YFU Switzerland

Unterschiede in der Schule

In diesem und im nächstem Blog soll sich Alles um Unterschiede zwischen Südafrika und der Schweiz drehen. Davon gibt es nämlich wirklich eine ganze Menge. Wichtig dabei zu bedenken ist aber, dass ich nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten kann. Je nachdem in welcher Gegend man sich befindet, welche Schule man besucht und in welcher Gastfamilie man lebt, macht man ganz andere Erfahrungen und erfährt ganz andere Differenzen. Ich für meinen Teil wohne in der Stadt Nelspruit, wohne in einer Afrikaans sprechenden Familie und besuche eine öffentliche christliche Schule.

Bergvlam Highschool

In diesem Blog werde ich vor allem auf meine Schule, Bergvlam Highschool, eingehen. Laut der Webseite meiner Schule ist diese eine multikulturelle Bildungseinrichtung mit einem südafrikanischem Charakter, welche sich bemüht, christliche Normen und hohe Standards zu wahren. Tatsächlich kommen die Schüler aus vielen verschiedenen Kulturen und sprechen unterschiedliche Sprachen. Unterricht gibt es aber nur auf Englisch und Afrikaans. In den meisten meiner Klassen müssen die Lehrer parallel auf beiden Sprachen unterrichten, was eine ziemliche Herausforderung ist. Die meisten meiner Lehrer sprechen ursprünglich Afrikaans und haben dadurch ein ziemlich gebrochenes Englisch und sprechen viel lieber ihre Muttersprache. Gerade am Anfang, wo ich noch kaum Afrikaans verstand, war es sehr anstrengend den Lehrern zu folgen.

Kleiner Einblick unserer Schuluniformen

Der wohl offensichtlichste Unterschied der Schulen in Süd Afrika ist die Schuluniform mit ihren strengen Vorschriften. Es gibt regelmässige Inspektionen bei denen unser Erscheinungsbild genau geprüft wird. Besonders streng nehmen es die Lehrer mit der Länge unserer Fingernägel, der Länge unseres Kleides, jeglichem Körperschmuck und den Frisuren der Jungen. Laut unserem stellvertretenden Schulleiters sollte ein Vorzeigeschüler möglichst wenig mit seinem Erscheinungsbild auffallen. Um so mehr freuen wir uns immer auf die paar Tage, wo wir in normalen Kleidern in die Schule gehen können. Diese “civvies days” finden meistens am Tag vor den Ferien statt und werden von den Schülern richtig ausgenutzt. Viele kommen mit sehr extravaganten Kleidern zur Schule und stylen sich die Haare genau so, wie es normalerweise nicht erlaubt wäre

Jeder Schultag beginnt und endet mit einem Gebet, welches über Lautsprecher in alle Klassenzimmer übertragen wird. Meistens am Anfang des Tages treffen sich die Schüler in ihrer “Registerclass” mit ihren jeweiligen Klassenlehrern. Dort wird durchgezählt, ob auch alle da sind und es werden Ankündigungen gemacht. Einer der Schüler muss in dieser Zeit auch ein Gebet sprechen oder eine motivierende Rede über die Werte der Schule halten. Jeden Tag ist jemand anderes an der Reihe. Die Werte der Schule sind Respekt, Verantwortung, Stolz, Einheit und Ubuntu. Ubuntu ist ein Zulu-Wort und kann auf viele verschiedene Arten interpretiert werden. Es soll aber Humanität und Zusammenhalt ausdrücken. Alle paar Tage versammeln sich die Schüler in der Halle oder draussen vor der Schule. Dort werden Ankündigungen gemacht und es wird auch häufig gesungen. Wir singen Loblieder und unsere Schulhymne. Hier hat jede Schule ihre eigene Hymne und einen eigenen Leitspruch. “As U wil en ek leef” und “Brand Met Trots/ Burn with Pride” sind die beiden Leitsprüche meiner Schule. Sie bedeuten so viel wie “In deinem Willen lebe ich” und “Brenne mit stolz”.

Es gibt eine starke Hierarchie unter den Schülern. Die Achtklässler sind an unterster Stelle, sie müssen den älteren Schülern gehorchen und haben nichts zu melden. Die “Matric” sind die Zwölftklässler und stehen an höchster Stelle. Man muss sich von ihrem eigenen überdachtem Pausenort und ihrer Treppe fernhalten. Diese Rangordnung wird unter anderem auch in der Sitzordnung der Halle sichtbar: Die Klassenstufen sitzen beieinander, Acht- bis Zehntklässler auf dem Boden, Elftklässler auf Stühlen im hinteren Bereich der Halle und die Matric auf einer Empore. Mädchen und Jungen müssen getrennt in der Halle sitzen. Beim Warten vor den Klassenzimmern stehen die Jungen aufgereiht bei der Fensterseite des Ganges und die Mädchen auf der anderen Seite. Beim Betreten und Verlassen der Schulzimmer lassen die Jungen den Mädchen meistens ganz gentlemanlike den Vortritt. Der Unterricht verläuft auch ein bisschen anders. Bevor der Unterricht beginnt, müssen alle Schüler hinter ihren Pulten stehend warten, bis der Lehrer sie bittet sich zu setzen. Ganz schön viele nicht sofort sichtbare Regeln, die ich erst durch viele unangenehme Situationen lernen musste; wenn man zum Beispiel plötzlich bemerkt, dass man als einzige auf seinem Stuhl sitzt oder nicht sofort bemerkt, dass alle Jungen verlegen hinter einem warten bis man endlich durch die Tür tritt.

Allgemein werden die Lehrer sehr schnell laut wenn sie das Gefühl haben, dass die Schüler nicht zuhören. Einige Schüler haben kaum Respekt vor ihren Lehrern, was wohl der Grund dafür ist, dass die Lehrer mehr durchgreifend sind. Trotzdem haben die Lehrer eine recht enge Beziehung mit den Schülern. Dass zeigt sich zum Beispiel darin, dass wir die Geburtstage der Lehrer feiern. Das klingt vielleicht nicht so spektakulär, aber in der Schweiz sind die Geburtstage nie bekannt und ehrlich gesagt ist es den Schülern dort auch relativ egal, wann ihre Lehrer ihren Geburtstag feiern. Hier haben wir sogar eine Überraschungsparty für unsere Klassenlehrerin organisiert.

