YFU Switzerland

High School – was ist das nun schon wieder?

Es war einmal ein Mädchen, dessen grösster Traum es war einmal an eine High School zu gehen. Einige Jahre später war aus dem Mädchen ein Teenager geworden, der kurz davor stand, diesen Traum zu leben. Doch um ehrlich zu sein, an diesem Punkt wusste ich nicht zu viel darüber, wie es an einer High School tatsächlich sein würde. Nach einem Jahr hat sich das nun geändert und ich möchte mein neu gewonnenes Wissen mit euch teilen (an Diejenige, die nicht am Schulsystem interessiert sind: Überspringt einfach den nächsten Paragraf).

Das Schulsystem in den Staaten besteht aus drei Teilen: Elementary School, Middle School und High School. Einige Merkmale sind die gleichen für alle drei Schulen, zum Beispiel, dass die Kinder über den Mittag nicht nach Hause gehen. Entweder haben sie einen Lunch von zuhause dabei oder kaufen ihn in der schuleigenen Kantine. Die Schulen stellen auch Frühstück zur Verfügung und je nach familiären Einkommen können die Kosten (von einigen Dollar) vom Staat übernommen werden. Äusserst typisch für amerikanische Schulen sind ihre ausserschulischen Aktivitäten und die Maskottchen. Die Klubs variieren von komplett vergnüglichen wie zum Beispiel ein Frisbee- oder Musikclub über politische (an den höheren Schulen) wie zum Beispiel die Jungen Demokraten/Republikaner oder im allgemeinen die Schülervertretung, bis hin zu akademischen (Mathematikclub oder einen, der „akademische Challenges“ genannt wird) oder widerum andere, die auf Freiwilligenarbeit aufgebaut sind. Die Anzahl der Treffen sind so verschieden wie Clubs, manche einmal pro Monat, andere mehrmals pro Woche. Normalerweise sind diese dann nach der Schule, aber es hat auch solche, die während der Mittagspause abgehalten werden. Doch so verschieden diese auch sind, haben sie doch eine Gemeinsamkeit: Sie fördern den Zusammenhalt und die Identifizierung mit der Schule, was ebenfalls mit diversen Events (wie zum Beispiel Footballspielen) und einem Schulmaskottchen unterstützt wird. In meinem Falle ist es ein Falke, meine Geschwister haben eine Wespe (Middle School) und einen Hai (Elementary). Zum Thema Elementary School…
Die Elementary School ist sehr vergleichbar mit den Primarschulen in der Schweiz. In den Schulen meiner Stadt sind es fünf Jahre (es können ebenfalls sechs sein), in denen die Kinder hauptsächlich bei einer Lehrperson unterrichtet werden; der Unterrichtsplan ist alleine von der Schule festgelegt und die SuS (Schüler und Schülerinnen) haben keinerlei Wahlmöglichkeiten.
Dies ändert sich in der Middle School. Drei von den acht Fächern können von den SuS selber festgelegt werden (zwei wenn der- oder diejenige sich für Band entscheidet). Abgesehen von einem Fach bleibt der tägliche Stundenplan derselbe für das ganze Jahr. In dieser Schule haben sie nun auch zum ersten Mal die Möglichkeit, nach der Schule einer Sportart an der Schule nachzugehen. Diese sind allerdings noch nicht so intensiv wie wann sie dann etwas älter sind.
An der High School werden diese dann grossgeschrieben. Es scheint als ob jede/r zweite sich in einer Art und Weise sportlich betätigt. Diese sind dann nach der Schule, manche direkt, andere etwas später, je nach Platzangebot. Was für mich neu war, war die Tatsache, dass alle Sportarten jeweils eine Jahreszeit lang sind, das heisst, der Footballquarterback kann ebenfalls Basketball und Lacrosse spielen, da sich die Saisons (Herbst, Winter und Frühling) kaum überschneiden. Es gibt Vereine, die nicht mit der Schule verbunden sind und den Sport das ganze Jahr über