YFU Switzerland

„are you gonna miss me?“

Das heutige Abendessengespräch drehte sich um die ersten Tage von mir in meinem südafrikanischen zu Hause. Moneeb, mein zwölfjähriger Bruder beschrieb mich als das Folgende: Du hast nur „Yes“ gesagt. Ist dein Name Andrina ? – Yes. Wirst du im pinken Zimmer schlafen? – Yes. Möchtest du das essen? – Yes. Buddy, der Älteste sagte, dass ich gut gerochen hätte und fragte mich weshalb der Erdbeeren Duft nur für die ersten Wochen gehalten hat und gestern plötzlich zurückgekommen war. Und Iessie, der Jüngste sagte mir nur: „I love you very much.“

Ich kann nicht glauben, dass dieser erste Abend schon von 304 anderen gefolgt wurde. Und jetzt sind noch 60 Tage/Sechzig Tage/59 + 1 Tage übrig. Egal wie ich es stelle, es werden nicht mehr Tage. Es fühlt sich real an. Es fühlt sich an als ob es morgen sein könnte. Es fühlt sich nahe an. Es fühlt sich zu nahe an. Ein bedrängendes, ein beängstigendes Gefühl. Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden, wenn ich daran denke bald wieder in der Schweiz zu sein. Aber dieses Hochgefühl hält nur so lange an, bis ich realisiere, was ich alles zurück lassen muss. Und dann verwandele ich mich zum emotionalsten Menschen auf Erden. Ich möchte nicht gehen, denn was vor einem Jahr wie ein Traum war, ist jetzt Realität. Was vor einem Jahr Hoffnungen waren, ist jetzt Realität. Was vor einem Jahr Wünsche waren, ist jetzt Realität. Und die Realität gefällt mir. Alles scheint möglich zu sein und wie das Gedicht, welches meine Mama Africa mir an die Türe gehängt hat, sagt: „We ask ourselves: Who am I to be brillant, gorgeous, talented, fabulous. Actually, who are you not to be?“

Mein ältester Gastbruder hat die Phase erreicht, in welcher er mich mindestend drei Mal täglich fragt: „Are you gonna miss me ?“, wenn ich dann bejahe geht es weiter mit: „Are you gonna miss me the most ?“. Die Antworten variieren dann von ja über vielleicht bis zu nein. Aber er kann sich gar nicht vorstellen wie sehr ich ihn vermissen werde.

 

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have you ever ? – cultural exchange

Starten wir einfach: Warst du jemals in einem Township ? Bist du schon einmal in einem African Taxi gefahren ? Hast du jemals Siswati gesprochen, jemals etwas von dieser Sprache gehört, überhaupt gewusst, dass sie existiert ? Hast du schon einmal einen Wascheimer als Toilette benutzt und dir im selben Eimer auch die Haare gewaschen ? Hast du dir jemals ausgerechnet, wieviel Toilettenpapier du pro Tag verbrauchen kannst, damit du mit einer Rolle für zwei Wochen auskommst ? Hast du jemals die Toilettenspülung vermisst , eine Dusche ? Warst du jemals bereit um Chickenfeet zu essen, hast dich dann aber umentschieden, weil noch lebende Hühnerfüsse vor deiner Nase am herumlatschen waren ? Warst du jemals in einer Klasse mit anderen 60 Kindern ? Hast du jemals gesehen wie ein Schüler einer Lehrerin wortwörtlich an die Gurgel geht ? Wie der Lehrer die Schüler mit seinem Gürtel schlägt ? Bist du jemals auf einen Baum geklettert, um Mangos zu pflücken ? Hast du jemals einer dieser Früchte mit deinen Zähnen geschält ? Hast du jemals einem Kind in die Augen geschaut und realisiert, dass seine Träume nie in Erfüllung gehen werden, dass die meisten wahrscheinlich nicht weiter im Leben kommen, als sie es schon sind ? Hast du dich jemals anders gefühlt auf Grund deiner Hautfarbe ? Anders angeschaut, anders behandelt ?