In jedem Fach ist man mit anderen Schülern zusammen. Es gibt keine festen Klassen und somit auch keine Klassenkameraden, mit denen man den ganzen Tag zusammen bleibt. Ab der Zehnten Klasse gibt es nur sieben Fächer von denen nur Mathematik, Englisch, Afrikaans und Life Orientation obligatorisch sind. In Life Orientation bekommt man Werte vermittelt und lernt verschiedene Skills, wie mein ein gutes leben führen kann. Die anderen drei Fächer kann man sich auswählen. Es gibt eher ungewöhnliche Fächer wie Hauswirtschaft, Tourismus, Business oder Zeichnen, aber auch Biology, Physik oder Geografie. Die Noten werden hier meistens in Prozentzahlen angegeben, welche zeigen, wie viel Prozent man richtig gelöst hat. Als ungenügend wird hier eine Note unter 30% angesehen, während in der Schweiz alles unter 60% als ungenügend gilt. An meiner Schule findet der Unterricht von 07:30-13:30 statt. Alle sieben Fächer werden in dieser Zeit unterrichtet, die Länge der Lektionen variieren aber je nachdem, ob wir Versammlungen haben oder nicht.

Meine Klasse beim “Stocktake”

Um Geld für die Schule zu sammeln, gibt es regelmässige “Stocktakes” bei denen sich Schüler freiwillig melden um die Ware in Läden zu zählen. Dass ist echt harte Arbeit. Ich habe auch einmal mitgemacht und habe bis spät am Abend mit den anderen Schülern die Ware eines Supermarktes gezählt. Dafür gibt es Belohnungspunkte (Merits) die man auch durch andere gute Taten erwerben kann. Dadurch kann man Minuspunkte (Demerits) wieder gut machen, welche man zum Beispiel durch vergessene Hausaufgaben oder Verstösse gegen die Kleiderordnung bekommen kann. Auch durch Blutspenden kann man sich Merits verdienen. Ja wirklich, ich fand dies auch ein wenig befremdlich. Regelmässig kommen Blutspende-Organisationen zu den Schulen und zapfen den über 16jährigen Blut ab. Aber immerhin wird so dringend benötigtes Spende-Blut gewonnen.

Sportliche Leistungen werden hier ebenso hoch angesehen wie akademische. Zu den meisten grösseren Schulen hier gehören Rugbyfelder, Korbballfelder und Hockeyfelder. Die Schulen treten in verschiedenen Disziplinen gegen einander an. Es gibt eine Wintersportsaison (April-September) und eine Sommersportsaison (November-März).

In der Sommersportsaison messen sich die Schüler in verschiedenen Leichtathletikdisziplinen. Das “Spiritteam”besteht aus einer Vielzahl an Schülern, welche unter der Anleitung der acht Cheerleader mit Tanz die Leichtathleten anfeuern. Es ist ein ebenso wichtiger Bestandteil der Sommersaison wie die Athleten. Die Saison beginnt mit dem “Interhouse” , einem Event, bei dem sich die Schüler mit ihren Mitschülern innerhalb einer Schule messen. Ich wurde dazu überredet, beim 1500Meter-Lauf mitzumachen. Ich kam auf den zweiten Platz (Es haben auch nur zwei andere Mädchen mitgemacht 🙂 ), und habe mich damit für den “Interhigh” qualifiziert. Beim Interhigh machen alle Athleten der Provinz mit. Nach dem Interhouse wurde fünf Wochen lang trainiert, zum Teil während der Schulzeit, aber auch an den Nachmittagen. Ich habe beim Langstreckentraining mitgemacht, was bei den an 40 Grad grenzenden Temperaturen sehr anstrengend war. Es gab auch ein paar Wettkämpfe bei anderen Schulen, um sich auf dass grosse Event vorzubereiten.

Foto vom Interhigh
Einzug der Athleten

Dann war es endlich so weit. Der Interhigh ist echt ein Spektakel. Der Einmarsch der Athleten erinnerte mich irgendwie an die Olympischen Spiele und überhaupt kommt man sich an diesem Tag wie ein gefeierter Profisportler vor. Die Spiritteams feuern ihre Athleten den ganzen Tag an und bekommen Preise für ihre Choreographien. Das Highlight des Spektakels waren drei Fallschirmspringer, welche aus einem Propellerflugzeug direkt über dem Feld sprangen. Der ganze Tag war sehr beeindruckend für mich und ich bin auch nicht allzu schlecht gelaufen, obwohl ich extrem aufgeregt war.

Mein Netballteam

Die Sommersportsaison ist dem Mannschaftssport gewidmet. Es gibt viele verschiedene Angebote wie Rugby, Kricket, Netball, Hockey, Fussball, Tennis, Schwimmen und Sportschiessen. Schiessen ist hier sehr beliebt, sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen. Meine Gastschwester ist im “Shooting-team” und so habe ich es auch ausprobieren dürfen. Ich muss ehrlich sagen, dass mir Sportschiesen Spass macht, obwohl ich recht skeptisch war am Anfang. Rugby ist der wohl beliebteste Sport Süd Afrikas und wird dementsprechend auch sehr ernst genommen. Wer im ersten Rugbyteam ist, wird auch automatisch bekannter an der Schule. Nachdem die Spieler für das Erste Rugby Team der Schule feststehen, müssen diese sich traditionell von ihren Mitschülern eine Glatze rasieren lassen. Diese Tradition soll verhindern, dass die Spieler sich von den anderen abheben und sich als etwas besseres fühlen. Auch beim Interhigh sah ich ein paar Athleten, welche sich aus diesem Grund eine Glatze schneiden mussten. Viele Mädchen spielen Netball(Korbball) oder Hockey. Ich trainiere hier nun auch Netball. Ich habe ein paar Jahre lang Korbball gespielt und finde es schön dass ich dies auch hier tun kann. Es gibt aber auch einige Unterschiede, und dass nicht nur in den Regeln. Wir müssen Röckchen tragen, was ich eher hinderlich finde. Aber es macht Spass und ich finde es wichtig, bei solchen Schulaktivitäten mitzumachen. Es ist eine gute Gelegenheit mehr Leute kennen zulernen und Freundschaften zu schliessen.