betreiben, doch diese sind eher selten, was ein ziemlich grosser Unterschied zur Schweiz darstellt. Das Notensystem ist ebenfalls anders wie dasjenige, was ich mir von zuhause her gewohnt bin. Das Ganze ist auf einem Prozentsatz aufgebaut, was heisst, wenn man 48/50 Fragen richtig beantwortet, bekommt man eine 96. Dies wird dann umgewandelt in Buchstaben. Die ersten zehn Prozent Abzug resultieren in einem A, der höchsten Note in meiner Schule (andere haben noch ein plus oder minus angehängt, dieses zeigt ob man in der oberen oder unteren Hälfte ist (die 96 würde zum Beispiel eine A+ geben). Dieses System wird dann für alle die verschiedenen Klassen angewendet, dessen Angebot wesentlich grösser ist als das in der Schweiz. Die uns gewohnten Fächer wie Mathematik, Geschichte und Fremdfächer (an meiner Schule lediglich Spanisch und Französisch) werden genauso oft gewählt wie die exotischeren, zum Beispiel Automechanik, Töpfern, Kindererziehung, Tiermedizin oder Tanz. Die letzteren sind sogenannte „Electives“, solche, die man wählen kann, aber nicht absolviert haben muss, um die Schule abzuschliessen. Für die anderen gibt es verschiedene Schwierigkeitsstufen. Nehmen wir zum Beispiel Mathematik: An meiner Schule muss man mindestens vier Mathematik „Credits“ haben. Diese bekommt man wenn man eine Klasse mit einem genügenden Notenschnitt abschliesst (60/D oder höher). Deren Schwierigkeitsgrad spielt allerdings keine Rolle, die Schüler können selber wählen wie fordernd ihr Unterricht sein soll (man sollte ebenfalls im Hinterkopf behalten, dass die SuS vom Level Sek B bis hin zur Kanti alle zur gleichen Schule gehen). Es gibt zwar einen Durchschnittspfad, den man wählen kann, aber es wesentlich mehr als vier Wahlmöglichkeiten. Dies ermöglicht es den SuS, die Fächer ihren Stärken und Schwächen anzupassen. Ebenfalls ist es wesentlich schwieriger, jemanden aufgrund derer Intelligenz in eine Schublade zu stecken, da es diese Ebenen nicht wirklich gibt und jeder in verschiedenen Klassen ist, was mir gefiel. Viele Fächer(wie zum Beispiel Englisch 3) gibt es dann in verschiedenen Levels, an meiner Schule namentlich CP (College Preparation, Collegevorbereitung), H (Honors, „Ehre“) oder AP (Advanced Placement, spezielle Platzierung, dessen „Credits“ normalerweise auch für das College gültig sind). Und wenn das Thema College gerade zur Sprache kommt…
Nach der High School geht es für die Meisten ans College, oder Universität, es werden hier beide Begriffe für dasselbe benutzt. Die nun frisch Erwachsenen bleiben dort von zwei (für Berufe wie zum Beispiel Techniker oder Krankenhauspersonal) bis hin zu acht oder mehr Jahren (für z.B. Arzt oder Anwalt) je nach Komplexität. Es gibt auch Leute, welche nicht ans College gehen und stattdessen eine Lehre anfangen, dies ist allerdings nicht die Norm. Diese lernen dann Berufe wie zum Beispiel Hausverkäufer oder Gefängniswärter.
Diese verschiedenen Schulen hören sich sehr theoretisch an, doch mithilfe von Hollywood kann man es sich noch etwas besser verbildlichen. Beispiele von Fernsehserien, die sich in diesen abspielen, sind (nach Reihenfolge): Die Simpson, Neds Ultimativer Schulwahnsinn, Kim Possible (was tatsächlich grossen Einfluss auf meine Entscheidung hatte, nach Amerika zu gehen) und The Big Bang Theory. Doch ich bin mir sicher, ihr habt nun genug Informatives gelesen und die Anderen fragen sich wohl schon, wann dieser Paragraph endlich aufhört (ich muss zugeben, ich dachte nicht, dass er so lange werden würde), daher wechsle ich nun zu meinen persönlichen Erlebnissen an meiner High School.

