YFU Switzerland

Rainis un Aspazija vidusskolas Dzejas dienā

Am ersten Oktober feierten wir an unserer Schule den Rainis un Aspazija vidusskolas dzejas dienu, ein Gedichtstag zu Ehren des verstorbenen lettischen Dichters Jānis Pliekšāns und seiner Frau.

In Vorbereitung auf diesen Tag mussten wir alle ein Gedicht schreiben. Der Gedichtstag begann offiziell um 12:58 Uhr. Alle Schüler vom ersten bis vierten Kurs besammelten sich in der kleinen Eingangshalle. Einige Schüler aus dem vierten Kurs (wenn ich mich nicht täusche) hatten im Keller der Schule etwas vorbereitet. Den Keller unserer Schule kann man sich wie einen Kriechkeller aus Horrorfilmen vorstellen. Die Gänge waren so schmal, dass man sich manchmal gar seitlich hindurchzwängen musste, wenn sie breiter wurden, konnte man nicht mehr aufrecht gehen. Von der Decke hingen verrostete Rohre hinunter und ich bin in mehr als ein Spinnennetz gelaufen. Am Ende des Irrweges (ich hatte die Orientierung komplett verloren) stand eine Schülerin und hielt mir einen Hut entgegen. Automatisch griff ich in den Hut, da dass jeder vor mir auch gemacht hatte. Es war eine Nummer. Erst nachdem ich das sah, schwante mir, dass ich mein Gedicht vortragen musste. Nach der ersten Schrecksekunde dachte ich mir, eigentlich ist das ja gar nicht so schlecht. Weil, mein Gedicht war auf deutsch und vielleicht drei Leute verstanden es, ich hatte mir wirklich Mühe gegeben und es war eine der Gelegenheiten, über den eigenen Schatten zu springen und zu sagen: Mir ist egal, was die anderen denken, ich mache es trotzdem.

2015-10-11 12.47.21

Auch das habe ich seit meiner Ankunft hier gelernt: Einfach ja zu sagen und mitzumachen. Und das Schöne ist: Hier ist niemand der sagt, dass du dich das traust hätte ich nicht gedacht. Es ist normal, vor der Klasse zu singen und es ist egal, wenn es schräg klingt. Niemand lacht, weil ich selbstbewusst auftrete. Ich habe viel mehr Selbstvertrauen in mich gewonnen, vor allem, wenn ich etwas mache, was ich nicht gut kann. Früher war da dieses unangenehme Gefühl, Schweissausbrüche und zittrige Hände. Jetzt bin ich kaum mehr nervös und es gibt keine peinlichen Momente mehr, nur noch lustige.

Deswegen kommt ihr jetzt in den Genuss meiner beschränkten dichterischen Künste:

Mein Traum ist wahr geworden und jetzt fürchte ich,

er endet so schnell, wie er gekommen ist

Ich habe das Gefühl, mir läuft die Zeit davon 

Und wünschte mir, ein Tag hätte tausend Stunden

Um all das zu erleben, was ich geträumt habe von

Doch es wird nicht reichen und ist ein Grund

Eines Tages zurückzukehren an den Ort

Wo mein Traum wahr wurde und vielleicht bleibe ich dort