Für zwei Wochen in einem Township leben, hört sich einfacher an, als es ist. Der erste Gedanke nach einer elendslangen Fahrt ins Ungewisse, nach dem ersten Treffen meiner Gastfamilie, dem ersten Pap, dem ersten Wascheimer-waschen, war: „Ich will nach Hause!“ Ich sollte meine zwei Wochen mit einer grossen Familie verbringen. Mkhulu (Grossvater), Gogo (Grossmutter), drei von den neun Töchtern, einer Schwägerin und a whole lot of children. Aber ohne diese lieben, lieben und noch einmal lieben Menschen hätte ich schon wieder am ersten Abend meine sieben Sachen gepackt und wäre nach Hause gereist. Bin ich zum Glück aber nicht.

Ein Bett habe ich mir mit meiner Gastschwester Mbali geteilt. Oder besser gesagt Mbali hat sich ein Bett mit mir geteilt, denn ich konnte mich nicht einmal drehen ohne aus dem Bett zu fallen. Jeden Morgen um 5 Uhr (!) hat der Hahn begonnen zu krähen, und die Andrina war hellwach und unter der Woche war es auch die Zeit zum Aufstehen. Wir lebten ziemlich weit von der Schule entfernt. Zum Glück brachte uns am Morgen ein Bukkie vollgedrückt mit 20 anderen Kindern in die Schule und am Nachmittag mussten wir den zwei stündigen Rückmarsch auf uns nehmen. (Ich musste mir neue Schulschuhe kaufen. Mach dir selbst ein Bild von dem Gehen.)

Für die Kirche habe ich nur ein Wort. Atemberaubend. Der Weg wie die Leute tanzen, singen, beten – die Augen geschlossen, entweder murmelnd oder in einer Lautstärke, dass es alle hören können. Es berührt. – und vorallem glauben. Glauben, dass es recht ist, wie sie leben. Was es nicht ist. Meine Gastfamilie hat Herzen, wie sie sonst nur selten vorkommen. Herzen gefüllt mit Freude, mit Grosszügigkeit, mit Liebe. Sie haben mir gezeigt, wie viel das Leben, welches wir – welches ich als Nichts bezeichnen würde, eigentlich wert hat. Ngiyabonga !

 

 
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crazy love

Crazy, lovely, wonderful, and I would suppose crazy again. This is how I would describe my hostfamily. I cannot even remember which fact was more shocking or more unfamiliar for me regarding my exchange year: the one that I was going to have three brothers for one year or that my hostfamily is muslim.

At home in Switzerland we do not really like the muslim people. I have never understood why, but we just don’t like them. Maybe it is not even the religion but just the fact that they are foreigners and we have a saying for this in Switzerland: what the farmer doesn’t know, he does not eat. We are not open-minded at all, or at least a lot of people are not. They associate the Islam with terrorism, the scarf of a muslim woman scares them because they don’t know what is hidden underneath it and they don’t even want to try to understand what it is all about to be muslim. But they are just people like you and me, they are normal and when my hostmother doesn’t wear a scarf, she looks weird because something is just missing.

At home in Switzerland I only have one sister and now I am the only sister. I have to say I always wanted to have brothers and now I have to say I really don’t understand why. I don’t know how I thought I am going to survive a year with loud, wild and crazy monsters. After half an hour I have enough of them, I have to say a lot of times: „Boys, stop it, I am just a girl“, but they still don’t stop. But somehow life would not be the same without them: I am never going to get such sweet Valentinecards like I got this year, who is going to jump in the middle of the night in the pool with me ? What boys can be my next three „little“ gentlemen ? I am already getting tears in my eyes when I just have to think about going „home“ and leaving them back here.

