YFU Switzerland

Weihnachten in Las Vegas

Hallo Zusammen!

Es tut mir leid dass so lange nichts gekommen ist aber ich habe es ehrlich gesagt ein bisschen vergessen und immer wieder am Dezember Post gearbeitet den ich jetzt endlich fertig habe (2600 Wörter, upss), und jetzt bin ich am Januar und Februar am arbeiten. Ich hatte jetzt auch keine Geduld mehr um Probezulesen, daher hat es im letzten Teil wahrscheinlich ein paar Fehler.

In der ersten Dezemberwoche ist nicht viel passiert, in der zweiten  war eine YFU Weihnachtsparty am Samstag an der ich viele andere Austauschschüler kennengelernt habe. Wir mussten ein Gericht aus aus unserem jeweiligen Heimatland mitbringen und dann haben wir zuerst gegessen und einfach geredet. Anschliessend gab es einen „Ugly Sweater Contest“ bei dem wir alte Langarmshirts mit Lametta und Weihnachtsbaumkugeln etc.  verziert haben. Meine Gruppe hat leider nicht gewonnen aber es hat trotzdem Spass gemacht. 
In der letzten Woche vor den Ferien hatten wir die Semester Finals. Das sind sozusagen die Abschlussprüfungen vom ersten halben Schuljahr in denen noch einmal alles vorkommt was wir durchgenommen haben und das Resultat macht 15% der Gesamtnote aus. Mein Geburtstag war am Dienstag dieser Woche und ich bin am Abend mit meinen Gasteltern auswärts essen gegangen.

 

“Roadtrip” nach Las Vegas

Für Weihnachten sind wir nach Las Vegas gegangen da die Schwester und ein Bruder meiner Gastmutter dort wohnen mit ihren Familien und auch ihre Eltern sind von Utah auf Besuch gekommen. Wir haben dann alle bei der Schwester meiner Gastmutter gewohnt für eine Woche und das Haus war schon ziemlich voll aber wir haben auch viel ausserhalb gemacht. Mein Gastvater hatte nur die Weihnachtstage frei und musste danach gerade wieder arbeiten und konnte deshalb nicht mitkommen.

 

Wegen den Finals hatten wir nur Schule bis am Mittwoch und dann sind wir schon am Donnerstag nach Las Vegas gegangen. Wir sind mit dem Auto gefahren und meine beiden älteren Gastschwestern und meine Gastmutter haben sich beim fahren abgewechselt. Die Hinreise hat um die 18 Stunden gedauert, das meiste davon durch die Wüste. Es hat schon fünf Stunden gebraucht um erst einmal aus Texas herauszukommen! Wir sind am Morgen um 6 Uhr losgefahren und ich habe am Anfang noch geschlafen. Am Anfang war es vor allem Prärie mit ein paar verstreuten Häusern und wir sind auch immer wieder an Baumwollfeldern vorbeigekommen. Manchmal ist die Strasse neben Eisenbahnschienen entlanggegangen und einmal haben wir einen extrem langen Güterzug überholt. Wir sind auch an einem Ölfeld vorbeigekommen mit Pumpen.

 

Ölpumpen in Texas

Ziemlich bald nachdem wir von Texas nach New Mexico gekommen sind haben Bergketten am Horizont angefangen und nach ein paar Stunden haben wir in der Ferne die Schneeberge in Colorado gesehen. Am Anfang waren die Felsen noch bräunlich-gelb aber mit der Zeit sind sie dann rot geworden. An der Grenze zu Arizona sind wir durch ein Reservat gefahren und ein wenig ausserhalb sind ein paar Tipis gestanden als Touristenattraktion. In diesem Gebiet hat auch ein Grossteil der “Indian Wars” stattgefunden (die Siedler und das amerikanische Government gegen die Ureinwohner).

 

Tipis in New Mexico 

Als wir nach Arizona gekommen sind, ist die Sonne gerade untergegangen und der fast volle Mond ist schon am Himmel gestanden und der ganze Himmel war pink und hat alles um uns herum rosa erscheinen lassen und es hat wunderschön ausgesehen.

 

der Sonnenuntergang in Arizona

Zwischendurch haben wir Filme geschaut im Auto oder einfach Musik gehört und ich habe auch viel geschlafen. Die Umgebung ist mit der Zeit immer felsiger geworden und teilweise hat es auch Schnee gehabt. Den letzten Tankstellenstop vor Las Vegas haben wir in einem kleinen Bergstädtchen in 2000 müM gemacht (wir haben ungefähr alle 3-5 Stunden an einer Tankstelle gestoppt um den Tank wieder zu füllen und aufs WC zu gehen etc.) und im Tankstellenshop dort habe ich Toblerone gefunden, die ich natürlich gekauft habe! Als wir etwa eine Stunde von Las Vegas entfernt waren, ist ein Lichtschein am Horizont aufgetaucht der fast wie der Anfang der Morgendämmerung aussah, aber es waren die Lichter von Las Vegas. Als wir die Stadt das erste mal gesehen haben, waren wir immer noch in den Bergen und wir sind um eine Kurve der Strasse gekommen und unter uns hat sich ein riesiges Lichtermeer ausgebreitet. Es war wunderschön!  