Wie ihr bereits in vorherigen Einträgen mit verfolgen konntet, ging ich im Herbst zu Homecoming, einem Ball. Im Frühling gab es nun einen zweiten, der, im Kontrast zum ersten, nur für die beiden älteren Jahrgänge war und noch ein grösseres Ereignis im amerikanischen Teenagerleben darstellt. Die Rede ist von Prom. Für viele ist dieses mit monatelangem Planen verbunden und es werden keine Mühen gescheut, an diesem Abend so blendend wie nur irgendwie möglich auszusehen, auch, wenn dies mit eher grösseren Kosten verbunden ist. Ich meinerseits fand mein Kleid (übrigens im genau gleichen Farbton wie dasjenige vom Herbst) im ersten Laden und die Änderungen (Anpassung der Länge) wurden vom Grosi übernommen; sie war gerade zu BesuchJ. Für Makeup und Frisur des grossen Abends konnte ich auf die gekonnten Hände meiner Gastmutter vertrauen, was ebenfalls eine Wiederholung des letzten Herbstes darstellte. Im späteren Nachmittag traf ich mich dann mit meinen Freundinnen in der nächsten Stadt, um dort die obligatorischen Fotos zu machen. Als wir dort zu einem Ende kamen, wartete eine riesige Überraschung auf uns: Die Eltern meiner Freundin hatten eine Limousine für uns organisiert!! Sie meinten, dass sie für uns (drei von den fünf waren Austauschschülerinnen) die Promnacht so amerikanisch wie möglich gestalten und ebenfalls ihre Tochter nicht in den Verkehr dieser Nacht schicken wollten. Ich war sprachlos und konnte mein Glück kaum fassen. Wir stiegen ein und der Chauffeur brachte uns zu einem italienischen Restaurant, bevor es dann zum Tanz selber ging. Wir tanzten zu schnelleren Songs wie „Cupid Shuffle“ (einer meiner Favoriten), „Party in the USA“, und langsameren wie „Perfect“. Die Zeit verging wie im Flug und kurz vor Mitternacht gingen wir zu einer Freundin nach Hause, assen viel zu viele Snacks, spielten in der dunklen Garage Bowling (mit Leuchtstäbchen) und starteten um etwa drei Uhr den Film „Baywatch“. Den beendeten wir allerdings nach einer halben Stunde, da nur noch zwei von uns wach waren. Alles in allem einer meiner besten Nächte meines Lebens (bis jetzt). Eine weitere äusserst amerikanische Erfahrung ist meine Spielzeit im Lacrosseteam der Schule. Da ich bereits in vorherigen Einträgen davon geschrieben habe, halte ich mich kurz. Mit dem frühen Start der Saison Ende Januar (wir trainierten draussen nach der Schule, am Anfang ziemlich tiefgefroren danach) endeten wir (das JV-Team) während den Frühlingsferien im April. Mir gefiel der Sport mit der Kombination aus Teamsport und Ausdauer sehr und ich hoffe, dass ich die Gelegenheit haben werde, es wieder auszuüben. Neben den Sportarten sind – wie bereits weiter oben erwähnt – die Clubs ein wichtiger Bestandteil. Während meines Jahres hier war ich in folgenden (in manchen aktiver als in anderen): Robotik, International Club, dem Buchclub, Musikclub und Mu Alpha Theta, einem Mathematikclub. Robotik war bei weitem meine Lieblingsgruppe, verbrachte ich doch wöchentlich mehrere Stunden mit ihnen und an Wettkampftagen sogar ganze Samstage. Ich liebte die Komplexität der Sache, wenn gleichzeitig jeder Neuling (wie zum Beispiel die Austauschschülerin) bereits beim ersten Mal mit anpacken kann. Obwohl ich nicht, wie ich zuerst dachte, als Progammierin, sondern als Konstrukteurin endete, packte mich diese neue Perspektive ebenfalls. Es braucht ebenso viel praktisches Denken wie Kreativität um einen guten Roboter zu entwickeln. Meinem Team geling dies so gut, dass wir uns zusammen mit einem zweiten Team von unserer Schule für die Staatsmeisterschaften qualifizierten. Dort waren die Resultate nicht mehr besonders herausragend, doch bereits die Möglichkeit, dort teilzunehmen und die anderen Roboter zu sehen, machten die Mühen mehr als wett. Zurückblickend hatten Robotik und die dazugehörenden Wissenschaften dahinter einen grossen Eindruck auf mich. Auch hier hoffe ich sehr, irgendwie wieder zu Programmieren oder Robotern zurückfinden zu können und ich werde die Freunde und die Roboter äusserst vermissen.

An diesem Zeitpunkt könnte ich noch einmal so viel schreiben um nur ansatzweise zu beschreiben, was ich in diesem Schuljahr alles erlebte. Ich bin wirklich dankbar, dass sich diese unglaubliche Gelegenheit für mich ergeben hat und werde wehmütig daran zurückdenken, wenn ich nach den Sommerferien die (hauptsächlich) vergnüglichen Fächer wieder gegen den Kantialltag eintauschen werde. Nun geniesse ich allerdings noch die einmalig langen Sommerferien (seit Ende Mai bis Mitte August), bevor es dann bereits wieder zurück in die Schweiz geht.

Bis (sehr) bald!
Eure Anita

 

P.S. Als Abschluss habe ich euch hier ein Bild von meinem letzten Töpferprojekt (natürlich habe ich mir diese Gelegenheit nicht durch die Hände rinnen lassen wollen). Es ist ein Teekrug, der nun gebrannt, glasiert (dunkelblau und leuchtend rot) und bereit ist, bei der Familie meiner besten Freundin ein neues Zuhause zu finden.