Neben diesen sportlichen Aktivitäten kann man auch dem Schachklub oder dem Chor beitreten oder bei der Schülerzeitung mitwirken. Die Schüler werden mit diesen Angeboten nach dem Unterricht beschäftigt, während sie warten, abgeholt zu werden. Viele werden nämlich erst am späten Nachmittag von ihren berufstätigen Eltern abgeholt. Nur die wenigsten Schüler haben das Glück, in einem nahe gelegenem Haus zu wohnen. Ein paar wenige haben Motorräder, wodurch sie viel Selbstständigkeit gewinnen. Die anderen sind total abhängig von Leuten, welche sie mit dem Auto abholen kommen, und dass nicht nur auf die Schule bezogen. Einfach mit dem Zug oder Bus unterwegs zu sein, ist etwas, was ich sehr von der Schweiz vermisse. Egal wohin ich möchte, ob etwas einkaufen gehen oder etwas mit Freunden unternehmen, ich brauche immer jemanden, der mich mich herumkutschiert.

“Colourrun” am Funday
Der Valentinsball

Alle paar Monate finden auch sogenannte “Socials” statt. Dass kann ein Funday sein oder ein Schultanz, auch “Sokkie” genannt, wo ordentlich gefeiert wird. Diese Socials gibt es oft vor den Ferien oder bei besonderen Gelegenheiten, wie dem Valentinstag. Mit den Eintrittsgeldern wird Geld für die Schule gesammelt. Erlaubt sind nur Schüler der Schule, ohne Ausnahmen. Akohol ist strikt verboten. Für viele bedeuten diese Anlässe ein Stückchen Freiheit, da es hier sonst kaum sichere Angebote gibt, wo junge Leute feiern gehen können. Die Musik welche gespielt wird, ist sehr vielfältig. Von Popmusik zu typischer Afrikaans Music zu Afropop ist alles dabei. Dass ist auch gut so, da so für jeden etwas dabei ist.

Ich mag meine Schule, was vor allem auf die vielen Freizeitangebote zurückzuführen ist. Schule hier in Südafrika dreht sich nicht nur um “Schule” sondern auch um Sport und Spass. Ich habe das Gefühl, hier wird viel Wert darauf gelegt, die Schüler nicht nur akademisch zu unterrichten, sondern auch zu guten Menschen zu erziehen. Klar gibt es auch nicht so gute Dinge, wie zum Bespiel das niedrigere Niveau des Schulstoffes oder fehlende Disziplin einiger Schüler. Trotzdem geniesse ich meine Zeit in Bergvlam und ich finde, dass sich meine Schule in der Schweiz in Sachen Spass und Freude vom Südafrikanischen Bildungssystem eine Scheibe oder zwei abschneiden könnte.

Mid-Year Orientation und Geburtstagsfeier

Goeie dag almal

Es ist jetzt schon wieder eine ganze Weile her, seit ich meinen letzten Blog geschrieben habe. So Vieles habe ich seitdem erlebt. Nun sind nur noch drei Monate von meinem Austauschjahr übrig. Ich weiss wirklich nicht was ich davon halten soll. Es wird sehr hart werden mein Leben in Süd Afrika hinter mich zu lassen. Auch die Tatsache, dass ich dann in der Schule wieder alles geben und die Erwartungen erfüllen muss, ist nicht wirklich etwas auf was ich mich freue. Aber ich sehne mich auch danach meine Familie und Freunde wiederzusehen.

Abkühlen im Pool

Ende Januar fand die Mid-year Orientation statt, wo sich alle Austauschschüler wiedergetroffen haben. Das Wochenende verbrachten wir wieder in Pretoria, am selben Ort unserer ersten Orientation. Diesmal schliefen wir jedoch nicht in Zelten, sondern in umgebauten Pferdeställen. Ich habe das Wochenende unglaublich genossen. Wir alle verstehen uns so gut miteinander; ob Austauschschüler oder Teamer von Deutschland, Süd Amerika, Frankreich oder Skandinavien. Wir unterhielten uns lange und tiefsinnig, kühlten uns im Pool ab und genossen unsere Zeit zusammen. An den Abenden liessen wir Lateinamerikanische Musik laufen und die Austauschschüler von Chile, Brasilien und Argentinien zeigten uns wie man richtig tanzt.

Der Hindernisparcours

Aber es war nicht alles ein Zuckerschlecken. Der Besitzer des Grundstücks kam an einem Nachmittag zu uns, als wir gerade im Pool entspannten. Er zwang uns einen Hindernisparcours bewältigen. Wir mussten auf allen Vieren durch den Schlamm krabbeln und über hohe Hindernisse klettern während er uns mit einem Grinsen im Gesicht mit einem Wasserschlauch beschoss. Eines der Hindernisse hatte es besonders in sich: ein sechs Meter hohes Gerüst an dem man an einem Netz hochklettern musste. Ich hatte schon halb mit meinem Leben abgeschlossen, als ich mich am höchsten Punkt dieses Hindernisses mit aller Kraft festkrallte und mich panisch fragte, wie ich Bitteschön wieder nach unten klettern sollte. Gott sei Dank schafften wir es alle einigermassen heil ins Ziel.

Natürlich übertreibe ich hier auch ein wenig. Dass Wochenende war wirklich wunderschön und am Ende verabschiedeten wir uns nur sehr ungerne von einander. Bei manchen lief sogar die ein oder andere Träne. Wie wird dass bloss werden, wenn wir uns bei der End-Year Orientation von einander verabschieden müssen, wohlmöglich für immer?

