YFU Switzerland

Cornelia, USA 1978/79

Wie bist du ins Austauschjahr gereist?

Mit dem Flugzeug nach Chicago und dann ans PAO in Detroit. Wir mussten dort im Quartier rumgehen und bei fremden Leuten klopfen und ihnen Fragen stellen. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen. Erst 3 Tage später nach Los Angeles zur Gastfamilie.

Wie war der erste Empfang in deiner Gastfamilie?
Sehr herzlich und freundlich. Schon bei der Wegfahrt vom Parkplatz am Flughafen mussten wir unseren alten Buick überbrücken. Das war überhaupt kein Problem, weil hilfsbereite Autofahrer auf der zweispurigen Strasse anhielten und uns halfen.

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis?
Es gab kein spezifisches Erlebnis, sondern ganz viele herzige Momente mit meiner einjährigen Gastschwester Genna: Wenn sie sich Glace ins Gesicht schmierte, wenn sie kicherte oder meinen Tonfall nachahmte. Doch, jetzt fällt mir eines ein: Meine Gastmutter (sie war 26, mein Gastvater 29) hat mir nach einer Auseinandersetzung mal einen Brief geschrieben, den ich am anderen Morgen vorfand. Und der war so herzlich und persönlich geschrieben, dass er mich sehr berührte und mir die Tränen kamen.

Wie oft und auf welchem Weg hattest du Kontakt zu deiner leiblichen Familie während dem Austauschjahr?
Ich bekam von meiner Mutter jede Woche einen Brief. Das war sehr viel. Mein Vater liess dann manchmal eine 10-Dollar-Note hineinschmuggeln, damit ich mir Marken kaufen konnte für meine zahlreichen Briefkontakte. Es gab einmal ein Telefonat an Weihnachten.

Meine Schwester fand immer irgendwelche Dinger, die sie einem gelegentlichen Paket beifügte (Briefklammern, Nüsse, ein Zwanzigrappenstück, ein bisschen Wolle…), was mich mit der Heimat verband und mich zum Lachen brachte.

Zudem hat einmal ein Nachbar, der auch mal im Austauschjahr war, ein Telefon in einer öffentlichen Kabine so manipulieren können, dass er gratis telefonieren konnte. So erfragte er bei meinen Eltern meine Nummer und hat mich angerufen und wir konnten 10 Minuten Schweizerdeutsch plaudern. Ein wunderbares Erlebnis!

Hast du noch Freunde aus dieser Zeit?
Ja, einige, die sich lange bei YFU engagiert hatten.

Wie hast du im Austauschjahr die Zeit verbracht? Hattest du ein spezielles Hobby oder Schulfach?

Ich habe Ceramics geliebt und Nähen – seither habe ich keine Hemmungen mehr vor Schnittmustern. Ich konnte auch einen Kurs in Hospital Occupations besuchen, was mir bei meiner weiteren beruflichen Karriere zur Pflegefachfrau half. Ich verkehrte damals in christlichen Kreisen und war von einer Bibelgruppe sehr herzlich aufgenommen worden – noch heute tauschen wir unsere Jahresbriefe aus.

Welches nationale/internationale Thema hat dein Gastland während deines Austauschjahres besonders beschäftigt?

Die Ermordung der Geiseln in Guyana.
Der Tod von Papst Paul I.
An meinem Geburtstag in den USA fand die Abstimmung über den Kanton Jura statt.

Hand aufs Herz: Hast du dich im Austauschjahr verliebt? Ins Land? Ins Essen? Oder eine Person? Was ist daraus geworden?

Mir geht noch heute das Herz auf, wenn ich Amerikanisch höre. Ich habe diese Leute einfach gern, auch wenn ich vieles nicht verstehen kann. Und Chocolate Cookies sind einfach die besten…

Wie hat das Austauschjahr dein heutiges Leben beeinflusst?

Es hat mir über 3 Jahrzehnte viele Freundschaften ermöglicht, die mich über Hürden und Schwierigkeiten getragen haben. Das Netz hält. Zudem ist mir das Englisch leicht im Ohr, im Mund und in den Fingern auf den Tasten geblieben. Ich habe eine Offenheit erlebt, die mich noch heute prägt.

Hast du nach deiner Rückkehr als YFU-Volunteer gearbeitet? Wie lange? In welchen Positionen?
Ja: als Area Rep (Werbung an meiner Schule und Interviews)
als Regional Director im ganzen Kanton Bern, 6 Jahre
als Flight Leader mit Besuch des Head Quarters in Washington
als Trainer an zahlreichen Workshops
als Coach – kurz, war noch nicht so etabliert
als Alumni Party Organizer and Participant
als Board Member 6 Jahre
als external Trainer
Insgesamt ca. 30 Jahre.

Was weisst du sonst noch aus deinem Austauschjahr zu berichten?

Ich habe den Heimflug verpasst: Ich war mit meiner Schweizer Schwester Patricia, die mich besuchen kam, schon am Flughafen LAX. Wir warteten noch auf Freunde, die mich verabschieden wollten. So wurde ich von Hug zu Hug weiter gereicht. Ich ging von der schweizerischen Pünktlichkeit und der Erfahrung mit Zugsfahrten aus; als ich 5‘ vor Abflug durchs Gate wollte, sagten sie, sie hätten schon alles abgefertigt, ich sei zu spät dran. Dabei war ich doch 5‘ zu früh. Ich musste dann den Terminal wechseln und auf den nächsten Flug rennen. Ich erwischte den internationalen Flug in Detroit, mein Gepäck wartete auf mich. Ich war mit wenigen Schweizern und vielen Deutschen unterwegs. In Hamburg mussten wir dann den Flieger nochmals wechseln und innereuropäisch galten andere Gepäckvorschriften. Deshalb musste ich noch ein Gepäckstück per Post aufgeben. Nachdem ich von dieser abenteuerlichen Reise alles erzählt hatte, war mein Schweizerdeutsch wieder ganz präsent.