Crazy how life can change so quickly, crazy how life can change within six months, crazy how people who were strangers to you just one year ago are now a part of your most important-people-group. Crazy how I have found a home miles away from my other home, crazy how I learnt so much, changed, cried, laughed and realised so much in such a short time. Crazy.

 

life is great !

165 Tage ? – 165 Tage ! Unfassbar, die Hälfte meines Jahres ist schon vorüber und ich fühle mich als wäre ich erst seit gestern hier. Wenn ich erst gestern angekommen bin, fliege ich dann schon morgen wieder zurück in die Schweiz ?

Die Hälfte ist vorbei und ich habe das Gefühl, dass mein Leben auch kurz vor dem Aus steht. Ich fühle mich, als wäre ich 90 Jahre alt. Ich sehe mich in einem dieser Schaukelstühle mit einer Tasse Tee in der einen und ein paar alten Erinnerungsfotos in der anderen Hand. Rund um mich herum haben sich all meine Urgrosskinder versammelt und alle haben grosse Augen und grosse Ohren, weil sie nicht glauben können, dass auch ich einmal jung war und gelebt habe: Gelebt in Südafrika. Und ehrlich gesagt, kann ich es selbst nicht glauben. Ich kann nicht glauben, dass ich es wirklich gewagt habe ein Austauschjahr zu machen. Und ich habe erst etwa vor einem Monat bemerkt, dass ich mir damit meinen ersten Traum erfüllt habe und damit nicht genug: Ich war zum ersten Mal so weit und für so lange weg von zu Hause, zum ersten Mal getrennt von allem was ich kenne, ich habe zum ersten Mal mit wildfremden Menschen unter einem Dach gelebt, das erste Mal gelernt, was es heisst Menschen zu schätzen, was es heisst zu vertrauen, ich habe mich zum ersten Mal wunschlos glücklich gefühlt, ich habe zum ersten Mal realisiert, was das Leben wirklich zu bieten hat und was ich erreichen möchte: Ich möchte zufrieden sein. Das „Aus-ganzem-Herzen-zufrieden“. Ich habe zum ersten Mal eine „Fake-Christmas“ gefeiert, ich habe zum ersten Mal Silvester am Meer verbracht und war zum ersten Mal am ersten Januar bei dreissig Grad im Pool schwimmen, mich überkam zum ersten Mal das Gefühl von Daheim – meilenweit weg von meinem anderen zu Hause, ich bekam zum ersten Mal – auf einen Schlag – drei verrückte, aber liebenswerte Brüder, ich hörte zum ersten Mal den Satz: „Wo ist meine Schwester ?“ aus dem Mund von meinem Bruder, ich trug zum ersten Mal ein Kopftuch und sprach zum ersten mal arabisch, ich verstand zum ersten Mal, was es heisst zu glauben und ich lernte, was es heisst geliebt zu werden und wie sagt man so schön: all you need is love: Liebe von einer wundervollen Familie, Liebe von Daheim, Liebe von Fremden die zu Freunden wurden, Liebe von überall wohin du auch gehst und dass macht jeden neuen Tag noch besser als der vorherige. Und es bedeutet sich zu verlieben. Verliebt zu sein in Menschen, verliebt in Orte, verliebt in Momente. Ich fühle mich, als wäre ich Dauerträger von der rosaroten Sonnenbrille. Und ich realisiere jeden Tag aufs Neue, dass ich definitiv zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin: Der Tag beginnt mit einem „Waki, waki Drieni“ und endet mit einem „Gooooodnight Andrina, lekker slaap“. Und ehrlich gesagt möchte ich gar nicht mehr schlafen gehen, ich möchte wach bleiben und geniessen. Geniessen, was viel zu schnell vorbei geht: Die Zeit hier in Südafrika.