 

Las Vegas bei Nacht

Am nächsten Tag sind meine beiden älteren Gastschwestern, meine Gastmutter, “Gasttante” und “Gastgrossmutter”  am Nachmittag Kleider für eine Silvesterparty kaufen gegangen, sonst haben wir nicht viel gemacht und uns einfach von der Reise erholt.

 

Hoover Dam

Am Samstag sind wir am Morgen zum Hoover Dam gefahren, das ist ein riesiger Staudamm der den Colorado River zum grössten Stausee in den USA aufstaut.

 

 

Er ist über 200 Meter hoch und fast 400 Meter breit! Der Colorado River ist an dieser Stelle auch die Grenze zwischen Nevada und Arizona und eine Zeitzonengrenze. Jedesmal wenn wir die Seite gewechselt haben haben sich all unsere Handys und die Autouhr um eine Stunde verschoben. Der Staudamm wurde zwischen 1933 und 1935 gebaut während der “Great Depression” und ist nach Herbert Hoover benannt, dem Präsidenten zu dieser Zeit. Der Damm hat auch ziemlich grosse Auswirkungen auf die Umwelt da es vor dem Bau des Damms immer wieder Hochwässer gegeben hat die jetzt ausbleiben und die grosse Aufstauung des Flusses ändert die Temperatur sodass einige Fischarten jetzt vom Aussterben bedroht sind. Las Vegas ist mehr oder weniger eine Riesenstadt mitten in der Wüste die Unmengen von Wasser konsumiert. Deshalb ist der Wasserpegel des “Lake Meads” konstant am sinken und man hat eine weisse Linie gesehen wo der alte Wasserspiegel war und das war schon noch eindrücklich.

 

Der gesunkene Wasserspiegel

 

Zuerst sind wir über die “Mike O’Callaghan–Pat Tillman Memorial Bridge”, die eine der höchsten der Welt ist, gefahren und haben den Staudamm von oben gesehen. Dann haben wir eine falsche Abzweigung genommen und mussten noch einmal über die Brücke um auf den Damm zu gelangen, aber wir haben dann zuerst an der Brücke angehalten und sind rübergelaufen und haben Fotos gemacht.

 

Die “Mike O’Callaghan–Pat Tillman Memorial Bridge”

Anschliessend sind wir zum Damm gefahren und sind auf die andere Seite gefahren und haben dort parkiert und sind über den Damm und wieder zurück gegangen. Es hatte sehr viele Touristen und war um die 25 Grad warm. 

Auf dem Rückweg haben wir in einem der ältesten A&W Restaurants angehalten zum Mittagessen. A&W ist eine Rootbeermarke die es seit den frühen Zwanzigern gibt was für amerikanische Verhältnisse sehr alt ist. Root Beer ist ein Soft Drink  der Ähnlichkeiten mit Cola hat aber mehr einen Vanille & Hustensirup Geschmack hat. Es ist noch schwierig zum beschreiben. Ich habe die meisten Rootbeermarken nicht so gern und auch das normale A&W Rootbeer nicht aber das im Diner war frisch gebraut und das mochte ich dann. Das Essen dort war allgemein sehr lecker (und ungesund), ich habe einen “Shrimps Basket” bestellt. Etwas das ich auch noch cool finde an amerikanischen Restaurants ist, dass man sein Getränk gratis wieder auffüllen kann so oft wie man will.

Das A&W Diner

Mein “Shrimp Basket”

Las Vegas Strip

Nach dem Essen sind wir zum Strip gefahren und je näher wir gekommen sind desto dichter ist der Verkehr geworden. Kurz vor dem Strip war die Strasse zehnspurig und es hatte trotzdem Stau einfach weil es so viele Autos hatte. Sind wir in CocaCola, M&M und Hershey (das ist so die amerikanische Schokoladenmarke) “Museen”in denen es einfach ganz viele verschiedene Sorten und Merch gehabt hat.

Das Coca Cola Museum von aussen.

