YFU Switzerland

Urs, Australien 1988

Wie bist du ins Austauschjahr gereist?

Per Flugzeug, am 15.1. Ab Zürich via Frankfurt, Amsterdam, Dubai, Bangkok, Singapore, Melbourne nach Adelaide, wo wir am 17.1 ankamen. Meinen 17. Geburtstag am 16.1 verbrachte ich im Flugzeug und mit den diversen Zeitzonen dauerte er nur gerade 18 Stunden.

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?

Wir hatten als erstes eine 2 tägige Arrival Orientation. Die Gastfamilien holten uns von dort ab. So hatte ich immerhin schon mal etwas nachgeschlafen. Ich erinnere mich nur noch an die Autofahrt von der Orientation zu unserem Haus, wo ich zwischen meinen beiden Gastgeschwistern eingezwängt auf der Rückbank sass.

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?

Es gibt kein einzelnes Erlebnis, das ganze Jahr hat immer wieder eindrückliches gezeigt. Die Ankunft im Land, in der Familie, der erste Schultag, die diversen Reisen, die Sprache, die Freunde, Diskussionen mit dem Gastvater über Politik, Feste mit anderen Austauschschülern. Eine der stärksten Erinnerungen ist der „Geruch“ Australiens. Nach 20 Jahren aus dem Flugzeug zu steigen und zu riechen, dass man „dort“ ist, ist unglaublich.

Wie oft und auf welchem Weg hattest du Kontakt zu deiner leiblichen Familie während dem Austauschjahr?

Da damals Telefonieren noch sehr teuer war, habe ich mit meiner Familie zu Hause nur an den 3 Geburtstagen jeweils ein paar Minuten telefoniert. Ansonsten habe ich während meines Austauschjahres so viele Briefe geschrieben wie vorher und nachher nie wieder.

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?

Ja, neben meiner Gastfamilie habe ich noch sehr engen Kontakt mit meinem Betreuer von YFU, meiner YFU Regional Director und deren Tochter, ein halbes dutzend andere Austauschschüler die mit mir in Adelaide waren und eine Hand voll Freunde aus Australien.

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?

Ich habe relativ viel Sport gemacht: Rudern und Basketball gespielt. Ausserdem habe ich mit meinem Gastvater viel im Garten gearbeitet.

Welches nationale/internationale Thema hat dein Gastland während deines Austauschjahres besonders beschäftigt?

1988 hat Australien sein 200-Jahr-Jubliäum der westlichen Besiedelung gefeiert, weshalb es viele Festivitäten gab.

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land? Ins Essen? Oder eine Person? Was ist daraus geworden?

All of the above 🙂 Im Land war ich seither drei mal zum Reisen zurück. Vegemite lagert bei uns im Schrank, wird aber ausser von mir nicht gegessen. Mit bestimmten Personen habe ich heute per Facebook noch losen Kontakt.

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst?

Ich bin selbstständiger und selbstsicherer geworden. Ich habe gelernt, dass man vor 400 fremden Leuten stehen kann, ohne vor Panik im Boden zu versinken. Ich habe gelernt, dass es keine Rolle spielt, ob man eine Sprache fehlerfrei spricht, so lange man sich darin verständigen kann. All das hat mir geholfen in Ausbildung und Beruf. Ausserdem habe ich viele meiner heutigen Freunde sowie meine Frau indirekt durch das Austauschjahr kennengelernt. Das Austauschjahr und damit YFU haben 18 Jahre meines Lebens geprägt!

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet? Wie lange? In welchen Positionen?

Ich habe nach meiner Rückkehr von 1988 bis 2005 in fast allen Positionen (ausser NEC und ND) als Volunteer gearbeitet und dabei sehr viel Spannendes gelernt und mit vielen tollen Leuten Kontakt gehabt.