Und dann realisiere ich, dass ich nicht 90 bin, sondern 16 und dass noch mein ganzes Leben vor mir liegt. And life is great

 

 

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tata madiba – a nation mourns an icon

Eine Nation trauert um eine Ikone, um Nelson Mandela. Meine Familie und ich trauerten mit. In der Nacht von Freitag auf Samstag sind wir sieben Stunden von Port Elizabeth bis nach Qunu gefahren, der Ort an dem Madiba aufgewachsen ist und der Ort an dem er am Sonntag schliesslich zur Ruhe gesetzt werden sollte. Nicht direkt nach Qunu, aber so nah wie möglich dran. Und dann haben wir gewartet. Gewartet am Strassenrand. Gewartet mit hunderten von anderen Menschen, die Madiba feierten. Und etwas muss man den Schwarzen lassen: Singen und Tanzen können sie. Asimbonanga, Asimbonang‘ uMandela thina, Laph’ekhona, Laph’ehleli khona. Eines der vielen Lieder für Tata. Gewartet bis all die anderen Wagen mit den Ehrengästen, das Militär und die Polizei vorbeigefahren sind. Gewartet auf das eine Auto, das den Sarg mit Nelson Mandela im Kofferraum mittrug.

Die Journalisten und ich waren so ziemlich die einzigen weissen Menschen, was ich mir anders vorgestellt hätte, denn Mandela hat nicht nur für die Dunkelhäutigen gekämpft, sondern für alle. Er hat uns doch alle zusammengebracht und deswegen hätten so viele mehr Leute kommen sollen. Er hat für uns 27 Jahre im Gefängnis verbracht, warum können sich die meisten für ihn nicht einmal ein Wochenende opfern ?

Die Nacht haben wir im Auto verbracht. Vielleicht habe ich zwei Stunden geschlafen, vielleicht auch weniger, aber es war es wert. Am Sonntag war dann DER Tag. Um drei Uhr in der Nacht haben wir begonnen uns rauszuputzen, haben Tee und Kaffee getrunken, haben Schokolade und Biscuits gegessen und haben einen der schönsten Sonnenaufgänge gesehen. “ Even if we slept in a car, it’s funeral today and we really look baie mooi „, hat meine Mama Africa gesagt. Etwa um sieben Uhr haben wir uns dann auf den Weg nach Mthatha gemacht, wo wir auf einem Rugby Feld die Beerdigung auf einem grossen Bildschirm geschaut haben. Es war wirklich bewegend, ich habe mir die Augen aus dem Kopf geheult und es ist ein Erlebnis, dass ich nie vergessen werde. Und wenn ich etwas gelernt habe, dann ist es, dass man geduldig sein muss: Nicht für 5 Minuten, aber für ein ganzes Leben. Ich meine, welche Frau wartet für 27 Jahre auf ihren Mann im Gefängnis ? Sie muss ihn wirklich lieben.

Und wie Tata Madiba selbst gesagt hat: „What counts in life is not the mere fact that we have lived. It is what difference we have made to the lives of others that will determine the significance of the life we lead.“ Und er hat einen Unterschied gemacht.

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Roar Young Lions, Roar

Vor genau 16 Tagen und ein paar Stunden hat es an meinem Zimmer an die Türe geklopft und meine ganze Gastfamilie ist mit einem Kuchen davor gestanden und hat für mich Happy Birthday gesungen. Aber ich konnte meinen Sweet Sixteen nicht lange zu Hause geniessen, denn auch vor genau 16 Tagen haben wir uns, das heisst alle Austauschschüler von Port Elizabeth, bei unserer Kontaktperson getroffen, um die Cape Town Tour zu starten. Wir waren acht Austauschschüler: Eine Französin, vier Deutsche, ein Mexikaner, ein Argentinier und ich aus der Schweiz. Am ersten der fünfzehn Tage, in denen wir der ganzen Küste von Port Elizabeth bis nach Kapstadt und wieder zurück fahren sollten, ging es mit einem Halt in St.Francis nach Jeffrey’s Bay los, der Himmel für alle Surfer.

