YFU Switzerland

„are you gonna miss me?“

Das heutige Abendessengespräch drehte sich um die ersten Tage von mir in meinem südafrikanischen zu Hause. Moneeb, mein zwölfjähriger Bruder beschrieb mich als das Folgende: Du hast nur „Yes“ gesagt. Ist dein Name Andrina ? – Yes. Wirst du im pinken Zimmer schlafen? – Yes. Möchtest du das essen? – Yes. Buddy, der Älteste sagte, dass ich gut gerochen hätte und fragte mich weshalb der Erdbeeren Duft nur für die ersten Wochen gehalten hat und gestern plötzlich zurückgekommen war. Und Iessie, der Jüngste sagte mir nur: „I love you very much.“

Ich kann nicht glauben, dass dieser erste Abend schon von 304 anderen gefolgt wurde. Und jetzt sind noch 60 Tage/Sechzig Tage/59 + 1 Tage übrig. Egal wie ich es stelle, es werden nicht mehr Tage. Es fühlt sich real an. Es fühlt sich an als ob es morgen sein könnte. Es fühlt sich nahe an. Es fühlt sich zu nahe an. Ein bedrängendes, ein beängstigendes Gefühl. Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden, wenn ich daran denke bald wieder in der Schweiz zu sein. Aber dieses Hochgefühl hält nur so lange an, bis ich realisiere, was ich alles zurück lassen muss. Und dann verwandele ich mich zum emotionalsten Menschen auf Erden. Ich möchte nicht gehen, denn was vor einem Jahr wie ein Traum war, ist jetzt Realität. Was vor einem Jahr Hoffnungen waren, ist jetzt Realität. Was vor einem Jahr Wünsche waren, ist jetzt Realität. Und die Realität gefällt mir. Alles scheint möglich zu sein und wie das Gedicht, welches meine Mama Africa mir an die Türe gehängt hat, sagt: „We ask ourselves: Who am I to be brillant, gorgeous, talented, fabulous. Actually, who are you not to be?“

Mein ältester Gastbruder hat die Phase erreicht, in welcher er mich mindestend drei Mal täglich fragt: „Are you gonna miss me ?“, wenn ich dann bejahe geht es weiter mit: „Are you gonna miss me the most ?“. Die Antworten variieren dann von ja über vielleicht bis zu nein. Aber er kann sich gar nicht vorstellen wie sehr ich ihn vermissen werde.

 

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