Ich mit meinen Gastgeschwistern

Eine Woche später, an einem Montag, feierte ich meinen 17en Geburtstag. Da ich ja an diesem Tag zur Schule musste, hatte sich meine Gastfamilie etwas ganz Besonderes für das Wochenende vor meinem Geburtstag ausgedacht. Wir fuhren am Freitag zu einem Naturresort, dem “Voetpadkloof Resort”. Dort trafen wir auch die weitere Familie und Freunde meiner Gastfamilie. Nach etwa zwei Stunden Autofahrt bogen wir von der Autobahn ab und waren direkt in der Natur. Fast sofort tauchten die ersten Antilopen und Büffel auf. Auch im Resort selber liefen die Antilopen frei herum. Wir schauten sogar zwei Klippspringern direkt neben dem Pool beim Kämpfen zu

Am Sonntag gab es eine Überraschungsparty für mich. Dass kam für mich wirklich total unerwartet. Nachdem ich vom Schwimmen zurück kam, erwartete man mich mit Ballons, Geschenken und einem vielfältigem Buffet mit allerlei Südafrikanischen Spezialitäten. Dass war so lieb und ich habe mich riesig über die Überraschung gefreut. Eigentlich hätte ich schon eine Vorahnung haben sollen. Ich war aber so abgelenkt, dass ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte.

Mein eigentlichen Geburtstag war mehr oder weniger ein normaler Schultag. Jedoch befanden sich an meinem Schulsack ein halbes Duzend Ballons, welche meine Gastschwester dort befestigt hatte. Hier ist es nämlich üblich, an seinem Geburtstag beladen mit Ballons, Schärpen und Krönchen in der Schule zu erscheinen. Dass war für mich zunächst ein bisschen befremdlich, da man genauso gut “Hey Leute, ich habe heute Geburtstag” in der Gegend herum schreien könnte und jeder käme um einem zu gratulieren. Es war aber auf jeden Fall ein Erlebnis. So wusste jeder von meinem Geburtstag und ich bekam jede Menge Glückwünsche.

Mir wird immer bewusster, wie viel Glück ich mit meiner Gastfamilie habe. Die Hälfte der Austauschschüler haben mittlerweile aufgrund verschiedenster Probleme ihre Familie wechseln müssen. Ich bin so dankbar, dass mir diese Probleme erspart blieben. Bei der Orientation haben wir uns viel über die verschiedenen Gastfamilien unterhalten. Sich in der Familie wohl zu fühlen ist ein wahnsinnig wichtiger Teil für ein gutes Austauschjahr. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass die Gastfamilie dass Austauschjahr ausmacht. Das sind die Menschen, mit denen man die meiste Zeit verbringt. Schliesslich lebt man ja zusammen.

Ich bin bisher noch nicht gross auf Besonderheiten von Südafrika eingegangen. Es gibt eine Menge davon und ich habe noch nicht Vieles darüber geschrieben. Diese Eigenheiten sind für mich inzwischen normal und deshalb vergesse ich diese zu erwähnen. Dass wäre aber bestimmt ein interessantes Thema für meinen nächsten Blog.



Januar & Februar

Hallo Zusammen!

Januar und Februar ist nicht so viel passiert, einmal hat es einen Lockdown Drill in der Schule gegeben, das ist ein Test für den Fall eines School Shootings oder Attentats und der Alarm ist losgegangen und wir mussten alle in einem Ecken des Schulzimmers zusammenstehen und still sein während der Lehrer die Türe abgeschlossen hat und alles verdunkelt hat. Ende Januar war die YFU-Mid-Year Orientation, an der ich wieder mal alle YFU-Austauschschüler aus der Region getroffen habe. Wir hatten einige Workshops aber auch viel Freizeit.

Anfangs Februar bin ich einmal während der Stunde zum Schulleiter gerufen worden und ich habe mich schon gefragt was ich falsch gemacht hatte aber er wollte vorallem mit mir sprechen weil seine Vorfahren im 19. Jhd. aus der Schweiz in die USA ausgewandert sind und hat mich dann gefragt wie man die Gemeinde aus der sie kommen aussprechen würde (ich habe den Namen vergessen, aber es war irgendwo im Kanton Graubünden) und wie man seinen Nachnamen (Kreis) ausprechen würde auf Deutsch weil er spricht es wie „crease“ aus. Das war noch lustig.

Rodeo

Ich bin auch einmal an ein Rodeo gegangen mit meiner Gastfamilie (wenn ich schon in Texas bin). Es war natürlich hoch patriotisch, die ganze Halle war in rot-blau-weiss geschmückt und am Anfang hat jemand die Nationalhymne gesungen und alle haben den „Pledge of Allegiance“ aufgesagt (den müssen wir übrigens auch jeden Tag in der Schule aufsagen) und dann hatte es verschiedene Disziplinen, unter anderem Kälber möglichst schnell mit dem Lasso einzufangen und zu fesseln, möglichst lange auf bockenden Pferden und Stieren zu bleiben (sie bocken weil ihnen die Hoden mit einem Gurt abgebunden werden), Pferdewagenrennen um Fässer etc.Beim Stierreiten ist einmal einer abgeworfen worden und der Stier ist ihm auf den Brustkorb gestanden und er wurde dann aus der Arena getragen aber ein paar Minuten später ist er noch einmal kurz herausgekommen, von daher war es wahrscheinlich nicht so schlimm.Aber das Rodeo insgesamt hat mir nicht so gefallen, einfach von der Art her wie die Tiere behandelt werden. Allgemein werden Tiere hier mehr wie Objekte und nicht Lebewesen behandelt.

Track & Field

Ich habe auch mit Leichatlethik angefangen aber es war ziemlich mühsam weil ich zuerst noch zugelassen werden musste und dann musste ich zu jensten verschiedenen Ärzten und das Gesundheitssystem in den USA ist schon etwas für sich, von dem her bin ich froh dass es in der Schweiz so gut geregelt ist. Aber schlussendlich bin ich dann zugelassen worden (nachdem ich jenste Tests gemacht hatte, unter anderem musste ich einen Herzmonitor tragen für 24h). Ich habe jeden Tag nach der Schule 1.5h Training und es ist schon noch streng aber macht auch Spass.
R


Mir geht es gut und ich fühle mich immer mehr Zuhause hier.

Liebe Grüsse aus Texas,

Anna

Weihnachten in Las Vegas

Hallo Zusammen!

