätzungsweise habe ich ca. 2 Jahre noch als regional rep gearbeitet.

Was ist dir sonst noch in Erinnerung geblieben?

Als ich 1989 eine Reise zu meinen Folks unternahm, besuchte mich der Dirigent des Junior Symphony Orchestras und händigte mir eine grosse Foto von mir aus; irgendjemand hatte sie während einer Probe gemacht und sie dann an ihn geschickt, als ich schon wieder in der CH war. Und er hat sich daran erinnert, sie mir zu geben!