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Am Sonntag gingen wir zuerst über Felsen, Schluchten und der von den Wurzeln der Bäume ganz braune Fluss „ziplinen“. Danach sind wir zum Big Tree gefahren, welcher seinen Namen auch verdient hat. Unsere Unterkunft war im Tsitsikamma Nationalpark, welcher so einiges zu bieten hat, wie wir am nächsten Morgen erfahren sollten: Wir mussten für eine gute halbe Stunde durch einen Wald bergauf und -ab gehen, bis wir dann bei zwei Hängebrücken rauskamen. Es war wie im Paradis ! Am Nachmittag durften wir mit auf die höchste Bungee Jumping Brücke der Welt, wo wir alles bis zum Absprung hautnah miterleben durften. Wie hat es so schön geheissen: Fear is temporaly, regret is forever.

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Am vierten Tag erreichten wir Knysna. Auf dem Weg dorthin machten wir Halt in Monkeyland und Birds of Eden, da ich aber Angst vor Affen habe und keine Interesse an Vögeln habe, habe ich keine Tour gemacht. In Knysna selbst haben wir eine Bootstour und eine Traktortour gemacht, wobei wir wie immer zum Genuss der wunderschönen Landschaft gekommen sind. Am Abend sind wir an die Waterfront von Knysna, wo ich mich richtig zu Hause gefühlt habe, mit dem Schweizerfähnchen.

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Mittwoch, Donnerstag und Freitag haben wir in Oudthoorn und Umgebung verbracht. Wir waren in den Cango Caves und sind dort herumgekrochen, unterzogen uns einen Leadershipkurs, wobei wir Kamele ritten, für 45 Minuten wie die Khoisans lebten und zu zweit einen Hindernisparcour bewältigen mussten und dabei durch Schlamm kriechen mussten ! Wir waren in einem Kletterpark, badeten bei einem Wasserfall, waren auf einer Ostrichefarm und in einem Tierpark, in welchem ich sogar mein zukünftiges Haustierlein gefunden habe: einen Gepard.

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Nach einer Woche hiess es dann endgültig, Cape Town here we come. Wir lebten in einem Geisterhaus, denn es war ein Internat, riesengross und richtig unheimlich. Kapstadt hat es mir richtig angetan, weil es wunderschön ist ! Die V&A Waterfront mit einem Riesenrad, vielen Shops und vielen anderen vergnügenden Dingen ist nur der Anfang. Einen Sonnenuntergang auf dem Signal Hill mit Ausblick auf Robben Island und das Meer, sowie auch auf den Table Mountain, bestaunten wir an einem Abend. Leider spielte das Wetter nicht mit fairen Karten, das ist weshalb wir nicht auf den Tafelberg raufkonnten. Wir waren am Cape Point und am Kap der guten Hoffnung im Table Mountain Nationalpark, in welchem wir auch Pinguine bewundert haben, ausserdem gingen wir in der grössten Mall von Afrika shoppen, waren in Ratanga Junction, etwas ähnliches wie der Europapark, einfach mitten in Kapstadt und viel kleiner, wir fuhren Schlittschuh, wir gingen Gokart fahren und haben Paintball gespielt, ich habe über meinen ganzen Körper Erinnerungen daran, in Form von blauen und grünen Flecken. Natürlich konnten wir uns auch Robben Island nicht entgehen lassen und es war ein seltsames und schockierendes Gefühl, als wir am Donnerstag in der Nacht realisierten, dass Nelson Mandela gestorben ist. Rest in Peace Madiba !

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Am Freitag waren wir am südlichsten Punkt von Afrika, wo auch der Atlantik und der indische Ozeanaufeinander treffen. Und dann war die ganze Tour leider auch schon wieder vorbei. Mit einem letzten Stop in Plettenbergy Bay im Waterland, ein Schwimmbad mit vielen verschiedenen Rutschbahnen, kamen wir alle herzgebrochen wieder in Port Elizabeth an, denn für uns alle waren es zwei der besten Wochen in Südafrika. Der Abschied ist uns allen schwer gefallen, aber es war kein „Auf-nimmer-wieder-sehn'“, sondern nur ein „See you soon“.