Es tut mir leid dass so lange nichts gekommen ist aber ich habe es ehrlich gesagt ein bisschen vergessen und immer wieder am Dezember Post gearbeitet den ich jetzt endlich fertig habe (2600 Wörter, upss), und jetzt bin ich am Januar und Februar am arbeiten. Ich hatte jetzt auch keine Geduld mehr um Probezulesen, daher hat es im letzten Teil wahrscheinlich ein paar Fehler.

In der ersten Dezemberwoche ist nicht viel passiert, in der zweiten  war eine YFU Weihnachtsparty am Samstag an der ich viele andere Austauschschüler kennengelernt habe. Wir mussten ein Gericht aus aus unserem jeweiligen Heimatland mitbringen und dann haben wir zuerst gegessen und einfach geredet. Anschliessend gab es einen „Ugly Sweater Contest“ bei dem wir alte Langarmshirts mit Lametta und Weihnachtsbaumkugeln etc.  verziert haben. Meine Gruppe hat leider nicht gewonnen aber es hat trotzdem Spass gemacht. 
In der letzten Woche vor den Ferien hatten wir die Semester Finals. Das sind sozusagen die Abschlussprüfungen vom ersten halben Schuljahr in denen noch einmal alles vorkommt was wir durchgenommen haben und das Resultat macht 15% der Gesamtnote aus. Mein Geburtstag war am Dienstag dieser Woche und ich bin am Abend mit meinen Gasteltern auswärts essen gegangen.

 

“Roadtrip” nach Las Vegas

Für Weihnachten sind wir nach Las Vegas gegangen da die Schwester und ein Bruder meiner Gastmutter dort wohnen mit ihren Familien und auch ihre Eltern sind von Utah auf Besuch gekommen. Wir haben dann alle bei der Schwester meiner Gastmutter gewohnt für eine Woche und das Haus war schon ziemlich voll aber wir haben auch viel ausserhalb gemacht. Mein Gastvater hatte nur die Weihnachtstage frei und musste danach gerade wieder arbeiten und konnte deshalb nicht mitkommen.

 

Wegen den Finals hatten wir nur Schule bis am Mittwoch und dann sind wir schon am Donnerstag nach Las Vegas gegangen. Wir sind mit dem Auto gefahren und meine beiden älteren Gastschwestern und meine Gastmutter haben sich beim fahren abgewechselt. Die Hinreise hat um die 18 Stunden gedauert, das meiste davon durch die Wüste. Es hat schon fünf Stunden gebraucht um erst einmal aus Texas herauszukommen! Wir sind am Morgen um 6 Uhr losgefahren und ich habe am Anfang noch geschlafen. Am Anfang war es vor allem Prärie mit ein paar verstreuten Häusern und wir sind auch immer wieder an Baumwollfeldern vorbeigekommen. Manchmal ist die Strasse neben Eisenbahnschienen entlanggegangen und einmal haben wir einen extrem langen Güterzug überholt. Wir sind auch an einem Ölfeld vorbeigekommen mit Pumpen.

 

Ölpumpen in Texas

Ziemlich bald nachdem wir von Texas nach New Mexico gekommen sind haben Bergketten am Horizont angefangen und nach ein paar Stunden haben wir in der Ferne die Schneeberge in Colorado gesehen. Am Anfang waren die Felsen noch bräunlich-gelb aber mit der Zeit sind sie dann rot geworden. An der Grenze zu Arizona sind wir durch ein Reservat gefahren und ein wenig ausserhalb sind ein paar Tipis gestanden als Touristenattraktion. In diesem Gebiet hat auch ein Grossteil der “Indian Wars” stattgefunden (die Siedler und das amerikanische Government gegen die Ureinwohner).

 

Tipis in New Mexico 

Als wir nach Arizona gekommen sind, ist die Sonne gerade untergegangen und der fast volle Mond ist schon am Himmel gestanden und der ganze Himmel war pink und hat alles um uns herum rosa erscheinen lassen und es hat wunderschön ausgesehen.

 

der Sonnenuntergang in Arizona

Zwischendurch haben wir Filme geschaut im Auto oder einfach Musik gehört und ich habe auch viel geschlafen. Die Umgebung ist mit der Zeit immer felsiger geworden und teilweise hat es auch Schnee gehabt. Den letzten Tankstellenstop vor Las Vegas haben wir in einem kleinen Bergstädtchen in 2000 müM gemacht (wir haben ungefähr alle 3-5 Stunden an einer Tankstelle gestoppt um den Tank wieder zu füllen und aufs WC zu gehen etc.) und im Tankstellenshop dort habe ich Toblerone gefunden, die ich natürlich gekauft habe! Als wir etwa eine Stunde von Las Vegas entfernt waren, ist ein Lichtschein am Horizont aufgetaucht der fast wie der Anfang der Morgendämmerung aussah, aber es waren die Lichter von Las Vegas. Als wir die Stadt das erste mal gesehen haben, waren wir immer noch in den Bergen und wir sind um eine Kurve der Strasse gekommen und unter uns hat sich ein riesiges Lichtermeer ausgebreitet. Es war wunderschön!  

 

Las Vegas bei Nacht

Am nächsten Tag sind meine beiden älteren Gastschwestern, meine Gastmutter, “Gasttante” und “Gastgrossmutter”  am Nachmittag Kleider für eine Silvesterparty kaufen gegangen, sonst haben wir nicht viel gemacht und uns einfach von der Reise erholt.

 

Hoover Dam

Am Samstag sind wir am Morgen zum Hoover Dam gefahren, das ist ein riesiger Staudamm der den Colorado River zum grössten Stausee in den USA aufstaut.