 

Danach sind wir noch durch ein Kasino gelaufen aber es hat mir nicht so gefallen weil einfach alle vor ihren jeweiligen Glücksmaschinen gesessen sind und es hat allgemein eine ziemlich triste Stimmung geherrscht. Das Kasino war wie der Eingang zum New York Hotel Komplex in dem wir einfach noch ein bisschen herumgelaufen sind.

Der Strip bei Sonnenuntergang

Little Paris

Als es langsam dunkel geworden ist, sind wir zum Bellagio Hotel gegangen und haben die Wassershow angeschaut. Es war sehr schön aber wenn man so ein bisschen überlegt ist es richtig krank so mitten in der Wüste. Ein bisschen später am Abend ist dann auch immer ein Lieferwagen mit Bildern von nackten Frauen drauf und der Aufschrift “We Bring The Girls To Your Room” herumgefahren und wir haben auch die ganze Zeit Obdachlose/Drogenabhängige gesehen. Las Vegas ist schon toll wenn man nicht zu genau darüber nachdenkt aber es ist alles nur Fassade und Show und es passiert so viel falsches. Aber ich finde es ist etwas, dass man mal gesehen haben muss.

Christmas Eve

Am Heiligabend haben wir Kinder die “Stockings” bekommen, das sind diese “Socken” die über dem Cheminée hängen. Darin sind eher so kleinere Geschenke und Süssigkeiten. Nach dem Nachtessen haben wir Löffeln gespielt, nur dass sie es “Spoons” nennen und man ist nicht schon nach dem ersten mal raus wie bei uns, man bekommt zuerst ein “S”, dann ein “P” und so weiter und die erste Person die “SPOONS” hat, hat verloren und das Spiel ist zu Ende. Es war lustig weil alle sehr kompetitiv geworden und und die erste Person die Löffel häufig vom Tisch gewischt hat und dann alle denn Löffeln hinterher gehechtet sind. 

Christmas Day

An den USA packt man die Geschenke normalerweise am Morgen gerade nach dem Aufstehen aus weil der Weihnachtsmann sie sozusagen “über Nacht bringt”. Also haben wir zuerst die Geschenke ausgepackt und dann Weihnachtsfilme geschaut, viel gegessen und am Abend wieder Spiele gespielt.

Utah Roadtrip

Am Tag nach Weihnachten sind wir mit einem riesigen gemieteten Wohnmobil campen gegangen. Wir sind von Las Vegas nach Hurricane (ja, das war der Name der Stadt) in Utah gefahren und sind dann in Burgerrestaurent essen gegangen und es war der beste Burger den ich je hatte! Nach dem essen sind wir noch ein bisschen im Städtchen herumgelaufen aber es war nicht so viel los. Als es langsam Abend geworden ist, sind wir auf den Campinglatz zurück und haben uns für die Nacht vorbereitet. Wir waren zu neunt im Wohnwagen und ich, meine Gestschwestern und ihr 9 jähriger Cousin haben alle in einem Doppelbett geschlafen und es war sehr eng aber auch lustig. 

Hier ein paar Bilder:

Die Canyonlandschaft durch die wir gefahren sind

 

Der Campingplatz mit Schneebergen im Hintergrund

Mit der Zeit sind die Felsen immer roter geworden

Zion National Park

Am nächsten Morgen war es sehr kalt und ich war plötzlich sehr froh um um all die Körperwärme im Bett. Wir sind schon relativ früh losgefahren in Richtung Zion National Park. Es hatten einfach eine Passstrasse die durch den Park geführt hat und es hat etwa zwei Stunden gedauert um durchzufahren weil wir auch immer wieder angehalten haben um Bilder zu machen und manchmal mussten wir auch langsamer fahren weil die Strassen vereist waren und einmal hatte es einen Unfall der Stau verursacht hat. Es war wunderschön und das hat mir eigentlich besser gefallen als Las Vegas.

Auch die Strassen waren rot

Einmal als wir einen Stop eingelegt haben, haben wir einen kleinen “Red Rock Snowman” gebaut