 

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they say home is where your heart is

Hundert (!) Tage Südafrika. Vor hundert Tagen habe ich zum ersten Mal Fuss auf mein zu-Hause-für-ein-Jahr gesetzt. Hundert Tage die sich anfühlen wie drei Wochen, aber irgendwie auch wie eine Ewigkeit. Hundert Tage mit vielen Hochs und vereinzelten Tiefs. Hundert Tage, in denen ich lernte, was es heisst geliebt zu werden, meine Familie und Freunde zu schätzen gelernt habe, wie hart es sein kann, wenn man nicht verstanden wird, nicht wegen der fremden Sprache, aber weil einfach alles anders ist und hundert Tage bis zum Rand gefüllt mit Südafrika.

Ein Austauschjahr ist wie eine Fahrt mit der Achterbahn. Zuerst will man unbedingt damit fahren und ist sehr fasziniert von der Vorstellung, dann geht es schnell. Man muss einsteigen und dann kommen die ersten mulmigen Gefühle. Dann gibt es Hochs und Tiefs. Aber es wechselt dann sehr schnell. Am Ende ist man ein bisschen traurig, dass es schon vorbei ist, ein bisschen stolz, dass man es überlebt hat, erfreut wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und eigentlich würde man am liebsten sitzen bleiben und noch mal fahren.

In diesen hundert Tagen ist auch einiges geschehen: Ich war für einen Tag islamisch und habe mein erstes Zuckerfest gefeiert, ich habe zum ersten Mal „gebraait“, ich habe meinen ersten korrekten Satz in Afrikaans über die Lippen gebracht, ich war das erste Mal Nachtschwimmen und ich habe meinen letzten Schultag in der Grade 10 hinter mich gebracht. Aber zurück zum Anfang. Da meine Gastfamilie islamisch ist, darf ich auch hin und wieder zum Genuss dieser Religion kommen, denn sie feierten Eid, was wie ein zweites Weihnachtsfest ist. Was ich auch zu spüren bekommen habe: Essen wohin das Auge reichte. Die kos was baie lekker ! Apropos Afrikaans, ich habe meinen ersten richtigen Satz gesagt, was dann soviel wie ich bin müde, geheissen hat und zum Schmunzeln geführt hat, wie immer wenn ich etwas sage, was man nicht erwartet, oder wenn ich etwas falsch verstehe oder gar nicht verstehe.

Man sagt zu Hause ist dort, wo das Herz ist. Es ist seltsam zwei Daheims zu haben – meilenweit voneinander entfernt.

Liefdegroete uit Suid-Afrika

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Südafrikanische Zeit – ein Kapitel für sich. Freitag vor einer Woche hiess es: Andrina pack deine Sachen, in fünf Minuten fahren wir los. Ich dachte die ganze Fahrt lang, dass wir den Campingausflug von vorletzter Woche nachholen. Dem war aber nicht so, denn nach acht Stunden Auto fahren, kamen wir in der Stadt der Städte an: Kapstadt ! Auto fahren ist auch ein Kapitel für sich. Wir sind die ganze Fahrt zu viert auf den Rücksitzen gesessen, die eigentlich nur für drei Personen gedacht sind. Normalerweise vernachlässigt man das Anschnallen, aber ich finde es ist noch zu früh zum Sterben. Ich habe an diesem Wochenende zwar nicht wirklich viel von Cape-Town gesehen, aber das was ich gesehen habe, war atemberaubend.