 

 

Er ist über 200 Meter hoch und fast 400 Meter breit! Der Colorado River ist an dieser Stelle auch die Grenze zwischen Nevada und Arizona und eine Zeitzonengrenze. Jedesmal wenn wir die Seite gewechselt haben haben sich all unsere Handys und die Autouhr um eine Stunde verschoben. Der Staudamm wurde zwischen 1933 und 1935 gebaut während der “Great Depression” und ist nach Herbert Hoover benannt, dem Präsidenten zu dieser Zeit. Der Damm hat auch ziemlich grosse Auswirkungen auf die Umwelt da es vor dem Bau des Damms immer wieder Hochwässer gegeben hat die jetzt ausbleiben und die grosse Aufstauung des Flusses ändert die Temperatur sodass einige Fischarten jetzt vom Aussterben bedroht sind. Las Vegas ist mehr oder weniger eine Riesenstadt mitten in der Wüste die Unmengen von Wasser konsumiert. Deshalb ist der Wasserpegel des “Lake Meads” konstant am sinken und man hat eine weisse Linie gesehen wo der alte Wasserspiegel war und das war schon noch eindrücklich.

 

Der gesunkene Wasserspiegel

 

Zuerst sind wir über die “Mike O’Callaghan–Pat Tillman Memorial Bridge”, die eine der höchsten der Welt ist, gefahren und haben den Staudamm von oben gesehen. Dann haben wir eine falsche Abzweigung genommen und mussten noch einmal über die Brücke um auf den Damm zu gelangen, aber wir haben dann zuerst an der Brücke angehalten und sind rübergelaufen und haben Fotos gemacht.

 

Die “Mike O’Callaghan–Pat Tillman Memorial Bridge”

Anschliessend sind wir zum Damm gefahren und sind auf die andere Seite gefahren und haben dort parkiert und sind über den Damm und wieder zurück gegangen. Es hatte sehr viele Touristen und war um die 25 Grad warm. 

Auf dem Rückweg haben wir in einem der ältesten A&W Restaurants angehalten zum Mittagessen. A&W ist eine Rootbeermarke die es seit den frühen Zwanzigern gibt was für amerikanische Verhältnisse sehr alt ist. Root Beer ist ein Soft Drink  der Ähnlichkeiten mit Cola hat aber mehr einen Vanille & Hustensirup Geschmack hat. Es ist noch schwierig zum beschreiben. Ich habe die meisten Rootbeermarken nicht so gern und auch das normale A&W Rootbeer nicht aber das im Diner war frisch gebraut und das mochte ich dann. Das Essen dort war allgemein sehr lecker (und ungesund), ich habe einen “Shrimps Basket” bestellt. Etwas das ich auch noch cool finde an amerikanischen Restaurants ist, dass man sein Getränk gratis wieder auffüllen kann so oft wie man will.

Das A&W Diner

Mein “Shrimp Basket”

Las Vegas Strip

Nach dem Essen sind wir zum Strip gefahren und je näher wir gekommen sind desto dichter ist der Verkehr geworden. Kurz vor dem Strip war die Strasse zehnspurig und es hatte trotzdem Stau einfach weil es so viele Autos hatte. Sind wir in CocaCola, M&M und Hershey (das ist so die amerikanische Schokoladenmarke) “Museen”in denen es einfach ganz viele verschiedene Sorten und Merch gehabt hat.

Das Coca Cola Museum von aussen.

 

Danach sind wir noch durch ein Kasino gelaufen aber es hat mir nicht so gefallen weil einfach alle vor ihren jeweiligen Glücksmaschinen gesessen sind und es hat allgemein eine ziemlich triste Stimmung geherrscht. Das Kasino war wie der Eingang zum New York Hotel Komplex in dem wir einfach noch ein bisschen herumgelaufen sind.

Der Strip bei Sonnenuntergang

Little Paris

Als es langsam dunkel geworden ist, sind wir zum Bellagio Hotel gegangen und haben die Wassershow angeschaut. Es war sehr schön aber wenn man so ein bisschen überlegt ist es richtig krank so mitten in der Wüste. Ein bisschen später am Abend ist dann auch immer ein Lieferwagen mit Bildern von nackten Frauen drauf und der Aufschrift “We Bring The Girls To Your Room” herumgefahren und wir haben auch die ganze Zeit Obdachlose/Drogenabhängige gesehen. Las Vegas ist schon toll wenn man nicht zu genau darüber nachdenkt aber es ist alles nur Fassade und Show und es passiert so viel falsches. Aber ich finde es ist etwas, dass man mal gesehen haben muss.

Christmas Eve

Am Heiligabend haben wir Kinder die “Stockings” bekommen, das sind diese “Socken” die über dem Cheminée hängen. Darin sind eher so kleinere Geschenke und Süssigkeiten. Nach dem Nachtessen haben wir Löffeln gespielt, nur dass sie es “Spoons” nennen und man ist nicht schon nach dem ersten mal raus wie bei uns, man bekommt zuerst ein “S”, dann ein “P” und so weiter und die erste Person die “SPOONS” hat, hat verloren und das Spiel ist zu Ende. Es war lustig weil alle sehr kompetitiv geworden und und die erste Person die Löffel häufig vom Tisch gewischt hat und dann alle denn Löffeln hinterher gehechtet sind. 

Christmas Day

An den USA packt man die Geschenke normalerweise am Morgen gerade nach dem Aufstehen aus weil der Weihnachtsmann sie sozusagen “über Nacht bringt”. Also haben wir zuerst die Geschenke ausgepackt und dann Weihnachtsfilme geschaut, viel gegessen und am Abend wieder Spiele gespielt.

Utah Roadtrip

Am Tag nach Weihnachten sind wir mit einem riesigen gemieteten Wohnmobil campen gegangen. Wir sind von Las Vegas nach Hurricane (ja, das war der Name der Stadt) in Utah gefahren und sind dann in Burgerrestaurent essen gegangen und es war der beste Burger den ich je hatte! Nach dem essen sind wir noch ein bisschen im Städtchen herumgelaufen aber es war nicht so viel los. Als es langsam Abend geworden ist, sind wir auf den Campinglatz zurück und haben uns für die Nacht vorbereitet. Wir waren zu neunt im Wohnwagen und ich, meine Gestschwestern und ihr 9 jähriger Cousin haben alle in einem Doppelbett geschlafen und es war sehr eng aber auch lustig. 

