YFU Switzerland

life is great !

165 Tage ? – 165 Tage ! Unfassbar, die Hälfte meines Jahres ist schon vorüber und ich fühle mich als wäre ich erst seit gestern hier. Wenn ich erst gestern angekommen bin, fliege ich dann schon morgen wieder zurück in die Schweiz ?

Die Hälfte ist vorbei und ich habe das Gefühl, dass mein Leben auch kurz vor dem Aus steht. Ich fühle mich, als wäre ich 90 Jahre alt. Ich sehe mich in einem dieser Schaukelstühle mit einer Tasse Tee in der einen und ein paar alten Erinnerungsfotos in der anderen Hand. Rund um mich herum haben sich all meine Urgrosskinder versammelt und alle haben grosse Augen und grosse Ohren, weil sie nicht glauben können, dass auch ich einmal jung war und gelebt habe: Gelebt in Südafrika. Und ehrlich gesagt, kann ich es selbst nicht glauben. Ich kann nicht glauben, dass ich es wirklich gewagt habe ein Austauschjahr zu machen. Und ich habe erst etwa vor einem Monat bemerkt, dass ich mir damit meinen ersten Traum erfüllt habe und damit nicht genug: Ich war zum ersten Mal so weit und für so lange weg von zu Hause, zum ersten Mal getrennt von allem was ich kenne, ich habe zum ersten Mal mit wildfremden Menschen unter einem Dach gelebt, das erste Mal gelernt, was es heisst Menschen zu schätzen, was es heisst zu vertrauen, ich habe mich zum ersten Mal wunschlos glücklich gefühlt, ich habe zum ersten Mal realisiert, was das Leben wirklich zu bieten hat und was ich erreichen möchte: Ich möchte zufrieden sein. Das „Aus-ganzem-Herzen-zufrieden“. Ich habe zum ersten Mal eine „Fake-Christmas“ gefeiert, ich habe zum ersten Mal Silvester am Meer verbracht und war zum ersten Mal am ersten Januar bei dreissig Grad im Pool schwimmen, mich überkam zum ersten Mal das Gefühl von Daheim – meilenweit weg von meinem anderen zu Hause, ich bekam zum ersten Mal – auf einen Schlag – drei verrückte, aber liebenswerte Brüder, ich hörte zum ersten Mal den Satz: „Wo ist meine Schwester ?“ aus dem Mund von meinem Bruder, ich trug zum ersten Mal ein Kopftuch und sprach zum ersten mal arabisch, ich verstand zum ersten Mal, was es heisst zu glauben und ich lernte, was es heisst geliebt zu werden und wie sagt man so schön: all you need is love: Liebe von einer wundervollen Familie, Liebe von Daheim, Liebe von Fremden die zu Freunden wurden, Liebe von überall wohin du auch gehst und dass macht jeden neuen Tag noch besser als der vorherige. Und es bedeutet sich zu verlieben. Verliebt zu sein in Menschen, verliebt in Orte, verliebt in Momente. Ich fühle mich, als wäre ich Dauerträger von der rosaroten Sonnenbrille. Und ich realisiere jeden Tag aufs Neue, dass ich definitiv zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin: Der Tag beginnt mit einem „Waki, waki Drieni“ und endet mit einem „Gooooodnight Andrina, lekker slaap“. Und ehrlich gesagt möchte ich gar nicht mehr schlafen gehen, ich möchte wach bleiben und geniessen. Geniessen, was viel zu schnell vorbei geht: Die Zeit hier in Südafrika.

Und dann realisiere ich, dass ich nicht 90 bin, sondern 16 und dass noch mein ganzes Leben vor mir liegt. And life is great

 

 

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