Am Dienstag mussten wir leider, leider wieder zur Schule. “Richtig“ Schule haben wir nur noch im Oktober, danach schreiben wir wieder Examen und dann haben wir Sommerferien. Die Zeit fliegt vorbei. Ich muss mich noch an den Fakt Sommer im Dezember gewöhnen, aber es ist mal etwas anderes als weisse Weihnachten und endlich kann ich an meinem Geburtstag eine Poolparty feiern, weil es warm genug ist.

Am Samstag war das Rugby Spiel aller Rugby Spiele. Die All Blacks aus Neuseeland spielten gegen die Springboks, die Nationalmannschaft von Südafrika. Meine Familie sind Rugby-Fanatiker und deshalb war das Spiel ein Muss, auch für mich. Es war sehr eindrücklich, wie gross die Unterstützung ist, auch wenn die Springboks verlieren. Bei der Nationalhymne wird lauthals mitgesungen und durch den ganzen Match hindurch wird mitgefiebert und herumgeschrien.

En ek praat n’bietjie afrikaans. Wer hätte das gedacht? Manchmal hört es sich für mich wie Chinesisch an und an anderen Tagen geht es ganz gut. Da die Familie zu Hause meistens nur Afrikaans spricht, gewöhne ich mich langsam daran. Meistens kann ich der Geschichte folgen bis es zur Pointe kommt und die verpasse ich dann, aber die goldene Regel als Austauschschüler ist: Einfach lächeln.

 

 

 

No Food – No Friendship

Alle vier Jahreszeiten an einem Tag, das beschreibt das Wetter hier in Port Elizabeth am Besten. Kälte, Regen, Hitze. Man kann sich nie sicher sein, was als nächstes kommt. Ich glaube daran werde ich mich nie gewöhnen. Der Rest ist eigentlich schon Alltag für mich geworden: sich die Zähne unter der Dusche putzen, immer und überall auf ein Auto angewiesen zu sein und an die zu süssen Getränke und das zu scharfe Essen. Die Schule scheint mir auch nicht mehr so gross wie zu Beginn und langsam weiss ich auch wie alles abläuft. Am Mittwoch durfte ich mit der Grade 11 Tourismusklasse mit ins Kwantu Game Reserve. Ich bin eigentlich nicht der grösste Freund von Tieren, aber Elefanten haben es mir angetan, deshalb war ich voller Freude, als wir zuerst Elefanten füttern und streicheln durften. Dabei musste man aber beachten: No Food – No Friendship. Danach gingen wir auf einen Game Drive, mein erster und wahrscheinlich nicht letzer, weil Nationalparks hat es hier in Südafrika mehr als genug. Die Fahrt war ein richtiger Glückstreffer, weil man hat mir erzählt, dass man manchmal zwei Stunden fährt und keinem einzigen Tier begegnet, was bei uns nicht der Fall war. Gesehen haben wir: Sträusse, Giraffen, Zebras, Nashörner und das Highlight des ganzen Tages: Einen Löwen, was immer ein bisschen Glück braucht, um einen anzutreffen. Es war ein gelungener Ausflug.

Gestern haben wir Schule gegen 10 Tage Ferien ausgetauscht. Die ganze Woche war eigentlich schon keine wirkliche Schule mehr, das Einzige was ich gelernt habe, ist, dass man nicht wirklich intelligent sein muss, um zu bestehen, denn man braucht nur 40%, was weniger als eine Note 3 ist. Aber trotzdem kommen viele nicht durch das Jahr, was mir ein ungeklärtes Rätsel ist, wie man das erreichen kann. Der Freitag bestand aus einem Awards Assembly, einer Pause, einem House Award Assembly und dem Bekommen der Zeugnisse. Assemblies finden entweder auf dem Pausenplatz oder in einer Halle statt. Weil es regnete, versammelte sich die ganze Schule in der Halle. Man muss sich immer schön nach Klasse einreihen, warten bis jemand sagt, man darf sich setzen und dann braucht es Geduld und ein stilles Mundwerk. Zu Beginn wird immer gebetet, danach werden wichtige Informationen durch gegeben und gestern war es ein spezielles Assembly. Wie der Name schon sagt, werden Auszeichnungen vergeben. Die ganze Prozedur dauerte sehr lange und meine Beine waren nachdem auch nicht mehr zu gebrauchen, aber sie hatten noch ein zweites Assembly vor sich. Die Schule hat vier verschiedene „Häuser“, um den Schulgeist zu stärken und den Ehrgeiz zu vergrössern. Diese Häuser haben dann irgendwelche Herausforderungen zu bestreiten und das beste Haus gewinnt. Anscheinend hat die Schule für alles Trophäen, denn bei dem House Award Assembly wurden auch noch einmal ein paar Auszeichnungen verliehen. Nachdem hatte ich das Gefühl, dass die Ferien noch nötiger sind, als sie es schon sind.