Hier ein paar Bilder:

Die Canyonlandschaft durch die wir gefahren sind

 

Der Campingplatz mit Schneebergen im Hintergrund

Mit der Zeit sind die Felsen immer roter geworden

Zion National Park

Am nächsten Morgen war es sehr kalt und ich war plötzlich sehr froh um um all die Körperwärme im Bett. Wir sind schon relativ früh losgefahren in Richtung Zion National Park. Es hatten einfach eine Passstrasse die durch den Park geführt hat und es hat etwa zwei Stunden gedauert um durchzufahren weil wir auch immer wieder angehalten haben um Bilder zu machen und manchmal mussten wir auch langsamer fahren weil die Strassen vereist waren und einmal hatte es einen Unfall der Stau verursacht hat. Es war wunderschön und das hat mir eigentlich besser gefallen als Las Vegas.

Auch die Strassen waren rot

Einmal als wir einen Stop eingelegt haben, haben wir einen kleinen “Red Rock Snowman” gebaut

Auf dem Rückweg sind wir an Colorado City vorbeigefahren, das ist ein kleines Dorf in dem eine extremistische Mormonengruppe unter Warren Jeffs vor ein paar Jahren Polygamie betrieben hat aber er ist jetzt im Gefängnis. Davon habe ich auch in der Schweiz gehört und das war so der Kontext aus dem ich Mormonen gekannt habe und ich glaube das geht noch vielen Leuten in Europa so. Ich sage das jetzt vor allem weil meine Gastfamilie auch Mormonen sind und im ersten Moment habe ich mir auch so gedacht wo ich jetzt hier nur so gelandet bin aber meine Gastmutter hat mir dann erklärt dass das mit der “offiziellen” Polygamie nur für eine kurze Zeitspanne war und auch während dieser Zeit längst nicht alle damit einverstanden waren. Es war aber auch nur weil die Mormonen Anfangs verfolgt und umgebracht worden sind. Deshalb hatten sie fast keine heiratsfähigen Männer mehr und Mormonen glauben in verschiedene Stufen im Himmel (da komme ich auch nicht ganz draus) und man kann die “höchste Stufe” nur erreichen wenn man verheiratet ist. Und weil halt alle Männer umgebracht worden sind haben die Übergebliebenen mehrere Frauen geheiratet dass sozusagen alle eine Chance hatten diese Stufe zu erreichen aber das ist heutzutage normalerweise nicht mehr der Fall und das mit Warren Jeffs ist eigentlich vergleichbar mit Islam und dem IS. Meine Gastfamilie geht schon jeden Sonntag in die Kirche aber das ist eigentlich normal in Texas, unabhängig von der Glaubensrichtung.

Auf dem Rückweg hatte es noch einmal drei Umfälle und deshalb hatten wir ziemlich viel länger um zurückzukommen weil es immer mitten im nirgendwo war aber wir hatten Kartenspiele dabei und so ist die Zeit eigentlich noch schnell vorbeigegangen.

Wir sind dann etwa um 8 Uhr wieder in Las Vegas angekommen und Angel, Aleena (meine “Gasttante”) und ich sind noch shoppen gegangen. Eigentlich wollten wir nur so eine halbe Stunde gehen aber schlussendlich sind es 3 Stunden geworden aber wir haben Spass gehabt. Auf dem Rückweg sind wir am Hotel vorbeigekommen von dem das Vegas Shooting vor zwei Jahren aus war, bei dem 58 Menschen gestorben und über 800 verletzt worden sind. Auf der Strassenseite vis-a-vis hatte es eine Tankstelle die “#vegasstrong” auf dem Leuchtschild hatte und Aleena hat ein Tattoo im Zusammenhang damit. So im Alltag hat man nichts mehr davon mitbekommen aber es ist schon immer noch präsent. 

Rückreise

Am nächsten Tag sind wir am morgen losgefahren, zuerst wollten wir noch zum Grand Canyon gehen aber für das hätten wir sehr früh aufstehen müssen und es war sehr kalt und es wäre nicht soo anders vom Zion National Park gewesen, also haben wir das weggelassen und haben dafür ein paar Stunden länger geschlafen. Am ersten Tag sind wir 8 Stunden gefahren und haben dann in Gallup, New Mexico in einem Hotel übernachtet. Zum Abendessen sind wir ein ein Restaurant mit typischem Südstaatenessen gegangen, und es war sehr lecker aber auch schwer. Ich habe Fried Chicken, Fried Okra (das ist so ein schottenförmiges Gemüse das ein bisschen schleimig ist, es schmeckt besseres es sich jetzt anhört) und Fried Apples gegessen. Es war sehr kalt und hatte etwa 30cm Schnee und die Strassen waren vereist.

Mein sehr frittiertes Znacht

Am nächsten Morgen sind wir schon um 6 aufgestanden um loszufahren. Es ist noch kälter geworden, in der Wüste hatte es teilweise -20° Celcius

Die verschneite Steppe

Einen Teil sind wir auch auf der echten Route 66 gefahren. Weil die Strassen vereist waren haben wir viele Trucks gesehen, die von der Strasse abgekommen sind und einfach neben dar Strasse gestanden oder umgekippt sind, mit der Zeit habe ich aufgehört zu zählen weil es einfach zu viele waren. Insgesamt sind wir so um die 4h Stunden einfach gestanden weil es immer wieder Umfälle gegeben hat die erst mal aus dem Weg geräumt werden mussten. Einmal hatte es einen kleinen Hang neben der Strasse und Mia (die jüngste Gastschwester) und Bradley (Der Cousin der mit uns gefahren ist weil er und Aleena noch eine Woche zu uns gekommen ist), sind Schlitteln gegangen. Meistens haben wir einfach noch die Spuren im Schnee gesehen und einmal hat es blaue Autoteile über die ganze Strasse verstreut gehabt aber das Wrack war nicht mehr dort. Ein bisschen später als wir wieder einmal gestanden sind ist ein Krankenwagen auf dem Grasstreifen in der Mitte im Schnee an uns vorbeigeholpert weil fast alles riesige Lastwagen waren die nicht ausweichen konnten. Bei diesem Unfall haben wir das Autowrack noch gesehen, es ist auf dem Dach gelegen.  

Der Stau hat hauptsächlich aus Lastwagen bestanden.

Uns ist zum Glück nichts passiert und wir sind heil zu Hause angekommen.

Liebe Grüsse aus Texas,

Anna

Die Hälfte ist schon vorbei!

