YFU Switzerland

have you ever ? – cultural exchange

Starten wir einfach: Warst du jemals in einem Township ? Bist du schon einmal in einem African Taxi gefahren ? Hast du jemals Siswati gesprochen, jemals etwas von dieser Sprache gehört, überhaupt gewusst, dass sie existiert ? Hast du schon einmal einen Wascheimer als Toilette benutzt und dir im selben Eimer auch die Haare gewaschen ? Hast du dir jemals ausgerechnet, wieviel Toilettenpapier du pro Tag verbrauchen kannst, damit du mit einer Rolle für zwei Wochen auskommst ? Hast du jemals die Toilettenspülung vermisst , eine Dusche ? Warst du jemals bereit um Chickenfeet zu essen, hast dich dann aber umentschieden, weil noch lebende Hühnerfüsse vor deiner Nase am herumlatschen waren ? Warst du jemals in einer Klasse mit anderen 60 Kindern ? Hast du jemals gesehen wie ein Schüler einer Lehrerin wortwörtlich an die Gurgel geht ? Wie der Lehrer die Schüler mit seinem Gürtel schlägt ? Bist du jemals auf einen Baum geklettert, um Mangos zu pflücken ? Hast du jemals einer dieser Früchte mit deinen Zähnen geschält ? Hast du jemals einem Kind in die Augen geschaut und realisiert, dass seine Träume nie in Erfüllung gehen werden, dass die meisten wahrscheinlich nicht weiter im Leben kommen, als sie es schon sind ? Hast du dich jemals anders gefühlt auf Grund deiner Hautfarbe ? Anders angeschaut, anders behandelt ?

Für zwei Wochen in einem Township leben, hört sich einfacher an, als es ist. Der erste Gedanke nach einer elendslangen Fahrt ins Ungewisse, nach dem ersten Treffen meiner Gastfamilie, dem ersten Pap, dem ersten Wascheimer-waschen, war: „Ich will nach Hause!“ Ich sollte meine zwei Wochen mit einer grossen Familie verbringen. Mkhulu (Grossvater), Gogo (Grossmutter), drei von den neun Töchtern, einer Schwägerin und a whole lot of children. Aber ohne diese lieben, lieben und noch einmal lieben Menschen hätte ich schon wieder am ersten Abend meine sieben Sachen gepackt und wäre nach Hause gereist. Bin ich zum Glück aber nicht.

Ein Bett habe ich mir mit meiner Gastschwester Mbali geteilt. Oder besser gesagt Mbali hat sich ein Bett mit mir geteilt, denn ich konnte mich nicht einmal drehen ohne aus dem Bett zu fallen. Jeden Morgen um 5 Uhr (!) hat der Hahn begonnen zu krähen, und die Andrina war hellwach und unter der Woche war es auch die Zeit zum Aufstehen. Wir lebten ziemlich weit von der Schule entfernt. Zum Glück brachte uns am Morgen ein Bukkie vollgedrückt mit 20 anderen Kindern in die Schule und am Nachmittag mussten wir den zwei stündigen Rückmarsch auf uns nehmen. (Ich musste mir neue Schulschuhe kaufen. Mach dir selbst ein Bild von dem Gehen.)

Für die Kirche habe ich nur ein Wort. Atemberaubend. Der Weg wie die Leute tanzen, singen, beten – die Augen geschlossen, entweder murmelnd oder in einer Lautstärke, dass es alle hören können. Es berührt. – und vorallem glauben. Glauben, dass es recht ist, wie sie leben. Was es nicht ist. Meine Gastfamilie hat Herzen, wie sie sonst nur selten vorkommen. Herzen gefüllt mit Freude, mit Grosszügigkeit, mit Liebe. Sie haben mir gezeigt, wie viel das Leben, welches wir – welches ich als Nichts bezeichnen würde, eigentlich wert hat. Ngiyabonga !

 

 
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