Eigentlich wollten wir dieses Wochenende zelten gehen, aber das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, deshalb gehen wir jetzt wahrscheinlich nächste Woche. Die Südafrikaner sind nicht so wetterfest, wie andere Menschen: Schon nur, wenn es ein bisschen windet oder regnet geht man nicht aus dem Haus, weil es zu kalt ist. Gestern Abend gingen wir, wegen dem abgesagten Campingausflug, ins Kino in der grössten Mall von Port Elizabeth: Greenacres. Es ist wie der St.Jakob’s Park in Basel nur etwa 10 mal grösser und es hat immer zu viele Leute. Ich habe noch nie in meinem Leben so einen beängstigenden Horrorfilm gesehen, aber ich konnte noch knapp damit umgehen, dann kamen wir am späten Abend nach Hause, ich machte das Licht an und eine Glühbirne explodierte. Das war dann eindeutig zu viel des Guten.

Hier sind noch einige Fotos vom Kwantu Game Reserve:

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Verrücktes Südafrika !

Wer hätte gedacht, dass mein Bikini schon zum ersten Mal in Einsatz kommen würde? Ich auf jeden Fall nicht und ich glaube auch nicht, dass dies schon bald wieder der Fall sein wird, weil das Wasser war (ich entschuldige mich für meine Sprache, aber ich kann es nicht anders sagen) arschkalt. Budroodeen, mein ältester Gastbruder wird irgendwann an einem Kälteschock sterben, weil er springt einfach in den Pool, als wäre kein Tropfen kaltes Wasser darin. Apropos Budroodeen und sterben: Ich hoffe ich komme lebend wieder zurück in die Schweiz, weil entweder wird er uns alle mit einem Gewehr erschiessen oder in den Tod fahren. Wenn es ihm langweilig ist, holt er ein Gewehr hervor und schiesst damit hilflose Plastikflaschen und Spielfiguren ab. Ich durfte auch probieren damit zu schiessen, doch mein Talent ist begrenzt.

Als wir am Freitag von der Schule nach Hause gefahren sind, hielt meine Gastmutter am Ende der Strasse, in der wir wohnen, stieg aus und wechselte mit Budroodeen den Platz. Ich glaubte, ich würde sterben. Er ist 14, fährt einen Wagen und die Mutter unterstützt das Ganze noch. Ich dachte, ich bin im falschen Film. Lebend und heil zu Hause angekommen, sagte die Mutter zu mir, dass ich das nächste Mal an der Reihe bin.

Nächste Woche schreibe ich jeden Tag mindestens eine Prüfung, weil es ist „Testwoche“ und am Montag starte ich mit Physik, besser hätte es wirklich nicht kommen können. Aber eigentlich ist es gar nicht so schlimm, weil man geht in die Schule, schreibt den Test und kommt wieder nach Hause.

Gestern war ich zum ersten Mal an dem berühmt berüchtigten Boardwalk. Man kann essen (wie überall in Südafrika), Filme schauen, „lädele“ und es hat ein grosses Spielzentrum. Es ist really nice !