Kaum zu glauben, aber ich befinde mich jetzt so ziemlich in der Mitte meines Austauschjahres in Südafrika. Ich weiss gar nicht, was ich davon halten soll. Einerseits freue ich mich jetzt schon tierisch darauf meine Familie und Freunde in der Schweiz wiederzusehen, andererseits kann ich es mir gar nicht vorstellen meine Gastfamilie und Freunde, welche mir sehr ans Herz gewachsen sind, zu verlassen. Ich sollte mir darüber aber noch keine Gedanken machen. Immerhin habe ich noch fünf Monate vor mir.

Nele ist inzwischen umgezogen, allerdings nicht mit ihrer Gastmutter nach Pretoria, sondern zu einer anderen Familie hier in Nelspruit. Ihre Gastmutter konnte sie nun doch nicht mitnehmen. Das Gute ist, dass wir uns immer noch in der Schule sehen und sie ist auch sehr zufrieden mit ihrer neuen Familie.

Weihnachten ist jetzt schon mehrere Wochen her. Anders als in der Schweiz wird der 24. Dezember hier nicht gross gefeiert, der 25. Dezember dagegen schon. So kam es, dass ich Heiligabend grösstenteils mit Nele bei der Arbeit ihrer Gastmutter verbrachte. Sie arbeitet im Labor und untersucht vor allem Blutproben auf Malaria und andere Krankheiten. Sie wollte uns mal mitnehmen um uns ihre Arbeit zu zeigen. Es war sehr interessant zu sehen wie sich Malaria infiziertes Blut und auch andere Krankheiten unter dem Mikroskop zeigen. Wir liessen uns sogar von einer Krankenschwester Blut abnehmen und konnten einen Blick auf unser eigenes Blut werfen und unsere Blutgruppe bestimmen. Dies ist nun wirklich keine typische Aktivität an Heiligabend, aber es war echt spannend. Am Abend traf sich die ganze Familie bei den Grosseltern wo es eine grosse Vielfalt an Essen gab und die jüngeren Kinder schon ein paar Geschenke öffnen durften. Eigentlich darf man dass nämlich erst am 25. Dezember. Darum warteten wir noch bis Mitternacht bevor wir unsere Geschenke öffneten. Am 25. Dezember fuhren wir zum Haus des Onkels wo wir einen Braai hatten. Alles in Allem war Weihnachen echt schön, auch wenn meine eigene Familie so weit weg ist. Vom Onkel bekam ich übrigens ein ganz besonderes Geschenk: ein Küken! Auf seiner Farm rennen eine Menge Hühner herum von denen ich mir ein Küken aussuchen durfte. Es wohnt nun in meinem Zimmer in einer Box und rennt tagsüber durch das ganze Haus. Es hält mich ganz schön auf Trab, da ich es vor unseren zwei Hunden und der Katze beschützen muss. Es hat sich eine wahre Hass-Liebe zwischen ihm und uns entwickelt. Es schreit ununterbrochen, wenn es hungrig ist, Aufmerksamkeit möchte, oder auch einfach so. Mein Gastvater redet ständig darüber, eines Tages ein Chicken Stew aus ihm zu kochen. Auch wenn es sehr nervig sein kann und es mich schon einige Male an den Wochenenden um sechs Uhr morgens geweckt hat, werde ich es mit aller Kraft vor dem Stew bewahren. Es ist einfach zu niedlich wie es jedes Mal in meiner Hand einschläft.

Silvester haben wir nicht gross gefeiert. Feuerwerk ist hier illegal, aber man darf es an bestimmten Orten abfeuern. Einer dieser Orte war eigentlich das grosse Stadion in Nelspruit. Als wir dort ankamen war es jedoch abgeschlossen und wir fuhren zurück zur Farm wo wir nur “leises” Feuerwerk anzündeten, um die Tiere nicht zu erschrecken.

Die Schule hat am 9. Januar wieder angefangen. Da hier das Schuljahr im Januar beginnt, gehe ich nun in die 11. Klasse und habe neue Lehrer und auch zum Teil neue Mitschüler. Es ist gerade Sportsaison der Schulen. Letzte Woche hatten wir an meiner Schule Interhouse, wobei zum Unterschied zum Hinterhigh die Schüler innerhalb einer Schule in verschiedenen Leichtathletikdisziplinen gegeneinander antreten. Beim Interhigh treten verschiedene Schulen gegeneinander an. Die ersten Drei in jeder Disziplin haben sich automatisch für die Interhigh qualifiziert. Ich habe beim 1500 Meter Lauf mitgemacht. Da bei diesem nur zwei andere Mädchen meines Jahrgangs mitgemacht haben, habe ich mich qualifiziert. Jetzt muss ich Montags bis Donnerstags jeden Nachmittag eine Stunde trainieren, und dass bei den hohen Temperaturen. Aber es macht auch Spass.

Gestern habe ich zum ersten Mal eine Schlange in der Hand gehalten! Wir haben gestern zum zweiten Mal die “Schlangenfänger”, wie ich sie nenne, beim Eingang der Farm angetroffen. Dass ist eine Familie, die sich für das Wohl der Schlangen einsetzt. Man kann sie anrufen, wenn man auf seinem Grundstück eine Schlange findet. Sie fangen Schlangen und lassen sie außerhalb der Stadt wieder frei oder zeigen sie bei Aufklärungsarbeiten. Damit wollen sie verhindern, dass die Bevölkerung aus Angst Schlangen tötet. Als wir sie das erste Mal getroffen haben, hatten sie eine Ägyptische Kobra dabei, die natürlich viel zu giftig ist um sie mit der ungeschützten Hand zu halten. Auch gestern hatten sie eine hochgiftige Puffotter dabei, aber auch eine Baby Python und eine Kornnatter, welche ich auf der Hand halten durfte. Sie fühlen sich viel geschmeidiger und weicher an als ich erwartet hatte.

Nächsten Freitag geht es auf nach Pretoria zur Mid-Orientation. Ich freue mich schon sehr die anderen Austauschschüler wiederzusehen. Wir werden uns sicher eine Menge zu erzählen haben.