Auf dem Rückweg sind wir an Colorado City vorbeigefahren, das ist ein kleines Dorf in dem eine extremistische Mormonengruppe unter Warren Jeffs vor ein paar Jahren Polygamie betrieben hat aber er ist jetzt im Gefängnis. Davon habe ich auch in der Schweiz gehört und das war so der Kontext aus dem ich Mormonen gekannt habe und ich glaube das geht noch vielen Leuten in Europa so. Ich sage das jetzt vor allem weil meine Gastfamilie auch Mormonen sind und im ersten Moment habe ich mir auch so gedacht wo ich jetzt hier nur so gelandet bin aber meine Gastmutter hat mir dann erklärt dass das mit der “offiziellen” Polygamie nur für eine kurze Zeitspanne war und auch während dieser Zeit längst nicht alle damit einverstanden waren. Es war aber auch nur weil die Mormonen Anfangs verfolgt und umgebracht worden sind. Deshalb hatten sie fast keine heiratsfähigen Männer mehr und Mormonen glauben in verschiedene Stufen im Himmel (da komme ich auch nicht ganz draus) und man kann die “höchste Stufe” nur erreichen wenn man verheiratet ist. Und weil halt alle Männer umgebracht worden sind haben die Übergebliebenen mehrere Frauen geheiratet dass sozusagen alle eine Chance hatten diese Stufe zu erreichen aber das ist heutzutage normalerweise nicht mehr der Fall und das mit Warren Jeffs ist eigentlich vergleichbar mit Islam und dem IS. Meine Gastfamilie geht schon jeden Sonntag in die Kirche aber das ist eigentlich normal in Texas, unabhängig von der Glaubensrichtung.

Auf dem Rückweg hatte es noch einmal drei Umfälle und deshalb hatten wir ziemlich viel länger um zurückzukommen weil es immer mitten im nirgendwo war aber wir hatten Kartenspiele dabei und so ist die Zeit eigentlich noch schnell vorbeigegangen.

Wir sind dann etwa um 8 Uhr wieder in Las Vegas angekommen und Angel, Aleena (meine “Gasttante”) und ich sind noch shoppen gegangen. Eigentlich wollten wir nur so eine halbe Stunde gehen aber schlussendlich sind es 3 Stunden geworden aber wir haben Spass gehabt. Auf dem Rückweg sind wir am Hotel vorbeigekommen von dem das Vegas Shooting vor zwei Jahren aus war, bei dem 58 Menschen gestorben und über 800 verletzt worden sind. Auf der Strassenseite vis-a-vis hatte es eine Tankstelle die “#vegasstrong” auf dem Leuchtschild hatte und Aleena hat ein Tattoo im Zusammenhang damit. So im Alltag hat man nichts mehr davon mitbekommen aber es ist schon immer noch präsent. 

Rückreise

Am nächsten Tag sind wir am morgen losgefahren, zuerst wollten wir noch zum Grand Canyon gehen aber für das hätten wir sehr früh aufstehen müssen und es war sehr kalt und es wäre nicht soo anders vom Zion National Park gewesen, also haben wir das weggelassen und haben dafür ein paar Stunden länger geschlafen. Am ersten Tag sind wir 8 Stunden gefahren und haben dann in Gallup, New Mexico in einem Hotel übernachtet. Zum Abendessen sind wir ein ein Restaurant mit typischem Südstaatenessen gegangen, und es war sehr lecker aber auch schwer. Ich habe Fried Chicken, Fried Okra (das ist so ein schottenförmiges Gemüse das ein bisschen schleimig ist, es schmeckt besseres es sich jetzt anhört) und Fried Apples gegessen. Es war sehr kalt und hatte etwa 30cm Schnee und die Strassen waren vereist.

Mein sehr frittiertes Znacht

Am nächsten Morgen sind wir schon um 6 aufgestanden um loszufahren. Es ist noch kälter geworden, in der Wüste hatte es teilweise -20° Celcius

Die verschneite Steppe

Einen Teil sind wir auch auf der echten Route 66 gefahren. Weil die Strassen vereist waren haben wir viele Trucks gesehen, die von der Strasse abgekommen sind und einfach neben dar Strasse gestanden oder umgekippt sind, mit der Zeit habe ich aufgehört zu zählen weil es einfach zu viele waren. Insgesamt sind wir so um die 4h Stunden einfach gestanden weil es immer wieder Umfälle gegeben hat die erst mal aus dem Weg geräumt werden mussten. Einmal hatte es einen kleinen Hang neben der Strasse und Mia (die jüngste Gastschwester) und Bradley (Der Cousin der mit uns gefahren ist weil er und Aleena noch eine Woche zu uns gekommen ist), sind Schlitteln gegangen. Meistens haben wir einfach noch die Spuren im Schnee gesehen und einmal hat es blaue Autoteile über die ganze Strasse verstreut gehabt aber das Wrack war nicht mehr dort. Ein bisschen später als wir wieder einmal gestanden sind ist ein Krankenwagen auf dem Grasstreifen in der Mitte im Schnee an uns vorbeigeholpert weil fast alles riesige Lastwagen waren die nicht ausweichen konnten. Bei diesem Unfall haben wir das Autowrack noch gesehen, es ist auf dem Dach gelegen.  

Der Stau hat hauptsächlich aus Lastwagen bestanden.

Uns ist zum Glück nichts passiert und wir sind heil zu Hause angekommen.

Liebe Grüsse aus Texas,

Anna